{"id":10163,"date":"2022-10-31T08:00:28","date_gmt":"2022-10-31T07:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=10163"},"modified":"2024-10-15T09:44:34","modified_gmt":"2024-10-15T07:44:34","slug":"wenn-das-kein-grund-zum-feiern-ist-300-jahre-wtk-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/10\/31\/wenn-das-kein-grund-zum-feiern-ist-300-jahre-wtk-i\/","title":{"rendered":"Wenn das kein Grund zum Feiern ist: 300 Jahre WTK&nbsp;I!"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10169\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10169\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10169\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1.jpg 1036w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1-643x1024.jpg 643w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1-768x1223.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Autograph-Titelblatt-jpg-1-964x1536.jpg 964w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10169\" class=\"wp-caption-text\">Titelseite des WTK\u00a0I-Autographs (<a href=\"https:\/\/digital.staatsbibliothek-berlin.de\/werkansicht\/?PPN=PPN813072077\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">D-B Mus.ms. Bach P 415<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Das Jahr 2022 scheint an musikalischen Jubil\u00e4en besonders reich zu sein: Selbst wenn wir in diesem Forum die runden Geburtstage eines John Williams oder Elton John aus naheliegenden Gr\u00fcnden ungefeiert vor\u00fcberziehen lassen, so reicht die Palette unserer Tribute in diesem Jahr doch schon von <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/06\/06\/johann-kuhnau-zum-300-todestag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kuhnau<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/04\/11\/eine-unklare-stelle-in-brahms-vier-ernsten-gesaengen-op-121\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brahms<\/a> und <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/05\/23\/zwischen-den-stuehlen-ein-portraet-cesar-francks-zum-200-geburtstag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Franck<\/a> bis hin zu <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?s=Skrjabin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alexander Skjrabin<\/a>. Keine Frage, dass alle diese Komponisten gewichtige Werke hinterlassen haben und im Henle-Katalog zentrale Positionen besetzen. Aber der Jubilar des heutigen Beitrags stellt sie alle in den Schatten: Johann Sebastian Bachs <em>Wohltemperiertes Klavier<\/em> Teil I! Diese von Bach 1722 in einer akuraten Reinschrift mit aufwendigem Titelblatt festgehaltene Sammlung von 24 Pr\u00e4ludien und Fugen \u201eZum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem studio schon habil seyenden\u201c begleitet seit nunmehr 300 Jahren praktisch jeden, der sich dem Klavier auch nur ansatzweise n\u00e4hert und entsprechend bewegt ist ihre Geschichte \u2013 auch im Henle Verlag, wo sie uns nun auch schon \u00fcber 70 Jahre besch\u00e4ftigt.<!--more--><\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck ins Jahr 1722: Mit seiner in Fachkreisen heute gerne WTK\u00a0I abgek\u00fcrzten Sammlung von \u201ePraeludia und Fugen durch alle Tone und Semitonia\u201c reagierte Bach damals auf die Bem\u00fchungen um die bis heute g\u00fcltige, temperierte Simmung von Klavierinstrumenten, bei der alle Tonarten gleich gut klangen und ohne Umstimmung musizierbar waren. Gleicherma\u00dfen als \u00dcbungsmaterial zur Erlangung pianistischer F\u00e4higkeiten wie als Beispielsammlung zur sch\u00f6pferischen Durchdringung des Kontrapunkts gedacht, wandte sich die Sammlung zun\u00e4chst mal an Bachs eigene Sch\u00fcler und Kinder. Zahlreiche noch heute erhaltene Abschriften von Sch\u00fclern und Enkel-Sch\u00fclern Bachs belegen die breite und nachhaltige Verbreitung zu Lebzeiten des Komponisten. Aber auch danach sollte das WTK\u00a0I \u2013 im Gegensatz zu vielen anderen Kompositionen des Thomaskantors \u2013 nicht in Vergessenheit geraten: Um die Mitte des 18. Jahrhunderts findet man Abschriften davon in Verkaufskatalogen angeboten. Autoren wie Friedrich Marpurg oder Johann Philipp Kirnberger druckten Ausz\u00fcge daraus in ihren musiktheoretischen Schriften ab. Sammler wie Gottfried van Swieten nahmen es in ihre Bibliothek auf, wo die n\u00e4chste Komponistengeneration es studieren konnte \u2013 wie durch Abschriften, Bearbeitungen oder briefliche \u00c4u\u00dferungen eines Wolfgang Amad\u00e9 Mozart oder Ludwig van Beethoven eindr\u00fccklich belegt.<\/p>\n<div id=\"attachment_10173\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10173\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10173\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-1024x748.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-1024x748.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-300x219.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-768x561.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-1536x1121.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Simrock-titelblatt-2048x1495.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10173\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstausgabe von N. Simrock (<a href=\"https:\/\/digital-stadtbibliothek.luebeck.de\/viewer\/image\/1559124139195\/3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">D-L\u00dch Mus S 116<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Im Zuge der ab Mitte der 1790er-Jahre bei verschiedenen Verlagen in Fortsetzungssammlungen erschienenen <em>Oeuvres complettes<\/em> der Klavierwerke eines Mozart oder Haydn wandte sich das verlegerische Interesse auch Bach zu. Um 1800 gaben mit Hans Georg N\u00e4geli (Z\u00fcrich), Nikolaus Simrock (Bonn) und dem Bureau de Musique Hoffmeister &amp; K\u00fchnel (Wien\/Leipzig) gleich drei Unternehmen in direkter Konkurrenz Druckausgaben des WTK\u00a0I heraus. Diesen ersten Drucken sollte im 19. Jahrhundert eine wahre Flut folgen. Praktisch jeder Verlag, der etwas auf sich hielt, hatte (mindestens) eine Ausgabe im Programm. Denn angesichts der p\u00e4dagogischen Bedeutung der Sammlung fanden sich immer mehr Pianisten, die in gezielt \u201ef\u00fcr die Praxis bezeichneten\u201c Ausgaben jene von Bach in seiner Niederschrift nicht festgehaltenen Parameter wie Tempo, Dynamik, Fingersatz oder Phrasierung erg\u00e4nzten. Carl Czernys 1837 bei Peters in Leipzig erschienene Ausgabe steht am Anfang dieser Tradition von \u201einstruktiven Ausgaben\u201c, die in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts von Pianisten und Komponisten wie Carl Reinecke, Robert Franz oder Ferruccio Busoni mit immer mehr Informationen zu Ausf\u00fchrung und Verst\u00e4ndnis des Werks angereichert wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_10189\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10189\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10189\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"508\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1.jpg 1136w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1-725x1024.jpg 725w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1-768x1084.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Bsp.-aus-Busoni-Ausgabe-1-1088x1536.jpg 1088w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10189\" class=\"wp-caption-text\">Das Pr\u00e4ludium C-Dur (BWV 846) in der Ausgabe von Ferruccio Busoni<\/p><\/div>\n<p>Dass in diesen Ausgaben mitunter nicht mehr ganz klar erkennbar war, was im Notentext nun eigentlich wirklich von Bach und was vom Herausgeber stammte, liegt auf der Hand \u2013 und f\u00fchrte zur unvermeidlichen Gegenbewegung, die wir heute mit dem Begriff Urtext verbinden. So legte Franz Kroll bei Peters schon 1862 einen von (fast) allen Zus\u00e4tzen befreiten Notentext vor, der auch Grundlage seiner Edition f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bach-Gesellschaft_Leipzig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alte Bach-Gesamtausgabe<\/a> war, die bis heute als Meilenstein der Bach-Forschung gilt. Weitere (mehr oder minder) textkritische Editionen in anderen Verlagen folgten, freilich immer begleitet von den instruktiv bezeichneten Ausgaben, die beim breiten Publikum so gut ankamen und sich \u00fcber Generationen auf dem Markt hielten.<\/p>\n<p>Genau diese bezeichneten Ausgaben waren bekanntlich einer der zentralen Beweggr\u00fcnde f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/guenter-henle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G\u00fcnter Henle<\/a>, 1948 einen Verlag zu gr\u00fcnden, in dem es ausschlie\u00dflich um Urtext ging. Und auch hier kam und kommt dem WTK\u00a0I eine wichige Bedeutung zu: Erschienen 1950 rangiert es neben Klavierwerken von Mozart, Beethoven und Schubert im Henle-Katalog unter den ersten 10 Titeln \u2013 und geh\u00f6rt bis heute zu den Bestsellern des Verlags. Otto von Irmer er\u00f6ffnete das Vorwort zu seiner Ausgabe damals mit der programmatischen Feststellung:<\/p>\n<p><em>Diese Urtext-Ausgabe gibt dem \u201eWohltemperierten Klavier\u201c die von Bach gewollte Freiheit der Gestaltungsm\u00f6glichkeit wieder. Denn Bach hat Tempo und Dynamik niemals festgelegt, sondern aus dem inneren Gesetz des Werkes frei entwickeln lassen. Jede Vorschrift eines Herausgebers w\u00fcrde das Werk zur Erstarrung bringen und den Zugang zum eigentlichen Wesen der Bachschen Musik versperren.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_10195\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10195\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10195\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-scaled.jpg 1940w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-776x1024.jpg 776w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-768x1013.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-1164x1536.jpg 1164w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/vorwort-Aufl-B-1552x2048.jpg 1552w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10195\" class=\"wp-caption-text\">Vorwort der Irmer-Ausgabe (1950)<\/p><\/div>\n<p>Diesen reinen Urtext aus der breiten handschriftlichen \u00dcberlieferung des Werkes erst einmal herauszufinden, war freilich keine leichte Aufgabe. Denn in mancher Abschrift war nicht nur der Inhalt der Sammlung, sondern auch Bachs Handschrift so gut kopiert, dass sie sp\u00e4ter irrt\u00fcmlich als weiteres Autograph bewertet wurde. So ging man bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts noch von vier Autographen zum WTK\u00a0I aus, in denen eine Vielzahl vermeintlich autorisierter Varianten \u00fcberliefert war, deren chronologische Einordnung und Bewertung editorische Probleme aufwarf.<\/p>\n<p>Die in unserem Verlagsarchiv mehrere Ordner f\u00fcllende Korrespondenz zwischen dem Herausgeber und G\u00fcnter Henle belegt, dass die kritische Auseinandersetzung mit den Quellen in st\u00e4ndiger Ber\u00fccksichtigung der aktuellen Bach-Forschung auch nach Erscheinen der Ausgabe fortgesetzt und durch externe Berater unterst\u00fctzt wurde. Bei jeder neuen Auflage des WTK\u00a0I wurden die neuesten Erkenntnisse eingearbeitet: So ging man 1960 dann nur noch von <em>einem<\/em> Autograph aus, das als \u201ezuverl\u00e4ssigste Quelle\u201c bei den Varianten bevorzugt wurde. Andererseits nahm man mehr Verzierungen aus den Sch\u00fcler-Abschriften aus Bachs direktem Umfeld auf, die wichtige Hinweise auf die zeitgen\u00f6ssische Auff\u00fchrungspraxis dieser Musik gaben.<\/p>\n<p>Bis in das Jahr 1997 wurde der Text immer wieder intern auf den Pr\u00fcfstand gestellt, dann war die Zeit reif f\u00fcr eine grundlegende Revision der Ausgabe: Auf Basis der zahlreichen Neuerkenntnisse der Bach-Forschung sichtete Herausgeber <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/ernst-guenter-heinemann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst-G\u00fcnter Heinemann<\/a> erneut s\u00e4mtliche Quellen und legte eine <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Das+Wohltemperierte+Klavier+Teil+I+BWV+846-869_14\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuausgabe<\/a> vor, in der das <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/media\/foreword\/0014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorwort<\/a> erstmals eine detaillierte Bewertung der \u00dcberlieferung und die <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/media\/review\/0014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bemerkungen<\/a> eine Einordnung der Varianten in verschiedene Revisionsstufen des Werks liefern. Als Stichvorlage der Neuausgabe diente damals die aktuelle Auflage der Irmer-Edition. W\u00e4hrend der musikalische Haupttext fast unver\u00e4ndert blieb, gab es bei den Verzierungen und Varianten einen gro\u00dfen Korrekturbedarf, durch den das WTK\u00a0I auf den aktuellen Forschungsstand gehoben wurde \u2013 wie man es von den Urtext-Ausgaben des Henle Verlags erwarten darf.<\/p>\n<div id=\"attachment_10197\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10197\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10197\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-300x264.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-1024x900.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-768x675.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-1536x1350.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Stvrlg-und-Bemerkungen-1-2048x1800.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10197\" class=\"wp-caption-text\">links: Stichvorlage f\u00fcr die revidierte Ausgabe; rechts: aus den Bemerkungen der revidierten Ausgabe<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Portraits-kuerzer.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10204 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Portraits-kuerzer.jpg\" alt=\"\" width=\"113\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Portraits-kuerzer.jpg 270w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Portraits-kuerzer-77x300.jpg 77w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/Portraits-kuerzer-264x1024.jpg 264w\" sizes=\"(max-width: 113px) 100vw, 113px\" \/><\/a>Der praktische Aspekt seiner Urtext-Ausgaben war G\u00fcnter Henle freilich auch ein besonderes Anliegen, weswegen die Klavierausgaben des Verlags von Anbeginn mit Fingersatz ausgestattet wurden. Auch hier spiegelt das WTK\u00a0I verschiedene Epochen der Verlagsgeschichte wider: In den 50er-Jahren erschien die Ausgabe mit dem Fingersatz von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/walther-lampe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Walther Lampe<\/a>, einem bekannten Pianisten und angesehenen P\u00e4dagogen, bei dem G\u00fcnter Henle in jungen Jahren selbst Unterricht genommen hatte. Lampe nahm damals als enger Berater G\u00fcnter Henles regen Anteil an den ersten Verlagsprodukten und steuerte wichtige praktische Erfahrungen zu den Editionen bei. 1973 wurde Lampes Fingersatz bei einer Neuauflage des Werks durch eine sparsamere Bezeichnung von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/hans-martin-theopold\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans-Martin Theopold<\/a> ersetzt, 2007 sollte schlie\u00dflich kein Geringerer als <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/andras-schiff\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andr\u00e1s Schiff<\/a> gewonnen werden, um die inzwischen erschienene Neuausgabe durch seine spielpraktischen Angaben zu adeln. Der gefeierte Bach-Interpret liefert zur aktuellen Ausgabe des WTK\u00a0I aber nicht nur seinen wohl\u00fcberlegten Fingersatz, sondern erl\u00e4uert in einem ausf\u00fchrlichen <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/media\/foreword\/0014.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorwort<\/a> auch seine Vorstellungen zur klanglichen Gestaltung des Werkes.<\/p>\n<p>Die reichhaltige Korrespondenz zwischen dem Pianisten und Verlagsleiter <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/wolf-dieter-seiffert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolf-Dieter Seiffert<\/a> sowie Lektor Ernst-G\u00fcnter Heinemann gibt noch heute Einblick, wie intensiv hier vor Erscheinen der Ausgabe jedes Detail diskutiert wurde. So hatte man offenbar an einem gemeinsamen Abend die Ausf\u00fchrung des intrikaten Arpeggios am Ende des d-moll-Praeludiums (T. 25 f.) diskutiert, aber nicht niedergeschrieben \u2013 weswegen Wolf-Dieter Seiffert den Maestro Schiff dann per Email um \u201eein \u201aBachautograph\u2018 aus Ihrer Hand\u201c bittet, das die Sachlage kl\u00e4rt.<\/p>\n<div id=\"attachment_10206\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10206\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10206\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-300x156.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-1024x533.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-768x399.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-1536x799.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/d-Moll-Prael-mit-Bemerkung-kleiner-2048x1065.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10206\" class=\"wp-caption-text\">links: T. 25f. des Pr\u00e4ludiums in d-Moll; rechts: aus den Bemerkungen<\/p><\/div>\n<p>Umgekehrt erl\u00e4utert Schiff dem Verlagslektor Heinemann in einem ausf\u00fchrlichen Schreiben zu Fingersatzfragen, warum er in der gis-moll-Fuge die Tonwiederholung am Schluss des Themas ohne Fingerwechsel spielt und illustriert seine musikalische Assoziation an dieser Stelle mit der Textunterlegung \u201eet incarnatus est\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_10191\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10191\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10191\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"95\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-300x57.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-1024x194.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-768x145.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-1536x291.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/10\/WTK-I-Schiff-Brief-2048x388.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10191\" class=\"wp-caption-text\">Schiff an Heinemann, 05.08.2006<\/p><\/div>\n<p>Na, neugierig geworden auf unseren Jubilar WTK\u00a0I? Dann sp\u00fcren Sie dieser Deutung des gro\u00dfen Bach-Interpreten doch gleich in unserer Ausgabe nach\u2026 oder lehnen Sie sich einfach zur\u00fcck und lauschen Sie der wunderbaren Gesamtauff\u00fchrung durch Andr\u00e1s Schiff.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Bach Das Wohltemperierte Klavier The Well Tempered Clavier Book I Andr\u00e1s Schiff\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ugc5FZsycAw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2022 scheint an musikalischen Jubil\u00e4en besonders reich zu &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/10\/31\/wenn-das-kein-grund-zum-feiern-ist-300-jahre-wtk-i\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[78,87,310,388,347,301,3],"tags":[703,47,769],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10163"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10163"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11354,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10163\/revisions\/11354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}