{"id":10318,"date":"2022-12-12T08:00:10","date_gmt":"2022-12-12T07:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=10318"},"modified":"2022-12-13T11:19:01","modified_gmt":"2022-12-13T10:19:01","slug":"bezaubernd-und-liebenswuerdig-george-gershwins-lullaby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/12\/12\/bezaubernd-und-liebenswuerdig-george-gershwins-lullaby\/","title":{"rendered":"&#8220;bezaubernd und liebensw\u00fcrdig&#8221;: George Gershwins Lullaby"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/HN-1224.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-10322\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/HN-1224.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/HN-1224.jpg 585w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/HN-1224-227x300.jpg 227w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a>George Gershwin wurde viel zu fr\u00fch, mit 38 Jahren, aus dem Leben gerissen und wir k\u00f6nnen heute nur ahnen, welche Meisterwerke er neben seinen vielen Musicals auch der klassischen Musikwelt bis ins hohe Alter hinterlassen h\u00e4tte. Am Broadway hatte er bereits alles erreicht, was man sich w\u00fcnschen kann. Doch seine Reise in die Sph\u00e4ren der Carnegie Hall hatte der 26j\u00e4hrige erst 1924 mit der <em>Rhapsody in Blue<\/em> begonnen. 12 Jahre blieben ihm, um einige der bedeutendsten Orchester- und Opernwerke der amerikanischen Geschichte zu schreiben. Einige wenige Klavierwerke sollten entstehen und ein einziges Kammermusikwerk, der Streichquartettsatz <em>Lullaby <\/em>(<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Lullaby_1224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1224<\/a>).<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gershwin.com\/george\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gershwin<\/a> selbst k\u00fcmmerte sich zu Lebzeiten nicht um eine Ver\u00f6ffentlichung des kleinen St\u00fccks. Erst im April 1968 erschien die Erstausgabe als Taschenpartitur bei New World Music Corp. in New York. Darin findet sich ein aufschlussreiches Vorwort aus der Feder des Bruders <a href=\"https:\/\/gershwin.com\/the-gershwin-brothers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ira Gershwin<\/a> (1896\u20131983), das die wenigen wesentlichen Fakten zur Entstehung des <em>Lullaby <\/em>liefert. Es wird unver\u00e4ndert auch heute noch in einem Nachdruck samt Stimmenmaterial bei Alfred Publishing Co., Van Nuys (Kalifornien), wiedergegeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_10327\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin.jpeg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10327\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10327\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin.jpeg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin.jpeg 1173w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin-237x300.jpeg 237w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin-809x1024.jpeg 809w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/George_Gershwin-768x972.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10327\" class=\"wp-caption-text\">Foto: wikimedia commons<\/p><\/div>\n<p>Gershwin schrieb dieses St\u00fcck vermutlich als eine Kompositions\u00ad- und Instrumentierungs\u00fcbung im Rahmen seines Unterrichts bei <a href=\"https:\/\/guides.lib.fsu.edu\/kilenyi\/ekilenyisr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Edward Kilenyi<\/a>, dem ungarischen Komponisten und Violinisten des Waldorf\u00ad-Astoria Orchestra. Sein Bruder Ira nennt 1919\/20 als den Zeitrahmen des Entstehens, die Jahre also, in denen George nachweislich intensiv das Komponieren im \u201eklassischen Stil\u201c studierte. \u201eAls Quartett wurde es in den n\u00e4chsten Monaten mehrmals im privaten Rahmen bei seinen vielen Musikfreunden gespielt, bevor \u2013 manchmal auch nachdem \u2013 man sich der seri\u00f6seren Besch\u00e4ftigung mit klassischen Quartetten und Quintetten zuwandte\u201c, wei\u00df Ira Gershwin zu berichten.<\/p>\n<p>Offenbleiben muss, ob Gershwin das Hauptthema des Satzes zun\u00e4chst als Melodie in einem Song f\u00fcr Klavier solo verwendete. \u00dcberliefert ist ein autographes Fragment f\u00fcr dieses Instrument, das aus den Takten 9\u201336 der Streichquartett\u00ad-Fassung besteht, jedoch nicht genau zu datieren ist. Es macht eher den Eindruck einer abgebrochenen Reinschrift mit sp\u00e4teren Korrekturen, weniger den einer ersten Niederschrift des St\u00fccks. So k\u00f6nnte diese Fassung auch deutlich sp\u00e4ter als diejenige f\u00fcr Streichquartett entstanden sein. Letztere liegt uns bedauerlicherweise nicht als Autograph vor, sondern lediglich in einer Stimmenabschrift durch einen unbekannten Kopisten.<\/p>\n<div id=\"attachment_10326\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10326\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10326\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-scaled.jpg 1815w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-213x300.jpg 213w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-726x1024.jpg 726w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-768x1083.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-1089x1536.jpg 1089w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/12\/Seite-1-1452x2048.jpg 1452w\" sizes=\"(max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10326\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Lullaby_7224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 7224<\/a><\/p><\/div>\n<p>Gershwin fand offensichtlich weiterhin Gefallen an der eing\u00e4ngigen Melodie, denn wenige Jahre sp\u00e4ter verarbeitete er sie erneut. F\u00fcr die Broadway Revue <em>George White\u2019s Scandals of 1922<\/em>, bei der Gershwin f\u00fcr die Musik verantwortlich war, komponierte er einen kurzen Operneinakter <em>Blue Monday Blues<\/em>, in dem er <em>Lullaby <\/em>zitiert und als musikalische Inspirationsquelle nutzt \u2013 am offensichtlichsten in der Arie \u201eHas Anyone Seen My Joe\u201c. Ira Gershwin sieht in dieser \u00dcbernahme des Materials aus dem Streichquartettsatz den Grund daf\u00fcr, dass <em>Lullaby <\/em>in seiner Originalfassung sp\u00e4ter beim Komponisten in Vergessenheit geriet, \u201eich w\u00fcsste nicht, dass er es jemals wieder erw\u00e4hnt h\u00e4tte\u201c.<\/p>\n<p>Es ist wohl <a href=\"http:\/\/arsc-audio.org\/blog\/2016\/12\/30\/the-librarian-as-activist-harold-spivacke-and-recorded-sound\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Harold Spivacke<\/a>, dem damaligen Leiter der Musikabteilung der Library of Congress zu verdanken, dass dieses einzige erhaltene Kammermusikwerk aus der Feder George Gershwins schlie\u00dflich 1967 doch noch in seiner Originalfassung ans Tageslicht kam. Ira Gershwin, der mit der Verwaltung und dem Ordnen von Georges musikalischem Nachlass betraut war, \u00fcbersandte Spivacke im M\u00e4rz des Jahres Reproduktionen des erhaltenen Stimmenmaterials, mit dem jener das Juilliard String Quartet bekannt machte. Damit begann die verdiente Erfolgsgeschichte dieser charmanten Miniatur. Dem <a href=\"https:\/\/www.juilliard.edu\/news\/153881\/75-years-juilliard-string-quartet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Juilliard String Quartet<\/a> sollte es vorbehalten sein, den kurzen Quartettsatz in der originalen Besetzung am 29. Oktober 1967 in der Library of Congress erstmals \u00f6ffentlich zu Geh\u00f6r zu bringen.<\/p>\n<p>\u201eEs mag vielleicht nicht der Gershwin der <em>Rhapsody in Blue<\/em>, des <em>Concerto in F <\/em>oder eines seiner anderen konzertanten Werke sein,\u201c schreibt Ira, \u201eaber ich finde <em>Lullaby <\/em>bezaubernd und liebensw\u00fcrdig.\u201c Diesem Urteil kann ich mich nur anschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>George Gershwin wurde viel zu fr\u00fch, mit 38 Jahren, aus &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/12\/12\/bezaubernd-und-liebenswuerdig-george-gershwins-lullaby\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10318"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10318"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10343,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10318\/revisions\/10343"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}