{"id":10508,"date":"2023-05-08T08:00:14","date_gmt":"2023-05-08T06:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=10508"},"modified":"2024-09-06T12:00:48","modified_gmt":"2024-09-06T10:00:48","slug":"zur-erstfassung-von-verdis-streichquartett-interview-mit-anselm-gerhard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2023\/05\/08\/zur-erstfassung-von-verdis-streichquartett-interview-mit-anselm-gerhard\/","title":{"rendered":"Zur Erstfassung von Verdis Streichquartett \u2013 Interview mit Anselm Gerhard"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10512\" style=\"width: 258px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1.jpeg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10512\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10512\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1-183x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1-183x300.jpeg 183w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1-625x1024.jpeg 625w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1-768x1258.jpeg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1-938x1536.jpeg 938w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/Giuseppe_Verdi___F_Mulnier_.Mulnier_Ferdinand_btv1b84254951_1.jpeg 956w\" sizes=\"(max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10512\" class=\"wp-caption-text\">Giuseppe Verdi (1813\u20131901), Fotografie von Ferdinand Mulnier, um 1875<\/p><\/div>\n<p>Unsere k\u00fcrzlich erschienene Neuedition von Giuseppe Verdis Streichquartett in e-moll (Studien-Edition <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Streichquartett-e-moll\/HN-7588\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 7588<\/a> sowie Urtext-Stimmenedition <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Streichquartett-e-moll\/HN-1588\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1588<\/a>) wartet mit einer kleinen Sensation auf. Denn der Herausgeber, der Verdi-Forscher <a href=\"https:\/\/www.musik.unibe.ch\/ueber_uns\/personen\/emeriti\/prof_dr_gerhard_anselm\/index_ger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anselm Gerhard<\/a>, emeritierter Professor f\u00fcr Musikwissenschaft in Bern, entdeckte vor kurzem im Nachlass des Komponisten eine bis dato unbekannte Erstfassung (als Anhang enthalten in HN 7588 sowie als Stimmenedition verf\u00fcgbar in der Henle Library App). Zur Geschichte dieser Entdeckung und zu den Konsequenzen in der Einsch\u00e4tzung dieses einzigen gr\u00f6\u00dferen Kammermusikwerks Verdis haben wir Anselm Gerhard zu einem Interview gebeten.<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">Peter Jost (PJ)<\/span><\/strong>: Der musikalische Nachlass Verdis ist erst seit Herbst 2019 der Forschung zug\u00e4nglich. Wie ist dieser extrem sp\u00e4te Zeitpunkt, weit mehr als hundert Jahre nach dem Tod des Komponisten, zu erkl\u00e4ren?<\/span><\/p>\n<p><strong>Anselm Gerhard (AG)<\/strong>: Wie im 19. Jahrhundert \u00fcblich gingen die definitiven Partiturhandschriften von Verdis italienischen Opern an den Ricordi-Verlag in Mailand (heute in der dortigen Nationalbibliothek), diejenigen der franz\u00f6sischen Opern an die Op\u00e9ra in Paris. Die Arbeitsmanuskripte waren dagegen Besitz des Komponisten. Was davon bei seinem Tod noch erhalten war, verblieb in seiner Villa in Sant\u2019Agata.<\/p>\n<p>Die Urenkel seiner Adoptivtochter erlaubten in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts handverlesenen Forscherinnen und Forschern Zugang zu einzelnen dieser Best\u00e4nde, die Ururenkelgeneration blockierte dagegen s\u00e4mtliche Anfragen. Dies wurde irgendwann den staatlichen Aufsichtsbeh\u00f6rden \u00fcber Privatarchive zu bunt. So wurden in zwei Schritten 2017 und 2019 diese Manuskripte de facto (und sp\u00e4ter auch de jure) enteignet. Seit 2019 sind die musikalischen Manuskripte im Staatsarchiv in Parma als Digitalisate frei zug\u00e4nglich, im Herbst 2022 konnte ich zum ersten Mal auch die Originale studieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Sie haben die im Nachlass enthaltenen Musikhandschriften vermutlich eher im Blick auf das Opernschaffen durchgesehen? Oder gab es Hinweise auf eventuell vorhandenes Material zum Streichquartett?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Zwar finden sich zu s\u00e4mtlichen seit 1849 komponierten Opern Materialien, doch sind diese offensichtlich nicht vollst\u00e4ndig. So gibt es auf unerkl\u00e4rliche Weise keine einzige Aufzeichnung zur 1864\/65 in Sant\u2019Agata komponierten Neufassung von <em>Macbeth<\/em>, und im Material zu <em>Otello<\/em> fehlen die ersten beiden Akte fast vollst\u00e4ndig. Insofern war es eine gro\u00dfe \u00dcberraschung, derart umfangreiches Material zum Streichquartett zu finden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Die eigentliche Sensation war dann aber die Entdeckung von Materialien, die eine von der bisher bekannten Druckfassung erheblich abweichende Fassung zeigen. Worum handelt es sich hier genau?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: In den Manuskripten aus Sant\u2019Agata hat sich ein vollst\u00e4ndiger, von Verdi selbst korrigierter Stimmensatz eines Berufskopisten erhalten. Und au\u00dferdem eine mit diesem Stimmensatz \u00fcbereinstimmende Partiturhandschrift Verdis, allerdings nicht ganz vollst\u00e4ndig. Nur ein Zufall d\u00fcrfte sie vor der Vernichtung bewahrt haben, denn alle Bl\u00e4tter sind in der Mitte zerrissen, waren also sehr wahrscheinlich f\u00fcr den Papierkorb bestimmt.<\/p>\n<div id=\"attachment_10513\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10513\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10513\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-300x229.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-300x229.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-1024x781.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-768x586.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-1536x1171.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_b03_023r-cut-min-2048x1562.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10513\" class=\"wp-caption-text\">Von der ersten Seite der autographen Partitur der Erstfassung hat sich nach dem Zerrei\u00dfen in zwei Teile nur die untere H\u00e4lfte erhalten (Parma, Archivio di stato).<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Erste Entw\u00fcrfe zum Streichquartett k\u00f6nnen auf sp\u00e4testens Herbst 1868 datiert werden. Insofern kann also die Komposition des Quartetts nicht so spontan \u2013 quasi als \u201ePausenf\u00fcller\u201c in erzwungenen Mu\u00dfestunden Anfang 1873 in Neapel \u2013 unternommen worden sein, wie von Verdi selbst dargestellt?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Wahrscheinlich gibt es einen wahren Kern in Verdis offensichtlich erfundener Geschichte um die spontane Komposition des Quartetts w\u00e4hrend einer unerwarteten Zwangspause in Neapel. (Zwei S\u00e4ngerinnen der dortigen <em>Aida<\/em>-Produktion waren erkrankt, so dass die Proben mehrfach verschoben werden mussten.) Denn auch wenn Verdi schon \u00fcber vier Jahre zuvor mit der Arbeit an diesem Werk begonnen hatte, ist das Auff\u00fchrungsmaterial der Erstfassung offensichtlich in gr\u00f6\u00dfter Hast hergestellt worden. Der Kopist des vollst\u00e4ndig erhaltenen Stimmensatzes hat an zahlreichen Stellen Korrekturen durch \u00dcberklebungen ausgef\u00fchrt. Und Verdi erg\u00e4nzte in diesen Stimmen eigenh\u00e4ndig die langsame Einleitung zum Finalsatz. Es ist also sehr plausibel, dass Verdi in den ersten drei Monaten des Jahres 1873 die Zeit nutzte, um sein Streichquartett, an dem er schon seit Jahren herumgedoktert hatte, nun in einer ersten auff\u00fchrbaren Fassung zu fixieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_10514\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10514\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10514\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/GV_QRT_a01_001r-min-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10514\" class=\"wp-caption-text\">Auf der ersten Seite der Kopistenabschrift der Stimme der Violine I l\u00e4sst sich erkennen, dass Verdi in letzter Minute die \u00dcberleitungspassage nach dem Kopfthema erweitert hat (Parma, Archivio di stato).<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Verb\u00fcrgt ist die erste Auff\u00fchrung des Streichquartetts am 1. April 1873 im privaten Rahmen in einem Hotel in Neapel \u2013 wie sicher ist die Annahme, dass dabei die Erstfassung erklang?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Als Philologe sollte ich vorsichtig sein: Die Quellen \u00fcberliefern kein \u201ewasserdichtes\u201c Indiz daf\u00fcr, dass der Stimmensatz und die fragmentarisch erhaltene autographe Partitur die Fassung dokumentieren, die 1873 zu h\u00f6ren war. Doch ist der Stimmensatz offensichtlich f\u00fcr eine Auff\u00fchrung angefertigt worden, wie die hinzugef\u00fcgten Studierbuchstaben erkennen lassen. Da vor der Urauff\u00fchrung der Endfassung in Paris 1876 das Quartett nur ein einziges Mal aufgef\u00fchrt wurde, ist Neapel 1873 also der einzige denkbare Anlass f\u00fcr die Erstellung dieser Handschriften.<\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: K\u00f6nnten Sie so knapp wie m\u00f6glich die Unterschiede zwischen der Erst- und der bekannten Endfassung beschreiben?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Am grundlegendsten hat Verdi den vierten Satz ver\u00e4ndert: Mit fast demselben motivischen Material ist aus einer \u201es\u00fcffigen\u201c, melodieges\u00e4ttigten, legato zu spielenden Fuge in moderatem Tempo ein entfesseltes \u201eScherzo\u201c geworden: Mit einem Tempo an der Grenze der Spielbarkeit und dem fast durchg\u00e4ngigen Staccato scheint dem Satz jegliches \u201eespressivo\u201c ausgetrieben. In dieselbe Richtung weist die Streichung der 1873 in letzter Minute hinzugef\u00fcgten langsamen Einleitung. Ganz \u00e4hnlich auch im ersten Satz: Bei der \u00dcberarbeitung hat Verdi klanglich extravagant wirkende Passagen erg\u00e4nzt, \u00dcberleitungsabschnitte demonstrieren ein erhebliches Mehr an polyphoner Ambition. Der dritte Satz hingegen ist \u2013 bis auf die Metronom-Angabe \u2013 in beiden Fassungen identisch, der zweite lediglich um einige kontrastierende Passagen erweitert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Auf der Grundlage der Henle-Edition pr\u00e4sentierte das Vogler-Quartett am 27. M\u00e4rz 2023, also fast genau 150 Jahre nach der vermuteten Erstauff\u00fchrung 1873, in Leipzig diese Erstfassung im Rahmen eines Gespr\u00e4chskonzerts. Wie war Ihr Eindruck?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Die Erstfassung ist weniger brillant als die bekannte Fassung, weniger gek\u00fcnstelt, vielleicht weniger ausgefeilt, doch in vielem spontaner. Also eine wirkliche Alternative, die auf jeden Fall die Besch\u00e4ftigung und Auff\u00fchrung lohnt.<\/p>\n<div id=\"attachment_10515\" style=\"width: 265px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10515\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10515\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-212x300.jpg 212w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-724x1024.jpg 724w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-768x1086.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/05\/HN-7588-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 255px) 100vw, 255px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10515\" class=\"wp-caption-text\">HN 7588, S. 52: Beginn des Finales der Erstfassung<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Bedenkt man die \u00fcber sieben Jahre w\u00e4hrende Besch\u00e4ftigung mit dem Streichquartett und au\u00dferdem den gro\u00dfen Erfolg dieses Werks, dr\u00e4ngt sich die Frage auf, warum Verdi keine weiteren Versuche auf diesem Gebiet unternommen hat?<\/span><\/p>\n<p><strong>AG<\/strong>: Nun: In Verdis musikalischen Manuskripten finden sich auch Entw\u00fcrfe f\u00fcr ganz kurze Streichquartetts\u00e4tze in F-Dur und G-Dur aus den Jahren um 1870, m\u00f6glicherweise also Keimzellen anderer geplanter Quartette. Doch hat diese Verdi nicht weiter ausgearbeitet. Ich vermute, dass der Zweck seines Ausflugs in die Streicherkammermusik mit der Druckver\u00f6ffentlichung des Quartetts in e-moll im Herbst 1876 erf\u00fcllt war. Er hatte sich und der Welt zeigen wollen, dass ihm auch typisch \u201edeutsche\u201c Qualit\u00e4ten zu Gebote standen: \u201edurchbrochener\u201c Satz, polyphone Kunstfertigkeiten, Instrumentalmusik ohne dramatische Funktion. Denn die Unterschiede zwischen beiden Fassungen weisen alle in dieselbe Richtung: so kunstfertig und so dicht wie m\u00f6glich, um im (manchmal nur scheinbar) kontrapunktischen Satz zu brillieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #4e8db1;\"><strong><span style=\"color: #4e8db1;\">PJ<\/span><\/strong>: Lieber Herr Gerhard, herzlichen Dank f\u00fcr dieses Interview.<\/span><\/p>\n<p>Diejenigen, die es noch genauer wissen m\u00f6chten, seien auf Anselm Gerhards soeben erschienenen ausf\u00fchrlichen Aufsatz <em>Eine Komposition \u201eohne die geringste Bedeutung\u201c. Verdis Mu\u00dfestunden in Neapel und seine mindestens sieben Jahre w\u00e4hrende Arbeit am Streichquartett in e-Moll<\/em>, in: <em>verdiperspektiven<\/em> 5\/2020 [2022], S. 59\u2013112, verwiesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere k\u00fcrzlich erschienene Neuedition von Giuseppe Verdis Streichquartett in e-moll &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2023\/05\/08\/zur-erstfassung-von-verdis-streichquartett-interview-mit-anselm-gerhard\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[87,88,6,3,407,42,848,408],"tags":[628],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10508"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10508"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11311,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10508\/revisions\/11311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}