{"id":10659,"date":"2023-10-09T08:00:08","date_gmt":"2023-10-09T06:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?p=10659"},"modified":"2023-10-09T11:44:50","modified_gmt":"2023-10-09T09:44:50","slug":"ein-schwerer-fall-chopins-h-moll-sonate-im-urtext","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2023\/10\/09\/ein-schwerer-fall-chopins-h-moll-sonate-im-urtext\/","title":{"rendered":"Ein schwerer Fall: Chopins h-moll-Sonate op. 58 im Urtext"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10661\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Chopin.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10661\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10661\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Chopin.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Chopin.jpg 617w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Chopin-224x300.jpg 224w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10661\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin (1810\u20131849)<\/p><\/div>\n<p>Die letzte Klaviersonate op. 58 von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin ist voller begl\u00fcckender musikalischer Momente. Strenge Musik-Analysten bem\u00e4ngeln bisweilen ihre etwas wuchernde Form, aber f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist die h-moll-Sonate ganz gro\u00dfe Klaviermusik. Leider auch sehr schwere Klaviermusik: Die technischen Anforderungen sind immens, und als Hobbypianist kommt man hier schnell an seine Grenzen (deswegen hier eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6Sv_zPdEaSc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufnahme<\/a> von Dinu Lipatti). Schwer ist die Sonate aber auch aus editorischer Perspektive, und diese Einsicht traf mich als Herausgeber der neuen Urtext-Ausgabe (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Klaviersonate-h-moll-op.-58\/HN-871\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 871<\/a>) etwas unerwartet.<!--more--><\/p>\n<p>Lange habe ich \u00fcber dieser Edition gebr\u00fctet und wusste nicht recht, wie man die verzwickte \u00dcberlieferungssituation in eine Urtextform gie\u00dfen kann. Die Quellenlage ist in den Worttexten (<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/HN_871_Vorwort_Preface.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorwort<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/HN_871_Bemerkungen_Comments.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bemerkungen<\/a>) zur neuen Ausgabe ausf\u00fchrlich dargestellt, diese Details m\u00f6chte ich hier nicht duplizieren. Zur unbefriedigenden Ausgangslage dennoch ein paar Eckpunkte.<\/p>\n<p>Wie in sp\u00e4ten Jahren \u00fcblich, schrieb Chopin seine Sonate in drei Autographen nieder, jedes war als Vorlage f\u00fcr die drei Erstausgaben in Frankreich, Deutschland und England gedacht. Damit schuf Chopin \u2013 vermutlich unbewusst \u2013 drei Fassungen dieser Sonate. Von diesen drei Autographen ist nur dasjenige erhalten, das als Vorlage f\u00fcr die Erstausgabe bei Breitkopf &amp; H\u00e4rtel diente \u2013 naturgem\u00e4\u00df eine zentrale Quelle, zumal das Manuskript durch gro\u00dfe Sorgfalt in der Ausf\u00fchrung besticht.<\/p>\n<p>Und die beiden anderen Fassungen? Diejenige der englischen Erstausgabe ist \u00e4u\u00dferst schlecht \u00fcberliefert. Das Autograph fehlt, der Druck ist fehlerhaft und wurde von Chopin nie kontrolliert. Diejenige der franz\u00f6sischen Erstausgabe ist hingegen viel interessanter. Obwohl wir das zugrundeliegende Autograph nicht kennen, wissen wir von einem ersten Druck, den Chopin minuti\u00f6s korrigiert haben muss, denn eine zweite Auflage weist eine F\u00fclle von \u00c4nderungen, Pr\u00e4zisierungen und Korrekturen auf. Schaut man sich den Text und die beiden Druckstadien genauer an, so kann man den Schluss ziehen, dass das verschollene Autograph vermutlich fl\u00fcchtig, ja unsauber notiert war und au\u00dferdem viele Leerstellen in der genaueren Bezeichnung von Artikulation\/Dynamik\/Pedalisierung aufwies. Chopin <em>musste<\/em> also im Druck eingreifen, um die Textqualit\u00e4t auf ein h\u00f6heres Niveau zu heben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00c4nderungen zwischen den beiden Auflagen hier ein paar Beispiele.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzungen von Arpeggio-Zeichen:<\/p>\n<div id=\"attachment_10680\" style=\"width: 311px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild1-2b.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10680\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10680 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild1-2b.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10680\" class=\"wp-caption-text\">1. Satz, T. 4,<br \/>links: franz\u00f6sische Erstausgabe, 1. Auflage;<br \/>rechts: franz\u00f6sische Erstausgabe, 2. Auflage<\/p><\/div>\n<p>Ver\u00e4nderung der Dynamik:<\/p>\n<div id=\"attachment_10679\" style=\"width: 373px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild3-4b.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10679\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10679 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild3-4b.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild3-4b.jpg 363w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild3-4b-300x165.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10679\" class=\"wp-caption-text\">1. Satz, T. 56,<br \/>links: franz\u00f6sische Erstausgabe, 1. Auflage;<br \/>rechts: franz\u00f6sische Erstausgabe, 2. Auflage<\/p><\/div>\n<p>Erg\u00e4nzung von Fingersatz, um die Handaufteilung deutlich zu machen:<\/p>\n<div id=\"attachment_10674\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild5-6.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10674\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10674\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild5-6.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"246\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10674\" class=\"wp-caption-text\">1. Satz, T. 69,<br \/>links: franz\u00f6sische Erstausgabe, 1. Auflage;<br \/>rechts: franz\u00f6sische Erstausgabe, 2. Auflage<\/p><\/div>\n<p>Schlie\u00dflich die Verdeutlichung der B\u00f6gen f\u00fcr die linke Hand zu Beginn des 3. Satzes (Chopin wollte offenbar sicherstellen, dass es sich um Legato- und nicht etwa Halteb\u00f6gen handelt).<\/p>\n<div id=\"attachment_10667\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild7.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10667\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10667\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild7.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"127\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild7.jpg 605w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild7-300x76.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10667\" class=\"wp-caption-text\">3. Satz, T. 5-8, franz\u00f6sische Erstausgabe, 1. Auflage<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_10668\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild8.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10668\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10668\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild8.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"131\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild8.jpg 605w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild8-300x78.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10668\" class=\"wp-caption-text\">3. Satz, T. 5-8, franz\u00f6sische Erstausgabe, 2. Auflage<\/p><\/div>\n<p>Diese Beispiele sind nur exemplarisch. Vergleicht man die beiden Ausgaben, ist die F\u00fclle an Unterschieden, Pr\u00e4zisierungen, Korrekturen, Erg\u00e4nzungen unermesslich. Es besteht kein Zweifel: Dieser Druck ist von Chopin selbst korrigiert worden, und die 2. Auflage ist autorisiert. Damit nicht genug: Chopin verwendete diesen auskorrigierten Druck in seinem Klavierunterricht, wie zwei erhaltene Exemplare beweisen, in denen Chopin erneut handschriftliche Eintragungen vornahm. All diese Erg\u00e4nzungen und Korrekturen liegen zeitlich <em>nach<\/em> der Niederschrift des erhaltenen Autographs.<\/p>\n<p>Fassen wir noch einmal zusammen: Es gibt drei Fassungen der h-moll-Sonate Chopins, n\u00e4mlich<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">1) eine schlecht \u00fcberlieferte \u201eenglische\u201c Fassung,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">2) eine \u201edeutsche\u201c Fassung, \u00fcberliefert in einem reinschriftlichen Autograph,<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\">3) eine \u201efranz\u00f6sische\u201c Fassung, die durch einen autorisierten Druck abgesichert ist.<\/p>\n<p>Was ist nun die Aufgabe eines Urtext-Herausgebers? Nach unserem Verst\u00e4ndnis m\u00fcssen wir eine \u201eFassung letzter Hand\u201c finden, einen Text, der den \u201eletzten Willen\u201c des Komponisten widerspiegelt. F\u00fcr welche Fassung trifft das im Fall der Chopin-Sonate zu?<\/p>\n<p>Die englische Ausgabe k\u00f6nnen wir, wie oben bereits gesagt, ausschlie\u00dfen. Ein besserer Kandidat ist zweifellos die franz\u00f6sische Fassung, denn wir wissen, dass Chopins letzte Korrekturen in diesen Text eingeflossen sind. Allerdings wissen wir auch, dass das verschollene, zugrundeliegende Autograph einen unvollkommenen Text aufwies, der noch nicht vollst\u00e4ndig ausgearbeitet war. Diese \u201efr\u00fchen\u201c Lesarten haben sich leider auch in die franz\u00f6sische Erstausgabe vererbt \u2013 wir finden dort also eine Mischung aus fr\u00fchen und sp\u00e4ten Lesarten. Die deutsche Fassung hat demgegen\u00fcber den gro\u00dfen Vorteil, auf einem nahezu perfekten Autograph zu basieren. Diese Fassung ist \u00e4u\u00dferst konsistent, bestens verb\u00fcrgt \u2013 aber die letzten Korrekturen Chopins fehlen hier. Andererseits ist die deutsche Fassung gleichzeitig die am st\u00e4rksten verbreitete. Die meistens Ausgaben aus dem 19. und 20. Jahrhundert basieren haupts\u00e4chlich auf dieser Fassung, ihre Lesarten sind in der ganzen Welt bis heute verbreitet.<\/p>\n<p>Sie ahnen, worauf es hinausl\u00e4uft: Die zwei zentralen Fassungen der Sonate, die \u201edeutsche\u201c und die \u201efranz\u00f6sische\u201c m\u00fcssen irgendwie dokumentiert werden, denn beide Fassungen sind gleicherma\u00dfen autorisiert \u2013 und beide Fassungen haben gleicherma\u00dfen Nachteile.<\/p>\n<p>Einen hartgesottenen Chopin-Herausgeber kann das noch nicht schockieren, denn Parallel-Fassungen gibt es in der Chopin-Philologie immer wieder. Normalerweise spielen sich deren Abweichungen jedoch in einem so kleinen Rahmen ab, dass man als Herausgeber einen Grundtext bieten kann, der die punktuellen Unterschiede in Fu\u00dfnoten oder Ossias dokumentiert. Bei der h-moll-Sonaten funktioniert das nicht mehr; zu zahlreich und fundamental sind die Unterschiede der Fassungen und zu sehr l\u00e4uft man Gefahr, die Notentexte zu vermischen und damit eine \u201eMeta-Fassung\u201c zu erstellen, die letztlich in keiner Quelle \u00fcberliefert ist.<\/p>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden habe ich in der neuen Urtextausgabe erstmals den Schritt gewagt, zwei Fassungen zu ver\u00f6ffentlichen. Im Haupttext ediere ich die Sonate gem\u00e4\u00df der revidierten franz\u00f6sischen Erstausgabe, fraglos die Fassung letzter Hand. \u00dcberall, wo die Mitteilung von Varianten f\u00fcr den Pianisten von Interesse ist, gibt es Fu\u00dfnoten, die auf Parallel-\u00dcberlieferungen hinweisen. Um aber der \u201edeutschen\u201c Fassung gem\u00e4\u00df Autograph auch zu ihrem Recht zu verhelfen, habe ich im Anhang die gesamte Sonate erneut ediert, nun streng nach Autograph. Diese Quellen-Edition weist nicht auf Varianten hin, punktuelle Fehler und Unklarheiten werden nat\u00fcrlich auch hier korrigiert bzw. diskutiert. Bei diesem Vorgehen war mir daran gelegen, diese nicht minder wichtige Fassung im Kontext auff\u00fchrbar zu machen.<\/p>\n<p>Zum Schluss eines der prominentesten Beispiele f\u00fcr die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen. In T. 74\/75 des 1. Satzes gibt es eine \u00dcberleitung in die Schlussgruppe der Exposition, die in allen modernen Ausgaben dem Autograph folgt:<\/p>\n<div id=\"attachment_10675\" style=\"width: 317px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild9.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10675\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10675 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild9.jpg\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild9.jpg 307w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild9-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10675\" class=\"wp-caption-text\">3. Satz, T. 74\u201375, Autograph der deutschen Fassung<\/p><\/div>\n<p>In der franz\u00f6sischen Erstausgabe steht allerdings:<\/p>\n<div id=\"attachment_10676\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild10.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10676\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-10676 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2023\/10\/Bild10.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"196\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10676\" class=\"wp-caption-text\">3. Satz, T. 74\u201375, franz\u00f6sische Erstausgabe, 2. Auflage<\/p><\/div>\n<p>Vieles deutet darauf hin, dass diese zweite Lesart eine fr\u00fchere Fassung repr\u00e4sentiert, sie steht \u00fcbrigens auch in der englischen Erstausgabe. Vermutlich glich Chopin bei der Niederschrift des \u201edeutschen\u201c Autographs die Passage an die Fassung der Reprise an. Viele Editoren halten daher die \u201efranz\u00f6sische\u201c Fassung f\u00fcr unterlegen, ja f\u00fcr schlechter. Es besteht aber \u00fcberhaupt kein Zweifel, dass Chopin diese Fassung in seiner gr\u00fcndlichen Korrektur unver\u00e4ndert stehen lie\u00df, ja, dass er sie auch in seinem Unterricht von seinen Sch\u00fclern spielen lie\u00df. D\u00fcrfen wir bei dieser Ausgangslage die franz\u00f6sische Fassung abwerten und sie einfach durch die gewohntere ersetzen?<\/p>\n<p>In einem Interview mit Dr. Wolf-Dieter Seiffert zum Thema \u201eRevisionen\u201c haben wir dieses Textproblem besprochen, und hier h\u00f6ren Sie auch, wie die beiden Fassungen klingen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"On Revisions. 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