{"id":11163,"date":"2024-06-10T08:00:32","date_gmt":"2024-06-10T06:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?p=11163"},"modified":"2024-06-11T10:15:59","modified_gmt":"2024-06-11T08:15:59","slug":"wenn%ca%bcs-mal-wieder-eng-wird-lust-und-leid-der-urtext-cover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2024\/06\/10\/wenn%ca%bcs-mal-wieder-eng-wird-lust-und-leid-der-urtext-cover\/","title":{"rendered":"Wenn\u02bcs mal wieder eng wird \u2013 Lust und Leid der Urtext-Cover"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-11168\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n.jpg 1260w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n-264x300.jpg 264w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n-900x1024.jpg 900w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb1n-768x874.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Will man eine Henle-Ausgabe schnell beschreiben, so reicht ein Satz: Es sind die taubenblauen Notenhefte, auf deren Umschlag ohne jegliches Dekor nur Komponist und Titel stehen. Denn wo andere Verlage eine gro\u00dfe Grafik-Abteilung besch\u00e4ftigen und f\u00fcr verschiedene Komponisten, Epochen oder Besetzungen unterschiedlichste Schrifttypen, Designs und Illustrationen ausw\u00e4hlen oder wenigstens die Farbe des Umschlagkartons variieren, herrscht bei Henle das strenge Regiment von B&amp;B: Blauer Karton und der Schrift-Font Bodoni. Kann man \u00fcber sowas einen Blog-Beitrag schreiben? Na klar! Denn zum einen ist es interessant, woher dieses reduktionistische Design kommt, zum anderen k\u00f6nnen wir Lektoren ein Lied davon singen, wie schwierig es manchmal ist, in den wenigen Zeilen, die unser strenges Layout vorsieht, auch wirklich alles zu sagen \u2013 oder zumindest so viel, dass man den Inhalt auf Anhieb erkennt.<!--more--><\/p>\n<p>Dass es dabei schon mal eng werden kann, zeigt sich eindrucksvoll am oben abgebildeten Band mit <em>F\u00fcnf ber\u00fchmten Klaviersonaten<\/em> Beethovens (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Fuenf-beruehmte-Klaviersonaten\/HN-1392\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1392<\/a>, Foto \u00a9 Robert Brembeck\/G. Henle Verlag), wo neben dem Bandtitel auch noch f\u00fcnf Einzeltitel in zwei Sprachen zu nennen sind. Da hilft nur \u201eMut zur L\u00fccke\u201c \u2013 wie ein Blick auf die Einzelausgaben der f\u00fcnf Sonaten zeigt, deren Text um einiges ausf\u00fchrlicher ist. Dass f\u00fcr den Sammelband nicht etwa die Opuszahlen oder Nummern der Sonaten, sondern (nur!) die Popul\u00e4rtitel gew\u00e4hlt wurden, ist nat\u00fcrlich kein Zufall. Nur so sind die f\u00fcnf Sonaten auch f\u00fcr Nicht-Spezialisten auf Anhieb identifizierbar. Allerdings musste selbst da noch ein kleines Zugest\u00e4ndnis gemacht werden: Aus \u201eGrande Sonate path\u00e9tique\u201c f\u00fcr Opus 13 wurde auf dem Sammelband schlicht \u201ePath\u00e9tique\u201c. Zudem entf\u00e4llt die sonst bei uns \u00fcbliche Differenzierung zwischen einem solchen authentischen Beinamen und sp\u00e4teren Popul\u00e4rtiteln wie \u201eMondschein\u201c oder \u201eSturm\u201c, die auf dem Cover nur in Klammern erscheinen. Ein kleiner, aber f\u00fcr eine Urtextausgabe eben doch ziemlich wichtiger Unterschied\u2026 (Und selbst dann mussten wir ein bisschen schummeln, denn eigentlich sind f\u00fcr den englischen Titel im Layout nur zwei statt drei Zeilen vorgesehen.)<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-11170 size-large\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-1024x256.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-1024x256.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-300x75.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-768x192.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-1536x383.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb2alle-2048x511.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Aber wieso haben wir eigentlich so ein enges Korsett von 3 + 2 Zeilen f\u00fcr den Titel, und damit basta? Dazu muss man ein wenig in die Geschichte des Verlags eintauchen: G\u00fcnter Henle verband mit seiner Idee der musikalischen Urtextausgabe eine absolute Reduktion auf das Wesentliche, frei von \u201emodischen\u201c Zus\u00e4tzen und jeglichem Ornament \u2013 und das galt nicht nur f\u00fcr die Musik, sondern auch f\u00fcr die Gestaltung. Folglich machte aus den verschiedenen Entw\u00fcrfen, die 1947 f\u00fcr Mozarts Klaviersonaten als ersten Verlagstitel eingeholt wurden, der schlichteste das Rennen. Joseph Lehnackers Cover benannte Name, Werk, Verlag so knapp wie m\u00f6glich und stellte das Wichtigste ins Zentrum: das Qualit\u00e4tsigel \u201eURTEXT\u201c. Kombiniert mit dem dezenten Taubenblau des Umschlags strahlte das eine Aura der Klassizit\u00e4t aus, die dem kanonischen Rang der Werke entsprach.<\/p>\n<div id=\"attachment_11171\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11171\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11171 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1120\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-300x131.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-1024x448.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-768x336.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-1536x672.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb3-nebeneinander-2048x896.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11171\" class=\"wp-caption-text\">links: nicht umgesetzter Entwurf; rechts: erste Ausgabe (Foto \u00a9 Robert Brembeck\/G. Henle Verlag)<\/p><\/div>\n<p>\u00dcber ein halbes Jahrhundert blieb dieses Erscheinungsbild gleich, wenn man von diskreten Anpassungen der Schriftgr\u00f6\u00dfe einmal absieht, wie sie Beethovens <em>Capriccio<\/em> op. 129 \u201eDie Wut \u00fcber den verlorenen Groschen\u201c zwischen 1965 und 1997 erlebte.<\/p>\n<div id=\"attachment_11172\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11172\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11172\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-300x197.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-1024x672.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-768x504.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-1536x1008.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb4-2048x1344.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11172\" class=\"wp-caption-text\">links: Auflage A; rechts Auflage H<\/p><\/div>\n<p>Erst im Jahr 2000 war die Zeit reif f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung \u2013 nicht zuletzt, weil die zunehmend internationale Ausrichtung des Verlags auch eine englische \u00dcbersetzung auf dem Titel verlangte. Dabei wurden neben einer moderneren Variante der Bodoni auch drei Haarlinien (nur ein Hauch von Dekor!) eingef\u00fchrt und eine raffinierte Verschiebung des Titelfeldes, sodass die b\u00fcndig darunter stehende Verlagsangabe inklusive neu gestaltetem Signet mittig erscheint. Was bei Mozarts Klaviersonaten, Schuberts <em>Moments Musicaux<\/em> (als einem nicht zu \u00fcbersetzenden Originaltitel) und selbst Haydns Violinkonzerten (mit den sperrigen Hoboken-Nummern) problemlos klappte, erwies sich bei etwas ausgefalleneren Titeln allerdings als Herausforderung, wie das weitere Schicksal von Beethovens Opus 129 zeigt: Der vollst\u00e4ndige Titel hatte nur noch auf dem Innentitel Platz, der das Cover-Layout leicht modifiziert und so dankenswerterweise eine vierte Textzeile erlaubt.<\/p>\n<div id=\"attachment_11173\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11173\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11173\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-300x194.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-1024x664.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-768x498.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-1536x996.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb5n-2048x1328.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11173\" class=\"wp-caption-text\">Umschlag und Innentitel der Auflage I<\/p><\/div>\n<p>Au\u00dfen musste man sich jedoch mangels Platz mit dem Popul\u00e4rtitel bescheiden. Bei der Revision der Ausgabe im Jahr 2022 (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Alla-Ingharese-quasi-un-Capriccio-G-dur-op.-129-Die-Wut-ueber-den-verlorenen-Groschen\/HN-1632\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN1632<\/a>) wurde auch das Cover nochmal auf den Pr\u00fcfstand gestellt und auf \u201eaktuellen Stand\u201c gebracht: Vom Originaltitel rutschte wenigstens die Gattungsangabe \u201eCapriccio\u201c nach au\u00dfen und der nicht auf Beethoven zur\u00fcckgehende Popul\u00e4rtitel wurde in Klammern gesetzt \u2013 so viel Urtext muss sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_11174\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11174\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11174\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-scaled.jpg 1941w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-776x1024.jpg 776w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-768x1013.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-1164x1536.jpg 1164w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb6N-1552x2048.jpg 1552w\" sizes=\"(max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11174\" class=\"wp-caption-text\">Umschlag der aktuellen Auflage<\/p><\/div>\n<p>Ein bisschen eng zwischen den Haarlinien kann es auch bei langen Gattungsbegriffen wie Mozarts <em>Sinfonia Concertante<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Sinfonia-concertante-Es-dur-KV-364\/HN-798\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 798<\/a>) mal werden: Hier h\u00e4tte die Angabe der Soloinstrumente nur bei Verzicht auf die Zeile mit der KV-Nummer oder die Angabe \u201eKlavierauszug\u201c hineingepasst. Ersteres ein absolutes <em>NoGo<\/em> bei Mozart, letzteres ein Problem f\u00fcr den Kunden, der dann nicht wei\u00df, ob er es hier mit einer (Orchester-)Partitur oder einem Klavierauszug zu tun hat\u2026 Daher wurde auch hier die vierte Zeile auf dem Innentitel zum Retter der Details.<\/p>\n<div id=\"attachment_11175\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11175\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11175\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-1024x674.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-768x506.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-1536x1011.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb7ab-2048x1348.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11175\" class=\"wp-caption-text\">Umschlag und Innentitel<\/p><\/div>\n<p>Manchmal hilft aber selbst die vierte Zeile nicht, und dann beginnen lange Diskussionen \u2013 wie mein Kollege Dominik Rahmer von einem gerade in Vorbereitung befindlichen Titel berichten kann:<\/p>\n<blockquote><p>Zu Vivaldis ber\u00fchmten Zyklus <em>Die Vier Jahreszeiten<\/em> haben wir \u00fcber ein halbes Dutzend Covervarianten ausprobiert. Technisch gesehen handelt es sich dabei ja um vier eigenst\u00e4ndige Violinkonzerte, sodass gem\u00e4\u00df Henle-Standard der Titel eigentlich \u201eViolinkonzerte RV 269, 315, 293, 297\u201c lauten m\u00fcsste. Das w\u00fcrde so aber nat\u00fcrlich kein Kunde jemals im Regal erkennen oder im Katalog finden.<\/p>\n<p>Verkomplizierend kommt <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-11176\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-scaled.jpg 1846w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-216x300.jpg 216w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-739x1024.jpg 739w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-768x1065.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-1108x1536.jpg 1108w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb8-1477x2048.jpg 1477w\" sizes=\"(max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a>hinzu, dass die vier Konzerte von Vivaldi gar nicht unter dem Titel \u201eLe quattro stagioni\u201c ver\u00f6ffentlich wurden, sondern als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Sammlung von 12 Violinkonzerten namens <em>Il Cimento dell\u2019armonia e dell\u2019inventione<\/em> Opus 8. Die ersten vier Konzerte darin sind zwar nach den vier Jahreszeiten betitelt \u2013 <em>La primavera, L\u2019estate, L\u2019autunno, L\u2019inverno<\/em> \u2013, aber in den originalen Quellen kommt der Sammeltitel Le quattro stagioni niemals ausdr\u00fccklich vor.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb9.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-11177\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb9.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb9.jpg 491w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb9-227x300.jpg 227w\" sizes=\"(max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a>Wollte man alle diese Informationen auf dem Cover unterbringen, zuz\u00fcglich den genauen Besetzungsangaben, k\u00e4me man auf eine Titelformulierung von barocken Ausma\u00dfen\u2026 So haben wir uns am Ende daf\u00fcr entschieden, lediglich den heute allgemein bekannten und g\u00e4ngigen Titel auf unser Cover zu setzen \u2013 und die Details der originalen Titel Vorwort und Bemerkungsteil zu \u00fcberlassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Notwendigkeit der schnellen und eindeutigen Identifizierung liefert auch den Grund f\u00fcr eine manchem vielleicht merkw\u00fcrdig erscheinende Differenz bei zwei j\u00fcngst erschienenen Lied-Bearbeitungen von Franz Liszt: F\u00fcr <em>Aufenthalt<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Aufenthalt-aus-Schwanengesang-D-957-Franz-Schubert\/HN-599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 599<\/a>) aus Schuberts <em>Schwanengesang<\/em> D 957 konnten wir das klassische Konzept mit Hinweis auf den Original-Zyklus problemlos umsetzen. Bei der Bearbeitung des <em>St\u00e4ndchen<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Staendchen-Leise-flehen-meine-Lieder-Franz-Schubert\/HN-1022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1022<\/a>) aus diesem Zyklus mussten wir hingegen sicherstellen, dass es nicht mit der Bearbeitung des anderen (fast genauso ber\u00fchmten) <em>St\u00e4ndchen<\/em> D 889 verwechselt wird \u2013 weswegen hier der Textanfang des Liedes auf dem Cover steht.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-11178\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-300x197.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-1024x672.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-768x504.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-1536x1009.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Abb10n-2048x1345.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>So fordert G\u00fcnter Henles Vorstellung eines strengen und gleichbleibenden Titellayouts uns Lektoren bis heute. Aber nat\u00fcrlich erlaubt auch der Henle-Verlag sich ab und zu mal einen kleinen Ausflug ins Reich von Farbe und Dekor: Bei der Serie <em>Am Klavier<\/em> signalisiert eine zweite Farbe auf dem Cover das besondere Konzept der Ausgaben, die sich an Wiedereinsteiger am Klavier wendet \u2013 und wenn wir es mal so richtig bunt haben wollen, dann machen wir ein Faksimile. Da ist von Apfelgr\u00fcn bis Pazifikblau alles erlaubt!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-11179\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe.jpg 2399w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe-300x157.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe-1024x537.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/06\/Faksimilegruppe-2048x1075.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will man eine Henle-Ausgabe schnell beschreiben, so reicht ein Satz: &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2024\/06\/10\/wenn%ca%bcs-mal-wieder-eng-wird-lust-und-leid-der-urtext-cover\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[347,3,102],"tags":[882,883,881,880],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11163"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11163"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11196,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11163\/revisions\/11196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}