{"id":11219,"date":"2024-09-09T08:00:03","date_gmt":"2024-09-09T06:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?p=11219"},"modified":"2024-09-09T08:50:00","modified_gmt":"2024-09-09T06:50:00","slug":"arnold-schoenberg-zum-150-geburtstag-die-wahrheit-in-der-musik-und-in-der-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2024\/09\/09\/arnold-schoenberg-zum-150-geburtstag-die-wahrheit-in-der-musik-und-in-der-edition\/","title":{"rendered":"Arnold Sch\u00f6nberg zum 150. Geburtstag \u2013 die Wahrheit in der Musik (und in der Edition)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild1.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-11262\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild1.png\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild1.png 521w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild1-300x300.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild1-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Dieses Zitat Arnold Sch\u00f6nbergs bringt f\u00fcr mich die Haltung des Komponisten zur Musik zum Ausdruck \u2013 nicht nur zu seiner eigenen, sondern zu Musik \u00fcberhaupt. Die Ernsthaftigkeit, mit der Sch\u00f6nberg nach Wahrheit in der Musik strebte, sucht ihresgleichen. Dass diese Haltung auch eine gewisse Kompromisslosigkeit bedeutete, davon wird weiter unten noch die Rede sein\u2026<\/p>\n<p>In wenigen Tagen feiert die Welt Arnold Sch\u00f6nbergs 150. Geburtstag \u2013 der G. Henle Verlag feiert nat\u00fcrlich mit! Anlass genug, einmal innezuhalten und die Bedeutung Sch\u00f6nbergs f\u00fcr unseren Katalog zu beleuchten.<!--more--><\/p>\n<p>Als ich 2004 als Volont\u00e4r in den G. Henle Verlag kam, sah das Programm unseres Hauses noch anders aus: Komponisten der klassischen Moderne fehlten. Das liegt daran, dass unser Katalog bis auf ganz wenige Ausnahmen nur urheberrechtsfreie Werke aufnimmt. Steht das Auslaufen eines Copyrights bevor, bereiten wir uns rechtzeitig darauf vor. 2004 war ich daher damit befasst, das Lektorat bei der Quellensuche f\u00fcr Werke Maurice Ravels zu unterst\u00fctzen (den wir dann 2008 in unserem Katalog begr\u00fc\u00dfen konnten). In den n\u00e4chsten Jahren folgten etliche Gro\u00dfereignisse dieser Art: Alban Berg wurde 2006 frei, Sergej Rachmaninow wurde 2014 ins Programm aufgenommen, B\u00e9la Bart\u00f3k und Anton Webern folgten 2016, Richard Strauss 2020, und ganz aktuell, 2024, wurde auch Sergej Prokofjew ein Henle-Komponist. Zu Beginn der 2020er Jahre konnten wir also stolz sagen, bereits etliche Kernwerke der Neuen Musik in Henle Urtextqualit\u00e4t anbieten zu k\u00f6nnen. Ein Name aber fehlte: Arnold Sch\u00f6nberg. Uns war schon immer klar, dass wir als \u201eKlassiker-Verlag\u201c auch den modernen Klassiker Sch\u00f6nberg in unseren Urtext-Katalog aufnehmen w\u00fcrden, ein Schritt den wir 2022, zum Ablauf des Copyrights in vielen Teilen der Welt, in die Tat umsetzen konnten.<\/p>\n<p>Zur Planung fuhr ich selbst einige Jahre zuvor nach Wien, wo mich Therese Muxeneder im Arnold Sch\u00f6nberg Center (<a href=\"https:\/\/schoenberg.at\/index.php\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ASC<\/a>) begr\u00fc\u00dfte und mich gleich in die Schatzkammer des Hauses, das Quellenarchiv, f\u00fchrte. Hier lagern unsch\u00e4tzbare Dokumente. Und die einzigartige Haltung des Teams im ASC und der Sch\u00f6nberg-Erben sorgt daf\u00fcr, dass sie nicht hinter verschlossenen T\u00fcren gehalten werden: Ganz bewusst erleichtert man den Zugang sowohl zu den Quellen als auch zur Musik selbst, bereitet Forschenden ideale Bedingungen, damit jegliche Ber\u00fchrungs\u00e4ngste (die vielleicht so manch einer mit dieser Musik haben mag) abgebaut werden k\u00f6nnen. Das ASC wurde f\u00fcr unsere Quellenarbeit somit der ideale Kooperationspartner (und ich nutze die Gelegenheit, um ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an Therese Muxeneder und das ganze Team auszusprechen). Gleich bei meinem ersten Besuch legte Therese Muxeneder mir \u00fcbrigens diese Visitenkarte auf den Tisch:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-11304\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/2-Bild-2new-1-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Damit war klar: Wir sollten nicht nur die Aufnahme Sch\u00f6nbergs in den Henle-Katalog auf dem Schirm haben, sondern auch gleich seinen 150. Geburtstag im Jahr 2024. Aus dieser Initialz\u00fcndung ergaben sich nun in den folgenden Jahren etliche Projekte, Urtextausgaben, ein pr\u00e4chtiges Faksimile und vieles mehr. Wer sich einen \u00dcberblick verschaffen will, schaue einmal auf die <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Schoenberg-2024\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sch\u00f6nberg-Geburtstags-Kachel<\/a> auf unserer Website. Wir sind froh, auf diese Weise Sch\u00f6nberg und seine Musik feiern zu k\u00f6nnen \u2013 ganz besonders in diesem Jahr, aber nat\u00fcrlich wird Sch\u00f6nberg dauerhaft eine tragende S\u00e4ule in unserem Programm bilden.<\/p>\n<p>Nun setze ich aber noch die Lektoren-Brille auf, um die Frage zu beleuchten: Was bedeutet es eigentlich, Sch\u00f6nbergs Musik zu edieren? Meine Kollegen Annette Oppermann und Peter Jost behandelten diese Frage anl\u00e4sslich der Ausgaben der <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2024\/03\/11\/schoenbergs-verklaerte-nacht-in-einer-urtext-ausgabe-der-besonderen-art\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eVerkl\u00e4rten Nacht\u201c<\/a> und des <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/04\/25\/ein-meilenstein-in-der-musikgeschichte-schoenbergs-2-streichquartett-op-10\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2. Streichquartetts<\/a> in vergangenen Blog-Eintr\u00e4gen. Ich selbst habe die Neuausgabe der Klavierst\u00fccke betreut. Der <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Saemtliche-Klavierwerke\/HN-1611\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sammelband mit s\u00e4mtlichen Klavierst\u00fccken<\/a> \u2013 in Broschur und Leinen; \u00fcbrigens der einzige seiner Art! \u2013 war ein Herzensanliegen, bei dem ich meinen Horizont rasant erweitern konnte. Wer h\u00e4tte z.B. gedacht, dass der Neu-T\u00f6ner Sch\u00f6nberg in seiner Jugend ganz brahmsisch mit drei Klavierst\u00fccken begann? St\u00fccke, die er selbst nie ver\u00f6ffentlicht hat, die wir aber im Anhang unseres Bandes abdrucken (H\u00f6rbeispiele sind <a href=\"https:\/\/www.schoenberg.at\/index.php\/de\/the-news\/drei-klavierstuecke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> verf\u00fcgbar).<\/p>\n<p>Drei Aspekte, welche die editorische Arbeit mit Sch\u00f6nberg sehr besonders machen, will ich herausgreifen.<\/p>\n<p>1. Bei denjenigen St\u00fccken, die mithilfe der Zw\u00f6lftontechnik komponiert sind, galt es herauszufinden, ob Sch\u00f6nberg seine Methode wirklich konsistent angewendet hat. \u00c4hnlich, wie wir den Quellen erst einmal misstrauen, wenn etwa bei Mozart eine unlogisch dissonante, harmoniefremde Note \u00fcberliefert ist, muss man sich bei Sch\u00f6nberg fragen, ob es Absicht ist, wenn in einer Reihe z.B. auf den 9. Ton nicht der 10., sondern stattdessen der 11. folgt. Welche Konsequenz aber zieht man aus solch einem Fund? Hat sich Sch\u00f6nberg einfach geirrt? Ist die Abweichung von der Reihe Absicht? Welche Gr\u00fcnde k\u00f6nnte es daf\u00fcr geben? In Zweifelsf\u00e4llen findet man in der Henle-Urtextausgabe nun Fu\u00dfnoten, die auf solche Funde hinweisen und das F\u00fcr und Wider gr\u00fcndlich abw\u00e4gen, damit Pianistinnen und Pianisten selbst entscheiden k\u00f6nnen, welche Lesart \u00fcberzeugender ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_11265\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11265\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11265\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3.png 1563w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3-300x154.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3-1024x525.png 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3-768x394.png 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild3-1536x788.png 1536w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11265\" class=\"wp-caption-text\">op. 33a, T. 21\u201322 mit Fu\u00dfnote<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_11266\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11266\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11266\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a.png 2962w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a-197x300.png 197w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a-672x1024.png 672w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a-768x1171.png 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a-1007x1536.png 1007w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild4a-1343x2048.png 1343w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11266\" class=\"wp-caption-text\">Bemerkung zu op. 33a, T. 22<\/p><\/div>\n<p>2. Eine bei Sch\u00f6nbergs Klavierst\u00fccken wichtige Quellensorte sind die sogenannten Handexemplare. Dabei handelt es sich um Exemplare zumeist der Erstausgaben, in denen sich Eintragungen und Korrekturen finden. Handexemplare gibt es nat\u00fcrlich auch bei vielen anderen Komponisten der Musikgeschichte. Ungew\u00f6hnlich bei Sch\u00f6nberg ist jedoch, dass oft gleich mehrere \u00fcberliefert sind, deren Eintragungen sich in den seltensten F\u00e4llen decken. Einige weisen zudem Eintragungen von anderer Hand auf, teilweise von Sch\u00fclern oder Pianisten, die die betreffenden Werke mit dem Meister einstudierten. Es ist heikel und schwierig, den Status dieser Eintr\u00e4ge zu bewerten: Handelt es sich um g\u00fcltige Korrekturen, die in einer Neuausgabe zu ber\u00fccksichtigen sind? Sind es nur \u201einterne\u201c Hinweise und Echos von Diskussionen, die aber nicht auf eine gewollte Text\u00e4nderung schlie\u00dfen lassen? H\u00e4ufig werden in den Handexemplaren die oben angesprochenen \u201efehlenden\u201c Noten aus der Zw\u00f6lftonreihe thematisiert, teilweise werden die Hinweise von Sch\u00f6nberg mit einer Paraphe, also einer Kurz-Unterschrift als authentisch geadelt \u2013 beanspruchen dann also eine hohe Autorit\u00e4t. Im folgenden Beispiel sieht man einen solchen paraphierten Eintrag, der uns Nachgeborenen aber nicht eindeutig hilft:<\/p>\n<div id=\"attachment_11267\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11267\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11267\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5.png 1563w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5-300x197.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5-1024x672.png 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5-768x504.png 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild5-1536x1007.png 1536w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11267\" class=\"wp-caption-text\">Handexemplar des Erstdrucks von op. 33a mit autographem Eintrag: <em>wahrscheinlich | weg | <u>Sch<\/u><\/em><br \/>Arnold Sch\u00f6nberg Center, Signatur: H 3<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Soll die obere Note <em>d<\/em><sup>3<\/sup> nun \u201eweg\u201c oder nicht?<\/p>\n<p>3. An den letztgenannten Aspekt (Sch\u00f6nbergs Unterschreiben von Korrekturen) schlie\u00dft sich eine letzte Beobachtung an: Sch\u00f6nberg wollte \u00fcber den ver\u00f6ffentlichten Notentext seiner Werke die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Kontrolle haben. Pedantisch, ja fast zwanghaft wirkt es, wie er Korrekturen signiert, wie er \u00c4nderungen, die er erst im Drucklegungsprozess einf\u00fchrt, in alle fr\u00fcheren Quellenstadien zur\u00fcck-\u00fcbertr\u00e4gt. Auch die Anweisungen an Verlag und Notenstecher sind oft minuti\u00f6s, jeder Aspekt soll bis ins Kleinste geregelt werden. Wurden seine Vorstellungen nicht umgesetzt, reagierte Sch\u00f6nberg emp\u00f6rt und w\u00fctend und lie\u00df es in seinen Beschwerden nicht an Deutlichkeit mangeln. In der autographen Stichvorlage f\u00fcr die Suite op. 25 (siehe <a href=\"https:\/\/archive2.schoenberg.at\/compositions\/manuskripte.php?werke_id=193&amp;id_quelle=540&amp;image=UEQ511-02.jpg&amp;groesse=75&amp;aktion=einzelbild&amp;bild_id=1&amp;rotation=0&amp;negate=0&amp;sharpen=0&amp;lineal=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) finden sich auf der ersten Notenseite w\u00fctende Eintr\u00e4ge, darunter: \u201eIch bitte dringendst, mir mitzuteilen, wer es sich herausgenommen hat, an meinem Manuskript \u00c4nderungen, die deutlich gegen meine Absicht gerichtet sind, vorzunehmen!\u201c. Und sp\u00e4ter, in einem Brief an den Verleger, beschwert sich Sch\u00f6nberg \u00fcber die \u201eGeschmacklosigkeit\u201c jener Eingriffe. Dabei hatte er den Stich minuti\u00f6s mit einer Anleitung in die richtige Richtung lenken wollen:<\/p>\n<div id=\"attachment_11268\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11268\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11268\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"643\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-scaled.jpg 1592w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-187x300.jpg 187w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-637x1024.jpg 637w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-768x1235.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-955x1536.jpg 955w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2024\/09\/Bild6-1274x2048.jpg 1274w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11268\" class=\"wp-caption-text\">Arnold Sch\u00f6nberg Center, Signatur: T22.04G<\/p><\/div>\n<p>Man k\u00f6nnte nun denken, Notentexte, die so exakt vorbereitet wurden, seien leicht zu edieren. Eigentlich m\u00fcsste man doch als moderner Editor nur seinen Anweisungen folgen \u2013 oder? Auch hier liegt die Sache komplexer. Denn fast etwas erleichtert muss man feststellen, dass Sch\u00f6nberg (\u00e4u\u00dferst menschlich) hinter seinen eigenen Anspr\u00fcchen immer wieder zur\u00fcckblieb. So \u00fcbertrug er Korrekturen dann eben doch nicht in alle Quellenschichten, \u00fcbersah Details, trug \u00c4nderungen nicht an allen Stellen ein, die betroffen waren, etc., etc. So gab es auch hier f\u00fcr uns Herausgeber und Lektoren etliche harte N\u00fcsse zu knacken, wie man unter den Beispielen oben schon sehen konnte. Entscheidungen waren zu f\u00e4llen, und oft mussten wir unsere Ratlosigkeit ehrlich eingestehen und die Unsicherheit an die Musikerinnen und Musiker weitergeben.<\/p>\n<p>Mit diesem Ringen um die bestm\u00f6gliche Textgrundlage m\u00f6chte ich schlie\u00dfen und dabei an das Zitat vom Anfang des Beitrags erinnern. Denn Sch\u00f6nbergs Musik und sein Ringen um sie sind stets von dieser Ernsthaftigkeit, ja auch Kompromisslosigkeit gepr\u00e4gt, der alles blo\u00df Dekorative oder Ornamentale fremd ist: Sie soll immer \u201ewahr\u201c sein. Und diesem hohen Anspruch versuchen wir auch mit unseren Urtextausgaben gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch, Arnold Sch\u00f6nberg! Wir sind stolz darauf, diesen Klassiker der Moderne nun auch im Henle-Katalog zu beheimaten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Zitat Arnold Sch\u00f6nbergs bringt f\u00fcr mich die Haltung des &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2024\/09\/09\/arnold-schoenberg-zum-150-geburtstag-die-wahrheit-in-der-musik-und-in-der-edition\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[301,3,33,841,102],"tags":[892,853,832,706],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11219"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11219"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11316,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11219\/revisions\/11316"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}