{"id":11464,"date":"2025-01-13T08:00:22","date_gmt":"2025-01-13T07:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?p=11464"},"modified":"2025-01-10T13:33:14","modified_gmt":"2025-01-10T12:33:14","slug":"von-natur-aus-kuenstlich-maurice-ravel-zum-150-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2025\/01\/13\/von-natur-aus-kuenstlich-maurice-ravel-zum-150-geburtstag\/","title":{"rendered":"\u201eVon Natur aus k\u00fcnstlich\u201c \u2013 Maurice Ravel zum 150. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11465\" style=\"width: 244px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild1.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11465\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11465 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild1.png\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"278\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11465\" class=\"wp-caption-text\">Maurice Ravel (1875\u20131937)<\/p><\/div>\n<p>Wie das vergangene Jahr wird auch 2025 reich an Komponisten-Gedenktagen sein. Der Bogen reicht von Giovanni Pierluigi da Palestrina (500. Geburtstag) \u00fcber Georges Bizet (150. Todestag) oder Erik Satie (100. Todestag) bis zu Pierre Boulez (100. Geburtstag), um nur einige der Jubilare zu nennen. Im Mittelpunkt wird aber zweifellos der runde Geburtstag von Maurice Ravel stehen, der am 7. M\u00e4rz 1875 in Ciboure im franz\u00f6sischen Teil des Baskenlandes als Sohn einer spanisch-baskischen Mutter und eines Schweizer Ingenieurs mit franz\u00f6sischen Wurzeln zur Welt kam. Bereits drei Monate sp\u00e4ter zog die Familie nach Paris. Ravel verlor aber zeitlebens nicht die Bindung ans Baskenland, wo er in Saint-Jean-de-Luz, einem Nachbarort von Ciboure, h\u00e4ufig die Sommermonate verbrachte.<!--more--><\/p>\n<p>Auch der G. Henle Verlag wird das Ravel-Jahr geb\u00fchrend feiern, wobei der Fokus nicht nur auf den neben Rameau und Debussy wohl bedeutendsten franz\u00f6sischen Komponisten gerichtet ist, sondern unter der Devise \u201eRavel and Friends\u201c auch weitere ihm nahestehende Musiker umfasst. Wenn auch Komponisten wie Gabriel Faur\u00e9, Manuel de Falla oder Sergej Prokofjew keinen pr\u00e4genden Einfluss auf Ravels Schaffen aus\u00fcbten, so lieferten sie ihm doch unsch\u00e4tzbare Anregungen. Intensiv besch\u00e4ftigte sich Ravel beispielsweise mit der Musik Arnold Sch\u00f6nbergs. Ravel, der den Bezug auf einen Grundton selbst bei k\u00fchnen harmonischen Verl\u00e4ufen wahrte, blieben zwar Theorie und \u00c4sthetik des \u00d6sterreichers v\u00f6llig fremd, aber er gestand doch 1928 ein, dass er nicht wisse, ob er die <em>Chansons mad\u00e9casses<\/em> (1925\/26) ohne die Kompositionen Sch\u00f6nbergs h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen. Ravel-Editionen zieren seit 2008 den Henle-Katalog (siehe <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/ravel2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcbersicht<\/a>), und im Ravel-Jahr werden noch weitere Titel wie etwa <em>La Valse<\/em> (Fassungen f\u00fcr Klavier zweih\u00e4ndig sowie f\u00fcr zwei Klaviere vierh\u00e4ndig) hinzukommen.<\/p>\n<p>Wer aber war Ravel? W\u00e4hrend seine Musik inzwischen gut erforscht ist, ist die Frage nach seiner Pers\u00f6nlichkeit nicht leicht zu beantworten, denn er sprach nur ungern \u00fcber sich und erst recht nicht \u00fcber das, was ihn im Innersten bewegte. Auf seinen zahlreichen Konzertreisen nach dem Ersten Weltkrieg musste er immer wieder Interviews geben und in einigen F\u00e4llen sogar Vortr\u00e4ge halten. Aber bei all diesen Gelegenheiten gab er h\u00f6flich-distanziert Auskunft zur aktuellen Musik im Allgemeinen oder zur Technik seiner Werke, ohne jemals wirklich Pers\u00f6nliches zu offenbaren. So kommt es, dass sich zwar eine \u00dcberf\u00fclle von Ravel-Dokumenten \u2013 allen voran die Korrespondenz mit seinem gro\u00dfen Freundes- und Bekanntenkreis \u2013 erhalten hat, wir aber beispielsweise nichts \u00fcber seine sexuelle Orientierung, seine religi\u00f6sen Gef\u00fchle oder weltanschaulichen Einstellungen wissen. Als er 1928 in die Zwangslage geriet, Auskunft \u00fcber sein Leben und Werk zu geben, diktierte (!) er die sp\u00e4ter so betitelte <em>Esquisse autobiographique<\/em> (Autobiographische Skizze) seinem Sch\u00fcler und Vertrautem Roland-Manuel und beschr\u00e4nkte sich darin weitgehend auf die Aufz\u00e4hlung von d\u00fcrren Fakten.<\/p>\n<div id=\"attachment_11466\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11466\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11466\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild2-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"429\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild2-210x300.jpg 210w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild2.jpg 406w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11466\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstver\u00f6ffentlichung der <em>Esquisse autobiographique<\/em> in der Sondernummer <em>Hommage \u00e0 Maurice Ravel<\/em> der <em>La Revue musicale<\/em> (Dezember 1938)<\/p><\/div>\n<p>Dieser Schutz seiner Intimit\u00e4t geht Hand in Hand mit der \u00e4u\u00dferst engen Verbundenheit mit seiner Familie. Erst 1921, im Alter von 46 (!) Jahren, verlie\u00df er die famili\u00e4re Wohngemeinschaft, die nach dem Tod des verehrten Vaters (1908) und der abg\u00f6ttisch geliebten Mutter (1917) zuletzt nur noch aus seinem j\u00fcngeren Bruder \u00c9douard bestand \u2013 und auch dies nicht freiwillig, sondern dem Umstand geschuldet, dass sein Bruder unerwartet heiratete. Er entschied sich daraufhin f\u00fcr ein Junggesellen-Leben au\u00dferhalb der Metropole Paris und kaufte die Villa \u201eLe Belv\u00e9d\u00e8re\u201c in Montfort-l\u2019Amaury, einer Kleinstadt im Westen von Paris, die sein Wohnsitz bis zu seinem Tod bleiben sollte (siehe dazu ein Video des Mus\u00e9e Maurice Ravel auf Franz\u00f6sisch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9zbkubvHW1g\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9zbkubvHW1g<\/a> oder auf Englisch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EhrfNrdMRJY\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EhrfNrdMRJY<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_11467\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild3.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11467\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11467\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild3-300x204.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"272\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild3-300x204.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild3.png 374w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11467\" class=\"wp-caption-text\">Ravels Wohnhaus in Montfort-l\u2019Amaury (heute Mus\u00e9e Maurice Ravel)<\/p><\/div>\n<p>Umgab er sein Inneres gleichsam mit einer Schutzwand, so fiel er \u00e4u\u00dferlich durch Extravaganz auf, die vermutlich seine tiefe Verunsicherung und seinen Minderwertigkeitskomplex durch seine \u00fcberaus schm\u00e4chtige und auffallend kleine Gestalt kompensieren sollte. Er gab sich dem Dandytum hin, suchte die Pose und das Stilisierte, ja wahrte selbst im Umgang mit Freunden eine gewisse distanzierte K\u00e4lte. Dazu passt seine Begeisterung f\u00fcr alles Unechte und K\u00fcnstliche. Michael Stegemann sprach zu Recht von Maskeraden, nicht nur im gesellschaftlichen und sozialen Umfeld, sondern auch in seinen Werken. So bezeichnete Ravel etwa das Ballett <em>Daphnis et Chlo\u00e9<\/em> (1909\u201312) auf der Basis der antiken Dichtung von Longos in seiner <em>Autobiographischen Skizze<\/em> als \u201eausladendes musikalisches Fresko, weniger archaisierend als voll Hingabe an das Griechenland meiner Tr\u00e4ume\u201c. Entsprechend liegt der Gedanke nahe, dass auch die Orchesterlieder <em>Sh\u00e9h\u00e9razade<\/em> (1903) einen imagin\u00e4ren Orient heraufbeschw\u00f6ren und die ber\u00fchmte <em>Rapsodie espagnole<\/em> (1907\/08) ein k\u00fcnstliches Spanien jenseits aller Folklore vor uns erstehen l\u00e4sst. Wie ein Schwamm sog Ravel die unterschiedlichsten Anregungen in sich auf, mit auffallenden Vorlieben f\u00fcr Exotik, Kinder- und Tierwelten, und gab sie verfremdet wieder, wobei immer auch ironische Z\u00fcge zum Tragen kommen. Aber wenn sich Ravel st\u00e4ndig Masken aufsetzte \u2013 wer war er dann wirklich? Letztlich bleibt seine Pers\u00f6nlichkeit voller R\u00e4tsel, aber der Gedanke liegt nicht fern, dass die K\u00fcnstlichkeit sozusagen zu seiner zweiten Natur wurde \u2013 oder anders ausgedr\u00fcckt: dass er sich den naiven Blick des Kindes lebenslang bewahrte, dem der f\u00fcr Erwachsene selbstverst\u00e4ndliche Unterschied zwischen \u201enat\u00fcrlich\u201c und \u201ek\u00fcnstlich\u201c fremd ist. In diesem Sinne darf man wohl die von seinem engen Freund Michel-Dimitri Calvocoressi \u00fcberlieferte Formulierung Ravels interpretieren, den Leuten k\u00e4me wohl niemals die Idee, dass er \u201evon Natur aus k\u00fcnstlich\u201c sein k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ravel lie\u00df sich in seinen Anf\u00e4ngen von Emmanuel Chabrier und Erik Satie beeinflussen, f\u00fcr kurze Zeit auch von Debussy, fand aber um 1900 sehr schnell seinen ganz individuellen Ton, der ihn m\u00fchelos fremde Musik ganz unterschiedlicher Art \u2013 seien es nun historische Gattungen, in- oder ausl\u00e4ndische Volkslieder oder moderne Musik inklusive des Jazz \u2013 aufnehmen und zu etwas Neuem verarbeiten lie\u00df. Schon in Ravels erster erfolgreicher Komposition, der <em>Pavane pour une infante d\u00e9funte<\/em> (1899) f\u00fcr Klavier, l\u00e4sst sich diese F\u00e4higkeit anschaulich beobachten. Ihm schwebte die Szenerie des einstigen spanischen Hofes vor, was die Wahl der h\u00f6fischen Pavane mit ihrem Alternieren zwischen Refrain und Couplets erkl\u00e4rt, aber er gestaltete den feierlichen Schreittanz nicht mit historisierender Musik, sondern mit einer schlichten Melodie \u00fcber einer leicht dissonanten Begleitung, die zu eben jener melancholischen Stimmung f\u00fchrt, die der Titel (Pavane f\u00fcr eine verstorbene Infantin) erwarten l\u00e4sst:<\/p>\n<div id=\"attachment_11468\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild4.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11468\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11468\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild4-300x159.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild4-300x159.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild4.png 605w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11468\" class=\"wp-caption-text\">Beginn der <em>Pavane pour une infante d\u00e9funte<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/Pavane-pour-une-infante-defunte\/HN-1260\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1260<\/a><\/p><\/div>\n<p>Ein gr\u00f6\u00dferer Kontrast als das n\u00e4chstfolgende Klavierst\u00fcck <em>Jeux d\u2019eau<\/em> (1901) ist kaum denkbar. Arbeitet die <em>Pavane <\/em>mit m\u00f6glichst einfachen Mitteln, um die Atmosph\u00e4re eines stilisierten historischen Tanzes zu evozieren, so liegt mit <em>Jeux d\u2019eau <\/em>ein hochvirtuoses und harmonisch \u00e4u\u00dferst komplexes Werk vor, das stetig mit neuartigen satztechnischen Herausforderungen aufwartet. Auch stilistisch k\u00f6nnte der Unterschied beider Kompositionen kaum gr\u00f6\u00dfer sein \u2013 hier eine erste Ann\u00e4herung an den Klassizismus, die sp\u00e4ter in <em>Le Tombeau de Couperin<\/em> (1914\u201317) viel deutlicher und reifer ausfallen sollte, dort eine Affinit\u00e4t zur impressionistischen Klangmalerei. Solche Kontraste sind typisch f\u00fcr das Gesamtschaffen Ravels, getreu der 1911 formulierten Devise, er \u201ebem\u00fche sich vor allem, ganz unterschiedliche Sachen zu machen\u201c, also mit jedem Werk etwas v\u00f6llig Neues zu unternehmen.<\/p>\n<p>Ravel hinterlie\u00df \u2013 gemessen an der rund vier Jahrzehnte umfassenden Schaffenszeit \u2013 ein ziemlich schmales \u0152uvre, und tats\u00e4chlich komponierte er auffallend langsam. Die Genese zahlreicher Werke zog sich \u00fcber mehrere Jahre hin. Er selbst bemerkte einmal, er brauche eine lange Zeit \u201ebewussten Reifens\u201c, bis er allm\u00e4hlich Form und Entwicklung eines neuen Werkes vor sich sehe, danach ginge das Schreiben an sich relativ schnell von statten. Doch dann sei noch viel Zeit aufzuwenden, um alles \u00dcberfl\u00fcssige zu tilgen, sprich: um der intendierten Perfektion so nahe wie m\u00f6glich zu kommen. Wie m\u00fchevoll und skrupul\u00f6s sein Vorgehen war, zeigen die ausnahmsweise reichlich \u00fcberlieferten Quellen zu <em>Jeux d\u2019eau<\/em>. Neben Skizzen zu verschiedenen Grundmotiven haben sich drei vollst\u00e4ndige autographe Niederschriften erhalten, wobei die erste, obwohl noch mit zahlreichen Streichungen und Korrekturen versehen, bereits ziemlich dicht an die Endfassung heranreicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_11469\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild5.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11469\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11469\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild5-300x60.png\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"91\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild5-300x60.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild5.png 605w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11469\" class=\"wp-caption-text\">Beginn der ersten Niederschrift von <em>Jeux d\u2019eau<\/em> (Paris, Biblioth\u00e8que nationale de France, Ms. 15198)<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr die zweite Niederschrift kopierte Ravel dieses Autograph \u00fcber weite Strecken unver\u00e4ndert, korrigierte lediglich einzelne Takte. Aber er notierte danach seine Komposition nochmals vollst\u00e4ndig neu, wobei die wenigen \u00c4nderungen, abgesehen von der nun hinzugef\u00fcgten Widmung an seinen Lehrer Gabriel Faur\u00e9, vor allem Tempo- und Pedalanweisungen betreffen. Trotz dieser Sorgfalt enthalten die Erstausgaben der Werke in der Regel noch zahlreiche Druckfehler \u2013 die Ravel in zahlreichen Briefen beklagte, aber nie systematisch sammelte, um sie in neuen Auflagen korrigieren zu lassen. Viele dieser Fehler gehen allerdings auf Versehen in seinen Manuskripten zur\u00fcck, denn Tempo- und Metronomangaben sowie Metrums-, Vorzeichen- und Schl\u00fcsselwechsel bilden einen gewissen Schwachpunkt in der sonst sehr deutlichen und klaren Niederschrift seiner Kompositionen.<\/p>\n<p>Eine Reihe von Titeln verweist auf au\u00dfermusikalische Anregungen \u2013 exemplarisch genannt seien etwa <em>Oiseaux tristes<\/em> oder <em>La Vall\u00e9e des cloches<\/em> aus den <em>Miroirs<\/em> (1904\/05) \u2013, sobald von Ravel aber konkretere Angaben gew\u00fcnscht wurden, verweigerte er die Aussage und verwies nur auf die Musik selbst. Ein ber\u00fchmter Fall in diesem Zusammenhang ist Maurice Emmanuels Nachfrage zu den Hintergr\u00fcnden von <em>La Valse<\/em> (1919\/20) im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Auff\u00fchrung der Orchesterfassung, zu der er das Programm schreiben sollte. In seiner Antwort betonte Ravel zun\u00e4chst, dass die \u201ePo\u00e8me chor\u00e9graphique\u201c (so der Untertitel) eigentlich f\u00fcr die B\u00fchne geschrieben sei und erteilte allen Spekulationen als m\u00f6gliche Parodie oder als Schilderung des Untergangs der Habsburgermonarchie, die einige Kritiker darin sehen wollten, eine Abfuhr: \u201eMan darf darin nur das sehen, was die Musik hier ausdr\u00fcckt: einen ansteigenden Verlauf des Klangs, zu dem die B\u00fchne den des Lichts und der Bewegung hinzuf\u00fcgen wird\u201c (siehe Abbildung).<\/p>\n<div id=\"attachment_11470\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild6.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11470\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11470\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild6-300x197.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild6-300x197.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2025\/01\/Bild6.png 490w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11470\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem Brief Ravels an Maurice Emmanuel vom 14. Oktober 1922 (Privatbesitz): \u201eIl ne faut y voir que ce que la musique y exprime: une progression ascendante de sonorit\u00e9, \u00e0 laquelle la sc\u00e8ne viendra ajouter celle de la lumi\u00e8re et du mouvement.\u201c<\/p><\/div>\n<p>Hier lieferte Ravel im Kern sein musik\u00e4sthetisches Credo. Und dazu passt sehr gut die wiederum von Roland-Manuel \u00fcberlieferte Aussage, dass Ravel, sollte er nach seinen Grunds\u00e4tzen befragt werden, sich auf die einfache Aussage eines Mozart berufen w\u00fcrde: Es gebe nichts, was die Musik nicht versuchen, wagen oder darstellen k\u00f6nne, vorausgesetzt sie verzaubere und bleibe stets Musik.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch ein Hinweis auf eine Einspielung der <em>Jeux d\u2019eau<\/em> von Vlado Perlemuter, der 1927 Ravels Klavierwerke beim Komponisten selbst in Montfort-l\u2019Amaury studierte. M\u00f6ge Ravels Musik uns 2025 begleiten und verzaubern!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Jeux d&#039;eau, M. 30\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5hxM7RzWNCk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie das vergangene Jahr wird auch 2025 reich an Komponisten-Gedenktagen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2025\/01\/13\/von-natur-aus-kuenstlich-maurice-ravel-zum-150-geburtstag\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[301,3,308],"tags":[37],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11464"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11464"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11480,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11464\/revisions\/11480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}