{"id":11936,"date":"2026-01-12T08:00:37","date_gmt":"2026-01-12T07:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/?p=11936"},"modified":"2026-01-09T11:23:07","modified_gmt":"2026-01-09T10:23:07","slug":"neues-jahr-neues-glueck-willkommen-sebastian-lee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2026\/01\/12\/neues-jahr-neues-glueck-willkommen-sebastian-lee\/","title":{"rendered":"Neues Jahr, neues Gl\u00fcck: Willkommen Sebastian Lee!"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_11939\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11939\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11939\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-scaled.jpg 1796w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-210x300.jpg 210w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-718x1024.jpg 718w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-768x1095.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-1077x1536.jpg 1077w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Sebastian_Lee_1843_wikimedia-commons-1436x2048.jpg 1436w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11939\" class=\"wp-caption-text\">Sebastian Lee (1805\u20131887)<\/p><\/div>\n<p>Lieben Sie Lee? Diese Frage werden unter den gesch\u00e4tzten Leserinnen und Lesern dieses Blogs wohl nur jene beantworten k\u00f6nnen, die schon mal ein Cello zwischen den Knien gehalten haben. Denn mit dem Cellisten und Komponisten Sebastian Lee (1805\u20131887) ist zum Ende des letzten Jahres ein Komponist neu in unseren Katalog eingetreten, der heute nur noch durch seine p\u00e4dagogischen Werke bekannt ist. Diese erfreuen sich allerdings einer schier unglaubliche Popularit\u00e4t \u2013 sei es die <em>M\u00e9thode pratique pour le violoncelle<\/em> op. 30, die 1842 in Paris erschien und bis heute erh\u00e4ltlich ist, oder Et\u00fcden-Sammlungen wie die 1843 zum Gebrauch am Pariser Conservatoire entstandenen <em>40 \u00c9tudes m\u00e9lodiques et progressive <\/em>op. 31 (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/40-Etueden-fuer-Violoncello-solo-op.-31\/HN-1519\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HN 1519<\/a>), die seit kurzem unseren Katalog bereichern.<!--more--><\/p>\n<p>Und wie so oft bei Et\u00fcden, zeigte sich auch hier in Vorbereitung der Urtext-Ausgabe, dass man bei der Rekonstruktion der Editionsgeschichte solcher seit mehr als 100 Jahren kanonisierter, aber auch immer wieder neu f\u00fcr den aktuellen Bedarf eingerichteter Unterrichtsliteratur durchaus \u00dcberraschungen erleben kann. Meine Kollegen haben dazu schon vor einiger Zeit in diesem Forum am Beispiel der Violin-Et\u00fcden von <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2018\/12\/10\/40-oder-42-rodolphe-kreutzers-etueden-als-urtextausgabe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rodolphe Kreutzer<\/a> und <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2019\/09\/30\/erste-kritische-urtext-ausgabe-der-etueden-von-jakob-dont\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jakob Dont<\/a> berichtet, und mir sollte es nun mit Sebastian Lee nicht anders gehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_11940\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1.jpeg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11940\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11940\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1.jpeg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1-229x300.jpeg 229w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1-781x1024.jpeg 781w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB1-768x1007.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11940\" class=\"wp-caption-text\">Erstausgabe von Aulagnier mit Eingangsstempel 1843<\/p><\/div>\n<p>Zun\u00e4chst erschien alles ganz simpel: Die Erstausgabe von Lees Opus 31 war ebenso wie seine Violoncelloschule op. 30 im Pariser Verlag Aulagnier erschienen, das genaue Datum lie\u00df sich in der <em>Bibliographie de la France<\/em> vom 15. Juli 1843 verifizieren und wurde durch den Eingangsstempel auf dem Exemplar der Biblioth\u00e8que nationale best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde die Ausgabe von Schott in Mainz \u00fcbernommen, wo der ber\u00fchmte Cellop\u00e4dagoge Hugo Becker (1864\u20131941) die Et\u00fcden op. 31 zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rahmen einer Sammlung von Lee-Werken f\u00fcr eine Neuausgabe revidierte. Auf dieser Grundlage erschienen in den letzten 100 Jahren bei zahlreichen Verlagen weitere Ausgaben, die durch verschiedene Cellisten mehr oder weniger f\u00fcr den aktuellen Gebrauch \u201eeingerichtet\u201c waren. All diese sp\u00e4teren Ausgaben unterschieden sich signifikant von der Erstausgabe, indem hier immerhin 10 der 40 St\u00fccke um ganze Abschnitte von 8 oder 12 Takten gek\u00fcrzt waren. F\u00fcr uns als Urtext-Verlag schien die Sache klar: Die Erstausgabe von 1843 w\u00e4re Hauptquelle einer Edition, die den urspr\u00fcnglich vom Komponisten fixierten Text des Werkes pr\u00e4sentierte, frei von den K\u00fcrzungen und \u00c4nderungen sp\u00e4ter Herausgeber wie Hugo Becker \u2013 oder etwa nicht?<\/p>\n<div id=\"attachment_11941\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11941\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11941\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-scaled.jpg 2065w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-242x300.jpg 242w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-826x1024.jpg 826w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-768x952.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-1239x1536.jpg 1239w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABB2-1652x2048.jpg 1652w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11941\" class=\"wp-caption-text\">Revidierte Ausgabe von Hugo Becker, erschienen 1901 bei Schott<\/p><\/div>\n<p>Immerhin war es etwas merkw\u00fcrdig, dass ein Herausgeber ein Et\u00fcdenwerk k\u00fcrzen sollte. Normalerweise ergehen sich sp\u00e4tere Bearbeiter von Et\u00fcden ja eher in Zus\u00e4tzen gegen\u00fcber dem Original (siehe die oben erw\u00e4hnten Beitr\u00e4ge meiner Kollegen!) \u2013 seien es nun Fingersatz und Strichbezeichnung oder Angaben zu Dynamik, Artikulation und Tempo. Zudem lieferte <em>Hofmeisters Monatsbericht<\/em> f\u00fcr M\u00e4rz 1853 einen Eintrag, in dem der Schott-Verlag eine Ausgabe der Et\u00fcden op. 31 anzeigt. Es war also zehn Jahre nach der franz\u00f6sischen Erstausgabe, noch zu Lebzeiten Lees, eine weitere, deutsche Ausgabe der Et\u00fcden erschienen. Vermutlich war dies ein schlichter Nachdruck der Ausgabe von Aulagnier. Aber nat\u00fcrlich machten wir uns auf die Suche nach einem Exemplar \u2013 zumal hier guter Rat so nahe lag: Die Bayerische Staatsbibliothek in M\u00fcnchen beherbergt n\u00e4mlich seit einigen Jahren einen Teil des Historischen Archivs des Schott-Verlags, dessen gesamter Bestand damals sukzessive im Rahmen eines gro\u00df angelegten Digitalisierungsprojekts online zug\u00e4nglich gemacht werden sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_11942\" style=\"width: 415px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11942\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11942\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"67\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3.jpg 1227w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3-300x50.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3-1024x170.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/ABBHofmeister3-768x128.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11942\" class=\"wp-caption-text\">Eintrag in <em>Hofmeisters Monatsbericht<\/em> f\u00fcr M\u00e4rz 1853<\/p><\/div>\n<p>Noch war das <a href=\"https:\/\/schottarchiv-digital.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schottarchiv digital<\/a> zwar nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, aber auf meine Anfrage zu den Et\u00fcden op. 31 erhielt ich die Auskunft, dass man im Druckbuch des Verlags die Schott-Ausgabe samt neuer Plattennummer identifizieren k\u00f6nne, ein Exemplar aber nicht vorliege. Allerdings sei eine Aulagnier-Ausgabe vorhanden, die offenbar als Stichvorlage f\u00fcr die Schott-Ausgabe gedient habe und zahlreiche handschriftliche Eintragungen enthielt. Dies war nat\u00fcrlich umso spannender!<\/p>\n<div id=\"attachment_11943\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Druckbuch.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11943\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11943\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Druckbuch.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Druckbuch.png 1014w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Druckbuch-300x175.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Druckbuch-768x448.png 768w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11943\" class=\"wp-caption-text\">Eintrag im Druckbuch f\u00fcr Plattennummer 11851\/52<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend also unsere Lektoratsassistentin mit unerm\u00fcdlicher Geduld weiter nach der deutschen Schott-Ausgabe forschte (und diese endlich in der Frankfurter Universit\u00e4tsbibliothek auch fand!), machte ich mich auf in die Staatsbibliothek, wo man mir die zur Digitalisierung vorbereitete Stichvorlage freundlicherweise vorab zur Einsichtnahme vorlegte. Dabei zeigte sich, dass die handschriftlichen Eintragungen im Druck auch jene K\u00fcrzungen betrafen, die bisher nur aus Beckers sp\u00e4terer Neuausgabe bekannt und stets auf ihn zur\u00fcckgef\u00fchrt worden waren. Die inzwischen aus Frankfurt eingetroffenen Scans der Schott-Ausgabe von 1853 best\u00e4tigten hingegen: Diese \u00c4nderungen waren bereits 1853 gedruckt erschienen \u2013 und konnten keinesfalls auf Hugo Becker zur\u00fcckgehen, der erst ein Jahrzehnt sp\u00e4ter geboren werden sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_11944\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11944\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11944\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-1024x674.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-768x506.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-1536x1011.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/StV_Nr.14-2048x1348.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11944\" class=\"wp-caption-text\">Stichvorlage Nr. 14 mit handschriftlicher Eintragung<\/p><\/div>\n<p>Vielmehr ist anzunehmen, dass der Neustich bei Schott mit einer Revision des Notentextes durch den Komponisten einherging. Zwar war diese m\u00f6glicherweise prim\u00e4r durch den (verlegerischen) Wunsch nach geringerem Umfang motiviert \u2013 wie der explizite Hinweis \u201eDiese Et\u00fcde kann auf einer Seite gedruckt werden\u201c bei der besonders stark gek\u00fcrzten, zuvor zweiseitigen Nr. 14 nahelegt. Aber Eingriffe in Artikulation und Figuration an anderer Stelle betreffen auch rein musikalisch motivierte \u00c4nderungen, die verlagsseitig nicht \u201en\u00f6tig\u201c gewesen w\u00e4ren und eher auf den Komponisten verweisen.<\/p>\n<div id=\"attachment_11947\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11947\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11947\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-768x509.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-1536x1018.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/A-2048x1358.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11947\" class=\"wp-caption-text\">Stichvorlage Nr. 10 und 11<\/p><\/div>\n<p>So ist die K\u00fcrzung von zwei Abschnitten von 12 und 8 Takten in Nr. 10 durch den Wunsch zu erkl\u00e4ren, die Nummern 9\u201311 in der deutschen Ausgabe auf zwei statt zuvor drei Seiten darzubieten. Die \u00c4nderung der Figuration in zwei Takten von Nr. 11 hingegen, die in der Stichvorlage mittels Rasur ausgef\u00fchrt und am Rand noch durch Tonbuchstaben verdeutlicht wird, ist rein melodischer Natur.<\/p>\n<div id=\"attachment_11949\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11949\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-11949\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott.jpg 2072w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott-300x186.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott-768x477.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott-1536x955.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2026\/01\/Aulagnier_Schott-2048x1273.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11949\" class=\"wp-caption-text\">links: Erstausgabe von Aulagnier<br \/>rechts: revidierte Ausgabe von Schott,<br \/>markierte Takte 38, 42<\/p><\/div>\n<p>Beweisen l\u00e4sst sich die Urheberschaft Lees bei diesen \u00c4nderungen bisher nicht: Die Handschrift der Eintragungen ist nicht zweifelsfrei zu verifizieren und die Revision weder durch sekund\u00e4re Zeugnisse noch durch entsprechende Hinweise im Druckbuch oder auf dem Titelblatt der Ausgabe belegt. Die Verwendung zweier Schreibmittel (Bleistift und Tinte) und die Art der Eingriffe l\u00e4sst jedoch vermuten, dass hier zun\u00e4chst verlagsseitig mit Bleistift eine neue Sticheinteilung (erkennbar an den kleinen Ziffern im Notentext) samt Vorschl\u00e4gen f\u00fcr m\u00f6gliche K\u00fcrzungen gemacht wurde, die dann von einem anderen Schreiber mit Tinte best\u00e4tigt bzw. umgesetzt wurden, wobei er weitere \u00c4nderungen vornahm \u2013 und wer au\u00dfer dem Komponisten sollte dies gewesen sein?<\/p>\n<p>Auf Grundlage dieser \u00dcberlegungen war nun klar, dass nicht die franz\u00f6sische Erstausgabe von 1843, sondern vielmehr die revidierte deutsche Ausgabe von 1853 Hauptquelle unserer Urtextausgabe zu sein hat. Und dass diese Urtextausgabe folglich durchaus sp\u00e4tere K\u00fcrzungen und \u00c4nderungen pr\u00e4sentiert, die uns aus der Becker-Ausgabe bekannt sind \u2013 aber entgegen bisherigen Behauptungen eben nicht auf Becker zur\u00fcckgehen. Vielmehr zeigt der Abgleich von Beckers Neuausgabe mit der Schott-Ausgabe von 1853, dass Hugo Becker sich neben der sparsamen Erg\u00e4nzung von Dynamik (die in den Ausgaben von 1843 und 1853 fast vollst\u00e4ndig fehlt) auf einige wenige \u00c4nderungen in Bogensetzung sowie Fingersatz und Strichbezeichnung beschr\u00e4nkte \u2013 und damit wesentlich behutsamer mit dem originalen Notentext umging als mancher seiner Zeitgenossen.<\/p>\n<p>Um abschlie\u00dfend noch auf die eingangs gestellte Frage zur\u00fcckzukommen: Wer jemals eine Lee-Et\u00fcde gespielt hat, wird sie aus ganzem Herzen mit \u201eJa\u201c beantworten, denn in ihrer Verbindung von eing\u00e4ngiger Melodik und effektivem Training machen sie das \u00dcben zur Freude und trainieren nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch den Sinn f\u00fcr musikalische Gestaltung \u2013 und dies hoffentlich auch in unserer Ausgabe, die \u00fcbrigens ebenfalls von einem gro\u00dfen Cellop\u00e4dagogen bearbeitet wurde: <a href=\"https:\/\/www.hfm-weimar.de\/institut-fuer-streichinstrumente-und-harfe\/lehrende\/detailansicht?tx_jobase_pi3%5Baction%5D=orgadetail&amp;tx_jobase_pi3%5Bcontroller%5D=Elements&amp;tx_jobase_pi3%5BjoAlternateAmt%5D=0&amp;tx_jobase_pi3%5BjoOrgaDetail%5D=118&amp;tx_jobase_pi3%5BjoRefererId%5D=16949&amp;cHash=dcc67c7ca735ed1f858381497d11640f\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfgang Emanuel Schmidt<\/a> hat den Notentext mit praktischen Hinweisen zur Zielsetzung der Et\u00fcden versehen und wo n\u00f6tig Erg\u00e4nzungen und Alternativen zur historischen Bezeichnung beigesteuert. Selbstverst\u00e4ndlich sind diese Zus\u00e4tze \u2013 wie immer in unseren Et\u00fcdenausgaben \u2013 durch Graudruck gekennzeichnet. Damit wenigstens ab jetzt ein f\u00fcr alle Mal erkennbar ist, was vom Komponisten stammt \u2013 und was nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieben Sie Lee? Diese Frage werden unter den gesch\u00e4tzten Leserinnen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2026\/01\/12\/neues-jahr-neues-glueck-willkommen-sebastian-lee\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[88,6,924,3,898,407,86,925,342],"tags":[762,923,28],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11936"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11936"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11936\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11957,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11936\/revisions\/11957"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}