{"id":154,"date":"2011-12-12T08:00:16","date_gmt":"2011-12-12T07:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=154"},"modified":"2015-05-19T12:30:36","modified_gmt":"2015-05-19T10:30:36","slug":"doppelt-gemoppelt-halt-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2011\/12\/12\/doppelt-gemoppelt-halt-besser\/","title":{"rendered":"Alta Viola &#8211; Doppelt gemoppelt h\u00e4lt besser"},"content":{"rendered":"<p>Bezeichnungen von Musikinstrumenten in \u00e4lteren Notendrucken und Manuskripten sind h\u00e4ufig recht individuell und k\u00f6nnen Anlass zu Spekulationen geben. Was genau verbirgt sich zum Beispiel hinter einer \u201eAlta Viola\u201c \u2013 eine gew\u00f6hnliche Bratsche oder doch ein eigenes Instrument?<!--more--><\/p>\n<p>1798 ver\u00f6ffentlichte der junge Johann Nepomuk Hummel als Opus 5 drei Sonaten f\u00fcr Klavier mit obligater Streicherbegleitung: die ersten beiden St\u00fccke mit Violine, das letzte hingegen unter Verwendung einer \u2013 ja, ist es eine Bratsche? Die Benennung \u201eAlta Viola\u201c auf dem Titelblatt der Erstausgabe (siehe Abb.) k\u00f6nnte vermuten lassen, es handele sich um eine besondere Unterart der Viola, etwa mit besonders kleinem Korpus oder mit einer h\u00f6heren Stimmung der Saiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_155\" style=\"width: 698px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/hummel.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-155\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-155 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/hummel.jpg\" alt=\"\" width=\"688\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/hummel.jpg 688w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/hummel-300x185.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-155\" class=\"wp-caption-text\">J.N.Hummel, 3 Sonaten op. 5, Titelblatt der Erstausgabe <\/p><\/div>\n<p>Tats\u00e4chlich lassen sich im 18. Jahrhundert einzelne Versuche von Instrumentenbauern nachweisen, die bis dato eher stiefm\u00fctterlich behandelte Viola f\u00fcr solistisch-virtuosere Einsatzgebiete \u201eaufzur\u00fcsten\u201c. So schrieb der franz\u00f6sische Geiger und Komponist Michel Woldemar um 1800 ein Konzert f\u00fcr eine 5-saitige \u201eViolon Alto\u201c, im Grunde eine Bratsche mit hinzugef\u00fcgter hoher e\u2019\u2019-Saite. Und eine besonders ausgefallene Zwillingskonstruktion einer \u201eAlto-Violon\u201c von Joseph Nicolas l\u00e4sst sich <a title=\"Alto-Violon\" href=\"http:\/\/mediatheque.cite-musique.fr\/ClientbooklineCIMU\/zoomify\/zoomify.asp?INSTANCE=MULTIMEDIA&amp;EID=CMIM000024689&amp;TYPEDOC=CMIM\" target=\"_blank\">im Pariser Musikinstrumentenmuseum<\/a> bewundern. Eine weit sp\u00e4tere Erfindung ist hingegen die <a title=\"Viola alta\" href=\"http:\/\/homepage3.nifty.com\/viola-alta\/page012.html\" target=\"_blank\">\u201eViola alta\u201c Hermann Ritters<\/a>, die in den 1870er Jahren entstand; diese wies nun umgekehrt eine besonders gro\u00dfe Mensur auf und wurde von Richard Wagner wegen ihres vollen, sonoren Klanges sehr gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Insgesamt handelt es sich bei diesen Beispielen aber eher um vereinzelte Kuriosit\u00e4ten, die so gut wie keinen Niederschlag in der allgemeinen Musikpraxis fanden. So ist denn auch die \u201eAlta Viola\u201c auf Hummels Titelblatt schlicht mit mangelnden Franz\u00f6sischkenntnissen zu erkl\u00e4ren (wie man auch an den zahlreichen weiteren orthographischen und grammatischen Fehlern auf dem gezeigten Titelblatt erkennt).<\/p>\n<p>Sehr h\u00e4ufig findet sich n\u00e4mlich auf den Titelbl\u00e4ttern jener Zeit die Angabe \u201eAlto Viola\u201c, also einfach eine Kopplung aus franz\u00f6sischem und italienischem Instrumentennamen. So tragen auch beispielsweise die Bratschenkonzerte von Carl Stamitz (vgl. unsere Ausgabe <a title=\"Stamitz, Violakonzert\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Violakonzert+Nr.+1+D-dur_758\" target=\"_blank\">HN 758<\/a>), Ignaz Pleyel oder Carl Maria von Weber im Titel die verdoppelte Bezeichnung \u201epour l\u2019Alto Viola Principale\u201c. Und so kann und darf auch die Hummelsche Sonate auf einer handels\u00fcblichen Bratsche gespielt werden\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_188\" style=\"width: 570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/Mozart-Alto-Viola.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-188\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-188  \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/Mozart-Alto-Viola.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/Mozart-Alto-Viola.jpg 700w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2011\/12\/Mozart-Alto-Viola-300x123.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-188\" class=\"wp-caption-text\">Findet sich auch bei Mozart: die Benennung der Bratsche als &quot;Alto Viola&quot;<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bezeichnungen von Musikinstrumenten in \u00e4lteren Notendrucken und Manuskripten sind h\u00e4ufig &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2011\/12\/12\/doppelt-gemoppelt-halt-besser\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,340,3,403],"tags":[689,688,12,10],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=154"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}