{"id":1858,"date":"2013-06-24T08:49:45","date_gmt":"2013-06-24T06:49:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=1858"},"modified":"2015-05-22T10:34:34","modified_gmt":"2015-05-22T08:34:34","slug":"una-corda-%e2%80%93-con-sord-%e2%80%93-mit-verschiebung-wie-dampfe-ich-mein-klavier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/06\/24\/una-corda-%e2%80%93-con-sord-%e2%80%93-mit-verschiebung-wie-dampfe-ich-mein-klavier\/","title":{"rendered":"\u201euna corda\u201c \u2013 \u201econ sord.\u201c \u2013 \u201emit Verschiebung\u201c: Wie d\u00e4mpfe ich mein Klavier?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\">Manch ein Klaviersch\u00fcler wird seinen Augen nicht trauen, wenn er die Bezeichnung <em>una corda<\/em> (= eine Saite) in den Noten liest.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1860 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-1-300x154.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-1-300x154.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-1.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, wir wollten uns in das Zeitalter John Cages und seiner pr\u00e4parierten Klaviere versetzen. Denn wie soll der Spieler unter den 1\u20133 Saiten, die jeder Taste zugeordnet sind, gezielt eine ausw\u00e4hlen und diese zum Klingen bringen?<!--more--><\/p>\n<p>Zugegeben, so naiv werden nur wenige sein, die sich mit ihrem Instrument eingehend besch\u00e4ftigt haben. <em>Una corda<\/em> verlangt den Einsatz des linken Pedals, des D\u00e4mpfers. Wer je an einem Fl\u00fcgel das linke Pedal getreten hat, wird den Effekt kennen: Die Tastatur verschiebt sich zusammen mit der gesamten Anschlagsmechanik ein kleines St\u00fcck nach rechts; die im Korpus gespannten Saiten bleiben nat\u00fcrlich an ihrem Ort. So wird erreicht, dass die H\u00e4mmerchen nicht mehr auf alle ihnen zugeordneten Saiten treffen, sondern nur noch auf eine \u2013 <em>una corda<\/em> also. (Bei Klavieren ist <em>una corda<\/em> nur im \u00fcbertragenen Sinne m\u00f6glich: F\u00fcr die D\u00e4mpfung wird dort der Weg der H\u00e4mmerchen zur Saite verk\u00fcrzt.) Das Instrument klingt nun nicht allein leiser sondern auch matter und weicher, ein Wechsel der Klangfarbe, den viele Komponisten bewusst eingesetzt haben.<\/p>\n<p>Die Terminologie f\u00fcr den Einsatz des linken Pedals hat sich jedoch in der Geschichte der Notation immer wieder gewandelt. <em>Una corda<\/em> ist die Form, die man am h\u00e4ufigsten antrifft. Beethoven hat sich dieser Schreibweise immer wieder bedient. Besonders in seinen sp\u00e4ten Sonaten setzt er den Klangeffekt als Bestandteil seiner Komposition ein. In der Sonate op. 101 verwendet er die italienische und deutsche Form:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1861\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-2-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-2.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Ort, an dem das linke Pedal wieder losgelassen werden soll, wird genau bezeichnet, f\u00fcr gew\u00f6hnlich mit <em>tre corde<\/em> oder <em>tutte le corde.<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1862\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-3-300x226.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-3-300x226.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-3.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beethoven geht jedoch noch einen Schritt weiter. Mitunter schreibt er vor, bei der Aufhebung des linken Pedals so behutsam vorzugehen, dass erst nach und nach wieder alle Saiten zum Klingen gebracht werden sollen, d.h., zun\u00e4chst nur zwei und schlie\u00dflich wieder alle drei:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-4.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-1863\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-4.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-4.jpg 700w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-4-300x80.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Robert Schumann gab oftmals an, welche Stellen den Einsatz des linken Pedals verlangen. Er verwendet daf\u00fcr den vielleicht anschaulichsten Begriff, die <em>Verschiebung<\/em>, der beinhaltet, dass die Ebenen von Saiten und H\u00e4mmerchen gegeneinander verschoben werden, um den Effekt der D\u00e4mpfung zu erzielen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-5.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1864\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-5-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"253\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-5-300x186.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-5.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 253px) 100vw, 253px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausgerechnet die \u2013 wie man meinen k\u00f6nnte \u2013 eindeutigste Bezeichnung f\u00fcr das linke Pedal, <em>con sordino<\/em>, sorgt allerdings f\u00fcr ein wenig Verwirrung. In Skrjabins 1. Klaviersonate verwendet die Erstausgabe, die zugleich einzige Quelle ist, sowohl den Begriff <em>una corda<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-6-jpg.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1865\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-6-jpg-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-6-jpg-300x186.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-6-jpg.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>als auch <em>con sord.<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-7.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1866\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-7-300x242.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-7-300x242.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-7.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei Begriffe f\u00fcr das gleiche Ph\u00e4nomen?<\/p>\n<p>H\u00f6chstwahrscheinlich schon. Dennoch haben wir bei der Vorbereitung der Edition einen Moment gez\u00f6gert. Differenziert Skrjabin vielleicht bewusst und meint zwei verschiedene Effekte? Wiederum empfiehlt sich ein Seitenblick auf Beethoven. Der \u201eMondschein\u201c-Sonate stellt er die Spielanweisung <em>senza sordino<\/em> voraus. Damit ist nicht etwa gemeint \u201eohne linkes Pedal\u201c, sondern \u201emit rechtem Pedal\u201c. Beethoven beschreibt, was mechanisch passiert, wenn das rechte Pedal getreten wird: Die D\u00e4mpfer heben sich von allen Saiten, weshalb die angeschlagenen T\u00f6ne nachklingen; man spielt \u201eohne D\u00e4mpfer\u201c. Hei\u00dft das im Umkehrschluss, dass Skrjabin mit <em>con sord.<\/em> meint, die Stelle im I. Satz T. 67 ff. solle \u201emit D\u00e4mpfern\u201c also \u201eohne rechtes Pedal\u201c gespielt werden? Prof. Michael Sch\u00e4fer, der unsere Skrjabin-Editionen eng begleitet, wies uns auf diese Stelle hin und berichtete, er spiele in der Tat diese Passage stets ohne rechtes Pedal \u2013 ein ged\u00e4mpfter, trockener Klang ist vermutlich genau, was Skrjabin im Sinn hatte.<\/p>\n<p>Dennoch beziehen sich <em>con sord<\/em>. genau wie <em>una corda<\/em>, <em>mit Verschiebung<\/em> oder <em>II. Pedal<\/em> (so in Busonis Transkription der Bachschen Chaconne) auf den Einsatz des linken Pedals. Um Verwirrungen aller Art vorzubeugen, haben wir uns dazu entschlossen, zwar die jeweilige vom Komponisten gew\u00e4hlte Bezeichnung zu \u00fcbernehmen, sie jedoch in einer Fu\u00dfnote f\u00fcr Pianisten unserer Tage zu \u00fcbersetzen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-8.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1867 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-8.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"557\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-8.jpg 700w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/06\/NBS-8-300x238.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie haben Zweifel bez\u00fcglich der eindeutigen Zuordnung? Sie kennen andere interessante oder problematische Stellen? Dann schreiben Sie uns!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manch ein Klaviersch\u00fcler wird seinen Augen nicht trauen, wenn er &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/06\/24\/una-corda-%e2%80%93-con-sord-%e2%80%93-mit-verschiebung-wie-dampfe-ich-mein-klavier\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,301,3,33,316],"tags":[129,131,130,128,132],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1858"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1858\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}