{"id":2455,"date":"2013-10-28T07:00:48","date_gmt":"2013-10-28T06:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=2455"},"modified":"2017-08-10T13:15:32","modified_gmt":"2017-08-10T11:15:32","slug":"schumann-konzertstueck-4-hoerner-op-86","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/10\/28\/schumann-konzertstueck-4-hoerner-op-86\/","title":{"rendered":"\u201eDes Waldhorns s\u00fc\u00dfer Klang\u201c \u2013 Entdeckungen in Schumanns Konzertst\u00fcck Opus 86"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2501\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/800px-French_horn_front.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/800px-French_horn_front.png 800w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/800px-French_horn_front-300x213.png 300w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/>Vor allem f\u00fcr Pianisten und Streicher steht der Name Henle f\u00fcr verl\u00e4ssliche Urtext-Ausgaben ihres klassischen Repertoires \u2013 da der Verlagsgr\u00fcnder G\u00fcnter Henle selbst Pianist war, lag der Schwerpunkt der fr\u00fchen Verlagsjahre auch auf der entsprechenden Literatur. Doch inzwischen haben sich ebenfalls die Blasinstrumente einen festen Platz im Katalog gesichert.<!--more--><\/p>\n<p><big><em>Ein kurzer Streifzug durch unseren Blechbl\u00e4ser-Katalog\u2026<\/em><\/big><\/p>\n<p>Die erste Urtext-Ausgabe eines Werks mit Beteilung von Blasinstrumenten erschien erst 1972 mit Beethovens <em>Quintett op. 16 f\u00fcr Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott<\/em><br \/>\n(<a title=\"HN 222\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Quintett+Es-dur+op.+16+f%C3%BCr+Klavier%2C+Oboe%2C+Klarinette%2C+Horn+und+Fagott_222\" target=\"_blank\">HN 222<\/a>). Das erste Solowerk f\u00fcr ein Blasinstrument musste noch drei Jahre l\u00e4nger warten \u2013 die exquisiten <em>Klarinettensonaten op. 120<\/em> von Johannes Brahms (<a title=\"HN 274\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klarinettensonaten+%28oder+Viola%29+op.+120+Nr.+1+und+Nr.+2_274\" target=\"_blank\">HN 274<\/a>, demn\u00e4chst revidiert als <a title=\"HN 987\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klarinettensonaten+op.+120_987\" target=\"_blank\">HN 987<\/a>) waren dabei ein w\u00fcrdiger Premierentitel. W\u00e4hrend unsere Holzbl\u00e4ser-Ausgaben in den Folgejahren immer st\u00e4rkeren Zuwachs verzeichneten, fanden die Blechbl\u00e4ser erst relativ sp\u00e4t Eingang in den Urtext-Katalog. Den ersten Schritt machte Joseph Haydn: 1991 erschienen zugleich das <em>Trompetenkonzert<\/em> (<a title=\"HN 456\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Trompetenkonzert+Es-dur+Hob.+VIIe%3A1_456\" target=\"_blank\">HN 456<\/a>) und das einzige authentische <em>Hornkonzert<\/em> (<a title=\"HN 461\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Hornkonzert+D-dur+Hob.+VIId%3A3_461\" target=\"_blank\">HN 461<\/a>) als Einzelausgaben.<\/p>\n<p>Inzwischen k\u00f6nnen die Musiker bei nahezu allen herausragenden klassisch-romantischen Solowerken f\u00fcr Blech auf zuverl\u00e4ssige Henle-Urtextausgaben zur\u00fcckgreifen, seien es Mozarts Hornkonzerte oder sein <em>Hornquintett KV 407<\/em>, Beethovens <em>Hornsonate op. 17<\/em> (<a title=\"HN 498\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Hornsonate+%28oder+Violoncello%29+F-Dur+op.+17_498\" target=\"_blank\">HN 498<\/a>), das <em>Trompetenkonzert<\/em> von Hummel (<a title=\"HN 840\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Trompetenkonzert+E-dur_840\" target=\"_blank\">HN 840<\/a>), Schumanns <em>Adagio und Allegro<\/em> op. 70 (<a title=\"HN 1023\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Adagio+und+Allegro+op.+70+f%C3%BCr+Klavier+und+Horn_1023\" target=\"_blank\">HN 1023<\/a>) oder die <em>Villanelle<\/em> von Paul Dukas (<a title=\"HN 1170\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Villanelle+f%C3%BCr+Horn+und+Klavier_1170\" target=\"_blank\">HN 1170<\/a>). Und selbst die Posaune hat einen Platz in unserem Katalog gefunden mit Saint-Sa\u00ebns\u2019 <em>Cavatine<\/em> op. 144 (<a title=\"HN 1119\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Cavatine+f%C3%BCr+Posaune+und+Klavier+op.+144_1119\" target=\"_blank\">HN 1119<\/a>), und nicht zu vergessen Beethovens <em>3 Equale f\u00fcr vier Posaunen<\/em> (<a title=\"HN 1151\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Drei+Equale+f%C3%BCr+vier+Posaunen+WoO+30_1151\" target=\"_blank\">HN 1151<\/a>).<\/p>\n<p><big><em>\u2026und eine neue Entdeckung<\/em><\/big><\/p>\n<p>Mit Robert Schumanns <em>Konzertst\u00fcck f\u00fcr 4 H\u00f6rner op. 86<\/em> aus dem Jahr 1849, das in K\u00fcrze erscheint (<a title=\"HN 1138\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Konzertst%C3%BCck+f%C3%BCr+vier+H%C3%B6rner+und+Orchester+op.+86_1138\" target=\"_blank\">HN 1138<\/a>), schlie\u00dfen wir nun eine wichtige L\u00fccke in unserem romantischen Bl\u00e4ser-Repertoire. Unser Herausgeber, der Schumann-Experte <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/ernst-herttrich.html\" target=\"_blank\">Ernst Herttrich<\/a>, zog neben der Erstausgabe von 1851 nat\u00fcrlich auch das <a href=\"http:\/\/resolver.staatsbibliothek-berlin.de\/SBB000073D700000000\" target=\"_blank\">Autograph aus der Berliner Staatsbibliothek<\/a> heran und machte darin eine interessante Entdeckung zur Notation der Hornstimmen, die bislang in keiner modernen Ausgabe ber\u00fccksichtigt wurde.<\/p>\n<p>Schumann machte bekanntlich von den technischen M\u00f6glichkeiten des neuen Ventilhorns regen Gebrauch und bediente sich einer v\u00f6llig freien Chromatik wie bei einem Vokal- oder Klaviersatz. Seine k\u00fchne Schreibweise f\u00fcr Horn wird schon im kurz vor dem <em>Konzertst\u00fcck<\/em> entstandenen <em>Adagio und Allegro<\/em> deutlich \u2013 eine Passage in Fis-dur wie die folgende w\u00e4re auf dem Naturhorn undenkbar gewesen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-AdagioAllegro.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-2481\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-AdagioAllegro.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-AdagioAllegro.jpg 1053w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-AdagioAllegro-300x77.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-AdagioAllegro-1024x263.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und auch im <em>Konzertst\u00fcck<\/em> nutzt Schumann die neuen chromatischen M\u00f6glichkeiten des vierstimmigen Hornsatzes voll aus, etwa in diesem lyrischen Einschub im Finalsatz:<br \/>\n<span style=\"font-size: smaller\"> <em>(Zum Vergr\u00f6\u00dfern Bild anklicken)<\/em><\/span><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-Konzertst\u00fcck.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-Konzertst\u00fcck.jpg\" alt=\"\" width=\"1137\" height=\"1178\" class=\"alignnone size-full wp-image-6925\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-Konzertst\u00fcck.jpg 1137w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-Konzertst\u00fcck-289x300.jpg 289w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/10\/Schumann-Konzertst\u00fcck-988x1024.jpg 988w\" sizes=\"(max-width: 1137px) 100vw, 1137px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In den Solostimmen der Erstausgabe (vor allem im 4. Horn) sind nun die harmonischen Verh\u00e4ltnisse oft dadurch verunklart, dass zahlreiche T\u00f6ne durch enharmonische Verwechslung f\u00fcr die Spieler \u201eeinfacher\u201c notiert wurden, d. h. statt <em>eis<\/em> steht mehrfach (aber auch nicht konsequent) ein <em>f<\/em>, statt <em>ais<\/em> ein <em>b<\/em>, statt <em>fisis<\/em> ein <em>g<\/em> usw. Dies d\u00fcrfte den pragmatischen Hintergrund haben, dass die Hornisten in jener Zeit wesentlich traditionellere Kompositionen f\u00fcr Horn gew\u00f6hnt waren und mit diesen chromatischen Varianten nicht vertraut waren.<\/p>\n<p>Diese Umnotierungen, die sicher vom Verlag oder von den Spielern der Urauff\u00fchrung stammen, wurden zwar von Schumann bei der Korrekturlesung des Erstdrucks nicht zur\u00fcckgenommen; es ist aber fraglich, ob er sie \u00fcberhaupt bemerkt hat, oder ob einfach der technische Aufwand einer Korrektur zu gro\u00df war und sie daher stehen blieben. Die Folge war jedenfalls, dass s\u00e4mtliche darauffolgenden Ausgaben des <em>Konzertst\u00fccks<\/em> bis heute diese unsaubere Notation beibehalten haben, die vielleicht urspr\u00fcnglich nicht mehr war als eine Eselsbr\u00fccke, die sich die Solisten f\u00fcr ihre eigenen Zwecke ins Urauff\u00fchrungsmaterial eingetragen hatten.<\/p>\n<p>Da der Grund einer leichteren Lesbarkeit f\u00fcr heutige Hornisten keinerlei Rolle mehr spielen sollte, entschieden wir uns daf\u00fcr, zu Schumanns originaler Notation gem\u00e4\u00df dem Autograph zur\u00fcckzukehren, die die jeweiligen harmonischen Verh\u00e4ltnisse viel klarer widerspiegelt und dem Spieler damit wertvolle Hinweise gibt \u2013 ein <em>fisis<\/em> als Leitton zu <em>gis<\/em> ist eben doch etwas anderes als ein <em>g<\/em>, vor allem bei einem so intonationssensiblen Instrument wie dem Horn. Zahlreiche Hornisten best\u00e4rkten uns in diesem Entschluss.<\/p>\n<p><big><em>Ausblick<\/em><\/big><\/p>\n<p>Wie geht es weiter mit dem Horn? Die n\u00e4chsten Ausgaben stehen schon in den Startl\u00f6chern: Im Fr\u00fchjahr 2014 d\u00fcrfen sich die Hornisten auf eine Urtext-Ausgabe von Carl Nielsens <em>Canto serioso<\/em> freuen, und Alexander Glasunows bezaubernde <em>R\u00eaverie op. 24<\/em> ist ebenfalls bereits in Vorbereitung. Nat\u00fcrlich sind wir als Verlag immer auch an R\u00fcckmeldungen aus der Praxis interessiert und f\u00fcr W\u00fcnsche nach fehlenden Werken dankbar. Falls Sie also als Hornistin oder Hornist eine bestimmte Ausgabe auf dem Markt vermissen, schreiben Sie einen Kommentar \u2013 hier ist die Gelegenheit \u2026 !<\/p>\n<p><strong>Robert Schumann: <em>Konzertst\u00fcck f\u00fcr 4 H\u00f6rner op. 86<\/em><\/strong><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9ThfCLhUHOQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/9h8dSrYkH2A?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/RPu9E2kVsJY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem f\u00fcr Pianisten und Streicher steht der Name Henle &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/10\/28\/schumann-konzertstueck-4-hoerner-op-86\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[88,347,150,366,3,33,314],"tags":[152,154,708,153,151,67,155],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2455"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2455"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2455\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}