{"id":2528,"date":"2013-11-11T08:00:14","date_gmt":"2013-11-11T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=2528"},"modified":"2015-05-22T12:14:52","modified_gmt":"2015-05-22T10:14:52","slug":"%e2%80%9epour-piano-et-violon-ou-violoncelle%e2%80%9c-%e2%80%93-gibt-es-eine-cellosonate-von-cesar-franck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/11\/11\/%e2%80%9epour-piano-et-violon-ou-violoncelle%e2%80%9c-%e2%80%93-gibt-es-eine-cellosonate-von-cesar-franck\/","title":{"rendered":"\u201ePour Piano et Violon ou Violoncelle\u201c \u2013 Gibt es eine Cellosonate von C\u00e9sar Franck?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/220px-Franck_Cesar_Postcard-1910.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2543\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/220px-Franck_Cesar_Postcard-1910.jpg\" alt=\"C\u00e9sar Franck\" width=\"134\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/220px-Franck_Cesar_Postcard-1910.jpg 220w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/220px-Franck_Cesar_Postcard-1910-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 134px) 100vw, 134px\" \/><\/a>Im Anschluss an den allgemeinen Blogbeitrag von Dominik Rahmer \u00fcber<a title=\"D. Rahmer: \" href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2012\/10\/29\/besetzung-fassung-bearbeitung-%E2%80%93-wie-weit-darf-urtext-gehen\/\" target=\"_blank\"> \u201eBesetzung, Fassung, Bearbeitung \u2013 wie weit darf Urtext gehen?\u201c<\/a> (Oktober 2012) geht es hier um einen speziellen Fall von Bearbeitung. Wer im Internet nach \u201eC\u00e9sar Franck Cellosonate\u201c sucht, erh\u00e4lt mehr als 80.000 Ergebnisse. Schon bei den \u00dcberschriften der angebotenen Seiten wird aber schnell klar, dass es sich um die Bearbeitung der ber\u00fchmten <em>Violinsonate in A-dur<\/em> handelt.<!--more--> Der Blick ins Werkverzeichnis r\u00e4umt letzte Zweifel aus: Eine Cellosonate wurde zwar im Todesjahr 1890 von Franck geplant, gelangte aber nicht mehr zur Ausf\u00fchrung. Mit \u201eCellosonate\u201c kann demnach nur die Cellofassung der <em>Violinsonate <\/em>gemeint sein, genauer: eine Version, die von Jules Delsart f\u00fcr Cello bearbeitet wurde.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick erscheint die Celloversion nur als eine der vielen Besetzungen, die im Zuge des Erfolgs der <em>Violinsonate<\/em> vom Pariser Verleger Julien Hamelle auf den Markt geworfen wurde. Das Titelblatt einer Ausgabe aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert verzeichnet Ausgaben f\u00fcr Klavier zwei- und vierh\u00e4ndig, f\u00fcr Klavier und Fl\u00f6te sowie f\u00fcr Klavier und Viola. Die nachfolgende Werbung f\u00fcr Arrangements weiterer Werke zeigt, dass der Verleger dar\u00fcber hinaus keine Scheu hatte, die bekanntesten Kompositionen Francks in damals beliebten Besetzungen anzubieten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Ausschnitt.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2574 alignnone\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Ausschnitt.jpg\" alt=\"Abb. 1\" width=\"384\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Ausschnitt.jpg 640w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Ausschnitt-300x213.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Web.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2542\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Web.jpg\" alt=\"Franck_Sonate_01\" width=\"189\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Web.jpg 426w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_01_Web-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_2659\" style=\"width: 120px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Decle-delsart.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2659\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2659  \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Decle-delsart.jpg\" alt=\"Jules Delsart (1844\u20141900)\" width=\"110\" height=\"131\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2659\" class=\"wp-caption-text\">Jules Delsart (1844\u20141900)<\/p><\/div>\n<p>Auf den zweiten Blick hebt sich die Fassung f\u00fcr Klavier und Cello allerdings von den anderen Besetzungen deutlich ab. Sie fand n\u00e4mlich Eingang in den Haupttitel. Aus der urspr\u00fcnglichen <em>\u201eSonate pour Piano et Violon\u201c<\/em> wurde nun eine <em>\u201eSonate pour Piano et Violon ou Violoncelle\u201c<\/em>. In seiner gro\u00dfen Franck-Biographie berichtet Jo\u00ebl-Marie Fauquet, wie es zu der Cellofassung kam. Bei der Auff\u00fchrung der <em>Violinsonate<\/em> in Paris am 27. Dezember 1887 war der Cellist <a title=\"Jules Delsart\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jules_Delsart\" target=\"_blank\">Jules Delsart<\/a>, der aktiv an diesem Konzert als Quartettspieler teilnahm, so begeistert, dass er Franck um die Erlaubnis f\u00fcr eine Bearbeitung des Violinparts f\u00fcr Cello bat. In einem vermutlich nur wenig sp\u00e4ter geschriebenen Brief Francks an seine Kusine hei\u00dft es: <em>\u201eHerr Delsart arbeitet zur Zeit an einer Bearbeitung der Sonate f\u00fcr Violoncello\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Das Arrangement f\u00fcr Cello ging demnach nicht vom Verlag aus, sondern von einem mit dem Komponisten befreundeten Musiker (beide unterrichteten am Pariser Conservatoire). Auch das Einverst\u00e4ndnis Francks mit dieser Bearbeitung unterliegt keinem Zweifel. Da der Klavierpart unver\u00e4ndert blieb, brachte Hamelle das Arrangement Ende Januar 1888 nicht als eigene Ausgabe heraus, sondern legte der mit neuem Titelblatt versehenen Partitur lediglich eine Cellostimme mit separater Plattennummer bei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_02_bearb.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2622\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_02_bearb.jpg\" alt=\"Franck_Sonate_02\" width=\"434\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_02_bearb.jpg 1654w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_02_bearb-272x300.jpg 272w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_02_bearb-930x1024.jpg 930w\" sizes=\"(max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/a>Leider sind bisher keine weiteren Dokumente als der zitierte Briefausschnitt zur Cellofassung bekannt geworden. Wir wissen also nicht, ob beziehungsweise inwieweit Franck f\u00fcr die Bearbeitung mit hinzugezogen wurde, lediglich, dass er in Kontakt mit Delsart stand. Ebenso wenig wissen wir, ob Franck um sein Einverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Formulierung des neuen Titelblatts gebeten wurde. Die Sonate wurde fortan in zwei sozusagen gleichberechtigten Varianten der Besetzung (<em>\u201eN\u00b01. Piano et Violon, N\u00b02. Piano et Violoncelle\u201c<\/em>) angeboten, jedoch mit dem ausdr\u00fccklichen Hinweis auf den Urheber der Cellobearbeitung. Immerhin hatte Franck insofern wohl keine Einw\u00e4nde gegen das Titelblatt, als er entsprechende Exemplare an Freunde und Bekannte verschenkte, wie die Abbildung oben mit Widmung an den Musikwissenschaftler Adolf Sandberger zeigt.<\/p>\n<p>Aber reichen Einverst\u00e4ndnis und Kontakt zum Bearbeiter aus, um eine Urtext-Ausgabe der Cellofassung zu legitimieren? Die Beantwortung der Frage h\u00e4ngt nat\u00fcrlich auch von der Art der Bearbeitung ab. Der Vergleich der beiden Solostimmen demonstriert, dass Delsart sich sehr eng an das Original hielt und sich auf die Transposition des Violinparts in die tiefere Lage beschr\u00e4nkte. Ausnahmen bilden nur einige wenige Stellen, in denen Delsart die Musik den spielerisch-technischen Gegebenheiten des neuen Instruments anpasste, wie zum Beispiel am Ende des zweiten Satzes:<\/p>\n<div id=\"attachment_2646\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2646\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2646\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03a.jpg\" alt=\"Franck_Sonate_03a\" width=\"950\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03a.jpg 950w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03a-300x38.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03a-940x122.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2646\" class=\"wp-caption-text\">Violinstimme<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_2649\" style=\"width: 1404px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03b.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2649\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2649\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03b.jpg\" alt=\"Franck_Sonate_03b\" width=\"1394\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03b.jpg 1394w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03b-300x43.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2013\/11\/Franck_Sonate_03b-1024x146.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1394px) 100vw, 1394px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2649\" class=\"wp-caption-text\">Cellostimme<\/p><\/div>\n<p>Im vorletzten Takt verlegte Delsart die\u00a0Note <em>fis<\/em> nach unten, da\u00a0sie so bequemer zu greifen ist, im letzten Takt f\u00fcgte er im Schlussakkord den Grundton <em>d<\/em> hinzu, um den vollen Dreiklang erklingen zu lassen. Auch wenn wir, wie gesagt, keinen Nachweis daf\u00fcr haben, darf man annehmen, dass Delsart Franck durch das Vorspiel der Cellofassung \u00fcberzeugt haben d\u00fcrfte, denn die in der Sonate angelegten expressiven und sonoren Passagen kommen in tieferer Lage nicht weniger sch\u00f6n zur Geltung, wie etwa eine Aufnahme mit Mischa Maisky und Martha Argerich zeigt.<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DIku9pWy0tc<\/p>\n<p>Bei einer kritischen Neuedition der Cellofassung, wie sie im Henle-Verlag in Vorbereitung ist (<a title=\"HN 570\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Violinsonate+A-dur_570\" target=\"_blank\">HN 570<\/a>), hat dies zur Konsequenz, dass f\u00fcr den Klavierpart ausschlie\u00dflich und f\u00fcr den Cellopart f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil die Quellen der Originalausgabe ma\u00dfgeblich sind. Lediglich f\u00fcr die wenigen Eingriffe Delsarts stellt die gedruckte Cellostimme notgedrungen die einzige Quelle dar. Insofern l\u00e4sst sich im vorliegenden Fall eine \u201eUrtext\u201c-Ausgabe rechtfertigen, auch wenn wir weder eine echte Cellosonate noch eine vom Komponisten selbst stammende Bearbeitung vor uns haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Anschluss an den allgemeinen Blogbeitrag von Dominik Rahmer \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2013\/11\/11\/%e2%80%9epour-piano-et-violon-ou-violoncelle%e2%80%9c-%e2%80%93-gibt-es-eine-cellosonate-von-cesar-franck\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,325,339,341,454,453,3,455,102],"tags":[119,156,687,157],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2528"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2528"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2528\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}