{"id":3040,"date":"2014-02-17T08:00:16","date_gmt":"2014-02-17T07:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=3040"},"modified":"2015-05-22T13:47:42","modified_gmt":"2015-05-22T11:47:42","slug":"luxus-fur-die-continuo-gruppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2014\/02\/17\/luxus-fur-die-continuo-gruppe\/","title":{"rendered":"Luxus f\u00fcr die Continuo-Gruppe"},"content":{"rendered":"<h2>Woraus musizieren Continuo-Spieler?<\/h2>\n<p>Diese Frage mag zun\u00e4chst trivial erscheinen. Jeder Pianist hat heutzutage vermutlich schon einmal barocke Kammermusik aus einer Basso-Continuo-Stimme begleitet. Im G.\u00a0Henle Verlag \u2013 und nicht nur bei uns \u2013 besteht diese Stimme im Wesentlichen aus einem System f\u00fcr die linke Hand. Es enth\u00e4lt die Bass-Stimme, zumeist mit Ziffern, die angeben, welche Akkorde jeweils in der rechten Hand zu greifen sind.<!--more--> Das System f\u00fcr die rechte Hand enth\u00e4lt im Kleinstich einen Vorschlag, wie die Harmonisierung auszuf\u00fchren ist (siehe folgendes Beispiel, den Beginn von Bachs Triosonate BWV 1038).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-1_Seite_01.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3043 alignnone\" style=\"border: 0px none;margin-top: 0px;margin-bottom: 0px\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-1_Seite_01.jpg\" alt=\"\" width=\"1497\" height=\"592\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-1_Seite_01.jpg 1497w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-1_Seite_01-300x118.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-1_Seite_01-1024x404.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1497px) 100vw, 1497px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Continuo-Stimme sieht jedoch in der Quelle (ein Autograph Bachs!) so aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-2.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3047\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-2.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-2.jpg 840w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-2-300x72.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wie kommt der G. Henle Verlag, der sich dem Urtext-Gedanken und den musikalischen Quellen verschrieben hat, dazu, sich so weit von der Notation in der Quelle zu entfernen?<\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt in erster Linie mit der Musizierpraxis zusammen. Zu Bachs Zeit war es \u00fcblich, dass ein Continuo-Spieler an einem Tasteninstrument (oder auch an einem anderen Harmonie-Instrument wie etwa der Laute) aus einer einzeiligen Stimme spielte. Die Ziffern gen\u00fcgten, um dem Musiker anzuzeigen, welche Harmonien jeweils zur Bass-Linie zu greifen sind. Eine solche Stimme hatte zudem einen gro\u00dfen Vorteil: Da sie nicht in Partitur notiert war, musste der Musiker seltener bl\u00e4ttern.<\/p>\n<div id=\"attachment_3083\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Bachs_Familiy.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3083\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3083    \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Bachs_Familiy.jpg\" alt=\"T. E. Rosenthal (1848\u20131917): J. S. Bach im Kreise seiner Familie, 1870 (Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD).\" width=\"256\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Bachs_Familiy.jpg 400w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Bachs_Familiy-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3083\" class=\"wp-caption-text\">T. E. Rosenthal (1848\u20131917): J. S. Bach im Kreise seiner Familie, 1870 (Quelle: Wikimedia.org, Lizenz: PD)<\/p><\/div>\n<p>Diese Continuo-Improvisationskunst beherrschen heutzutage nur noch Spezialisten. Pianisten ben\u00f6tigen heute zumeist eine Hilfestellung, weshalb Ausgaben unserer Tage meistens einen Aussetzungs-Vorschlag mitliefern. Henle druckt diesen Vorschlag im Kleinstich, um deutlich zu machen, dass es sich um eine Zutat handelt, die nicht auf den Quellen basiert.<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit \u2013 die historisch informierte Auff\u00fchrungspraxis ist inzwischen etabliert \u2013 m\u00f6chten immer mehr Musiker jedoch aus einer \u201erichtigen\u201c Continuo-Stimme spielen, d.\u00a0h. einer einzeiligen Stimme ohne Aussetzungsvorschlag, \u00fcber den in einer Improvisation nur schwer hinwegzusehen ist. Wir haben daher beschlossen unserer j\u00fcngsten Bach-Ausgabe, der bereits erw\u00e4hnten Urtextedition der Triosonate <a title=\"HN 554\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Triosonate+G-dur+BWV+1038+f%C3%BCr+Fl%C3%B6te%2C+Violine+und+Continuo_554\" target=\"_blank\">BWV 1038<\/a>, zus\u00e4tzlich eine Continuo-Stimme beizulegen, die \u2013 ganz puristisch \u2013 nur die Basslinie mit Ziffern enth\u00e4lt. Als Ausstattungs-Plus haben wir jedoch die Solostimmen im Kleinstich mit abgedruckt, was f\u00fcr das Continuo-Spiel eine gro\u00dfe Hilfe ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-3.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3051\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-3.jpg\" alt=\"\" width=\"1433\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-3.jpg 1433w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-3-300x82.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-3-1024x280.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1433px) 100vw, 1433px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aus dieser Continuo-Partitur kann nun der Pianist\/Cembalist musizieren \u2013 aber nicht nur er. Die Continuo-Gruppe besteht ja nicht nur aus einem Tasteninstrument, sondern wird in der Regel noch von einem Bass-Solo-Instrument verst\u00e4rkt (in heutiger Zeit meist mit einem Violoncello besetzt). Sollte nun der Pianist lieber aus der ausgesetzten Partitur spielen, kann der Cellist die Continuo-Stimme zur Hand nehmen. Denn auch f\u00fcr diesen ist es aufschlussreich, die Partitur und die Ziffern zur Harmonisierung mitlesen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was passiert aber, wenn beide, Cellist und Pianist\/Cembalist, die Continuo-Stimme bevorzugen? Wir w\u00e4ren nicht Henle, wenn wir nicht auch f\u00fcr diesen Fall vorgesorgt h\u00e4tten. Unsere Ausgabe enth\u00e4lt zus\u00e4tzlich eine Basso-Stimme (ohne Ziffern und ohne Kleinstich-Solostimmen), aus der Cellisten musizieren k\u00f6nnen, wenn der Tasteninstrumentalist die Continuo-Partitur besetzt h\u00e4lt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-5.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3158\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-5.jpg\" alt=\"\" width=\"1440\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-5.jpg 1440w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-5-300x36.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/Blog_Bsp-5-1024x124.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass alle Stimmen \u00fcber exzellente Wendestellen verf\u00fcgen (die Continuo-Partitur wurde gar in der Form eines praktischen Leporello produziert), ist f\u00fcr uns eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/HN-0554.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-3113\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/02\/HN-0554.gif\" alt=\"\" width=\"144\" height=\"190\" \/><\/a>Unser neuer Bach kommt also in opulenter Ausstattung daher. Auch die Violinstimme bieten wir \u00fcbrigens zweifach an: einerseits gem\u00e4\u00df Quelle in Scordatur notiert, andererseits in Umschrift f\u00fcr jene Geiger, die ihr Instrument nicht umstimmen wollen. Diesen Luxus leisten wir uns, um den vielgestaltigen Bed\u00fcrfnissen verschiedener Ensembles \u2013 von Laien bis zu Profis, von Hausmusik bis zum Konzert \u2013 so weit wie m\u00f6glich entgegenzukommen.<\/p>\n<h3>\u00dcbrigens:<\/h3>\n<p>Vergleichbare Titel aus unserem Katalog, die noch nicht \u00fcber die erw\u00e4hnte Luxus-Ausstattung verf\u00fcgen, r\u00fcsten wir im Nachdruck auf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woraus musizieren Continuo-Spieler? Diese Frage mag zun\u00e4chst trivial erscheinen. 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