{"id":3185,"date":"2014-03-03T08:00:28","date_gmt":"2014-03-03T07:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=3185"},"modified":"2015-05-22T13:51:58","modified_gmt":"2015-05-22T11:51:58","slug":"die-klingenden-garten-der-henliden-%e2%80%93-eine-kleine-urtextsage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2014\/03\/03\/die-klingenden-garten-der-henliden-%e2%80%93-eine-kleine-urtextsage\/","title":{"rendered":"Die klingenden G\u00e4rten der Henliden \u2013 Eine kleine Urtextsage"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Gibel_mit-Text.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3187\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Gibel_mit-Text.jpg\" alt=\"\" width=\"1088\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Gibel_mit-Text.jpg 1088w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Gibel_mit-Text-300x75.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Gibel_mit-Text-1024x256.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1088px) 100vw, 1088px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Saeule.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3206\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Saeule.jpg\" alt=\"\" width=\"61\" height=\"356\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Saeule.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-3206\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Saeule.jpg\" alt=\"\" width=\"61\" height=\"356\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-I.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3245\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-I.jpg\" alt=\"\" width=\"63\" height=\"115\" \/><\/a>n einem kleinen Seitental des Olymp schmiegte sich einst ein musikalisches Kleinod an den G\u00f6tterberg. Kein Odysseus, kein Herakles kam auf einer Irrfahrt oder Pr\u00fcfung je durch dieses barocke, klassische, romantische Refugium; noch nicht einmal der alte Homer lie\u00df es von seiner Muse besingen. Ob sich jedoch Xerob von Kopyrien mit seiner Anmerkung \u201e\u0399\u03c7\u03b7 \u03c9\u03b1\u03bd\u03b4\u03b5\u03c1\u03c4\u03b5 \u03b5\u03b9\u03bd\u03c3\u03c4 \u03b4\u03c5\u03c1\u03c7\u03b7 \u03c6\u03b5\u03bd\u03b5\u03c3 \u03c9\u03b5\u03c1\u03b2\u03bf\u03c1\u03b3\u03b5\u03bd\u03b5 \u03a4\u03b1\u03bb.\u201c (In: <em>\u03a9\u03b1\u03bd\u03b4\u03b5\u03c1\u03bd<\/em>, Athen u. a. 752 v. Chr., Papyrus 7) hierauf bezog, ist unter Fachleuten stark umstritten.<br \/>\nWarum wei\u00df man so wenig \u00fcber dieses Tal? \u2013 Nun, dort lebte ein kleines V\u00f6lkchen, Henliden genannt, das unerm\u00fcdlich, schon fast in sisyphosker Manier, Tag f\u00fcr Tag an seiner Bestimmung arbeitete: dem Urtext. G\u00f6ttervater Zeus selbst gab ihn in Auftrag und h\u00fcllte anschlie\u00dfend den Mantel des Schweigens \u00fcber das Tal.<!--more--> Diesmal jedoch nicht (wie so h\u00e4ufig), weil er seine Gattin Hera hintergehen wollte, sondern ganz im Gegenteil: Der Urtext war als Vers\u00f6hnungs-Gabe f\u00fcr Hera bestimmt (Zeus war mal wieder als Stier irgendeiner Jungfrau hinterhergestiegen, aber das ist eine andere Geschichte\u2026) Jedenfalls sollte der Urtext das sch\u00f6nste Klingest\u00fcck werden, das ein menschliches, ja ein g\u00f6ttliches Ohr je geh\u00f6rt habe. Bis zu seiner Fertigstellung sollte aber niemand vom Urtext erfahren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3197\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg\" alt=\"\" width=\"1310\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg 1310w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt-300x39.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt-1024x135.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1310px) 100vw, 1310px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-D.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3246\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-D.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"117\" \/><\/a>arin, zwischen sich durchs Land schl\u00e4ngelnden Arpeggien, pflanzten die Henliden allerlei Notengebl\u00fcm, -gestr\u00e4uch und -geb\u00e4um, deren Notenk\u00f6pfe die wohlklingendsten Notenfr\u00fcchte hervorbrachten. Zur Erntezeit zog ein jeder Henlid hinaus in die klingenden G\u00e4rten mit einer Notensch\u00fcssel, einer Tonleiter (einige Notenb\u00e4ume konnten sehr gro\u00df werden!) und einem Notenstecher. Diesen ben\u00f6tigten sie, wenn eine Frucht vom Ohrwurm befallen war, um den durchfressenen Teil abzutrennen. (Anm. d. Verf.: Eine bei den Henliden beliebte Redensart ist sogar bis heute so \u00e4hnlich tradiert worden: \u201eWer den Halbton nicht ehrt, ist des Ganztons nicht wert.\u201c)<br \/>\nAuf saftigen Wiesen im Hinterland weideten pythagoreische Kommas aus deren seidenweichen Wolle die Henliden Notenlinien sponnen. Nur die etwas kleineren \u2013 zugegeben sehr possierlichen \u2013 Notierchen hatten zum Verdruss der Henliden nichts anderes im Sinn als herumzutollen und ihre H\u00e4lschen zu balken.<br \/>\nZu Hause f\u00fcllten die Henliden ihre Ernte in gro\u00dfe und reine Oktaven und lagerten sie in wohltemperierten R\u00e4umen. Die restliche Zeit des Jahres waren sie nun damit besch\u00e4ftigt, die Noten mit Hilfe der gesponnenen Notenlinien auf Quintenzirkel zu spannen, zu kadenzieren und metrisch zu b\u00fcrsten. Schlie\u00dflich webte der \u00e4lteste der Henliden daraus den Urtext auf dem Polyphon, einem Zupfblasschlaginstrument, das nur er bedienen durfte und konnte, brauchte es doch jahrelange Erfahrung und \u00dcbung dieses zu beherrschen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3197\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg\" alt=\"\" width=\"1310\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt.jpg 1310w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt-300x39.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Notenlaub_bunt-1024x135.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1310px) 100vw, 1310px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-S.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3247\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Buchstabe-S.jpg\" alt=\"\" width=\"73\" height=\"115\" \/><\/a>o w\u00e4re es wohl noch viele Jahre bis zur Fertigstellung des Urtextes zugegangen, h\u00e4tte Zeus nicht in einer der allsamstagabendlichen G\u00f6tterm\u00e4nnerrunden mit seinem Geschenk geprahlt. Ausgerechnet an diesem Abend war unter den Anwesenden der f\u00fcr seine Verschwiegenheit nicht gerade ber\u00fchmte Hermes und es kam wie es kommen musste: Hera erfuhr davon, wie sie schon so oft von den Geheimnissen ihres Gatten erfahren musste. Aus leidvoller Erfahrung wog der vorausgegangene Betrug f\u00fcr sie schwerer als die Wiedergutmachung durch den Urtext. Noch immer voller Zorn \u00fcber all die Techtelmechtel ihres Gatten, obwohl er ihr schon tausendmal versprochen hatte, ab jetzt ganz sicher treu zu bleiben, wollte sie sich r\u00e4chen und den Urtext zerst\u00f6ren. Sie sandte dunkle Vorzeichen in das Tal und befahl dem Volk der Pausen, mit ihrem Anf\u00fchrer General Pause, dem Urtext ein Ende zu setzten. Die friedlichen Henliden konnten nicht lange Widerstand leisten, ihre jahrelange m\u00fchevolle Arbeit wurde zerst\u00f6rt und in alle Winde verstreut.<br \/>\nIm Laufe der Zeit fiel bald hier, bald dort eine Urtextnote zu F\u00fc\u00dfen des einen oder anderen Komponisten, der hob sie auf und verband sie mit eigenen Nichturtextnoten zu mehr oder weniger sch\u00f6nen Werken. Die Nachfahren der Henliden \u2013 ja sie gibt es wirklich! \u2013 haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Urtextnoten zu finden, um die g\u00f6ttliche Musik eines fernen Tages erklingen zu lassen. Auf diesem Weg durchforsten Sie alle Werke aller Komponisten, aber nur diejenigen mit einer besonders hohen Urtextnotendichte bekommen das Pr\u00e4dikat Urtext. Wie man munkelt, soll die Wiederherstellung des Urtextes sogar kurz bevorstehen \u2013 lassen Sie sich daher die neuesten Erzeugnisse der <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/\" target=\"_blank\">Henliden<\/a> unter keinen Umst\u00e4nden entgehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Ende.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3213\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Ende.jpg\" alt=\"\" width=\"306\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Ende.jpg 383w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/03\/Ende-300x81.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>n einem kleinen Seitental des Olymp schmiegte sich einst ein &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2014\/03\/03\/die-klingenden-garten-der-henliden-%e2%80%93-eine-kleine-urtextsage\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,347,102],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3185"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3185"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3185\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}