{"id":4306,"date":"2015-01-05T08:00:07","date_gmt":"2015-01-05T07:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=4306"},"modified":"2015-05-26T12:03:08","modified_gmt":"2015-05-26T10:03:08","slug":"%e2%80%9esie-konnen-auf-mich-zahlen%e2%80%9c-%e2%80%93-debussys-bearbeitung-von-%e2%80%9eminstrels%e2%80%9c-fur-violine-und-klavier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2015\/01\/05\/%e2%80%9esie-konnen-auf-mich-zahlen%e2%80%9c-%e2%80%93-debussys-bearbeitung-von-%e2%80%9eminstrels%e2%80%9c-fur-violine-und-klavier\/","title":{"rendered":"\u201eSie k\u00f6nnen auf mich z\u00e4hlen\u201c \u2013 Debussys Bearbeitung von \u201eMinstrels\u201c f\u00fcr Violine und Klavier"},"content":{"rendered":"<p>In fr\u00fcheren Blogbeitr\u00e4gen kamen bereits gelegentlich Bearbeitungen zur Sprache. Den Anlass, dieses Thema erneut aufzugreifen, bietet die soeben erschienene Neuausgabe von Claude Debussys <em>Minstrels<\/em> in der Fassung f\u00fcr Violine und Klavier (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Minstrels+aus+Pr%C3%A9ludes+I+f%C3%BCr+Violine+und+Klavier_1246\" target=\"_blank\">HN 1246<\/a>).<\/p>\n<p>Obwohl der franz\u00f6sische Komponist gegen\u00fcber solchen Neufassungen f\u00fcr andere Besetzungen eher eine skeptische Haltung einnahm \u2013 und zwar umso st\u00e4rker, je \u00e4lter er wurde \u2013, haben sich Transkriptionen von Debussys Hand in erstaunlicher Zahl erhalten. Eine der weniger bekannten Bearbeitungen eines eigenen Werks betrifft <em>Minstrels<\/em>, das letzte St\u00fcck aus dem ersten, 1910 erschienenen Heft der <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Pr%C3%A9ludes%2C+Premier+livre_383\" target=\"_blank\"><em>Pr\u00e9ludes<\/em> <\/a>f\u00fcr Klavier. Ausschlaggebend war in diesem Fall Debussys Freundschaft zu dem Geiger <a href=\"http:\/\/www.toccataclassics.com\/cd_notes\/TOCC0089-cd-notes.pdf\" target=\"_blank\">Arthur Hartmann<\/a>.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_4307\" style=\"width: 338px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/12\/Debussy-ProgrammAM.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4307\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4307\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/12\/Debussy-ProgrammAM.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/12\/Debussy-ProgrammAM.jpg 1614w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/12\/Debussy-ProgrammAM-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2014\/12\/Debussy-ProgrammAM-682x1024.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4307\" class=\"wp-caption-text\">Programmzettel vom 5. Februar 1914<\/p><\/div>\n<p>Den unmittelbaren Anlass bot ein gemeinsames Konzert am 5. Februar 1914, in dem auch drei Werke Debussys in Bearbeitungen f\u00fcr Violine und Klavier vorgef\u00fchrt wurden: das Lied \u201eIl pleure dans mon c\u0153ur\u201c aus den <em>Ariettes oubli\u00e9es<\/em> sowie <em>La Fille aux cheveux de lin<\/em> und <em>Minstrels<\/em> aus dem ersten Heft der <em>Pr\u00e9ludes<\/em>. Laut Programmzettel stammen alle drei Transkriptionen von Hartmann. Und tats\u00e4chlich hat sich auch eine Bearbeitung von <em>Minstrels<\/em> von Hartmann selbst in dessen Nachlass erhalten. Im Konzert aber erklang eindeutig diejenige von Debussy selbst, die offenbar vom Geiger eigens zu diesem Konzert in Auftrag gegeben wurde. In einem Brief Debussys hei\u00dft es n\u00e4mlich: \u201eSie k\u00f6nnen auf mich z\u00e4hlen am kommenden 5. Februar [\u2026]. An <em>Minstrels<\/em> arbeite ich gerade, sobald es fertig ist, gebe ich Ihnen Bescheid\u201c. Und gegen\u00fcber seinem Verleger Jacques Durand stellte er noch am Vorabend klar: \u201eDie Bearbeitung von <em>Minstrels<\/em> ist von mir; nach dem Konzert, d.\u00a0h. morgen Abend, steht sie Ihnen zur Verf\u00fcgung\u201c. Die Irritation mag dadurch entstanden sein, dass in den Konzertannoncen und, wie schon erw\u00e4hnt, selbst noch auf dem Programmzettel alle drei Debussy-Bearbeitungen als \u201eTranscriptions par Arthur Hartmann\u201c angek\u00fcndigt waren. Der Geiger sorgte dann auch noch nachtr\u00e4glich f\u00fcr Verwirrung, als er in seinen erstmals 1918 ver\u00f6ffentlichten Erinnerungen <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books\/about\/Claude_Debussy_as_I_Knew_Him_and_Other_W.html?id=fp5pM0oiUucC&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\"><em>Claude Debussy As I Knew Him<\/em><\/a><em> <\/em>behauptete, die Bearbeitung stamme von ihm und er habe sie Debussy nur \u00fcberlassen, um diesem in finanzieller Notlage zu helfen.<\/p>\n<p>Thomas Kabisch, der Herausgeber unserer Neuausgabe, vermutet, dass die gemeinsame Durchsicht des Violinparts und die Hinzusetzung von Fingers\u00e4tzen Hartmann zu dieser irrigen Behauptung gebracht haben k\u00f6nnten. Diese Fingers\u00e4tze der Originalausgabe sind in unserer Neuausgabe im Violinpart der Partitur wiedergegeben, dagegen liegen der Edition wie \u00fcblich eine unbezeichnete und eine bezeichnete Violinstimme bei, f\u00fcr die Ingolf Turban verantwortlich zeichnet.<\/p>\n<p>Debussys Bearbeitung geht \u00fcber eine rein mechanische \u00dcbertragung der musikalischen Substanz des originalen Klavier-Pr\u00e9ludes weit hinaus, da gelegentlich in den urspr\u00fcnglichen Notentext eingegriffen wird und \u2013 das zeigt bereits die Aufteilung des Kopfmotivs auf Klavier und Violine \u2013 originelle L\u00f6sungen entwickelt werden, die die Komposition in einem neuen Licht erscheinen lassen. Insofern liegt mit <em>Minstrels<\/em> eine eigenh\u00e4ndige Bearbeitung vor, die f\u00fcr Pianisten wie Geiger gleicherma\u00dfen von gro\u00dfem Interesse ist.<\/p>\n<p>Wer nun das St\u00fcck mit zwei Granden der franz\u00f6sischen Musik erleben m\u00f6chte, dem sei die Einspielung mit Jacques Thibaud und Alfred Cortot aus dem Jahre 1929 empfohlen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/iQLJnpHUDkg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In fr\u00fcheren Blogbeitr\u00e4gen kamen bereits gelegentlich Bearbeitungen zur Sprache. 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