{"id":4343,"date":"2015-01-19T08:00:49","date_gmt":"2015-01-19T07:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=4343"},"modified":"2015-05-26T12:07:44","modified_gmt":"2015-05-26T10:07:44","slug":"scarlatti-sonaten-band-iv-%e2%80%93-die-ultimative-auswahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2015\/01\/19\/scarlatti-sonaten-band-iv-%e2%80%93-die-ultimative-auswahl\/","title":{"rendered":"Scarlatti-Sonaten Band IV \u2013 die ultimative Auswahl"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_4352\" style=\"width: 179px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/DScarlatti.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4352\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4352\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/DScarlatti.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/DScarlatti.jpg 475w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/DScarlatti-237x300.jpg 237w\" sizes=\"(max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4352\" class=\"wp-caption-text\">Domenico Scarlatti<\/p><\/div>\n<p>Domenico Scarlatti (1685\u20131757) ist zwar im gleichen Jahr geboren wie Bach und H\u00e4ndel, nimmt aber unter den Komponisten des Barock eine Sonderstellung ein. Seine Musik f\u00fcr Cembalo ist von einer scheinbar sorglosen Spielfreude: virtuos, klangsinnlich und so gar nicht verkopft.<!--more--> Scarlatti selbst wendet sich in einer Druckausgabe mit folgenden Worten an den Musiker: \u201eOb Liebhaber oder Gelehrter, erwarte in diesen Kompositionen keine Tiefgr\u00fcndigkeit, sondern eher den geistreichen Spa\u00df der Kunst der \u00dcbung der Freiheit auf dem Gravicembalo.\u201c Mit <em>Gravicembalo<\/em> ist das Cembalo gemeint \u2013 und dennoch ist es erstaunlich, dass Scarlattis Musik gerade auf dem modernen Konzertfl\u00fcgel so gut klingt. Alle gro\u00dfen Pianisten, allen voran Vladimir Horowitz, haben daf\u00fcr den Beweis angetreten:<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q29VWNd4RMo<\/p>\n<p>Dass Scarlatti im Henle-Katalog nicht fehlen darf, liegt daher auf der Hand. In den Jahren 1985\u20131992 erschienen drei B\u00e4nde mit Scarlatti-Sonaten (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Ausgew%C3%A4hlte+Klaviersonaten%2C+Band+I_395\" target=\"_blank\">HN 395<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Ausgew%C3%A4hlte+Klaviersonaten%2C+Band+II_451\">451<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Ausgew%C3%A4hlte+Klaviersonaten%2C+Band+III_476\" target=\"_blank\">476<\/a>). Sie sind etwas ganz Besonderes: Bekannte Werke werden neben Rarit\u00e4ten gestellt \u2013 Band I enth\u00e4lt gar vier Erstausgaben! F\u00fcr all jene, die sich nur mit den \u201eRei\u00dfern\u201c des Repertoires befassen wollen, bieten wir inzwischen Einzelausgaben folgender Sonaten an: <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klaviersonate+d-moll+K.+9%2C+L.+413_575\" target=\"_blank\">K. 9<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klaviersonate+d-moll+%28Toccata%29+K.+141%2C+L.+422_1221\" target=\"_blank\">K. 141<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klaviersonate+C-dur+K.+159%2C+L.+104_1220\" target=\"_blank\">K. 159<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klaviersonate+E-dur+K.+380%2C+L.+23_574\" target=\"_blank\">K. 380<\/a>.<\/p>\n<p>Da viele Pianisten jedoch ihre Lieblingssonaten in unserer dreib\u00e4ndigen Auswahl vermissen, verfolgt das Henle-Lektorat schon seit Langem den Plan, einen vierten Band zu ver\u00f6ffentlichen, ein \u201eBest of Scarlatti\u201c. Im Vorfeld wurden Pianisten befragt und CD-Playlists durchpfl\u00fcgt; der Auswahlprozess aus dem schier unersch\u00f6pflichen Fundus von \u00fcber 550 Sonaten war schwierig. Es gelang uns jedoch einen Band mit 32 der popul\u00e4rsten Sonaten zusammenzustellen, eine ultimative Auswahl, die unser Scarlatti-Programm effektvoll abrundet.<\/p>\n<p>Waren die Vorarbeiten schon knifflig, so galt dies insbesondere f\u00fcr die Edition selbst. Scarlattis Sonaten sind in einer un\u00fcbersichtlichen Zahl von Quellen, vorrangig Handschriften, \u00fcberliefert \u2013 darunter befindet sich jedoch kein einziges Autograph. Einem gr\u00f6\u00dferen Publikum bekannt sind vielleicht die Prachtmanuskripte aus Venedig und Parma (Scarlatti-Quellen werden immer nach ihrem jetzigen Aufbewahrungsort benannt). Sie entstanden im unmittelbaren Umfeld des Komponisten und haben daher ein besonderes Gewicht. Dar\u00fcber hinaus sind zahlreiche Sammel-und Einzelabschriften \u00fcberliefert. Offenbar autorisierte Erstdrucke aus England und Frankreich erg\u00e4nzen den gro\u00dfen Quellenbestand. Es wundert daher nicht, dass einige Sonaten unseres Bandes in neun Quellen \u00fcberliefert sind.<\/p>\n<p>Neun Quellen \u2013 das w\u00e4re leicht zu handhaben, wenn sich eindeutige Abh\u00e4ngigkeiten der Quellen untereinander feststellen lie\u00dfen. Auf diese Weise k\u00f6nnte es gelingen, manche Abschrift als nicht editionsrelevant auszuschlie\u00dfen. Und in der Tat lassen sich immer wieder \u00dcberlieferungsstr\u00e4nge erkennen, die eine Gruppierung der Quellen zulassen. Dennoch enth\u00e4lt oft jede einzelne dieser Quellen Varianten, die sich nur dort finden und deren Herkunft nicht gekl\u00e4rt werden kann. Dass Scarlatti an diesen Varianten <em>nicht<\/em> beteiligt war, l\u00e4sst sich in der Regel nicht beweisen. Die Vielzahl an m\u00f6glicherweise authentischen Varianten muss also dokumentiert werden. Wir tun dies \u2013 wie schon in Band I\u2013III \u2013 mithilfe eines ausf\u00fchrlichen Fu\u00dfnotenapparates. Im eigentlichen Notentext hingegen steht jeweils das Werk gem\u00e4\u00df einer f\u00fcr jede Sonate einzeln zu bestimmenden Hauptquelle.<\/p>\n<p>Zwei besonders plakative Beispiele sollen hier stellvertretend den Variantenreichtum der Sonaten Scarlattis verdeutlichen.<\/p>\n<p>Die g-moll-Sonate K. 8 ist in 7 Quellen \u00fcberliefert. Die Abweichungen zwischen den Quellen sind so gro\u00df, dass gar von zwei Fassungen der gleichen Sonate gesprochen werden muss. Vier Quellen (darunter der wichtige Druck \u201eEssercizi\u201c und die Abschrift M\u00fcnster) \u00fcberliefern Fassung 1, zwei Quellen (darunter der franz\u00f6sische Druck von Boivin) \u00fcberliefern Fassung 2. Die englische Ausgabe von Roseingrave schlie\u00dflich bringt erstaunlicherweise beide Fassungen. \u00dcber dem zweiten Abdruck steht <em>l\u2019istesso Allegro. Differente<\/em>. Es besteht also kein Zweifel, dass schon zu Lebzeiten Scarlattis (Roseingraves Ausgabe erschien 1739) beide Fassungen kursierten. Auch wir bringen daher die g-moll Sonate in zwei Varianten. Ein Blick auf die 1. Notenzeile macht die \u2013 hier vor allem rhythmischen \u2013 Unterschiede deutlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_4353\" style=\"width: 621px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4353\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4353\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8.jpg\" alt=\"\" width=\"611\" height=\"157\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8.jpg 4677w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-300x77.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-1024x262.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 611px) 100vw, 611px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4353\" class=\"wp-caption-text\">Sonate in g, K. 8, T 1-4<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_4354\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-Variante.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4354\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4354\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-Variante.jpg\" alt=\"\" width=\"610\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-Variante.jpg 4655w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-Variante-300x92.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K8-Variante-1024x316.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4354\" class=\"wp-caption-text\">Sonate in g, K. 8 Variante, T 1-4<\/p><\/div>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jSFhOnzp5os<\/p>\n<p>Die zahlreichen Lesarten zur virtuosen D-dur-Sonate K. 33 sind in insgesamt 8 Quellen \u00fcberliefert. Dabei sticht besonders hervor, dass die Einleitung (T. 1\u201317) nur in zwei Quellen zu finden ist; die \u00fcbrigen sechs Quellen beginnen mit T. 18.<\/p>\n<div id=\"attachment_4356\" style=\"width: 604px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K33-T1-21.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4356\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4356\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K33-T1-21.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K33-T1-21.jpg 2252w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K33-T1-21-300x235.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/K33-T1-21-1024x803.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4356\" class=\"wp-caption-text\">Sonate in D, K. 33, T 1-21<\/p><\/div>\n<p>Und sogar hinsichtlich der einleitenden 17 Takte sind die beiden Quellen uneins. Der oben abgebildete Notentext stammt aus der Hauptquelle, der Abschrift Venedig. Im Druck von Boivin steht hingegen \u00fcber T. 16 <em>Largo<\/em> und das <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/Fu\u00dfnote-K33.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4355 alignright\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/Fu\u00dfnote-K33.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"57\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/Fu\u00dfnote-K33.jpg 948w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/Fu\u00dfnote-K33-300x60.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/01\/Fu\u00dfnote-K33-940x190.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a>untere System enth\u00e4lt hier und im Folgetakt die Noten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NnALMtvAcl4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Diese beiden Beispiele m\u00f6gen gen\u00fcgen, die komplizierte Quellenlage zu den Sonaten Scarlattis zu illustrieren. Was einerseits Herausgebern unserer Tage Kopfzerbrechen bereitet, verr\u00e4t andererseits etwas \u00fcber den Stellenwert dieser Musik im Europa des 18. Jahrhunderts. Die Vielzahl zeitgen\u00f6ssischer Quellen zeugt von der gro\u00dfen Verbreitung der Sonaten Scarlattis \u2013 die Varianten deuten \u00fcberdies auf eine lebendige Spielpraxis hin. Man ging kreativ mit der Musik um, aller Wahrscheinlichkeit nach unter Billigung ihres Sch\u00f6pfers. Dies mag f\u00fcr Cembalisten und Pianisten unserer Tage durchaus Anregung und Ansporn sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Domenico Scarlatti (1685\u20131757) ist zwar im gleichen Jahr geboren wie &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2015\/01\/19\/scarlatti-sonaten-band-iv-%e2%80%93-die-ultimative-auswahl\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":4352,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,301,498,497,20,3,334,496],"tags":[262,261],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4343"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4343\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}