{"id":5277,"date":"2015-11-23T08:00:06","date_gmt":"2015-11-23T07:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=5277"},"modified":"2015-11-23T10:10:26","modified_gmt":"2015-11-23T09:10:26","slug":"neues-zu-liszts-h-moll-sonate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2015\/11\/23\/neues-zu-liszts-h-moll-sonate\/","title":{"rendered":"Neues zu Liszts h-moll-Sonate"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5306\" style=\"width: 318px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/bwe1410a.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5306\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5306 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/bwe1410a.jpg\" alt=\"\" width=\"308\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/bwe1410a.jpg 500w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/bwe1410a-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5306\" class=\"wp-caption-text\">&quot;Finale furioso&quot; aus: Wilhelm Busch: Ein Neujahrskonzert<\/p><\/div>\n<p>Clara Schumann schreibt am 25. Mai 1854 mit kaum zu \u00fcberh\u00f6render Verzweiflung in ihr Tagebuch: \u201eLiszt sandte heute eine an Robert dedizierte Sonate und einige andre Sachen mit einem freundlichen Schreiben an mich. Die Sachen sind aber schaurig! Brahms spielte sie mir, ich wurde aber ganz elend. \u2026 Das ist nur noch blinder L\u00e4rm \u2013 kein gesunder Gedanke mehr, alles verwirrt, eine klare Harmoniefolge ist da nicht mehr herauszufinden! Und da mu\u00df ich mich nun noch bedanken \u2013 es ist wirklich schrecklich.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Erstaunlich \u2013 aber bei der von Clara Schumann als \u201eblinder L\u00e4rm\u201c bezeichneten Musik handelt es sich tats\u00e4chlich um Liszts h-moll-Sonate. M\u00f6gen die gewaltigen Ausbr\u00fcche und harmonischen H\u00e4rten f\u00fcr manch einen Pianisten und H\u00f6rer in der Mitte des 19. Jahrhunderts schwer hinnehmbar gewesen sein \u2013 heute gilt das Werk als einer der Gipfelpunkte der Klaviermusik \u00fcberhaupt. Auch im Katalog des G. Henle Verlags bildet es schon lange einen wichtigen Eckstein, und dies sowohl als Faksimile-Ausgabe des Autographs als auch in Gestalt einer Urtext-Edition.<\/p>\n<p>Beide Ausgaben erschienen erstmals im Henle-Jubil\u00e4umsjahr 1973, aus Anlass des 25j\u00e4hrigen Bestehens des Verlags. Kein Geringerer als Claudio Arrau konnte damals gewonnen werden, dem Faksimile ein Geleitwort beizugeben.<\/p>\n<p>Aber nichts ist f\u00fcr die Ewigkeit, selbst nicht in der Welt des Urtextes: Gut 40 Jahre nach den beiden Jubil\u00e4umsausgaben ist es n\u00f6tig, diese Ver\u00f6ffentlichungen auf den neuesten Stand zu bringen. Zu Beginn des Jahres 2015 wurde zun\u00e4chst das Faksimile neu aufgelegt. Manch einer wird sich fragen, was sich denn an einer Faksimile-Ausgabe einer autographen Quelle wird \u00e4ndern k\u00f6nnen. Nun, Liszt hat in seiner Handschrift nicht nur korrigiert und gestrichen, er hat auch ganze Passagen nach dem ersten Notat verworfen, mit zurechtgeschnittenen St\u00fccken Notenpapier \u00fcberklebt und diese neu beschrieben. Die \u00dcberklebungen wurden inzwischen gel\u00f6st \u2013 und wir haben die Gelegenheit ergriffen, in unserer neuen Faksimile-Ausgabe erstmals abzubilden, was sich unter den \u00dcberklebungen befindet. Arraus Geleitwort findet man nat\u00fcrlich auch in der neuen Ausgabe \u2013 erg\u00e4nzt von einer wissenschaftlichen Einleitung der Liszt-Expertin M\u00e1ria Eckhardt.<\/p>\n<p>So brillant das alte Faksimile schon war, in der neuen Reproduktion sieht man <em>noch<\/em> mehr Details. Die fortgeschrittene Technik macht\u2019s m\u00f6glich. Ich selbst durfte mich davon \u00fcberzeugen, als ich im Vorfeld Proofs unserer Ausgabe mit dem Original des Autographs in der New Yorker Pierpont Morgan Library abgeglichen habe. Mancher vermeintliche Staccatopunkt entpuppt sich nun als Fleck im Papier. Das <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Klaviersonate+h-moll_3227\" target=\"_blank\">neue Faksimile<\/a> ist wahrlich ein Muss f\u00fcr jeden Fan der h-moll-Sonate.<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Die neuen Erkenntnisse der Faksimile-Ausgabe waren auch hilfreich bei der Neubearbeitung der Urtext-Edition, die in der ersten H\u00e4lfte 2016 im G. Henle Verlag erscheinen wird. Es galt zudem eine neue Quelle zu ber\u00fccksichtigen, eine Momentaufnahme aus dem Klavierunterricht Liszts. Er studierte die Sonate u.a. mit seinem Sch\u00fcler \u00c1rp\u00e1d Szendy ein. Dessen Unterrichtsexemplar mit Eintragungen des Komponisten ist erhalten und gibt an einigen wichtigen Stellen wertvolle Hinweise zur Ausf\u00fchrung. So findet sich etwa in T. 162, 164, 357, 359 sowie in T. 627 die Angabe <em><strong>ppp<\/strong><\/em> (in T. 625 von anderer Hand <em><strong>pp<\/strong><\/em>), eine Abschattierung der Klangfarbe, die in der Auff\u00fchrungstradition fest verankert ist, nicht zuletzt durch die Ausgabe eines anderen Liszt-Sch\u00fclers, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emil_von_Sauer_%28Komponist%29\" target=\"_blank\">Emil von Sauer<\/a>, der f\u00fcr die entsprechenden Takte <em>una corda<\/em> vorschreibt.<\/p>\n<div id=\"attachment_5279\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/Ms-mus-L-0019_14-Kopie.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5279\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5279\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/Ms-mus-L-0019_14-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"165\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/Ms-mus-L-0019_14-Kopie.jpg 1365w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/Ms-mus-L-0019_14-Kopie-300x79.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/Ms-mus-L-0019_14-Kopie-1024x270.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5279\" class=\"wp-caption-text\">Erstausgabe Breitkopf &amp; H\u00e4rtel: Unterrichtsexemplar von \u00c1rp\u00e1d Szendy mit Eintragungen von Liszt, T. 161\u2013166<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5282\" style=\"width: 634px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/161-Sauera.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5282\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5282 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/161-Sauera.jpg\" alt=\"\" width=\"624\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/161-Sauera.jpg 5777w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/161-Sauera-300x108.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/161-Sauera-1024x369.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5282\" class=\"wp-caption-text\">Ausgabe Edition Peters, herausgegeben von Emil von Sauer, T. 161\u2013164<\/p><\/div>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Unsere revidierte Ausgabe wird jene wichtigen Informationen aus dem Szendy-Exemplar dokumentieren und \u00fcberdies manch problematische Stelle ausf\u00fchrlicher als bisher kommentieren. Nur ein ber\u00fchmter Streitfall aus der Rezeptionsgeschichte sei zum Schluss angef\u00fchrt. Den allerletzten Klang der riesigen Sonate, ein getupftes <em>h<\/em> in tiefer Lage, notieren Autograph und Erstausgabe folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5284\" style=\"width: 273px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.A.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5284\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5284  \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.A.jpg\" alt=\"\" width=\"263\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.A.jpg 1411w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.A-300x263.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.A-1024x899.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5284\" class=\"wp-caption-text\">Autograph, letzter Takt<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_5285\" style=\"width: 251px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.EA_.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5285\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5285\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.EA_.jpg\" alt=\"\" width=\"241\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.EA_.jpg 343w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.EA_-300x282.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5285\" class=\"wp-caption-text\">Erstausgabe Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, letzter Takt<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_5288\" style=\"width: 262px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.Sauer_.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5288\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5288 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.Sauer_.jpg\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"228\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.Sauer_.jpg 2281w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.Sauer_-300x272.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2015\/11\/letztT.Sauer_-1024x930.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5288\" class=\"wp-caption-text\">Ausgabe Edition Peters, herausgegeben von Emil von Sauer, letzter Takt<\/p><\/div>\n<p>Was genau aber meinte Liszt mit der <em>8<\/em>? Handelt es sich lediglich um eine Oktavierungs-angabe, soll also die Einzelnote <em>H<\/em><sub>2<\/sub> erklingen, oder ist gemeint <em>con 8<\/em>, d.h. der letzte Klang des Werkes w\u00e4re demnach die Oktave <em>H<\/em><sub>2<\/sub>\/<em>H<\/em><sub>1<\/sub>? Der oben zitierte Emil von Sauer h\u00e4lt sich bedeckt und gibt diese gewisse Unsch\u00e4rfe an den Interpreten weiter:<\/p>\n<p>Wir glauben, Liszt hatte einen Oktavgriff im Sinn, siehe auch T. 1: Die Sonate beginnt keinesfalls mit Einzelnoten.<\/p>\n<p>All dies wird in unserer revidierten Ausgabe kommentiert. Zudem konnten wir \u2013 40 Jahre nach Arraus Geleitwort zum Faksimile \u2013 f\u00fcr unsere erneute Besch\u00e4ftigung mit der h-moll Sonate wieder einen vollendeten Meister des Klaviers gewinnen: Der Fingersatz der revidierten Urtextausgabe stammt von Marc-Andr\u00e9 Hamelin! Faksimile und Edition laden somit zu einer inspirierenden Wiederbegegnung mit diesem Werk ein.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_UgK88SV3Zo?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uIUTc5d9moc<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clara Schumann schreibt am 25. 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