{"id":5823,"date":"2016-06-13T08:00:11","date_gmt":"2016-06-13T06:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=5823"},"modified":"2016-06-10T14:47:45","modified_gmt":"2016-06-10T12:47:45","slug":"ein-henle-kunde-schlagt-textkorrekturen-zu-max-regers-cellosuite-nr-2-vor-wie-reagieren-wir-als-verlag-darauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/06\/13\/ein-henle-kunde-schlagt-textkorrekturen-zu-max-regers-cellosuite-nr-2-vor-wie-reagieren-wir-als-verlag-darauf\/","title":{"rendered":"Ein Henle-Kunde schl\u00e4gt Textkorrekturen zu Max Regers Cellosuite Nr. 2 vor. Wie reagieren wir als Verlag darauf?"},"content":{"rendered":"<p>Heute ein kurzer, aber daf\u00fcr hoffentlich umso wertvollerer Beitrag f\u00fcr alle Cellisten. Er ist auch als Verneigung vor dem gro\u00dfen Komponisten Max Reger gedacht. Reger starb vor ziemlich genau 100 Jahren (am 11. Mai 1916).<\/p>\n<p>Meine <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Drei+Suiten+op.+131c+f%C3%BCr+Violoncello+solo+_478\" target=\"_blank\">Urtextausgabe<\/a> der \u201eDrei Suiten f\u00fcr Violoncell allein\u201c, Opus 131c, er\u00f6ffnete zusammen mit der Edition der drei Violasuiten HN 468 Anfang der 1990er-Jahre den Reigen unserer inzwischen recht zahlreichen <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/index.html?katalog=1&amp;q=Reger&amp;s=\" target=\"_blank\">Reger-Werke im Henle-Urtext<\/a>. Regers Handschrift dieser drei grandiosen Werke ist bis heute verschollen. Die Werke erschienen erstmals im Juli 1915 im Verlag N. Simrock, also ziemlich genau ein Jahr vor dem Tod Regers. Dem vor wenigen Jahren bei uns erschienenen <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Popp%3A+Max+Reger_2206\" target=\"_blank\">Reger-Werkverzeichnis<\/a> kann man alle wichtigen Informationen zur Entstehung und Quellen von Opus 131c entnehmen. F\u00fcr unsere Blog-Leser <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/files\/hn_2206_reger-wv_bd1_0749-0751.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a> exklusiv der Scan der einschl\u00e4gigen Seiten.<!--more--><\/p>\n<p>Reger las offenkundig akribisch Korrektur, denn es finden sich nur wenige Textprobleme in der Erstausgabe. Die Stichplatten der Erstausgabe wurden dann \u00fcbrigens unver\u00e4ndert vom Verlag C. F. Peters f\u00fcr dessen Nachdrucke \u00fcbernommen (sp\u00e4ter lediglich Fingers\u00e4tze \u2013 von wem? \u2013 eingef\u00fcgt). Einige wenige Feinkorrekturen waren dennoch offenkundig n\u00f6tig. Manche B\u00f6gen oder unterschiedlich platzierte Dynamik habe ich an Parallelstellen angeglichen (nat\u00fcrlich jeweils mit Fu\u00dfnoten-Hinweis); abweichende Noten an eindeutigen Parallelstellen (etwa Reprisen) lie\u00df ich unver\u00e4ndert, weise aber in meiner Ausgabe darauf hin.<\/p>\n<p>Nun erreichte uns vor wenigen Wochen eine Mail des Cellisten und Musikp\u00e4dagogen Christoph Otto Beyer aus Aurich mit hervorragenden Verbesserungsvorschl\u00e4gen zur zweiten Suite. Ich nehme das Schreiben von Herrn Beyer zum Anlass, meine Ausgabe entsprechend zu verbessern und im Folgenden diese Korrekturen offenzulegen. (Denn die korrigierte Druckausgabe wird fr\u00fchestens in 2 Jahren als Nachdruck erscheinen.)<\/p>\n<p>Hier also listenartig die Detailkorrekturen zur derzeit im Handel befindlichen Henle-Ausgabe von Regers Cellosuiten op. 131c:<\/p>\n<p>1. In der Gavotte Takt 48 (S. 11) sollte das <strong><em>p<\/em><\/strong> entgegen der Erstausgaben-Platzierung (= zum 3. Viertel) wohl besser um eine Viertel nach rechts (also zum 4. Viertel) verschoben werden, wie man aus allen Parallelstellen schlie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>2. In der Gavotte Takt 50 (S. 11) druckt die Erstausgabe, im Unterschied zu allen (!) anderen Stellen <span style=\"text-decoration: underline\">keine<\/span> Arpeggio-Schlangenlinie zum Akkord. Ich meine, auch dieser Akkord sollte arpeggiert werden, obwohl nat\u00fcrlich durchaus auch ein \u201esimultan-Pizzicato\u201c (Beyer) m\u00f6glich w\u00e4re. Ich klammere also die Schlange zuk\u00fcnftig ein, um sie als meinen Herausgeberzusatz kenntlich zu machen.<\/p>\n<p>3. In der Gavotte Takt 68 (S. 11) steht in der Erstausgabe auf dem letzten Viertel <span style=\"text-decoration: underline\">kein<\/span> Staccato-Punkt. Vielleicht fehlt er absichtsvoll? Ich meine, es ist ein Stichfehler, weshalb der Punkt in runde Klammern zu setzen ist.<\/p>\n<p>4. Im Largo Takte 28\u201329 (S. 12) ist die ritardando-Strichelung einen halben Takt zu weit ausgef\u00fchrt (sie muss T. 29 bereits beim 2. Viertel, <em>d<\/em><sup>1<\/sup>, enden).<\/p>\n<p>Und nun noch zwei interessante, mehr generelle Aspekte, die Herr Beyer anspricht:<\/p>\n<p>5. Regers \u201efast obsessiv verwendeten Flageolett-Angaben\u201c, wie Herr Beyer zurecht bemerkt, sind recht besehen keine Fingersatzangaben, sondern eine \u201e\u00e4sthetische und klangfarbliche Maxime\u201c Regers (Beyer). Wir geben aber diese Reger\u2019schen \u201e0\u201c-Bezeichnungen <em>kursiv<\/em> (= schr\u00e4g gestellt) wieder, genauso, wie wir es \u00fcblicherweise mit originalen (also vom Komponisten stammenden) Fingers\u00e4tzen tun; man siehe auch den Fu\u00dfnotenkommentar auf S. 1 meiner Reger-Ausgabe. <strong>Was meinen die Leser:<\/strong> Sollten wir ab der n\u00e4chsten Auflage diese Zeichen gerade anstatt <em>kursiv<\/em> wiedergeben, weil es sich beim Flageolett-\u201e0\u201c nicht um Fingersatz handelt?<\/p>\n<p>6. Die Metronom-Angaben Regers stehen in der Erstausgabe in Klammern:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/06\/Blog_Reger-Op131c.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-5830 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/06\/Blog_Reger-Op131c.jpg\" alt=\"\" width=\"6402\" height=\"3113\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/06\/Blog_Reger-Op131c.jpg 6402w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/06\/Blog_Reger-Op131c-300x145.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/06\/Blog_Reger-Op131c-1024x497.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 6402px) 100vw, 6402px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Solch Klammerung trifft man \u00fcbrigens in sehr vielen fr\u00fchen Druckausgaben verschiedenster Komponisten und Verlage an. Wir geben Metronomangaben prinzipiell ohne diese ( ) wieder, denn erstens markieren \u201e( )\u201c bei uns stets Zeichenerg\u00e4nzungen des Herausgebers \u00fcber die Quellen hinaus, und zweitens scheint uns keine tiefere Bedeutung hinter der Klammerung.<\/p>\n<p>Nun schreibt Cellist Beyer, er vermisse diese Klammern. Er interpretiert sie als Indikator f\u00fcr eine intendierte leichte R\u00fccknahme verbindlicher Bedeutung \u2013 wenn ich es recht verstehe. <strong>Was meinen die geneigten Leser?<\/strong> Ist der Klammerzusatz von Bedeutung, und wenn, von welcher? Dann m\u00fcssten wir sie im Urtext \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Mein nochmaliger herzlicher Dank geht an unseren scharfsichtigen Kunden, der hoffentlich nicht noch mehr solcher Fehlerchen entdeckt \u263a . Und wenn doch: <strong>Immer her damit<\/strong> \u2013 wir k\u00f6nnen nur mit Hilfe \u201eunserer\u201c Musiker besser werden, die unsere Ausgaben benutzen und R\u00fcckfragen stellen. Ich stehe zu meinem Versprechen: Jede vermeintliche Fehlermeldung von Ihnen wird von unserem wissenschaftlichen Lektorat sehr gewissenhaft an den Quellen und nach musikalischen Kriterien gepr\u00fcft, pers\u00f6nlich beantwortet und die Korrektur flie\u00dft gegebenenfalls in die n\u00e4chste Auflage. Die Reger\u2019schen Cellosuiten sind einmal mehr Beweis daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ein kurzer, aber daf\u00fcr hoffentlich umso wertvollerer Beitrag f\u00fcr &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/06\/13\/ein-henle-kunde-schlagt-textkorrekturen-zu-max-regers-cellosuite-nr-2-vor-wie-reagieren-wir-als-verlag-darauf\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,576,88,3,322,102,342],"tags":[577],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5823"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5823"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5823\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}