{"id":6038,"date":"2016-07-25T08:00:00","date_gmt":"2016-07-25T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=6038"},"modified":"2016-07-25T10:05:27","modified_gmt":"2016-07-25T08:05:27","slug":"anton-webern-jetzt-auch-%e2%80%9ein-blau%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/07\/25\/anton-webern-jetzt-auch-%e2%80%9ein-blau%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"Anton Webern: Jetzt auch \u201ein blau\u201c!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Immer wieder d\u00fcrfen wir neue Komponisten in unserem Henle-Katalog begr\u00fc\u00dfen. Wie unsere Leser sicher wissen, verlegen wir nur urheberrechtlich freie Musik; salopp gesagt: Der Komponist muss schon 70 Jahre tot sein, um es in unser Programm zu schaffen. Gro\u00dfe Ereignisse dieser Art waren in letzter Zeit etwa die ersten Henle-Ausgaben von Werken <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/index.html?katalog=1&amp;q=Rachmaninow&amp;s\" target=\"_blank\">Sergej Rachmaninows<\/a> im Jahr 2014 oder, erst k\u00fcrzlich, des <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Allegro+barbaro_1400\" target=\"_blank\">Allegro barbaro<\/a> von B\u00e9la Bart\u00f3k (siehe dazu den <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/04\/18\/blick-durchs-schlusselloch-%e2%80%93-bartoks-%e2%80%9eallegro-barbaro%e2%80%9c-als-vorbote-der-gesamtausgabe\/\" target=\"_blank\">Blogbeitrag<\/a> meiner Kollegin Annette Oppermann).<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_6042\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/07\/210px-Anton_Webern_in_Stettin_October_1912.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6042\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6042  \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2016\/07\/210px-Anton_Webern_in_Stettin_October_1912.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"215\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6042\" class=\"wp-caption-text\">Anton Webern (1912)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">2016 wird aber nicht nur Bart\u00f3k \u201efrei\u201c. Anton Webern starb 1945, also im selben Jahr wie\u00a0sein ungarischer Kollege, und kann daher im laufenden Jahr in den \u201eblauen\u201c Henle-Katalog aufgenommen werden. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton_Webern\" target=\"_blank\">Webern<\/a> geh\u00f6rt zweifellos zu den wichtigsten Figuren in der Musik des 20. Jahrhunderts. Obwohl sein Oeuvre schmal und von einer fast schon legend\u00e4ren K\u00fcrze ist, war Weberns Einfluss auf die Entwicklung der Musik des 20. Jahrhunderts enorm. Ein zentrales Werk sind seine Variationen op. 27, die nun, herausgegeben von Ullrich Scheideler, im G. Henle Verlag <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Variationen+op.+27_1344\" target=\"_blank\">erscheinen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ullrich Scheideler hat nicht nur die 1937 erschienene Erstausgabe und die reinschriftlichen Autographe und Abschriften \u2013 aus der Pierpont Morgan Library, New York \u2013 konsultiert, sondern auch das Skizzenmaterial aus der Webern-Sammlung in der Paul Sacher Stiftung, Basel, sowie einen Korrekturabzug zur Erstausgabe, der heute in der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek, Wien, liegt. Dieser Quellenfundus dokumentiert die wichtigsten Werkstadien von der Skizze bis zur Erstausgabe, und Scheideler gelingt es auf dieser Grundlage, die Entstehung der Variationen detailliert aufzurollen. Unsere Ausgabe ist somit die erste Urtextausgabe, die dem Notentext eine entstehungsgeschichtliche Einordnung und einen ausf\u00fchrlichen kritischen Quellenapparat an die Seite stellt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als \u201ePlus\u201c hat Ullrich Scheideler eine weitere Quellenschicht zu Rate gezogen. Es handelt sich um Exemplare des Erstdrucks, die verwendet wurden, als Webern seine Variationen mit verschiedenen Pianisten studierte. Zwei dieser Exemplare \u2013 von Peter Stadlen und Else Cross \u2013 sind \u00fcberliefert; sie enthalten Eintragungen von Webern zur Agogik und zur Interpretation, die zwar h\u00f6chst aufschlussreich, jedoch wohl individuell auf den jeweiligen Studenten zugeschnitten sind. Zur allgemeing\u00fcltigen Werkgestalt geh\u00f6ren sie nicht. Sie sind daher im Vorwort zusammenfassend dokumentiert und gehen nicht in unsere Edition ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Weberns Musik ist bekannt f\u00fcr ihre strenge Organisation, und so nimmt es nicht Wunder, dass die Quellen diesen Willen zu Struktur und Ordnung widerzuspiegeln scheinen. Unter den drei New Yorker Manuskriptquellen, die inzwischen <a href=\"http:\/\/www.themorgan.org\/music\/composer\/webern-anton?page=3\" target=\"_blank\">online einsehbar<\/a> sind m\u00f6chte ich hier die <a href=\"http:\/\/www.themorgan.org\/music\/manuscript\/115919\" target=\"_blank\">autographe Stichvorlage<\/a> herausgreifen. Das Notat ist von einer erstaunlichen Pr\u00e4zision und Klarheit. Sie liegen richtig, wenn Sie vermuten, dass eine solche Handschrift so gut wie keine Fragen aufwirft. Nimmt man noch die minuti\u00f6s von Webern korrigierte Erstausgabe hinzu, so ergibt sich das Bild eines Notentextes, der kaum W\u00fcnsche offen l\u00e4sst. Editorisch also eine klare Sache, k\u00f6nnte man meinen. Und doch stie\u00dfen wir bei der Vorbereitung der Ausgabe auf einen Widerspruch, der so gar nicht in unser Bild von Weberns Pr\u00e4zision passen mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als Gesamtdauer gibt Webern in der Erstausgabe auf der letzten Notenseite \u201e10 Min.\u201c an. Dieser Hinweis wurde offenbar erst kurz vor Drucklegung erg\u00e4nzt, denn er fehlt in allen anderen Quellen, einschlie\u00dflich des oben erw\u00e4hnten Korrekturabzugs. Die Einzels\u00e4tze weisen im Druck keine Dauernangaben auf, doch geben einige der handschriftlichen Quellen f\u00fcr Satz I \u201e3 \u00bd Min.\u201c an und f\u00fcr Satz II \u201e1 Min.\u201c. Kaum zu bezweifeln ist, dass diese Zeitangaben auf den Komponisten selbst zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erstaunlich, aber wahr: Alle drei Dauernangaben sind offenbar falsch! Orientiert man sich an den sicher verbindlichen Metronomzahlen, dauert Satz I zwischen 1.30\u20132 Min., Satz II etwa 30 Sek. F\u00fcr das gesamte Werk sind knapp 6 Minuten anzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Falsche Angaben der Gesamtdauer kennt man auch von anderen Werken Weberns (Moldenhauer nennt in seinem grundlegenden Werk <em>Anton von Webern: Chronik seines Lebens und Werke<\/em>, Z\u00fcrich etc. 1980, S. 294, au\u00dferdem Opus 5 und Opus 10). Der Grund f\u00fcr diese Diskrepanz bleibt ein R\u00e4tsel. Haben Sie eine Idee?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der oben erw\u00e4hnte Peter Stadlen, sicher ein Garant f\u00fcr eine authentische Auff\u00fchrung, spielte Weberns Variationen \u00fcbrigens bei den Darmst\u00e4dter Ferienkursen f\u00fcr Neue Musik 1948 in 5.48 Min.; Glenn Gould brauchte in <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8hk3rKIW3qg\" target=\"_blank\">seiner Aufnahme<\/a> nur rekordverd\u00e4chtige 5.12 Min.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder d\u00fcrfen wir neue Komponisten in unserem Henle-Katalog begr\u00fc\u00dfen. &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/07\/25\/anton-webern-jetzt-auch-%e2%80%9ein-blau%e2%80%9c\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[87,347,596,301,3,102,598,595],"tags":[593,592,594,591],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6038"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6038"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6038\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}