{"id":6429,"date":"2017-01-16T06:35:39","date_gmt":"2017-01-16T05:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=6429"},"modified":"2017-01-16T14:45:48","modified_gmt":"2017-01-16T13:45:48","slug":"urtext-von-a-bis-z","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/01\/16\/urtext-von-a-bis-z\/","title":{"rendered":"Urtext von A bis Z! Wissenswertes zu unserer Neuedition von Alexander Zemlinskys Klarinettentrio op. 3"},"content":{"rendered":"<p>Mit unserer frisch erschienenen Urtext-Ausgabe des hinrei\u00dfend \u201ebrahmsischen\u201c Klarinettentrios Opus 3 von Alexander Zemlinsky (<a title=\"HN 578\" href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Trio+f%C3%BCr+Klavier%2C+Klarinette+%28Violine%29+und+Violoncello+d-moll+op.+3_578\" target=\"_blank\">HN 578<\/a>) schlie\u00dfen wir gleich zwei L\u00fccken. Zum einen f\u00fcgen wir damit unserem Angebot f\u00fcr diese klassische Besetzung Klarinette, Klavier und Cello (oder Viola) ein wichtiges Werk hinzu, das sich zusammen mit Mozarts \u201eKegelstatt-Trio\u201c KV 498, Beethovens \u201eGassenhauer-Trio\u201c op.\u00a011 und Brahms\u2019 Trio op.\u00a0114 in illustrer Gesellschaft befindet (nicht zu vergessen Schumanns <em>M\u00e4rchenerz\u00e4hlungen<\/em> op.\u00a0132 und Max Bruchs <em>Acht St\u00fccke<\/em> op.\u00a083 f\u00fcr die gleiche Besetzung). Au\u00dferdem hat unsere erste Edition eines Werks von Zemlinsky den h\u00fcbschen Nebeneffekt, dass unser umfangreicher Urtextkatalog nun tats\u00e4chlich von <strong>A<\/strong>(lb\u00e9niz) bis <strong>Z<\/strong>(emlinsky) reicht\u2026<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_6433\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6433\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6433   \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Titel-Erstausgabe.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Titel-Erstausgabe.jpg 500w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Titel-Erstausgabe-241x300.jpg 241w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-6433\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p>Sicher werden sich vor allem die Klarinettisten \u00fcber eine verl\u00e4ssliche Ausgabe ihres wichtigen Repertoire\u00adst\u00fccks freuen, denn die Erstausgabe, die 1897 im Verlag Simrock erschien und bis heute unver\u00e4ndert nachgedruckt wird, weist unz\u00e4hlige Fehler und Ungereimt\u00adheiten auf und bedurfte somit einer gr\u00fcndlichen \u00dcberpr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Wenngleich sich sehr viele von Zemlinskys Partiturmanuskripten erhalten haben (vor allem in der Library of Congress in Washington und in der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek), ist ungl\u00fccklicherweise ausgerechnet das Autograph seines Klarinettentrios verschollen. Auch die Kopisten\u00adabschriften, die nachweislich zur Ur\u00adauf\u00adf\u00fchrung des Trios (und wahr\u00adschein\u00adlich als Stichvorlage der Erstausgabe) verwendet wurden, sind nicht erhalten, so dass keine weiteren Quellen zur Kl\u00e4rung der fraglichen Stellen hinzugezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist umso bedauerlicher, als die Erstausgabe in kurzer Zeit und offensichtlich mit geringer Sorgfalt hergestellt wurde, was zu den besagten zahlreichen Druckfehlern f\u00fchrte. Nachdem kein Geringerer als Johannes Brahms das Trio seinem Verleger und Freund Fritz Simrock Ende Dezember 1896 zur Ver\u00f6ffentlichung empfohlen hatte und der Notenstich im Januar begonnen wurde, lag die fertige Ausgabe (Klavierpartitur und Stimmen) bereits im M\u00e4rz 1897 vor. F\u00fcr gr\u00fcndliche Korrekturlesungen scheint daher kaum Zeit gewesen zu sein. Zu allem \u00dcbel war Zemlinsky bei der Niederschrift seiner Partituren und bei der \u00dcber\u00adpr\u00fcfung von Korrekturabz\u00fcgen \u00e4u\u00dferst nachl\u00e4ssig, worauf der Zemlinsky-Experte Antony Beaumont in seiner grundlegenden Biographie hingewiesen hat:<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] the notation of his manuscripts and printed editions, particularly that of his earlier works, is plagued by inaccuracies, ambiguities and inconsistencies. Schoenberg once wrote of Zemlinsky, that when he first met him he was a <em>Schnellschreiber<\/em> (speed-writer), and recalled that while waiting for the ink to dry on a page of manuscript he would practise for his next concert. Evidently he found even less time for the delicate business of correcting his fair copies and checking printers\u2019 proofs.<br \/>\n<em>Antony Beaumont, Alexander Zemlinsky. London 2000, S. 22<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Einen kleinen Eindruck von der Fehlerhaftigkeit der Erstausgabe kann vielleicht der folgende Ausschnitt aus unserer Stichvorlage vermitteln \u2013 in Rot sind hier alle Korrekturen und Erg\u00e4nzungen eingetragen, die wir f\u00fcr unsere Neuausgabe vorgenommen haben:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Stichvorlage.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6431\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Stichvorlage.jpg\" alt=\"\" width=\"1778\" height=\"1873\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Stichvorlage.jpg 1778w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Stichvorlage-284x300.jpg 284w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Stichvorlage-972x1024.jpg 972w\" sizes=\"(max-width: 1778px) 100vw, 1778px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Trio op. 3, 2. Satz, T. 72\u201387. Klarinette transponierend in A notiert. (Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken)<\/em><\/p>\n<p>Die fehlenden oder falschen Vorzeichen lassen sich in der Regel aus dem musikalischen Kontext relativ zweifelsfrei ermitteln. Andere Stellen sind dagegen weniger eindeutig, vor allem die von Beaumont erw\u00e4hnten \u201einconsistencies\u201c zwischen Parallelstellen oder zwischen Partitur und den Einzelstimmen. Drei Beispiele hierf\u00fcr, alle aus der Klavierstimme, 1. Satz (zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken):<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/1.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6459\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/1.jpg\" alt=\"\" width=\"1268\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/1.jpg 1268w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/1-300x99.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/1-1024x338.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1268px) 100vw, 1268px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/2.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6460\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"567\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/2.jpg 788w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/2-300x144.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/3.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6461\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"645\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/3.jpg 900w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/3-300x215.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier beschr\u00e4nkt sich unsere Ausgabe auf blo\u00dfe Hinweise in Fu\u00dfnoten, ohne den Notentext anzur\u00fchren, da jede \u00c4nderung zu spekulativ w\u00e4re.<\/p>\n<p>Fragen wie diese werden wohl erst gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, falls eines Tages das Auto\u00adgraph des Klarinettentrios wieder auftauchen sollte (aber vielleicht nicht einmal dann, wenn man an das obige Zitat Beaumonts denkt\u2026). Dass ein Jugendwerk Zemlinskys nach mehr als einem Jahrhundert wieder zum Vorschein kommt, ist tats\u00e4chlich k\u00fcrzlich erst geschehen: vor wenigen Jahren wurde das Autograph seiner Cellosonate von 1894 wiederentdeckt, das mit dem Cellisten und Widmungstr\u00e4ger <a title=\"Biographie Friedrich Buxbaum (PDF)\" href=\"http:\/\/wphdata.blob.core.windows.net\/documents\/Documents\/pdf\/NS\/ns_mayr_ex_buxbaum_de_v03.pdf\" target=\"_blank\">Friedrich Buxbaum <\/a>nach Gro\u00dfbritannien gelangt war und sich dort in Familienbesitz befand (siehe <a href=\"http:\/\/www.raphaelwallfisch.com\/?p=384\" target=\"_blank\">die Schilderung<\/a> des Cellisten Raphael Wallfisch; die Handschrift ist heute in der <a href=\"http:\/\/juilliardmanuscriptcollection.org\/manuscript\/cello-sonata\/\" target=\"_blank\">Juilliard Manuscript Collection<\/a> zu bewundern). Buxbaum wirkte ebenfalls bei der Urauff\u00fchrung von Zemlinskys Klarinettentrio mit. Wer wei\u00df, ob nicht eines Tages auch dieses Autograph seinen Weg zur\u00fcck in die \u00d6ffentlichkeit findet? F\u00fcr die Musikwelt w\u00e4re das ein gro\u00dfer Gewinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit unserer frisch erschienenen Urtext-Ausgabe des hinrei\u00dfend \u201ebrahmsischen\u201c Klarinettentrios Opus &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/01\/16\/urtext-von-a-bis-z\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[88,3,627,625],"tags":[704,710,624,530],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6429"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6429"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6429\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}