{"id":6469,"date":"2017-01-30T08:00:29","date_gmt":"2017-01-30T07:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=6469"},"modified":"2017-01-26T12:31:56","modified_gmt":"2017-01-26T11:31:56","slug":"ein-neuer-stern-am-gesamtausgabenhimmel-%e2%80%93-die-kritische-gesamtausgabe-der-werke-von-bela-bartok-bei-henle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/01\/30\/ein-neuer-stern-am-gesamtausgabenhimmel-%e2%80%93-die-kritische-gesamtausgabe-der-werke-von-bela-bartok-bei-henle\/","title":{"rendered":"Ein neuer Stern am Gesamtausgabenhimmel \u2013 die Kritische Gesamtausgabe der Werke von B\u00e9la Bart\u00f3k bei Henle"},"content":{"rendered":"<p>Nach fast drei Jahrzehnten war die Zeit reif f\u00fcr eine neue Gesamtausgabe bei Henle \u2013 und so haben Beethoven, Haydn und Brahms 2016 mit B\u00e9la Bart\u00f3k Zuwachs bekommen. In einem fr\u00fcheren Blog haben wir anl\u00e4sslich der Urtext-Ausgabe von Bart\u00f3ks <em>Allegro barbaro<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Allegro+barbaro_1400\" target=\"_blank\">HN 1400<\/a>) schon mal einen \u201e<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2016\/04\/18\/blick-durchs-schlusselloch-%e2%80%93-bartoks-%e2%80%9eallegro-barbaro%e2%80%9c-als-vorbote-der-gesamtausgabe\/\" target=\"_blank\">Blick durch\u2019s Schl\u00fcsselloch<\/a>\u201c auf die Gesamtausgabe geworfen, die wir in Kooperation mit <a href=\"http:\/\/www.emb.hu\/de\/\" target=\"_blank\">Editio Musica Budapest<\/a> herausgeben. Aber nun hat sich die T\u00fcr ge\u00f6ffnet: Vor wenigen Wochen erschien mit \u201eF\u00fcr Kinder\u201c (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=F%C3%BCr+Kinder%2C+Fr%C3%BChfassung+und+revidierte+Fassung_6200\" target=\"_blank\">HN 6200<\/a>) der erste Band der <em>Kritischen Gesamtausgabe B\u00e9la Bart\u00f3k<\/em>, den wir uns nun mit dem Herausgeber des Bandes und Leiter der Gesamtausgabe, <a href=\"http:\/\/zti.hu\/index.php\/en\/ba\/staff\/69-vikarius-laszlo\" target=\"_blank\">L\u00e1szl\u00f3 Vik\u00e1rius<\/a>, einmal genauer ansehen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/versuch-BBCCE-37-Noten.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6513\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/versuch-BBCCE-37-Noten.jpg\" alt=\"\" width=\"1143\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/versuch-BBCCE-37-Noten.jpg 1143w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/versuch-BBCCE-37-Noten-300x136.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/versuch-BBCCE-37-Noten-1024x465.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1143px) 100vw, 1143px\" \/><\/a><br \/>\n<span style=\"color: #003366\"><strong><!--more-->AO<\/strong>: Lieber Herr Vik\u00e1rius, zu Beginn eine kleine Provokation: Wozu braucht die Welt eine Bart\u00f3k-Gesamtausgabe?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Im Henle-Blog braucht man wohl nicht zu betonen, was eine Gesamtausgabe generell f\u00fcr einen Komponisten bedeutet. F\u00fcr Bart\u00f3k im besonderen ist sie aber aus mehreren Gr\u00fcnden wichtig: Zuerst gibt es die \u201eklassischen\u201c Textprobleme eines Komponisten des 20. Jahrhunderts, dessen Werke in verschiedenen L\u00e4ndern und Auflagen erschienen sind. Sie sind in einer Gesamtausgabe viel besser als in einer praktischen Ausgabe zu handhaben, da wir hier mit Fu\u00dfnoten, Anh\u00e4ngen und Kritischem Bericht viele M\u00f6glichkeiten der optimalen Pr\u00e4sentation von Varianten f\u00fcr den Musiker haben. Bei Bart\u00f3k haben wir zudem den Sonderfall, dass seine Aufnahmen der Klavierwerke wichtige neue Varianten enthalten (mitunter von ganzen Formteilen!), die dann transkribiert und in der Gesamtausgabe ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Darf ich noch hinzuf\u00fcgen, dass es vielleicht zu keinem anderen Komponisten mehr als eben zu Bart\u00f3k passt, seine Werke endlich wissenschaftlich, d.h. historisch-kritisch zu edieren? Schlie\u00dflich hat er selbst bei seiner volksmusikalischen Forschung eine ungeheure wissenschaftlich-editorische Arbeit geleistet. Er hat die ungarische, rum\u00e4nische, slowakische und arabische Volksmusik ja nicht nur gesammelt, sondern in h\u00f6chst detaillierten Transkriptionen und Dokumentation klassifiziert, Varianten gelistet, Querverbindungen und Typen festgestellt. Seine viele B\u00e4nde umfassenden Ausgaben dieser Musik sind auch kritische Ausgaben seiner eigenen Sammlungen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6473\" style=\"width: 437px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3k-beim-Transkribieren.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6473\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6473 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3k-beim-Transkribieren.jpg\" alt=\"\" width=\"427\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3k-beim-Transkribieren.jpg 950w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3k-beim-Transkribieren-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6473\" class=\"wp-caption-text\">Bart\u00f3k beim Transkribieren<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>:\u00a0 Eine solche \u201ehistorisch-kritische\u201c, also den gesamten Entstehungsprozess dokumentierende wissenschaftliche Edition ist also das Ziel. Dies ist allerdings bei einem erst 1945 verstorbenen Komponisten, der zun\u00e4chst in Ungarn und sp\u00e4ter in Amerika lebte, wesentlich schwieriger zu erreichen als bei Beethoven oder Brahms \u2013 weswegen das Projekt auch so lange nur geplant, aber nicht realisiert wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Ja, <a href=\"http:\/\/www.zti.hu\/bartok\/ba_en_10_m.htm?0113\" target=\"_blank\">L\u00e1szl\u00f3 Somfai<\/a>, der viel Erfahrung mit der kritischen Edition klassischer Musik hatte, plante schon vor Jahrzenten eine Gesamtausgabe. Aber die teilweise Unzug\u00e4nglichkeit der Quellen in zwei verschiedenen Sammlungen (in Ungarn und in den USA) und urheberrechtliche Probleme machten die Umsetzung unm\u00f6glich. Bei der Quellenlage \u00e4nderte sich dies Ende der 1980er Jahre: Damals stellte P\u00e9ter Bart\u00f3k dem Bart\u00f3k-Archiv dankenswerterweise Kopien aller Kompositionshandschriften in seinem Besitz zur Verf\u00fcgung, damit hatten wir endlich auch Zugang zu allen Quellen des sogenannten amerikanischen Nachlasses. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Damit ist das Stichwort Bart\u00f3k-Archiv gefallen \u2013 was ist das Besondere an dieser Budapester Institution?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Das 1961 gegr\u00fcndete <a href=\"http:\/\/www.zti.hu\/bartok\/ba_de.htm\" target=\"_blank\">Bart\u00f3k-Archiv<\/a> kann wohl als zentrale Forschungsstelle f\u00fcr Bart\u00f3k erachtet werden: Hier wird der ungarische Bart\u00f3k-Nachlass \u2013 fr\u00fcher im Besitz von B\u00e9la Bart\u00f3k Junior, jetzt seines Nachfolgers G\u00e1bor V\u00e1s\u00e1rhelyi \u2013 aufbewahrt, au\u00dferdem sind im Laufe der Jahre viele weitere Quellen gesammelt worden. Wir arbeiten in engem Kontakt mit der <a href=\"https:\/\/www.paul-sacher-stiftung.ch\/de\/home.html\" target=\"_blank\">Paul Sacher Stiftung<\/a> (wo P\u00e9ter Bart\u00f3ks Sammlung inzwischen deponiert wird) und dem <a href=\"http:\/\/bartok.kbr.be\/accueil_nl.html\" target=\"_blank\">belgischen Bart\u00f3k-Archiv<\/a> (Nachlass von Denijs Dille, ehemaliger Leiter des Budapester Bart\u00f3k-Archivs) an der K\u00f6niglichen Bibliothek zu Br\u00fcssel haben. Damit haben wir die optimale Grundlage f\u00fcr die Arbeit an der Gesamtausgabe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Und wie ist die Arbeit an einer solchen Gesamtausgabe eigentlich organisiert?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Wir haben nat\u00fcrlich eine Editionsleitung, in der mit L\u00e1szl\u00f3 Somfai, M\u00e1rton Ker\u00e9kfy und mir sozusagen drei Generationen der Bart\u00f3k-Forschung zusammensitzen. Zum Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir mit Herrn Somfai, der ja jahrzehntelang an der Vorbereitung gearbeitet hat, alles detailliert besprechen. Mein junger Kollege <a href=\"http:\/\/zti.hu\/index.php\/en\/ba\/staff\/73-kerekfy-marton\" target=\"_blank\">M\u00e1rton Ker\u00e9kfy<\/a> ist dank seiner Erfahrungen als Mitarbeiter im Bart\u00f3k-Archiv wie als Cheflektor im Verlag Editio Musica Budapest bestens qualifiziert f\u00fcr die Redaktion der Gesamtausgabe.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000\"> Au\u00dferdem haben wir einen wissenschaftlichen Beirat berufen, der durch renommierte Forscher aus Deutschland, Frankreich, England, Australien, die Vereinigten Staaten und Ungarn international aufgestellt ist. Wichtig war uns dabei, dass nicht nur namhafte Bart\u00f3k-Forscher (wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Malcolm_Gillies\" target=\"_blank\">Malcom Gillies<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.amherst.edu\/people\/facstaff\/kmoricz\" target=\"_blank\">Kl\u00e1ra Moricz<\/a> oder <a href=\"http:\/\/zeneakademia.hu\/en\/search?p_p_auth=EG6KIjX4&amp;p_p_id=101&amp;p_p_lifecycle=0&amp;p_p_state=maximized&amp;p_p_mode=view&amp;p_p_col_id=column-1&amp;p_p_col_count=1&amp;_101_struts_action=%2Fasset_publisher%2Fview_content&amp;_101_assetEntryId=62110&amp;_101_type=content&amp;_101_groupId=10192&amp;_101_urlTitle=tallian-tibor\" target=\"_blank\">Tibor Talli\u00e1n<\/a>) mitwirken, sondern auch andere Komponisten des 20. Jahrhunderts vertreten sind (wie Stravinsky durch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Richard_Taruskin\" target=\"_blank\">Richard Taruskin<\/a> oder Debussy durch <a href=\"https:\/\/www.gresham.ac.uk\/professors-and-speakers\/denis-herlin\/\" target=\"_blank\">Denis Herlin<\/a>). Dieser Erfahrungsaustausch hat sich schon jetzt als sehr wertvoll f\u00fcr die konkrete Arbeit an der Ausgabe erwiesen. <a href=\"http:\/\/henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/wolf-dieter-seiffert.html\" target=\"_blank\">Wolf-Dieter Seiffert<\/a>, der so viel f\u00fcr die Realisierung der Gesamtausgabe getan hat und auch im wissenschaftlichen Beirat sitzt, muss gerade hier nicht vorgestellt werden.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6474\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/BBCCE-Gr\u00fcndungstreffen-2015.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6474\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6474    \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/BBCCE-Gr\u00fcndungstreffen-2015.jpg\" alt=\"\" width=\"590\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/BBCCE-Gr\u00fcndungstreffen-2015.jpg 1400w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/BBCCE-Gr\u00fcndungstreffen-2015-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/BBCCE-Gr\u00fcndungstreffen-2015-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6474\" class=\"wp-caption-text\">Foto von der Gr\u00fcndungssitzung des Advisory board 2015 in der Franz-Liszt-Akademie in Budapest               (von rechts: L. Somfai, W.-D. Seiffert, M. Gillies, T. Talli\u00e1n, Kl. M\u00f3ricz, R. Taruskin, M. Ker\u00e9kfy, A. Boronkay, L. Vik\u00e1rius, V. Lampert, A. Oppermann)<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Eine Besonderheit in Bart\u00f3ks \u0152uvre ist die Arbeit mit volksmusikalischen Vorlagen. Wie spiegelt sich das eigentlich in der Gesamtausgabe wieder?<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6475\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3ks-Volkslied\u00fcbertragung.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6475\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6475   \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3ks-Volkslied\u00fcbertragung.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3ks-Volkslied\u00fcbertragung.jpg 802w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Bart\u00f3ks-Volkslied\u00fcbertragung-638x1024.jpg 638w\" sizes=\"(max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6475\" class=\"wp-caption-text\">Bart\u00f3ks \u00dcbertragung eines Volkslieds (Musikwissenschaftliches Institut, Budapest). Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Die identifizierbaren volksmusikalischen Vorlagen werden f\u00fcr jedes Werk erschlossen und pr\u00e4sentiert. H\u00e4ufig entstammen sie Bart\u00f3ks eigenen Sammlungen und sind in mehreren Quellen \u2013 Transkriptionen, Phonografenaufnahmen oder Edition \u2013 \u00fcberliefert. Erst auf Grundlage dieser Quellen ist Bart\u00f3ks Verst\u00e4ndnis der Folklore und die Rolle der Volksmusik in seinen Werken nachzuvollziehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Das gilt auch und gerade f\u00fcr den vor wenigen Wochen erschienenen ersten Band der Gesamtausgabe <em>F\u00fcr Kinder<\/em>, nicht wahr<\/span>?<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV:<\/strong> Ja, die Volksmusik spielt eine wesentliche Rolle in <em>F\u00fcr Kinder<\/em>, und entsprechend aufwendig haben wir die ungarischen und slowakischen Lied-Vorlagen mit mehrsprachigen Texten in einem Anhang pr\u00e4sentiert. Hier war die Unterst\u00fctzung meiner Mitherausgeberin Vera Lampert, die Verfasserin des grundlegenden Katalogs \u00fcber Bart\u00f3ks Volksliedbearbeitungen (<a href=\"http:\/\/henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Folk+Music+in+Bart%C3%B3k%27s+Compositions+-+A+Source+Catalog.+Arabian%2C+Hungarian%2C+Romanian%2C+Rut_2617\" target=\"_blank\">HN 2617<\/a>) ist, nat\u00fcrlich sehr hilfreich.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6502\" style=\"width: 543px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/AO-Blogabildung-S-174-u-5-Kopie.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6502\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-6502 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/AO-Blogabildung-S-174-u-5-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/AO-Blogabildung-S-174-u-5-Kopie.jpg 2500w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/AO-Blogabildung-S-174-u-5-Kopie-300x173.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/AO-Blogabildung-S-174-u-5-Kopie-1024x593.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6502\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem Anhang der Gesamtausgabe. Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #000000\">Ebenfalls h\u00f6chst interessant ist der Umstand, dass <em>F\u00fcr Kinder<\/em> in zwei Fassungen existiert, von denen die eine zu Beginn von Bart\u00f3ks kompositorischer Laufbahn (1908\u20131911), die andere hingegen in seinen letzten Lebensjahren (1943) entstand. Zum direkten Vergleich pr\u00e4sentieren wir diese zwei Fassungen ausnahmsweise synoptisch. Die Unterschiede betreffen manchmal nur kleine (aber wichtige) harmonische Nuancen, mitunter auch spezifische Notationsfragen. Bart\u00f3k \u00e4nderte n\u00e4mlich um 1908 seine Notationsgewohnheiten auf Grund von avantgardistischen Ideen geradezu revolution\u00e4r. So verzichtete er wegen der freien Behandlung der Tonalit\u00e4t einige Jahre grunds\u00e4tzlich auf Generalvorzeichnungen, die er sp\u00e4ter dann bei der Revision dieser St\u00fccke doch einf\u00fchrte \u2013 wenn auch manchmal etwas ungew\u00f6hnlich unter minuti\u00f6ser Ber\u00fccksichtigung der modalen Tonleiter der Melodien.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6511\" style=\"width: 242px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Rev-17-CritSeite-2451.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6511\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-6511 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Rev-17-CritSeite-2451-232x300.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Rev-17-CritSeite-2451-232x300.jpg 232w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Rev-17-CritSeite-2451-794x1024.jpg 794w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/Rev-17-CritSeite-2451.jpg 1552w\" sizes=\"(max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6511\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem  Kritischen Bericht der Gesamtausgabe. Zum Vergr\u00f6\u00dfern anklicken.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Was war f\u00fcr Sie das Besondere an der Arbeit an diesem ersten Band?<\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"color: #000000\"> <\/span><\/span><span style=\"color: #000000\"><span style=\"color: #000000\"> <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>:\u00a0 Das intensive Studium dieser fantastisch vielseitigen Reihe in verschiedenen<span style=\"color: #000000\"> <\/span>Fassungen: Zun\u00e4chst musste ja die Entstehung der zwei Fassungen auf Grund der Drucke und \u00a0handschriftlichen Quellen sorgf\u00e4ltig rekonstruiert werden, dann aber waren die beiden Fassungen in der Edition wieder sorgsam auseinanderzuhalten. Die Ergr\u00fcndung der fr\u00fchen entstehungsgeschichtlichen Schichten und der manchmal sehr subtilen Unterschiede zwischen den Fassungen, ist dabei nat\u00fcrlich f\u00fcr jeden Bart\u00f3k-Forscher besonders spannend.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6509\" style=\"width: 592px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/17-Kopie.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6509\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-6509 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/17-Kopie-1024x659.jpg\" alt=\"\" width=\"582\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/17-Kopie-1024x659.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/17-Kopie-300x193.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6509\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fchfassung und revidierte Fassung in der Gesamtausgabe. Zum  Vergr\u00f6\u00dfern anklicken.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: <em>F\u00fcr Kinder<\/em> ist also ein spannendes Editionsprojekt, aber vielleicht nicht gerade das ber\u00fchmteste Werk Bart\u00f3ks. Wieso haben Sie damit die Gesamtausgabe er\u00f6ffnet?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV:<\/strong> Eine Gesamtausgabe ist ja ein langfristiges Unternehmen und es sind schon viele verschiedene B\u00e4nde \u2013 auch mit ber\u00fchmten Werken wie <em>Mikrokosmos<\/em> oder <em>Konzert f\u00fcr Orchester<\/em> \u2013 <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/index.html?katalog=1&amp;website=1&amp;q=Bartok+Wissenschaftliche+Gesamtausgabe+mit+Kritischem+Bericht&amp;s=\" target=\"_blank\">in Arbeit<\/a>. Als wir uns aber letztes Jahr entscheiden mussten, erschien uns <em>F\u00fcr Kinder<\/em> als erste Ver\u00f6ffentlichung der Bart\u00f3k-Gesamtausgabe besonders geeignet. Zun\u00e4chst zeigen diese meisterhaft und \u00e4u\u00dferst \u00f6konomisch komponierten kleinen St\u00fccke Bart\u00f3ks Individualstil gleich am Anfang seiner Entstehung um 1908 und erste Entwicklung bis 1911, damit bilden sie auch chronologisch betrachtet einen guten Einstieg in die Gesamtausgabe. Dass jedes St\u00fcck eine Volksliedbearbeitung ist, macht den Benutzer zugleich mit Bart\u00f3ks ureigenster Quelle, der Folklore, vertraut. Schlie\u00dflich bietet <em>F\u00fcr Kinder<\/em> durch die zwei Fassungen und eine hochkomplexe Quellensituation geradezu ein Paradebeispiel f\u00fcr die Fragen der Bart\u00f3k-Edition, an dem die Methoden der Systematisierung und Darstellung der Quellen im Kritischen Bericht erprobt werden konnten. Ebenfalls spannend ist, dass man hier nicht nur die Entstehung von Individualst\u00fccke studieren, sondern auch verfolgen kann, wie die \u2013 musikalisch wie p\u00e4dagogisch h\u00f6chst planvoll gegliederte \u2013 ganze Sammlung entsteht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"> <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6544\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/HN6200-BBCCE37_CritCom_Abb-10.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-6544\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-6544\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/HN6200-BBCCE37_CritCom_Abb-10-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/HN6200-BBCCE37_CritCom_Abb-10-236x300.jpg 236w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/HN6200-BBCCE37_CritCom_Abb-10-806x1024.jpg 806w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/01\/HN6200-BBCCE37_CritCom_Abb-10.jpg 1653w\" sizes=\"(max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6544\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p><em>F\u00fcr Kinder<\/em> ist Bart\u00f3ks erster gr\u00f6\u00dferer Versuch Kinderst\u00fccke zu schreiben und einen Beitrag zur p\u00e4dagogischen Literatur zu liefern, in den sowohl Erfahrungen mit Volksmusik, als auch aktuellste zeitgen\u00f6ssische kompositorische Ideen eingehen. Die Reihe war aber nicht nur instrumental- oder musikp\u00e4dagogisch gemeint. Mit der entscheidenden Hinwendung zur Kultur der Bauern, einer unterdr\u00fcckten Gesellschaftsschicht, und sogar auch zur Volkskultur der damaligen Minderheiten Ungarns, erhielt das Unternehmen auch allgemein p\u00e4dagogische, sozialp\u00e4dagogische Bedeutung, die in den St\u00fccken immer noch sp\u00fcrbar ist. Die Frische der Melodien und Rhythmen, die Originalit\u00e4t der Bearbeitung stammen aus diesem revolution\u00e4ren Gestus. Dar\u00fcber hinaus wirkt <em>F\u00fcr Kinder<\/em> in Ungarn bis heute nicht nur im Klavierunterricht, sondern auch und gerade im Kompositionsstudium fort. Die B\u00e4nde werden an der Budapester Musikakademie gewisserma\u00dfen als Mustersammlung f\u00fcr die Behandlung ungew\u00f6hnlicher Elemente der Volksmusik verwendet.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff00ff\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><strong>AO<\/strong>: Es gibt also wahrlich viele Gr\u00fcnde, mit <em>F\u00fcr Kinder<\/em> die neue Gesamtausgabe und damit auch einem internationalen Publikum einen neuen Blick auf Bart\u00f3k zu er\u00f6ffnen. Ich danke Ihnen sehr herzlich f\u00fcr diese spannende Einf\u00fchrung. Zu guter Letzt die obligatorische Frage: Worauf d\u00fcrfen wir uns in den n\u00e4chsten Jahren freuen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>LV<\/strong>: Als n\u00e4chstes soll Bart\u00f3ks <em>Konzert f\u00fcr Orchester<\/em> (mit einer \u00dcbertragung s\u00e4mtlicher Skizzen) erscheinen, zugleich sind B\u00e4nde mit Klaviermusik 1914\u20131920, dem <em>Mikrokomos<\/em> und den sechs Streichquartetten in Vorbereitung. Vielleicht besonders erw\u00e4hnenswert ist ein ganzer Band Chormusik, der Bart\u00f3k hoffentlich auch au\u00dferhalb von Ungarn als bedeutenden Chorkomponisten bekannt machen wird.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach fast drei Jahrzehnten war die Zeit reif f\u00fcr eine &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/01\/30\/ein-neuer-stern-am-gesamtausgabenhimmel-%e2%80%93-die-kritische-gesamtausgabe-der-werke-von-bela-bartok-bei-henle\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[87,571,347,3,82,408],"tags":[629,45,628],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6469"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6469"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6469\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}