{"id":7122,"date":"2017-11-27T08:00:24","date_gmt":"2017-11-27T07:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=7122"},"modified":"2017-11-24T10:09:16","modified_gmt":"2017-11-24T09:09:16","slug":"rosamunde-quartett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/11\/27\/rosamunde-quartett\/","title":{"rendered":"Die vielen Fu\u00dfnoten der Rosamunde"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_7135\" style=\"width: 159px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Schubert.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7135\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-7135 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Schubert.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"216\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7135\" class=\"wp-caption-text\">Franz Schubert (1797\u20131828)<\/p><\/div>\n<p>Aller guten Dinge sind drei \u2013 das gilt jetzt auch f\u00fcr Schuberts Streichquartette bei Henle, denn nach \u201eDer Tod und das M\u00e4dchen\u201c D 810 (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Streichquartett+d-moll+D+810+%28Der+Tod+und+das+M%C3%A4dchen%29_9626\" target=\"_blank\">HN 9626<\/a>) und dem vor einigen Jahren erschienenen G-dur-Quartett D 887 (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Streichquartett+G-dur+op.+post.+161+D+887_9850\" target=\"_blank\">HN 9850<\/a>) ist nun mit dem Rosamunde-Quartett D 804 (<a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/index.html?Titel=Streichquartett+a-moll+op.+29+D+804+%28Rosamunde%29_9849\" target=\"_blank\">HN 9849<\/a>) auch das letzte der drei gro\u00dfen Streichquartette in unserem Katalog vertreten, mit denen der Komponist sich 1824 nach eigener Aussage \u201eden Weg zur gro\u00dfen Sinfonie bahnen\u201c wollte. Wer schon einen Blick in unsere Ausgabe geworfen hat, wird vielleicht \u00fcberrascht sein, hier die bei Henle ja mit Bedacht nur sehr sparsam gesetzten Fu\u00dfnoten auf fast jeder Seite zu entdecken. Gibt es denn wirklich so viel zu kommentieren bei diesem Quartett?<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_7127\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Titelblatt-Erstausgabe.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7127\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-7127 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Titelblatt-Erstausgabe-783x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Titelblatt-Erstausgabe-783x1024.jpg 783w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Titelblatt-Erstausgabe-229x300.jpg 229w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Titelblatt-Erstausgabe.jpg 1574w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7127\" class=\"wp-caption-text\">Ertausgabe des Rosamunde-Quartetts<\/p><\/div>\n<p>Nach Meinung unseres langj\u00e4hrigen Herausgebers <a href=\"http:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/egon-voss.html\" target=\"_blank\">Egon Voss<\/a> schon, denn die einzige Quelle f\u00fcr dieses Werk ist eine gedruckte Ausgabe in Stimmen \u2013 und dies bedeutet bei einem Streichquartett naturgem\u00e4\u00df ein besonderes editorisches Risiko (zumal nicht gesichert ist, dass Schubert den 1824 erschienenen Druck \u00fcberpr\u00fcft hat). Zum einen fallen bei der Herstellung eines Stimmensatzes klassische Stichfehler wie ein versehentlich eine Terz zu hoch notierter Ton, die verschobene Position eines Legatobogens oder eine falsche Dynamikangabe viel weniger auf als in einer Partitur \u2013 weswegen Erstausgaben in Stimmen meist sehr fehlerhaft sind. Zum anderen ist es f\u00fcr den Herausgeber bei Vermutung eines Fehlers oft problematisch, die richtige Entscheidungsgrundlage f\u00fcr eine sogenannte \u201eEmendation\u201c (wie man in der Philologie die vermutungsweise Korrektur eines Fehlers nennt) zu finden.<\/p>\n<div id=\"attachment_7129\" style=\"width: 108px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Stimmen-zusammen-geschnitten.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7129\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-7129 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Stimmen-zusammen-geschnitten.jpg\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Stimmen-zusammen-geschnitten.jpg 258w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Stimmen-zusammen-geschnitten-119x300.jpg 119w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7129\" class=\"wp-caption-text\">Finale T. 15 der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p>Denn solche vermutungsweisen Korrekturen geschehen in der Regel nach den parallel erklingenden Stimmen oder einer analogen Stelle im Satz \u2013 wie gewissenhafte Leser unserer <em>Bemerkungen<\/em> (am Ende der Ausgabe) nat\u00fcrlich aus dem h\u00e4ufigen Verweis \u201evgl. Violine I\u201c oder \u201evgl. T. 15\u201c wissen. Genau diese Technik kann aber bei einem in vier Einzelstimmen \u00fcberlieferten Streichquartett mitunter recht problematisch werden, wenn es zum Beispiel 2:2 steht wie in T. 15 des Finales: Hier haben Violine 2 und Cello in der Erstausgabe wieder <strong><em>pp<\/em><\/strong> (wie zu Beginn), Violine 1 und Viola hingegen <strong><em>p<\/em><\/strong>. Egon Voss hat sich f\u00fcr das <em>piano<\/em> entschieden, aber die Fu\u00dfnote macht den Musiker darauf aufmerksam, dass hier auch eine andere Entscheidung denkbar w\u00e4re. (W\u00e4hrend sich der in der Erstausgabe in Violine 1 zur 2. Note verrutschte Akzent anhand der anderen Stimmen leicht korrigieren l\u00e4sst \u2013 was ebenfalls in den <em>Bemerkungen<\/em> erfasst ist, aber als eine unfragliche Entscheidung eben nicht durch eine Fu\u00dfnote im Notentext markiert werden muss.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/27-fertig.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-7142\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/27-fertig-1024x760.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/27-fertig-1024x760.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/27-fertig-300x222.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/27-fertig.jpg 1173w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr alle, denen der Unterschied zwischen <em>piano<\/em> und <em>pianissimo<\/em> zu klein ist, noch ein Beispiel vom Ende des Trios (T. 27) mit weitreichenderen Folgen: Viola und Violoncello haben hier <strong><em>fp<\/em><\/strong> (wie in T. 23), in Violine 2 steht erneut (und damit \u00fcberfl\u00fcssigerweise)<strong><em> p<\/em><\/strong>, in Violine 1 jedoch <strong><em>pp<\/em><\/strong>. Dass ausgerechnet die h\u00f6chste Stimme trotz Akzent deutlich leiser als die anderen drei spielen soll, macht schlichtweg keinen Sinn. Aber was ist die L\u00f6sung? Viele Ausgaben entscheiden sich hier f\u00fcr eine \u00dcbernahme des <em>pianissimo<\/em> in den anderen Stimmen, so dass die Stelle also deutlich leiser klingt als zuvor \u2013 womit allerdings auch das leise Ausklingen des Schlusses ab T. 31 auf merkw\u00fcrdige Weise vorweggenommen wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_7130\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Vln-1-Trio-letzten-2-zeilen.jpg\" target=\"_blank\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7130\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-7130 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Vln-1-Trio-letzten-2-zeilen-1024x213.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"133\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Vln-1-Trio-letzten-2-zeilen-1024x213.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Vln-1-Trio-letzten-2-zeilen-300x62.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/Vln-1-Trio-letzten-2-zeilen.jpg 1147w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7130\" class=\"wp-caption-text\">Trio T. 13\u201334 in Violine 1 aus der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p>Die Entscheidung f\u00fcr <strong><em>pp<\/em><\/strong> mag aber auch darauf gegr\u00fcndet sein, dass dieses Zeichen in der Violine etwas seltsam ausschaut: K\u00f6nnte unter dem ersten der zwei <strong><em>p<\/em><\/strong> zun\u00e4chst ein <strong><em>F<\/em><\/strong> gestanden haben (wie im letzten Takt der dar\u00fcber liegenden Zeile) und es sich folglich um eine Korrektur von <strong><em>fp<\/em><\/strong> zu <strong><em>pp<\/em><\/strong> handeln, die in den anderen Stimmen vergessen wurde? Andererseits sehen sich das gro\u00dfe <strong><em>F<\/em><\/strong> und das kleine <strong><em>p<\/em><\/strong> in den vom Setzer verwendeten Typen so \u00e4hnlich, dass auch ein Versehen vorliegen k\u00f6nnte \u2013 und auch hier das <strong><em>fp<\/em><\/strong> gemeint war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/26.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-7143\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/26-1024x725.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/26-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/26-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2017\/11\/26.jpg 1241w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach Meinung des Herausgebers Egon Voss ist dies musikalisch die \u00fcberzeugendere L\u00f6sung, weswegen wir diese im Haupttext gedruckt haben. Angesichts der weiten Verbreitung der reinen Pianissimo-Lesart haben wir die Alternative aber in der Fu\u00dfnote sicherheitshalber erw\u00e4hnt \u2013 damit unsere Kunden hier nicht am Ende aus Versehen bei uns ein Versehen vermuten \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aller guten Dinge sind drei \u2013 das gilt jetzt auch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/11\/27\/rosamunde-quartett\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,88,3,671,312,42],"tags":[668,670,669],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7122"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7122"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7122\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}