{"id":7663,"date":"2018-09-03T08:00:59","date_gmt":"2018-09-03T06:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=7663"},"modified":"2018-08-17T08:09:01","modified_gmt":"2018-08-17T06:09:01","slug":"hummels-potpourri-op-94-fuer-viola-und-orchester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2018\/09\/03\/hummels-potpourri-op-94-fuer-viola-und-orchester\/","title":{"rendered":"Johann Nepomuk Hummels Potpourri op. 94 f\u00fcr Viola und Orchester \u2013 zur gef\u00e4lligen Kenntnisnahme!"},"content":{"rendered":"<p>In diesem und im letzten Jahr h\u00f6rt man zu meiner gro\u00dfen Freude den wunderbaren Antoine Tamestit mehrfach mit einem Werk im Konzertsaal, das selbst Kennern des Bratschenrepertoires lange Zeit v\u00f6llig unbekannt war: Johann Nepomuk Hummels <em>Potpourri<\/em> op. 94 f\u00fcr Viola und Orchester.<!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_7664\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7664\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7664\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/08\/443px-Johann-nepomuk-hummel.jpg\" alt=\"\" width=\"166\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/08\/443px-Johann-nepomuk-hummel.jpg 443w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/08\/443px-Johann-nepomuk-hummel-222x300.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 166px) 100vw, 166px\" \/><p id=\"caption-attachment-7664\" class=\"wp-caption-text\">Johann Nepomuk Hummel (1778<span class=\"st\">\u2013<\/span>1837)<\/p><\/div>\n<p>\u201eObschon mir nun an der Zufriedenheit der Kenner bei weitem am meisten gelegen sein musste: so war mir doch auch an der der Nichtkenner gelegen\u201c, schrieb Hummel 1828 in seiner <em>Anweisung zum Piano-Forte-Spiel<\/em>. Und tats\u00e4chlich war er zeit seines Lebens ein kompositorischer Diener zweier Welten: Als Gro\u00dfherzoglicher Kapellmeister am Weimarer Hof etwa bediente er die etablierten \u201eseri\u00f6sen\u201c Gattungen \u2013 Sonaten, Klaviertrios, Solokonzerte, aber auch Messen und Kantaten \u2013 genauso wie die popul\u00e4ren, gef\u00e4lligen Formen \u2013 T\u00e4nze aller Art, Am\u00fcsements, Bagatellen, Serenaden und Fantasien. In letztere Kategorie geh\u00f6rten in jener Zeit auch die \u00e4u\u00dferst beliebten Potpourris. Sie zu verfassen, war f\u00fcr Komponisten h\u00e4ufig eine leichte Finger\u00fcbung. Denn die wesentliche Substanz dieser musikalischen Allerleis waren aus bekannten Opern entlehnte \u201eGassenhauer\u201c, denen mit mehr oder weniger Aufwand Einleitungen, Zwischenspiele und Finale beigeordnet wurden. So entstanden mit minimalem Aufwand akustische Blumenstr\u00e4u\u00dfe zum Mitsingen und Mitpfeifen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7668\" style=\"width: 568px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7668\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7668\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Hummel-Titelblatt-EA.jpg\" alt=\"\" width=\"558\" height=\"813\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Hummel-Titelblatt-EA.jpg 1022w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Hummel-Titelblatt-EA-206x300.jpg 206w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Hummel-Titelblatt-EA-768x1119.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Hummel-Titelblatt-EA-703x1024.jpg 703w\" sizes=\"(max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><p id=\"caption-attachment-7668\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p>Auch Hummels <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Potpourri+%28Fantasie%29+op.+94+f%C3%BCr+Viola+und+Orchester_838\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Potpourri op. 94 (HN 838)<\/a> aus dem Jahr 1820, in dem etwa 60 Prozent entliehene Musik enthalten ist, folgt zun\u00e4chst diesem Bauplan und l\u00e4sst g\u00e4ngige Melodien aus Mozarts <em>Don Giovanni<\/em>, der <em>Nozze di Figaro<\/em> und der <em>Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/em> sowie aus Rossinis <em>Tancredi<\/em> erklingen. Umrahmt werden sie von einer sehr gelungenen Grave-Einleitung und einem Rondo-Schlussabschnitt, der einen effektvollen Kehraus bietet. Schon diese beiden neu komponierten Teile zeigen, dass Hummel weit mehr konnte als die mittelm\u00e4\u00dfigen Arrangeure in dieser Zeit. Er wollte jedoch auch in diesem Potpourri den \u201eNichtkenner\u201c nicht g\u00e4nzlich aus der Pflicht nehmen und platzierte daher genau in die Mitte der Komposition zus\u00e4tzlich eine sehr \u201eseri\u00f6se\u201c Fuge (!). Dem Bratschisten wird in alldem nicht langweilig, Opus 94 ist gespickt mit effektvollen, teilweise durchaus virtuosen Passagen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7669\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7669\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7669\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Beginn-Fuge-Autograph.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Beginn-Fuge-Autograph.jpg 1406w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Beginn-Fuge-Autograph-300x230.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Beginn-Fuge-Autograph-768x590.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Beginn-Fuge-Autograph-1024x787.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><p id=\"caption-attachment-7669\" class=\"wp-caption-text\">Beginn der Fuge im Autograph<\/p><\/div>\n<p>Hatte Hummel mit der eingestreuten Fuge noch den \u201eKennern\u201c etwas Nahrung liefern wollen, so war der Verlag C. F. Peters in Leipzig da doch erheblich skeptischer. Vermutlich war er es, der den Komponisten noch vor der Ver\u00f6ffentlichung des Werkes im Jahr 1822 dazu dr\u00e4ngte, einer Sprunganweisung in den Noten zuzustimmen, die genau diese \u201est\u00f6rende\u201c Fuge aus dem Vortrag eliminieren w\u00fcrde. Doch auch diese Ma\u00dfnahme konnte nicht verhindern, dass das Potpourri im Laufe des 19. Jahrhunderts vollst\u00e4ndig in Vergessenheit geriet \u2013 zum Beispiel lassen sich keinerlei Nachdrucke von anderen Verlagen nachweisen. Dasselbe Schicksal ereilte auch die alternativ mit Violoncello solo besetzte Fassung des Werks, die vermutlich von Hummel autorisiert ist und zur gleichen Zeit im Druck erschien.<\/p>\n<p>Dass Hummels Potpourri heute in verst\u00fcmmelter Form als \u201eFantasie\u201c unter Studierenden, Profis und Liebhabern bekannt und beliebt ist (schauen Sie sich die unz\u00e4hligen Videos auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/results?search_query=Hummel+Fantasie+op.+94\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">YouTube<\/a> an), verdanken wir wohl zwei Ver\u00f6ffentlichungen des 20. Jahrhunderts. Zun\u00e4chst erschien im Jahr 1900 diese Fantasie-Fassung, die nur aus der Einleitung, dem Don Giovanni-Abschnitt und dem Rondo-Kehraus besteht, in einer <em>Sammlung ausgew\u00e4hlter Solo-Werke f\u00fcr Viola, zusammengestellt, mit Bogenstrichen und Fingers\u00e4tzen versehen von Clemens Meyer<\/em> (Edition Fischer No. 3253, Band 1). Und es dauerte schlie\u00dflich bis 1973, bevor ein moderner Notentext dieser Fassung bei Musica Rara das Licht der Welt erblickte. Seitdem ist die Fantasie vor allem aus dem Hochschul-Leben kaum mehr wegzudenken. Ihre \u201eMutter\u201c jedoch, das Potpourri, fristet bis heute ein Schattendasein.<\/p>\n<div id=\"attachment_7672\" style=\"width: 289px\" class=\"wp-caption alignright\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7672\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7672\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4.jpg\" alt=\"\" width=\"279\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4.jpg 1890w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4-768x769.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Zimmermann_Tabea_A4-1022x1024.jpg 1022w\" sizes=\"(max-width: 279px) 100vw, 279px\" \/><p id=\"caption-attachment-7672\" class=\"wp-caption-text\">Tabea Zimmermann<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_7676\" style=\"width: 261px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7676\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-7676\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Foto-Tamestit-ausgeschnitten.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Foto-Tamestit-ausgeschnitten.jpg 755w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2018\/09\/Foto-Tamestit-ausgeschnitten-266x300.jpg 266w\" sizes=\"(max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><p id=\"caption-attachment-7676\" class=\"wp-caption-text\">Antoine Tamestit<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht kann hier unsere 2007 erschienene <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Potpourri+%28Fantasie%29+op.+94+f%C3%BCr+Viola+und+Orchester_838\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urtextausgabe<\/a> Gutes tun \u2013 zusammen mit der vor einigen Jahren bei Kunzelmann vom k\u00fcrzlich verstorbenen, hochverehrten <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/en\/news\/nachruf-franz-beyer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Franz Beyer<\/a> vorgelegten Edition. Keine geringere als <a href=\"https:\/\/www.tabeazimmermann.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tabea Zimmermann<\/a> hat unsere Ausgabe bezeichnet (eine unbezeichnete Stimme liegt ebenfalls bei). Und in unserer <a href=\"https:\/\/www.henle-library.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henle Library App<\/a> \u2013 und nur dort! \u2013 steuerte zus\u00e4tzlich <a href=\"https:\/\/www.ks-gasteig.de\/de\/tamestit-biografie\/325-biografie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antoine Tamestit<\/a> seine Bezeichnung bei. Sie, liebe Bratschisten, sind also bestens ger\u00fcstet, um dem Potpourri neues Leben einzuhauchen \u2013 vielleicht auch samt der Fuge!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem und im letzten Jahr h\u00f6rt man zu meiner &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2018\/09\/03\/hummels-potpourri-op-94-fuer-viola-und-orchester\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[722,9,3,723,409],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7663"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7663\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}