{"id":8807,"date":"2020-05-04T08:00:50","date_gmt":"2020-05-04T06:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=8807"},"modified":"2020-04-30T11:00:04","modified_gmt":"2020-04-30T09:00:04","slug":"beethoven-und-die-bratsche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/05\/04\/beethoven-und-die-bratsche\/","title":{"rendered":"Beethoven und die Bratsche"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8814\" style=\"width: 172px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8814\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8814\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"124\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1.jpg 1181w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1-300x229.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1-1024x783.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1-768x587.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8814\" class=\"wp-caption-text\">Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses Bonn<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Klavierkonzerte und -sonaten, Violinkonzert und -sonaten und Violoncellosonaten \u2013 Wo aber sind sie, die Solowerke f\u00fcr Viola aus Beethovens Feder? War das Instrument ihm zu fremd, wusste er nicht um den besonderen Wert und Klang der Bratsche? Sicher nicht, denken wir etwa an seine einzigartigen Streichquartette und Streichtrios. Und daran, dass Beethoven selbst die Bratsche spielte! Es lohnt sich, der Sache genauer nachzugehen! <!--more--><\/p>\n<p><strong>Der junge Komponist als Bratscher<\/strong><\/p>\n<p>Ja, tats\u00e4chlich, Beethoven wurde in Bonn nicht nur von Christian Gottlob Neefe auf der Orgel und anderen Tasteninstrumenten unterrichtet, sondern auch vom Hofmusiker Franz Georg Rovantini und Franz Ries, dem Direktor der kurf\u00fcrstlichen Musik, auf der Violine und der Bratsche. Mit 14 Jahren stellte man ihn als zweiten Organisten der Hofkapelle an, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter ist er Bratschist im selben Ensemble.<\/p>\n<p>Wir wissen um seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Begabung als Pianist, mit der er ganz Wien in Aufregung versetzte. Kaum etwas ist jedoch \u00fcber sein Viola-Spiel bekannt. Einen nur sehr kleinen und wenig repr\u00e4sentativen, aber aus ehrlicher Quelle stammenden Einblick bietet uns Ferdinand Ries, der um die Wende zum 19. Jahrhundert bei Beethoven Klavierunterricht nahm:<\/p>\n<div id=\"attachment_8808\" style=\"width: 633px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8808\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8808\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat.jpg\" alt=\"\" width=\"623\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat.jpg 1527w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat-300x127.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat-1024x432.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ferdinand-Ries-Zitat-768x324.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8808\" class=\"wp-caption-text\">Aus Ferdinand Ries\u2019 \u201eBiographischen Notizen\u201c von 1838<\/p><\/div>\n<p>Beethoven nahm also auch in Wien noch Unterricht auf der Violine, bei dem von Ries erw\u00e4hnten Wenzel Krumpholz und bei seinem Freund Ignaz Schuppanzigh, dem ersten Geiger des gleichnamigen ber\u00fchmten Streichquartetts.<\/p>\n<p><strong>Beethovens Bratsche<\/strong><\/p>\n<p>Die von Beethoven um 1789 in Bonn gespielte Bratsche blieb erhalten. Sie geh\u00f6rte der Bonner Hofkapelle \u2013 gebaut hatte sie der Wiener Geigenbauer Sebastian Dalinger um 1780. Sie verblieb zun\u00e4chst im Besitz der Familie Ries und wurde im 19. Jahrhundert mehrfach \u00fcberholt (Hals, Griffbrett, Saitenhalter und Wirbel wurden erneuert), doch war sie etwa 100 Jahre zum Schweigen verurteilt. Erst 2001 \u00e4nderte sich dies, als Tabea Zimmermann das Instrument wieder zum Leben erweckte:<\/p>\n<p>\u201eDie Bratsche ist eher klein, mit Darmsaiten bezogen, keine Kinnhalter oder Schulterst\u00fctze, und der Klang ist sehr anders zu dem, was wir heute brauchen \u2013 nicht sehr gro\u00df, aber sch\u00f6n, s\u00fc\u00df wie eine Sopranstimme. Es ist fantastisch, sie aufzunehmen, vorsichtig zu ber\u00fchren, dann langsam zu spielen und die erste Musik seit 100 Jahren mit ihr zu erzeugen. Mit ihrer Hilfe wird meine Verbindung zu Beethoven sehr pers\u00f6nlich.\u201c (zitiert nach: <a href=\"https:\/\/bachtrack.com\/de_DE\/interview-tabea-zimmermann-beethoven-woche-bonn-september-2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bachtrack<\/a>)<\/p>\n<div id=\"attachment_8809\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8809\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8809 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche.jpg\" alt=\"\" width=\"622\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche.jpg 1181w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-300x229.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-1024x783.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Beethovens-Bratsche-768x587.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8809\" class=\"wp-caption-text\">Beethovens Bonner Dienstbratsche, heute in den Best\u00e4nden des Beethoven-Hauses<\/p><\/div>\n<p>Weitere Informationen und Ansichten des Instruments finden sich <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/de\/media\/view\/4929030591610880\/scan\/4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Das Notturno op. 42 nach der Serenade op. 8<\/strong><\/p>\n<p>Wann ist eine Bearbeitung einer Komposition authentisch, wann kann sie als \u201eechter Beethoven\u201c gelten? Dazu \u00e4u\u00dferte sich der Komponist gelegentlich in klaren Worten, so etwa 1802 zu seinen Klavierwerken und m\u00f6glichen \u00dcbertragungen:<\/p>\n<p>\u201edie unnat\u00fcrliche Wuth, die man hat, sogar Klaviersachen auf Geigeninstrumente \u00fcberpflanzen zu wollen, Instrumente, die so einander in allem entgegengesetzt sind, m\u00f6chte wohl aufh\u00f6ren k\u00f6nnen [\u2026] und ohne mich an beide gro\u00dfe M\u00e4nner [Mozart und Haydn] anschlie\u00dfen zu wollen, behaupte ich es von meinen Klaviersonaten auch, da nicht allein ganze Stellen g\u00e4nzlich wegbleiben und umge\u00e4ndert werden m\u00fcssen, so mu\u00df man \u2013 noch hinzuthun, und hier steht der mi\u00dfliche Stein des Ansto\u00dfes, den um zu \u00fcberwinden man entweder selbst der Meister sein mu\u00df, oder wenigstens dieselbe Gewandtheit und Erfindung haben mu\u00df\u201c (aus Brief Nr. 97, Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 1).<\/p>\n<p>Sicher wissen wir nur von einigen wenigen Werken, dass Beethoven sie selbst f\u00fcr eine andere Besetzung \u00fcbertragen hat:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquintette_267\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Streichquintett op. 4<\/a> nach dem Bl\u00e4seroktett op. 103 (1795)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartette+I_139\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Streichquartett<\/a> nach der Klaviersonate op. 14 Nr. 1 (1802)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Klarinettentrios+B-dur+op.+11+und+Es-dur+op.+38+f%C3%BCr+Klavier%2C+Klarinette+%28Violine%29+und+Vio_342\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Trio f\u00fcr Klavier, Klarinette und Violoncello op. 38<\/a> nach dem Septett op. 20 (1802)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Klavierkonzert+op.+61a+nach+dem+Violinkonzert+op.+61_815\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klavierkonzert<\/a> nach dem Violinkonzert op. 61 (1807)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquintette_267\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Streichquintett op. 104<\/a> nach dem Klaviertrio op. 1 Nr. 3 (1817)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Problematisch wird es nun bei denjenigen Werken, die unter seinem Namen ver\u00f6ffentlicht wurden, deren Status jedoch nicht genau zu bestimmen ist:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Serenade+op.+41+f%C3%BCr+Klavier+und+Fl%C3%B6te+%28Violine%29_934\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Serenade f\u00fcr Klavier und Fl\u00f6te op. 41<\/a> nach der Serenade f\u00fcr Fl\u00f6te, Violine und Viola (ca. 1802)<\/li>\n<li>Notturno f\u00fcr Klavier und Viola op. 42 nach der Serenade f\u00fcr Streichtrio op. 8 (ca. 1802?)<\/li>\n<li>Klaviertrio op. 63 nach dem Streichquintett op. 4 (1806?)<\/li>\n<li>Sonate f\u00fcr Klavier und Violoncello op. 64 nach dem Streichtrio op. 3 (1807?)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da ich hier \u00fcber Beethoven und die Bratsche berichte, interessiert uns nat\u00fcrlich vor allem das \u201eNotturno\u201c, denn damit liegt tats\u00e4chlich ein Solowerk f\u00fcr Viola vor, sogar mit einer Werkzahl versehen. Es erschien 1804 bei Hoffmeister &amp; K\u00fchnel in Leipzig:<\/p>\n<div id=\"attachment_8810\" style=\"width: 1617px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8810\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8810 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt.jpg\" alt=\"\" width=\"1607\" height=\"1120\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt.jpg 1607w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt-300x209.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt-768x535.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Titelblatt-1536x1071.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1607px) 100vw, 1607px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8810\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Erstausgabe des Notturno f\u00fcr Klavier und Viola op. 42<\/p><\/div>\n<p>Opus 42 entstand, wie auch die Serenade op. 41, offensichtlich auf das gesch\u00e4ftige Betreiben Karl van Beethovens, der ab 1802 f\u00fcr einige Jahre der \u201eManager\u201c seines Bruders wurde. Er sah im Vertrieb von Arrangements eine lukrative Einnahmequelle, die er gerne aussch\u00f6pfen wollte. So schrieb er im Juni 1802 an Breitkopf &amp; H\u00e4rtel:<\/p>\n<p>\u201eDenn, mache ich Ihnen eine andere Proposition, mein Bruder ward schon \u00f6fter angegangen mehrere von seinen Klaviersonaten und andere Werke arangiren zu lassen, er wollte aber nie, endlich habe ich ihn dennoch dahin das ein geschickter Komponist [m\u00f6glicherweise Franz Xaver Kleinheinz] unter seiner Aufsicht schon mehrere Werke, z.B. Sonaten f\u00fcr Klavier, in Quartetten, und Instrumentalst\u00fcke f\u00fcr Klavier arangirt hat. Alle brauchbare werden nach und nach kommen, und durchaus von meinem Bruder nachgesehn und wo es n\u00f6tig ist ge\u00e4ndert werden. Gegenw\u00e4rtig haben wir schon eine Anzal fertig die Sie St\u00fcck f\u00fcr St\u00fck um 18# [Dukaten] haben k\u00f6nnen.\u201c (Brief Nr. 90, Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1)<\/p>\n<p>Das Angebot ging wohl an verschiedene Verlage, so auch an Hoffmeister &amp; K\u00fchnel, denen Beethoven einsch\u00e4rfte:<\/p>\n<p>\u201edie \u00dcbersezungen sind nicht von mir, doch sind sie von mir dur[ch]gesehen und stellenweise ganz verbessert worden, also komt mir ja nicht, da\u00df ihr da schreibt, da\u00df ich&#8217;s \u00fcbersezt habe, weil ihr sonst l\u00fcgt, und ich auch gar nicht die Zeit und Geduld dazu zu finden w\u00fcste.\u201c (Brief Nr. 157 von ca. 20. 9. 1803, Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1)<\/p>\n<p>Der Verlag hielt sich an diese Vorgabe, wie das Titelblatt (an allerdings weniger prominenter Stelle) verr\u00e4t:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ausschnitt-Titelblatt.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-8811 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ausschnitt-Titelblatt.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ausschnitt-Titelblatt.jpg 640w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/Ausschnitt-Titelblatt-300x39.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>Wie weit nun allerdings das \u201erev\u00fbe par l\u2019Auteur\u201c (\u201edurchgesehen vom Komponisten\u201c) dieser \u00dcbertragung tats\u00e4chlich den Stempel der vollst\u00e4ndigen Autorisierung durch Beethoven aufdr\u00fcckt, werden wir wohl nie mehr erfahren. Der Verlag allerdings hielt diese Ausgaben f\u00fcr minderwertig, weshalb man auch versuchte, das Honorar f\u00fcr Beethoven zu reduzieren. In einem internen Schreiben des Verlags hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<p>\u201edann m\u00fcssen sie haupts\u00e4chlich bei Ihm auf eine Entsch\u00e4digung antragen: denn 50# [Dukaten] f\u00fcr solche Mcpte ist wahrlich f\u00fcr uns zu viel: da ist nichts zu gewinn.[en]. und dann so elend geschrieben, da\u00df wir oft nicht wiss.[en], wie damit zu recht kommen. mit diesen arrangir.[en] wird Beethov. sein.[en] Credit nicht vermehren.\u201c (Brief Nr. 174 vom 21.12.1803, Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1)<\/p>\n<p><strong>Das <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Duett+mit+zwei+obligaten+Augengl%C3%A4sern+Es-dur+WoO+32+f%C3%BCr+Viola+und+Violoncello+_944\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Duo Es-dur WoO 32<\/a> \u201emit zwei obligaten Augengl\u00e4sern\u201c<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_8812\" style=\"width: 2318px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8812\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8812 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32.jpg\" alt=\"\" width=\"2308\" height=\"1180\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32.jpg 2308w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32-300x153.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32-1024x524.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32-768x393.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32-1536x785.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/WoO-32-2048x1047.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2308px) 100vw, 2308px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8812\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt der 1. Seite des 1. Satzes im sogenannten Kafka-Skizzenkonvolut, Blatt 135r<\/p><\/div>\n<p>Anders als beim \u00fcbertragenen Notturno op. 42 gibt es beim \u201eDuett mit zwei obligaten Augengl\u00e4sern von l. v. Beethoven\u201c f\u00fcr Viola und Cello \u2013 wie es auf der oben abgebildeten Seite hei\u00dft \u2013 keinen Zweifel an der Echtheit des Werks. Und dennoch ist die Quellenlage, wie schon bei Opus 42, unbefriedigend, wenn auch aus anderem Grund: Es liegt kein vollst\u00e4ndiges Autograph des offensichtlich mehrs\u00e4tzig geplanten Duos vor. Lediglich der 1. Satz und das \u201eMinuetto\u201c samt \u201etrio\u201c finden sich im sogenannten Kafka-Skizzenkonvolut, einer Sammlung von losen Bl\u00e4ttern aus Beethovens fr\u00fcher Zeit.<\/p>\n<p>Auch wenn beide S\u00e4tze vom ersten bis zum letzten Takt niedergeschrieben sind, so ist der Notentext dennoch von Beethoven nicht \u201edruckreif\u201c gemacht worden. Denn es findet sich keinerlei Artikulation oder Dynamik. Die Skizzen zu einem langsamen Satz und einem m\u00f6glichen weiteren Satz im 3\/4-Takt lassen vermuten, dass das Duo vielleicht einmal eine drei- oder viers\u00e4tzige Sonate oder sogar viels\u00e4tzige Serenade h\u00e4tten werden k\u00f6nnen. Doch fehlt von der Ausarbeitung dieser S\u00e4tze jede Spur, sie wurde m\u00f6glicherweise nie in Angriff genommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8813\" style=\"width: 2317px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8813\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8813 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz.jpg\" alt=\"\" width=\"2307\" height=\"1053\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz.jpg 2307w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz-300x137.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz-1024x467.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz-768x351.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz-1536x701.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/04\/langsamer-Satz-2048x935.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2307px) 100vw, 2307px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8813\" class=\"wp-caption-text\">Skizze zu einem langsamen Satz im Kafka-Skizzenkonvolut, Blatt 137v<\/p><\/div>\n<p>Beethoven selbst dachte offensichtlich nie an die Ver\u00f6ffentlichung dieses Duos. Das Menuett entstand auf Notenpapier, das Beethoven im Mai\/Juni 1796 auf seiner Konzertreise in Berlin verwendete. Da im Umfeld Skizzen zu den Cellosonaten op. 5 niedergeschrieben sind, die f\u00fcr Jean Louis Duport entstanden, k\u00f6nnte das Duo \u2013 oder zumindest das Menuett \u2013 urspr\u00fcnglich f\u00fcr das gemeinsame Musizieren Beethovens und Duports in Berlin verfasst worden sein.<\/p>\n<p>Der ungew\u00f6hnliche Titel jedoch \u2013 der auf zwei Brillentr\u00e4ger abzielt \u2013 wurde bisher eher mit einem anderen Cellisten in Wien, Nikolaus Smeskall, in Verbindung gebracht. Um 1798 schrieb Beethoven an ihn: \u201eliebster Baron Dreckfahrer je vous suis bien oblig\u00e8 pour votre faiblesse de vos yeux. [Ich bin Ihnen sehr dankbar f\u00fcr Ihre schwachen Augen.]\u201c (Brief Nr. 35, Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 1) Obwohl dieser Dank Beethovens auf eine ausgeliehene Brille gerichtet sein k\u00f6nnte, wurde er immer wieder auf das Duo WoO 32 bezogen.<\/p>\n<p>Eine Bearbeitung und ein Fragment \u2013 eine wirklich recht d\u00fcrftige, wenn auch nicht unattraktive Ausbeute f\u00fcr die Bratschisten!<\/p>\n<p><strong>Beethoven und die Bratsche!<\/strong><\/p>\n<p>Fragen wir aber die Musiker selbst. Die Frage lautet: \u201eSie haben keine Sonaten oder Konzerte von Beethoven. Aber was ist dann der gro\u00dfartige Beethoven f\u00fcr die Bratsche, wo findet er sich? In den Streichtrios, den Quartetten? Auf welche Werke von Beethoven freut sich ein Bratscher am meisten?\u201c Und hier die Antworten:<\/p>\n<p>\u201eMit pers\u00f6nlichem Blick auf das Streichquartett-Repertoire: <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartett+cis-moll+op.+131_742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Op. 131, 6. Satz, <em>Adagio quasi un poco Andante<\/em><\/a>. Die Kulmination dieses f\u00fcr mich ultimativen Quartett-Opus mit den langsamen Takten der Viola einleiten zu d\u00fcrfen, gewisserma\u00dfen mit einem Blick auf alles, das war und das je sein wird, l\u00e4sst mein Herz jedes Mal schneller schlagen \u2013 alleine daf\u00fcr lohnt es sich, Bratschist zu sein. Beethoven hat die Viola durch seine Kammermusik sehr reich beschenkt. Daf\u00fcr danke ich jeden Tag.\u201c \u2013 Monika Henschel<\/p>\n<p>\u201eI think for me of course <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Die+Streichquartette+-+7+B%C3%A4nde+im+Schuber_9745\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">all the quartets<\/a>, op. 131, slow movement of op. 127, op. 132 and op. 74 \u2018harp\u2019, op. 59 no. 2. I recently played the Horn Sonata op. 17 in F major which has been introduced by Timothy Ridout, former student of mine from Kronberg. It is a transcription by Rudolf Leopold. It is fun to play, and the piece has lots of humor.\u201d \u2013 Nobuko Imai<\/p>\n<p>\u201eAlle Werke von ihm sind so stark, dass es mir schwerf\u00e4llt, besondere Stellen herauszugreifen. Jeder seiner T\u00f6ne ist ein Ereignis \u2026 generell liebe ich die <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichtrios+und+Streichduos_192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Streichtrios<\/a>, weil man in diesen Werken, ohne zweite Geige, solistischer gefordert ist als in den Quartetten. Aber nat\u00fcrlich stellen die <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Die+Streichquartette+-+7+B%C3%A4nde+im+Schuber_9745\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quartette<\/a> einen einmaligen Kosmos dar, der nicht zu \u00fcberbieten ist. Erw\u00e4hnen m\u00f6chte ich noch das <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Duett+mit+zwei+obligaten+Augengl%C3%A4sern+Es-dur+WoO+32+f%C3%BCr+Viola+und+Violoncello+_944\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Duett mit den obligaten Augengl\u00e4sern<\/a> und die Serenade mit Fl\u00f6te und Violine, beides attraktive Werke f\u00fcr die Bratsche, in jeweils unterschiedlichen Funktionen.\u201c \u2013 Hariolf Schlichtig<\/p>\n<p>\u201eAbout Beethoven, my own favourite pieces to play are the <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichtrios+und+Streichduos_192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">String Trios<\/a> (especially the Op. 3 and the Op. 9) which are all incredible but with a special mention for the c minor op. 9 no. 3. I also love the Serenade for Flute, Violin and Viola where the Viola has many roles to take, either bass or middle or top voice, all the time. But of course, the quartets remain the \u2018Taj Mahal\u2019 and my favorites are the <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartette+II_268\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Op. 59<\/a>.\u201d \u2013 Antoine Tamestit<\/p>\n<p>\u201eBei der intensiven Besch\u00e4ftigung mit Beethovens Kammermusik anl\u00e4sslich der Beethovenwoche 2020 Anfang des Jahres in Bonn fiel mir wieder ganz neu auf, wie oft und wie unglaublich geschickt und \u00fcberraschend Beethoven aus einem fast unbedeutend erscheinenden Detail ein neues Motiv entwickelt. Ich habe rhythmisch interessante Motive auf einer Note lieben gelernt, die sich fast in allen Werken entdecken lassen und habe dar\u00fcber hinaus vor allem die Tiefe einiger langsamen S\u00e4tze ganz neu entdeckt. Ganz besonderes highlight: der langsame Satz aus dem <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquintette_267\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Streichquintett op. 29<\/a>!\u201c \u2013 Tabea Zimmermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klavierkonzerte und -sonaten, Violinkonzert und -sonaten und Violoncellosonaten \u2013 Wo &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/05\/04\/beethoven-und-die-bratsche\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,405,500],"tags":[7,10],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8807"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8807"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8825,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8807\/revisions\/8825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}