{"id":8827,"date":"2020-05-18T08:00:38","date_gmt":"2020-05-18T06:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=8827"},"modified":"2020-05-14T12:19:54","modified_gmt":"2020-05-14T10:19:54","slug":"der-ganze-beethoven-teil-2-von-der-alten-zur-neuen-gesamtausgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/05\/18\/der-ganze-beethoven-teil-2-von-der-alten-zur-neuen-gesamtausgabe\/","title":{"rendered":"\u201eDer ganze Beethoven\u201c \u2013 Teil 2: Von der Alten zur Neuen Gesamtausgabe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/AGA_NGA.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-8829\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/AGA_NGA.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/AGA_NGA.jpg 503w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/AGA_NGA-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Vor einigen Wochen berichtete meine Kollegin Annette Oppermann \u00fcber die <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/03\/23\/von-den-anfaengen-der-beethoven-gesamtausgaben-im-19-jahrhundert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anf\u00e4nge der Beethoven-Gesamtausgaben<\/a> oder besser gesagt: \u00fcber die zahlreichen Versuche dazu, wobei die unmittelbar nach Beethovens Tod begonnenen Unternehmungen von Tobias Haslinger (ab 1828) und Franz Philipp Dunst (ab 1829) am weitesten gediehen. Daran ankn\u00fcpfend m\u00f6chte ich im Folgenden \u00fcber Unternehmungen ab der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts berichten. Aus Umfangsgr\u00fcnden werde ich mich auf die beiden bedeutendsten dieser Editionen konzentrieren, die die Musikwelt unter den Bezeichnungen \u201eAlte Gesamtausgabe\u201c (AGA, 1862\u201365) und <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/shop\/wissenschaft\/gesamtausgaben\/ludwig-van-beethoven\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eNeue Gesamtausgabe\u201c<\/a> (NGA, seit 1961) kennt.<!--more--><\/p>\n<p>Nach 1850 nahm das Interesse an Beethovens Musik enorm zu, fast m\u00f6chte man sagen: Mit jedem Jahr, mit dem man sich von seiner Lebenszeit entfernte, steigerte sich sein Ansehen bis zum allgemeinen Konsens, es handle sich um den gr\u00f6\u00dften Komponisten des Jahrhunderts \u2013 wobei die Heroisierung Hand in Hand mit der wachsenden Popularit\u00e4t ging. Das bedeutete f\u00fcr die Musikverleger, dass Beethoven-Ausgaben zum Selbstl\u00e4ufer wurden und wie Pilze nach einem warmen Regen aus dem Boden sprossen. Der als Mozart-Biograph bekannte Otto Jahn sch\u00e4tzte 1864 sogar, dass \u201edie Gesammtheit der beethovenschen Compositionen, welche in einem Jahr durch den Musikhandel vertrieben werden, alle \u00fcbrigen Musikalien, welche im selben Jahr verkauft werden\u201c, aufwiegen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>So mangelte es denn nicht an neuen Einzelausgaben, erst recht nicht an neuen Serien von Werkausgaben, insbesondere im Bereich der Klavier- und Kammermusik. Um das Kaufinteresse zu erregen, musste man sich freilich von der Konkurrenz absetzen. Dazu gab es mehrere M\u00f6glichkeiten: die angebliche Vollst\u00e4ndigkeit der Kompositionen (absolut oder auf eine Werkgruppe bezogen), der g\u00fcnstige Preis, die Mitarbeit eines prominenten Musikers oder die Originalit\u00e4t der Besetzung, wenn es um Bearbeitungen ging. Ein Beispiel f\u00fcr solche heute weitgehend vergessenen Versuche bietet die Ausgabe des Wolfenb\u00fctteler Verlags Ludwig Holle mit <em>L. van Beethoven\u2019s s\u00e4mmtlichen Compositionen<\/em>, die ab 1857 \u201eunter Revision von Dr. Franz Liszt\u201c erschien und \u2013 wen wundert\u2019s \u2013 wie seinerzeit die Haslinger-Ausgabe unvollst\u00e4ndig blieb.<\/p>\n<div id=\"attachment_8831\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Verlagsank\u00fcndigung-NZfM-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8831\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8831 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Verlagsank\u00fcndigung-NZfM-1.jpg\" alt=\"\" width=\"485\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Verlagsank\u00fcndigung-NZfM-1.jpg 490w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Verlagsank\u00fcndigung-NZfM-1-300x165.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8831\" class=\"wp-caption-text\">Ank\u00fcndigung des Verlags L. Holle in der <em>Neuen Zeitschrift f\u00fcr Musik<\/em>, Oktober 1857<\/p><\/div>\n<p>Zeitgleich wuchs auch das Interesse an der Qualit\u00e4t des Notentexts. Dennoch war die Realisierung einer vollst\u00e4ndigen Edition der Werke nach philologischen Kriterien, wie sie in der Alten Gesamtausgabe ab 1862 unternommen wurde, alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Die ersten Gesamtausgaben in unserem heutigen Sinne mit den bei Breitkopf &amp; H\u00e4rtel erschienenen Werken von J. S. Bach (ab 1851) und H\u00e4ndel (ab 1858) waren noch dem alten Denkm\u00e4ler-Gedanken aus dem 18. Jahrhundert verpflichtet. Es ging nicht zuletzt um eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Edition, da zu bef\u00fcrchten war, dass viele der nur handschriftlich \u00fcberlieferten Kompositionen irgendwann f\u00fcr immer verloren w\u00e4ren. Im Falle Beethovens, dessen Tod um 1860 ja erst gut 30 Jahren zur\u00fccklag und dessen Werke, soweit sie zu Lebzeiten oder aus dem Nachlass ver\u00f6ffentlicht waren, fest im Musikleben verankert waren, spielte die Sicherung von gef\u00e4hrdeten Werken nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund standen vielmehr Vollst\u00e4ndigkeit und Korrektheit, und die Zielgruppe war nicht ein relativ kleiner Kreis von Musikliebhabern und -forschern wie dies noch bei Bach und H\u00e4ndel der Fall war, sondern, wie es Jahn in seinem bereits zitierten Aufsatz <em>Beethoven und die Ausgaben seiner Werke<\/em> ausdr\u00fcckte, das \u201egesammte musicalische Publikum\u201c.<\/p>\n<p>Nur vor diesem Hintergrund konnte Breitkopf &amp; H\u00e4rtel ein solches Mammutunternehmen aus eigener Initiative angehen. Allerdings hatte dieser Verlag auch die besten Voraussetzungen dazu: Er war Rechteinhaber eines nicht unbetr\u00e4chtlichen Teils von Beethovens Werken, hatte gen\u00fcgend finanzielle Mittel, um die Lizenzen f\u00fcr die Kompositionen der anderen Originalverlage zu erwerben, und verf\u00fcgte mit der Publikation des ersten Werkverzeichnisses (<em>Thematisches Verzeichniss s\u00e4mmtlicher im Druck erschienenen Werke von Ludwig van Beethoven<\/em>, 1851) auch \u00fcber eine \u2013 zumindest f\u00fcr die bereits ver\u00f6ffentlichten Werke \u2013 verl\u00e4ssliche Basis f\u00fcr die Planung einer solchen Unternehmung. Der besondere Wert, der auf die Berechtigung zum Abdruck s\u00e4mtlicher Werke gelegt wurde, dr\u00fcckt sich auch im Titel der Ausgabe aus: <em>Ludwig van Beethoven\u2019s Werke. Vollst\u00e4ndige, kritisch durchgesehene \u00fcberall berechtigte Ausgabe. Mit Genehmigung aller Originalverleger<\/em>.<\/p>\n<div id=\"attachment_8832\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Titelblatt-AGA_farbig.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8832\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8832 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Titelblatt-AGA_farbig.jpg\" alt=\"\" width=\"622\" height=\"804\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Titelblatt-AGA_farbig.jpg 657w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Titelblatt-AGA_farbig-232x300.jpg 232w\" sizes=\"(max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8832\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der ersten Nummer der AGA, Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, 1862<\/p><\/div>\n<p>Die AGA erschien innerhalb von nur vier Jahren, 1862 bis 1865, in 24 Serien mit zusammen 262 Einzelnummern. Eine verbl\u00fcffende verlegerische Leistung, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass w\u00e4hrend der zum Teil langwierigen Verhandlungen um die Lizenzen die Vorbereitungen der B\u00e4nde bereits angelaufen waren. Um die Ausgabe auch f\u00fcr die Praxis nutzbar zu machen, waren alle in den 30 B\u00e4nden zusammengefassten Nummern auch einzeln erh\u00e4ltlich und zu den mehrstimmigen Werken erschien entsprechendes Stimmenmaterial.<\/p>\n<p>Im Subskriptionsaufruf wurde mit den Merkmalen \u201eVollst\u00e4ndigkeit, Aechtheit und Preis\u201c geworben.<\/p>\n<div id=\"attachment_8833\" style=\"width: 546px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Subskription-AGA.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8833\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8833\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Subskription-AGA.jpg\" alt=\"\" width=\"536\" height=\"310\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Subskription-AGA.jpg 541w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/Subskription-AGA-300x174.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8833\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus dem Subskriptions-Aufruf zur AGA, erschienen in den <em>Signalen aus der Musikalischen Welt<\/em>, November 1861<\/p><\/div>\n<p>Bei der \u201eVollst\u00e4ndigkeit\u201c ging es um inzwischen vergriffene oder noch gar nicht ver\u00f6ffentlichte Werke. Davon d\u00fcrfte die <em>Musik zum Fest-Vorspiel \u201eUngarns erster Wohlt\u00e4ter\u201c (\u201eK\u00f6nig Stephan\u201c)<\/em> op. 117 \u2013 zuvor war nur die Ouvert\u00fcre bekannt \u2013 wohl die bedeutendste Komposition darstellen. Als wesentlich ergiebiger im Hinblick auf Erstausgaben sollte sich der erst 1888 erschienene Supplementband erweisen, der 46 \u00fcberwiegend bis dahin ungedruckte Werke umfasst, darunter die beiden gro\u00dfen \u201eKaiser\u201c-Kantaten WoO 87 und 88. Bei der \u201eAechtheit\u201c wurde auf die \u201ekritische Revision\u201c verwiesen, die im Wesentlichen aus der \u201egenauen Vergleichung mit den vorhandenen Autographen und den ersten Originaldrucken\u201c bestand, aber soweit zug\u00e4nglich auch Abschriften und handschriftliche Stimmen ber\u00fccksichtigte. In der Praxis benutzten die \u201eRevisoren\u201c \u2013 darunter damals sehr bekannte Musiker wie Ferdinand David, Julius Rietz oder Carl Reineke, unterst\u00fctzt von Forschern wie Otto Jahn und Gustav Nottebohm \u2013 ihre reichen Auff\u00fchrungserfahrungen, um zum Teil lange bekannte Fehler zu verbessern. Was den \u201ePreis\u201c angeht, lag er zwar \u00fcber dem der einfachen Nachdrucke der Konkurrenz, blieb aber g\u00fcnstig, wenn man die hohe Druckqualit\u00e4t des revidierten Notentexts in Rechnung zieht.<\/p>\n<p>Die AGA blieb trotz Verbesserungen im Detail in den auf ihr basierenden praktischen Ausgaben f\u00fcr nahezu hundert Jahre <em>die<\/em> Referenzedition f\u00fcr Beethoven schlechthin. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Schock zahlreicher vernichteter Handschriften und Originaldrucke nachwirkte, war die Zeit reif f\u00fcr eine neue Gesamtausgabe. Dass diese neue, ab 1961 erscheinende Beethoven-Ausgabe dem damals noch sehr jungen Henle-Verlag anvertraut wurde, verbl\u00fcfft nur auf den ersten Blick. Der Verlagsgr\u00fcnder G\u00fcnter Henle hatte selbst die Gr\u00fcndung des Joseph-Haydn-Instituts zur Herausgabe der Haydn-Gesamtausgabe angeregt und verf\u00fcgte \u00fcber beste Kontakte zum Beethoven-Archiv in Bonn, das als Herausgeber der NGA verantwortlich zeichnet.<\/p>\n<p>Auf zun\u00e4chst nicht vorgesehene Weise fielen die letzten Ausl\u00e4ufer der AGA mit dem Beginn der NGA zeitlich zusammen. Der \u00fcberaus r\u00fchrige Beethoven-Forscher Willy Hess legte 1957 ein 335 Nummern (!) umfassendes <em>Verzeichnis der nicht in der Gesamtausgabe ver\u00f6ffentlichten Werke Ludwig van Beethovens<\/em> vor, das als Grundlage f\u00fcr seine insgesamt 14 Supplementb\u00e4nde zur AGA diente, die er bei Breitkopf und H\u00e4rtel zwischen 1959 und 1971 herausgab. Der nur zwei Jahre sp\u00e4ter (1961) einsetzenden NGA kam er damit vor allem im Hinblick auf noch ausstehende unver\u00f6ffentlichte Werke oder Werkteile (wie des Klavierauszugs des <em>Ritterballetts<\/em> WoO 1 oder der Originalgestalt des Rondos WoO 6) zuvor.<\/p>\n<div id=\"attachment_8835\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/NGA-1.-Band_neu.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8835\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8835\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/NGA-1.-Band_neu.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"536\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/NGA-1.-Band_neu.jpg 676w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/NGA-1.-Band_neu-243x300.jpg 243w\" sizes=\"(max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8835\" class=\"wp-caption-text\">Umschlag des ersten Bandes der NGA, Henle, 1961<\/p><\/div>\n<p>Der Titel der neuen Gesamtausgabe mutet mit <em>Beethoven Werke<\/em> genauso schlicht und bescheiden an wie die Formulierung der Aufgabe zu Beginn des Vorworts im ersten Band:<\/p>\n<p>\u201eDie Gesamtausgabe der Werke Beethovens soll alle vollendeten Kompositionen des Meisters umfassen. Der in ihr vorgelegte Text, der sich aus dem kritischen Vergleich aller wichtigen Quellen ergibt, soll die einzelnen Werke in einer Form wiedergeben, die den Absichten Beethovens m\u00f6glichst genau entspricht.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Ziel ist sicherlich nicht weit entfernt von dem, was seinerzeit die Revisoren der alten Gesamtausgabe im Sinne hatten \u2013 und doch, welch ein Unterschied in den Aufgaben und Anspr\u00fcchen, wenn man den Stand der Philologie im Allgemeinen sowie der Beethoven-Forschung im Besonderen vergleicht. Seit 1860 waren nicht nur weitere Handschriften wiederentdeckt, sondern auch die bislang weitgehend au\u00dfer Acht gelassenen Skizzen und Entw\u00fcrfe als Quellen erschlossen und teilweise auch publiziert worden. Au\u00dferdem lag mit dem 1955 im Henle-Verlag ver\u00f6ffentlichten Band <em>Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner s\u00e4mtlichen vollendeten Kompositionen<\/em> von Georg Kinsky und Hans Halm, erg\u00e4nzt durch das erw\u00e4hnte Hess-Verzeichnis, ein \u00dcberblick \u00fcber das Gesamtschaffen auf dem neuesten Stand vor. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Die AGA enthielt noch keine Revisionsberichte, wie sie f\u00fcr neuere wissenschaftlich-kritische Editionen selbstverst\u00e4ndlich sind, um die konkreten Entscheidungen transparent zu machen. Die Kritischen Berichte der ersten 17 B\u00e4nde der NGA wurden allerdings \u2013 \u00e4hnlich wie bei den zeitgleich erarbeiteten ersten B\u00e4nden anderer Gesamtausgaben \u2013 vom Notenteil abgetrennt, um ein z\u00fcgiges Erscheinen dieser Notentexte zu erm\u00f6glichen. Selbstverst\u00e4ndlich war an ein rasches Nachliefern der arbeitsaufw\u00e4ndigen Berichte gedacht, aber wie so oft in solchen F\u00e4llen, vergehen dar\u00fcber nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte. Daher fehlen bis heute noch einige dieser Kritischen Berichte zu den fr\u00fchen Editionen, aber seit 1977 werden sie immer zusammen mit dem Notenteil ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Beim Editionsplan verfolgt die NGA eine ge\u00e4nderte Konzeption, wobei das leitende Kriterium von der Besetzung zur Gattung wechselte. So ergeben sich anstelle der 24 (mit dem Supplementband 25) Serien jetzt 13 Abteilungen. Die urspr\u00fcnglich vorgesehenen 40 B\u00e4nde wurden in den 1980er-Jahren aufgrund der Ber\u00fccksichtigung auch von \u201eFr\u00fchfassungen und authentischen Bearbeitungen, ferner gr\u00f6\u00dferen Fragmenten und umfangreicheren Entw\u00fcrfen\u201c zum Gesamtumfang von nunmehr 56 B\u00e4nden erweitert, von denen aktuell 43 erschienen sind. Geplant ist die Fertigstellung der Ausgabe bis zum n\u00e4chsten Jubil\u00e4umsjahr 2027. Der lange Editionszeitraum von dann 66 Jahren mag gegen\u00fcber den vier Jahren der alten Gesamtausgabe riesengro\u00df erscheinen, aber ein Blick auf die Kritischen Berichte zeigt eindr\u00fccklich, welche immense Arbeit in diesen Editionen steckt, die \u2013 bei zunehmender Konkurrenz durch Urtext-Ausgaben anderer Verlage \u2013 sehr zeitaufw\u00e4ndig sowohl grunds\u00e4tzliche Fragen l\u00f6sen als auch allen Detailproblemen nachsp\u00fcren m\u00fcssen. Dass sich auch langes Warten lohnt, bezeugt der zuletzt erschienene Band in der <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Symphonien+V_4034\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NGA mit der 9. Symphonie<\/a>, \u00a0dessen Kritischer Bericht nicht weniger als 140 Seiten umfasst. Aber nur durch diesen Aufwand ist gew\u00e4hrleistet, dass die neue Gesamtausgabe wie zuvor die alte f\u00fcr lange Zeit <em>die<\/em> ma\u00dfgebliche Beethoven-Edition darstellt.<\/p>\n<div id=\"attachment_8837\" style=\"width: 625px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/HN-4034-1.-Notenseite.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8837\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-8837\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/HN-4034-1.-Notenseite.jpg\" alt=\"\" width=\"615\" height=\"819\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/HN-4034-1.-Notenseite.jpg 626w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/05\/HN-4034-1.-Notenseite-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8837\" class=\"wp-caption-text\">Erste Notenseite von HN 4034: Abteilung I\/Band 5: Symphonie Nr. 9, Henle, 2020<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen berichtete meine Kollegin Annette Oppermann \u00fcber die &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/05\/18\/der-ganze-beethoven-teil-2-von-der-alten-zur-neuen-gesamtausgabe\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,3,291],"tags":[782,45,783],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8827"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8827"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8845,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8827\/revisions\/8845"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}