{"id":9045,"date":"2020-10-12T08:00:19","date_gmt":"2020-10-12T06:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9045"},"modified":"2022-05-19T08:54:22","modified_gmt":"2022-05-19T06:54:22","slug":"beethoven-widmet-um-eine-kleine-suche-nach-motiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/10\/12\/beethoven-widmet-um-eine-kleine-suche-nach-motiven\/","title":{"rendered":"Beethoven widmet um \u2013 eine kleine Suche nach Motiven"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_9046\" style=\"width: 231px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Bridgetower.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9046\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9046\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Bridgetower.jpg\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Bridgetower.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Bridgetower-230x300.jpg 230w\" sizes=\"(max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9046\" class=\"wp-caption-text\">George Augustus Polgreen Bridgetower (1778\u20131860)<\/p><\/div>\n<p>In der letzten Woche hatte ich das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, die (virtuelle) Bekanntschaft von <a href=\"http:\/\/www.chi-chinwanoku.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chi-chi Nwanoku<\/a> zu machen, Kontrabassistin, Lehrerin, Gr\u00fcnderin der <a href=\"https:\/\/www.chineke.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chineke Foundation<\/a> und des Chineke! Junior Orchesters, Advokatin der Multikulturalit\u00e4t. Wir sprachen \u00fcber George Augustus Polgreen Bridgetower (1778\u20131860) und die sogenannte <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Violinsonate+A-dur+op.+47+%28Kreutzer-Sonate%29_714\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kreutzer-Sonate op. 47<\/a>, die dem aus gemischtethnischer Familie stammenden Violinisten Bridgetower urspr\u00fcnglich gewidmet werden sollte. Stattdessen ging die Dedikation an den in Paris wirkenden Geiger Rodolphe Kreutzer (1766\u20131831), und der besondere Wert dieses Meisterwerks schrie wohl nach einem Beinamen. Kurzerhand wurde es die \u201eKreutzer\u201c-Sonate und nicht zuletzt Tolstoy zementierte fast ein Jahrhundert sp\u00e4ter mit seiner Novelle gleichen Namens diese Bezeichnung. Im Gespr\u00e4ch mit Chi-chi philosophierten wir, was wohl in der Musikwelt geschehen w\u00e4re, wenn die Widmung doch an Bridgetower gegangen w\u00e4re \u2026<!--more--><\/p>\n<p>Mir kam in diesem Zusammenhang eine grunds\u00e4tzliche Frage in den Kopf. Wissen wir wirklich, warum Beethoven dieses Werk umwidmete? Was sagen die Quellen dazu?<\/p>\n<p>Oder umgekehrt: Woher wissen wir eigentlich, dass die Sonate urspr\u00fcnglich Bridgetower gewidmet werden sollte? Nun, das wohl wichtigste Beweisst\u00fcck ist ein fragmentarisch erhaltenes Autograph der Sonate, das heute im Beethoven-Haus in Bonn aufbewahrt wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_9048\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Autograph-op.-47.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9048\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9048\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Autograph-op.-47.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Autograph-op.-47.jpg 987w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Autograph-op.-47-300x213.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Autograph-op.-47-768x545.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9048\" class=\"wp-caption-text\">Autograph der Violinsonate op. 47. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/de\/media\/view\/5834388323434496\/Ludwig+van+Beethoven%2C+Sonate+f%C3%BCr+Klavier+und+Violine+%28A-Dur%29+op.+47%2C+1.+Satz%2C+Partitur%2C+Autograph?fromArchive=5145131971772416&amp;fromWork=5956984809455616\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses Bonn<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Rechts oben hei\u00dft es dort von der Hand Beethovens: \u201eSonata mulattica Composta per il Mulatto Brischdauer gran pazzo e compositore mulattico\u201c (Mulattische Sonate, komponiert f\u00fcr den Mulatten Brischdauer, gro\u00dfer Verr\u00fcckter und mulattischer Komponist). Man muss diese Widmung durch die dreifache Wortwiederholung und die Phrase \u201egran pazzo\u201c eindeutig als freundschaftlich neckend gemeint einordnen.<\/p>\n<p>Nach allem, was wir heute wissen, kam Bridgetower als reisender Virtuose im April 1803 nach Wien und wurde Beethoven durch F\u00fcrst Lichnowsky bei einem Besuch vorgestellt. Bridgetower selbst berichtete einem befreundeten Musiker und Lyriker, J.W. Thirlwall, dass er und Beethoven \u201econstant companions\u201c (stete Begleiter) wurden und tats\u00e4chlich bem\u00fchte sich der Komponist auch um die weitere Einf\u00fchrung des Violinisten in die Wiener Adelsgesellschaft. So wissen wir von einem Empfehlungsschreiben Beethovens vom 18. Mai des Jahres, das an Baron Alexander Wetzlar von Plankenstern ging, und in dem es hei\u00dft:<\/p>\n<p>\u201eso nehme ich doch gar keinen Anstand ihnen den \u00fcberbringer dieses Hr. Brischdower einen sehr geschickten und seines Instruments ganz m\u00e4chtigen Virtuosen zu emphelen &#8211; er spielt neben seinen Concerten auch vortrefflich quartetten, ich w\u00fcnsche sehr, da\u00df sie ihm noch mehrere bekanntschaften verschaffen, Lobkowitz und Frie\u00df und alle \u00fcbrigen vornehmen Liebhabern hat er sich schon vortheilhaft bekannt gemacht &#8211; ich glaube, da\u00df es gar nicht \u00fcbel w\u00e4re, wenn sie ihn einen Abend zur therese sch\u00f6nfeld f\u00fchrten, wo so vie[l] ich wei\u00df, manche fremde auch hinkommen oder bey ihnen &#8211; ich wei\u00df, da\u00df sie mir\u2019s selbst danken werden, ihnen diese Bekanntschaft gemacht zu haben\u201c (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/?q=Briefwechsel&amp;katalog=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe<\/a>, Brief Nr. 137).<\/p>\n<p>Bridgetower war, nach allem was wir heute wissen, derjenige, der Beethoven zur Komposition der Violinsonate veranlasste. Dies bezeugen unter anderem Aussagen der Zeitgenossen Ferdinand Ries und Carl Czerny. Die Sonate entstand wohl ganz konkret f\u00fcr ein von Bridgetower organisiertes Konzert im Wiener Augartensaal am 24. Mai 1803. Dort wurde sie vom Violinisten und dem Komponisten am Klavier aufgef\u00fchrt. Einen kleinen Einblick in die offensichtlich in gro\u00dfer Herzlichkeit stattfindenden Probenarbeit verschafft uns eine Notiz Bridgetowers. Nachdem er sich im ersten Satz eine kleine virtuose Freiheit erlaubt hatte, war Beethoven angeblich begeistert: \u201eHe [Beethoven] jumped up, embraced me, saying: \u201aNoch einmal, mein lieber Bursch!\u2018\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_9050\" style=\"width: 634px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Originalausgabe-op.-47.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9050\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9050\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Originalausgabe-op.-47.jpg\" alt=\"\" width=\"624\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Originalausgabe-op.-47.jpg 986w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Originalausgabe-op.-47-300x223.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Originalausgabe-op.-47-768x571.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9050\" class=\"wp-caption-text\">Originalausgabe der Violinsonate op. 47 bei Simrock in Bonn. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/de\/media\/view\/6075552649707520\/Ludwig+van+Beethoven%2C+Sonate+f%C3%BCr+Klavier+und+Violine+%28A-Dur%29+op.+47%2C+Stimmen%2C+Simrock%2C+422?fromArchive=5145131971772416&amp;fromWork=5956984809455616\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses Bonn<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Warum dann aber, wenn die Freundschaft offenbar enger war, \u00fcbernahm Beethoven seine Widmung aus dem Autograph nicht auch f\u00fcr die Originalausgabe der Sonate? Hier kann sich die Nachwelt nur auf ein einziges Indiz berufen, \u00fcber das ebenfalls J. W. Thirlwall Auskunft gibt. Laut seinem Bericht \u00e4u\u00dferte sich Bridgetower: \u201eon the first copy was a dedication to his friend Bridgetower, but, ere it was published, they had some silly quarrel about a girl, and in consequence Beethoven scratched out the name of Bridgetower and inserted that of Kreutzer\u201d (Auf dem ersten Manuskript stand eine Widmung an seinen Freund Bridgetower, aber bevor sie [die Sonate] ver\u00f6ffentlicht wurde, hatten sie [Beethoven und Bridgetower] einen dummen Streit \u00fcber ein M\u00e4dchen, und als Konsequenz kratzte Beethoven den Namen Bridgetowers aus und f\u00fcgte den von Kreutzer ein).<\/p>\n<p>Ob man dieser Geschichte glauben kann? Schon der gro\u00dfe Beethoven-Biograph Alexander W. Thayer setzte seiner Aufzeichnung dieses Berichts ein Fragezeichen hinzu und ich kann seiner Einsch\u00e4tzung nur zustimmen. Auf dem heute wieder zug\u00e4nglichen, oben erw\u00e4hnten Autograph ist au\u00dferdem nichts ausgekratzt und schon gar nicht der Name Kreutzers eingesetzt (was allerdings auf einem heute verschollenen Autograph der Fall gewesen sein kann).<\/p>\n<p>Hier ist nun auch der Punkt gekommen, an dem man fragen muss, mit welcher Motivation Beethoven Widmungen aussprach und ob wir einen anderen, plausiblen Grund finden k\u00f6nnen, warum auch Opus 47 letzten Endes eine andere Dedikation erfuhr.<\/p>\n<p>Ja, Beethoven sprach Menschen, die ihm sehr nahestanden, gelegentlich Widmungen zu. In Anna Luise Barbara Gr\u00e4fin von Keglevicz, deren Name das Titelblatt der Originalausgabe der Klaviersonate op. 7 ziert, soll Beethoven verliebt gewesen sein (laut Carl Czerny). Sie war seine Klaviersch\u00fclerin. Antonie Brentano, der eine ganze Reihe von Werken zugeeignet werden sollten bzw. wurden, ist eine Kandidatin f\u00fcr die Rolle der \u201eUnsterblichen Geliebten\u201c. Deren Tochter, Maximiliane Brentano, durfte sich \u00fcber die Dedikation der Klaviersonate op. 109 freuen. Beethoven schrieb Ihr: \u201eEine Dedikation!!! \u2013 nun Es ist keine, wie d.g. in Menge gemi\u00dfbraucht werden \u2013 Es ist der Geist, der edle u. bessere Menschen auf diesem Erdenrund zusammenh\u00e4lt, u. keine Zeit den zerst\u00f6ren kann, dieser ist es, der jezt zu ihnen spricht, u. der Sie mir noch in ihren Kinderjahren gegenw\u00e4rtig zeigt\u201c (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/?q=Briefwechsel&amp;katalog=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven Briefe Gesamtausgabe<\/a>, Brief Nr. 1449).<\/p>\n<div id=\"attachment_9053\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Der-glorreiche-Augenblick_Widmungsseite.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9053\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9053\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Der-glorreiche-Augenblick_Widmungsseite.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Der-glorreiche-Augenblick_Widmungsseite.jpg 422w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Der-glorreiche-Augenblick_Widmungsseite-226x300.jpg 226w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9053\" class=\"wp-caption-text\">Bild der 1. Widmungsseite der Original-Prachtausgabe &#8220;Der glorreiche Augenblick&#8221;. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/de\/media\/view\/5813726879940608\/scan\/11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses Bonn<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>\u201ekeine, wie d.g. in Menge gemi\u00dfbraucht werden\u201c, diese Phrase l\u00e4sst einen schmunzeln. Denn in dem, was Beethoven hier zu missbilligen scheint, war er selbst ein gro\u00dfer Meister: Sich Widmungen als Geld- und Einflussquelle zunutze zu machen! Die Liste der Tr\u00e4ger von Zueignungen seiner Werke liest sich wie das Who-is-Who des europ\u00e4ischen Adels seiner Zeit. Zum Wiener Kongress etwa erklang die Kantate \u201eDer glorreiche Augenblick\u201c, deren Original-Prachtausgabe nicht weniger als drei Widmungen tr\u00e4gt: \u201eSeiner Majest\u00e4t Friedrich Wilhelm III. K\u00f6nig von Preussen\u201c, \u201eSeiner Majest\u00e4t Franz I. Kaiser von \u00d6sterreich\u201c und \u201eSeiner Majest\u00e4t Nicolaus I. Kaiser von Russland\u201c. Dies alles geschah nat\u00fcrlich mit dem Ziel, dass sich die Widmungstr\u00e4ger mit Geldgeschenken erkenntlich zeigen. Geldgeschenke bitte \u2013 kein Schmuck: Den Ring, den Beethoven 1826 von Friedrich Wilhelm III. von Preu\u00dfen f\u00fcr die Zueignung der 9. Symphonie erhielt, verkaufte er umgehend.<\/p>\n<p>Der Zweck heiligte die Mittel: Wenn Beethoven sich eine Widmung in diesem Sinne zunutze machen konnte, nahm er \u00e4ltere Versprechungen gelegentlich auch zur\u00fcck. So etwa geschehen im Fall der Violoncellosonaten op. 5. Sie waren 1796 in Berlin f\u00fcr den Cellisten Jean Louis Duport entstanden und \u2013 wie ein heute verschollener Brief es belegt \u2013 ihm wohl auch zugeeignet worden. Die Originalausgabe erschien mit einer Widmung an K\u00f6nig Wilhelm II. von Preu\u00dfen.<\/p>\n<p>Ob es also im Fall von Bridgetower einen \u00e4hnlichen, gewichtigeren Zweck gegeben haben k\u00f6nnte, ihm die Dedikation zu entziehen? (Oder verstand Beethoven diese handschriftlichen Widmungen auf Manuskripten immer nur als etwas ganz Privates und f\u00fchlte sich zu nichts verpflichtet?) Warum k\u00f6nnte eine Widmung an Rodolphe Kreutzer Beethoven n\u00fctzlicher sein? Schlie\u00dflich hatte Beethoven ihn 1798, also ganze f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher, bei dessen Durchreise durch Wien kennengelernt und seitdem vermutlich keinen weiteren Kontakt mehr. Kreutzer lebte nun weit weg in Paris und verkehrte dort erfolgreich in Musiker- und Adelskreisen. Und hier kommen wir nun der Ursache vielleicht auf die Spur. Sieghard Brandenburg vermutet: \u201eWahrscheinlich erhoffte sich Beethoven mit der Dedikation an Kreutzer ein gutes Entr\u00e9e f\u00fcr seinen geplanten Aufenthalt in Paris\u201c (Beethoven Briefe Gesamtausgabe, Brief Nr. 193 Anm. 5). Denn tats\u00e4chlich war Beethoven mit seiner Lage in Wien sehr unzufrieden. So schrieb Ferdinand Ries im August 1803 an Nicolaus Simrock in Bonn: \u201eBeethoven wird nun h\u00f6chstens noch 1 1\/2 Jahre hierbleiben. Er geht dann nach Paris, welches mir au\u00dferordentlich leid ist.\u201c (Beethoven Briefe Gesamtausgabe, Brief Nr. 152)<\/p>\n<div id=\"attachment_9051\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9051\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9051\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-scaled.jpg 2133w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-250x300.jpg 250w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-853x1024.jpg 853w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-768x922.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-1280x1536.jpg 1280w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rodolphe_Kreutzer-1707x2048.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9051\" class=\"wp-caption-text\">Rodolphe Kreutzer (1766\u20131831)<\/p><\/div>\n<p>Gesch\u00e4ftliches Kalk\u00fcl hatte also wohl gesiegt, auch wenn Beethoven seinem Verleger Simrock gegen\u00fcber die f\u00fcr diesen vermutlich \u00fcberraschende Widmung zu verteidigen wusste: \u201edieser ist ein guter lieber Mensch, der mir bey seinem hiesigen Aufenthalte sehr viel vergn\u00fcgen gemacht, seine Anspruchlosigkeit und Nat\u00fcrlichkeit ist mir lieber als alles Exterieur ohne interieur der Meisten Virtuosen &#8211; da die Sonate f\u00fcr einen T\u00fcchtigen Geiger geschrieben ist, um so passend ist die Dedication an ihn.\u201c Nur gesch\u00e4ftliches Kalk\u00fcl? Man kann kaum umhin, in dieser Aussage auch einen Stich in Richtung Bridgetower zu lesen, mit dem es vielleicht also doch ein Zerw\u00fcrfnis gab?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Bridgetower bat Beethoven um diese Sonate, er hat sie mit ihm zum ersten Mal aufgef\u00fchrt und Beethoven, der Bridgetower offensichtlich zumindest zur Zeit der Entstehung sehr sch\u00e4tzte, hat sie ihm urspr\u00fcnglich gewidmet. Wenn sich also auch der Beiname \u201eKreutzer\u201c-Sonate kaum aus der Welt schaffen lassen wird, so w\u00fcnscht man sich doch, dass der Name Bridgetower in der Zukunft einen prominenteren Platz in der Rezeption des Werkes einnimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Woche hatte ich das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, die &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/10\/12\/beethoven-widmet-um-eine-kleine-suche-nach-motiven\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,734,3,793],"tags":[7,795,794],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9045"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9045"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9972,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9045\/revisions\/9972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}