{"id":9067,"date":"2020-10-26T08:00:02","date_gmt":"2020-10-26T07:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9067"},"modified":"2020-10-23T09:53:58","modified_gmt":"2020-10-23T07:53:58","slug":"echt-beethoven-oder-doch-nicht-ganz-echtheitsfragen-bei-beethoven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/10\/26\/echt-beethoven-oder-doch-nicht-ganz-echtheitsfragen-bei-beethoven\/","title":{"rendered":"Echt Beethoven \u2013 oder doch nicht ganz? Echtheitsfragen bei Beethoven"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-9077\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven.jpg\" alt=\"\" width=\"241\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven.jpg 1299w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven-300x140.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven-1024x477.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Beethoven-768x358.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 241px) 100vw, 241px\" \/><\/a>Das Beethoven-Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, fast alles wurde auf unserem Lektoren-Blog nun schon thematisiert von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/feuilleton\/beethoven-im-film\/uebersicht-beethoven-im-film\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven im Film<\/a> bis zu seiner <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/08\/31\/die-posaune-in-beethovens-symphonien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Entdeckung der Posaune f\u00fcr die Symphonik<\/a>. Was hat der Mann nicht alles erschaffen, erneuert, inspiriert \u2026 H\u00f6chste Zeit f\u00fcr die Frage: Ist eigentlich auch \u00fcberall Beethoven drin, wo Beethoven drauf steht? Oder fachlich korrekter formuliert: Wo bestehen Echtheitszweifel bei unter Beethovens Namen \u00fcberlieferten Werken und wie gehen wir damit heute um?<!--more--><\/p>\n<p>Aufschluss dar\u00fcber findet man im Anhang des neuen <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Dorfm%C3%BCller\/Gertsch\/Ronge%3A+Ludwig+van+Beethoven_2207\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Werkverzeichnis<\/a>, unter der \u00dcberschrift \u201eUnechte und zweifelhafte Werke\u201c. Allerdings listet das knapp 50 Seiten umfassende Kapitel keineswegs alle heute bekannten \u00a0Kompositionen dieser Art auf. Da mit der Popularit\u00e4t eines Komponisten auch die Fehlzuschreibungen und offensichtlichen F\u00e4lschungen zunehmen, w\u00fcrde dies bei Beethoven zu einer unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Menge von Eintr\u00e4gen f\u00fchren \u2013 und die Aufmerksamkeit in seinem Werkverzeichnis ungerechtfertigterweise auf Dinge lenken, die ja gerade nicht von ihm stammen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-9068\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-scaled.jpg 1920w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-2207-1-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/a>Die Autoren des neuen Werkverzeichnisses Dorfm\u00fcller, Gertsch und Ronge beschr\u00e4nkten sich daher ganz bewusst auf diejenigen Werke, die schon im Vorg\u00e4nger-Verzeichnis von Kinsky\/Halm aufgef\u00fchrt und dementsprechend kanonisiert sind \u2013 seien es die bei Kinsky\/Halm als Anhang 1\u201318 gez\u00e4hlten \u201eZweifelhaften und unechten Werke\u201c oder andere Eintr\u00e4ge, die mittlerweile nicht mehr als \u201eechte Werke\u201c Ludwig van Beethovens betrachtet werden. Denn die Beethoven-Forschung hat hier in den ca. 80 Jahren, die zwischen dem alten und dem neuen Werkverzeichnis liegen, nicht zuletzt durch die Arbeit an der <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/shop\/wissenschaft\/gesamtausgaben\/ludwig-van-beethoven\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">neuen Gesamtausgabe<\/a> einiges zutage gebracht.<\/p>\n<p>So gelang es dem Beethoven-Forscher Shin Augustinus Kojima 1978 durch akribischen Handschriftenvergleich, gleich mehrere bei Kinsky\/Halm gelistete Werke als Sch\u00f6pfungen von Beethovens j\u00fcngerem Bruder Kaspar Karl (1774\u20131815) zu identifizieren. Der hatte sich ab 1794 in Wien zun\u00e4chst ebenfalls als Komponist versucht, aber mit so wenig Erfolg, dass er 1800 in die sicherere Laufbahn eines Finanzbeamten wechselte. Sein bei Kinsky\/Halm im Anhang gef\u00fchrtes D-dur-Klaviertrio (Anh. 3) und ein Klavierrondo in B-dur (Anh. 6) sind in der British Library in einem gr\u00f6\u00dferen Manuskript \u00fcberliefert, das Anfang des 20. Jahrhunderts f\u00e4lschlich als Autograph des jungen Beethoven bewertet worden war, weil man die Handschrift als identisch mit derjenigen eines anderen dort befindlichen Manuskripts mit dem Menuett WoO 12 Nr. 1 erkannte.<\/p>\n<div id=\"attachment_9069\" style=\"width: 941px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Klaviertrio-D-Dur-Anh.-3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9069\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9069 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Klaviertrio-D-Dur-Anh.-3.jpg\" alt=\"\" width=\"931\" height=\"646\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Klaviertrio-D-Dur-Anh.-3.jpg 931w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Klaviertrio-D-Dur-Anh.-3-300x208.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Klaviertrio-D-Dur-Anh.-3-768x533.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 931px) 100vw, 931px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9069\" class=\"wp-caption-text\">Klaviertrio von Kaspar Karl van Beethoven, fr\u00fcher Ludwig van Beethoven zugeschrieben (Anh.3). Manuskript in der <a href=\"http:\/\/www.bl.uk\/manuscripts\/Viewer.aspx?ref=add_ms_31748_f003r\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">British Library<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Soweit so gut. Nur wissen wir heute, dass eben auch dieses Menuett nicht von Ludwig, sondern von Kaspar Karl van Beethoven stammt und sogar alle 12 Menuette WoO 12 ihm zuzuschreiben sind. Dass die wahre Autorschaft der Menuette lange unbekannt blieb, liegt vermutlich an einer bewussten F\u00e4lschung, denn in einem in Wien aufbewahrten vollst\u00e4ndigen Stimmensatz dieser T\u00e4nze wurde bei der Namensnennung offensichtlich \u201eCarlo\u201c getilgt und durch \u201eLuigi\u201c ersetzt.<\/p>\n<p>So wanderten die Menuette WoO 12 im neuen Werkverzeichnis aus dem Hauptteil in den Anhang mit den \u201eUnechten und zweifelhaften Werken\u201c, der damit nun drei echte Kompositionen Kaspar Karls enth\u00e4lt \u2013 und gewisserma\u00dfen zur Entdeckung des kleinen Bruders einl\u00e4dt &#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_9070\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Michaelhaydn1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9070\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9070\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Michaelhaydn1.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Michaelhaydn1.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Michaelhaydn1-208x300.jpg 208w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9070\" class=\"wp-caption-text\">Michael Haydn (1737\u20131806)<\/p><\/div>\n<p>Aber auch bekanntere Komponisten tauchen hier auf. So gilt zum Beispiel Michael Haydns Autorschaft \u00a0an dem Scherz-Kanon \u201eGl\u00fcck fehl\u2019 Dir vor allem\u201c inzwischen hinreichend gesichert. In die Musikgeschichte ging das Werk aber zun\u00e4chst als Geburtstagsgru\u00df Beethovens an Anna Giannattasio del Rio ein, deren Tochter dem Beethoven-Biographen Alexander Thayer 1881 brieflich berichtete: \u201eZum Schlu\u00df schreibe ich Ihnen noch einen Canon Beethovens auf, welchen mich meine Mutter schon als Kind singen gelehrt hat. Er kam n\u00e4hmlich wieder ein Mal zu meiner Mutter und begann zu singen, wie folgt: \u201aGl\u00fcck fehl dir vor allem, Gesundheit auch\u2018 \u2013 bis hierher sang er, dann blieb er still und lachte. Als nun Mutter sagte, das sei gerade kein sch\u00f6ner Wunsch, da\u00df ihr Gl\u00fcck und Gesundheit fehlen sollten, sang er in lang ausgedehntem Ton den Schlu\u00df mit dem Wort \u201aniemalen\u2018. Der Canon liegt in Noten aufgeschrieben hier bei.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_9081\" style=\"width: 415px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-WoO-171-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9081\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9081 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-WoO-171-1.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-WoO-171-1.jpg 405w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-WoO-171-1-300x210.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9081\" class=\"wp-caption-text\">Wiedergabe von WoO 171 in Theodor Frimmel, Neue Beethoveniana. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/en\/media\/view\/5393883491991552\/Ludwig+van+BeethovenMichael+Haydn%2C+%26quot%3BGl%C3%BCck+fehl%26%2339%3B+dir+vor+allem%26quot%3B%2C+vierstimmiger+Kanon+WoO+171%2C+Frimmel?fromArchive=5937910725476352&amp;fromWork=6263775296487424\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses Bonn<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>1888 gab Theodor von Frimmel den Kanon in seinen \u201eNeuen Beethoveniana\u201c dann als \u201eComposition Beethovens\u201c wieder, Kinsky\/Halm listete ihn als WoO 171 und die nette Anekdote findet sich seitdem immer wieder gerne in der Beethoven-Literatur zitiert &#8230; Ein Jahrhundert sp\u00e4ter erst sollte die Michael-Haydn-Forschung zutagebringen, dass der Kanon bereits vor 1800 unter Haydns Namen gedruckt und 1814 in einem Verzeichnis seiner Werke erw\u00e4hnt worden war \u2013 Beethoven war hier also keineswegs als Komponist, sondern nur als Vortragender in Erscheinung getreten.<\/p>\n<p>Dass sich neben WoO 171 noch manch andere musikalische Petitesse aus dem Kreis der WoOs heute unter den unechten Werken wiederfindet \u2013 wie zum Beispiel der inzwischen als handfeste F\u00e4lschung enttarnte \u201eM\u00e4lzel-Kanon\u201c WoO 162 \u2013 , ist vielleicht wenig \u00fcberraschend. Aber h\u00e4tten Sie gedacht, dass auch bei zu Beethovens Lebzeiten gedruckten Opera durchaus Echtheitszweifel bestehen? Garantiert die Opuszahl nicht Echtheit? Nicht unbedingt, denn f\u00fcr die Vergabe der Opuszahlen konnte damals auch der Verleger (und nicht der Komponist) verantwortlich zeichnen \u2013 und die Frage nach der Echtheit ist manchmal gar nicht so leicht zu entscheiden &#8230;<\/p>\n<p>So erschienen im Winter 1803\/04 bei Hoffmeister &amp; K\u00fchnel in Leipzig zwei Arrangements von Werken Beethovens, deren Opuszahlen mit Vorsicht zu genie\u00dfen sind: die bis heute bei Fl\u00f6tisten beliebte Serenade op. 41 f\u00fcr Klavier und Querfl\u00f6te, die auf Beethovens Serenade op. 25 f\u00fcr die ungew\u00f6hnliche Besetzung Fl\u00f6te, Violine und Viola zur\u00fcckgeht, und das f\u00fcr Klavier und Viola gesetzte Notturno op. 42, das auf seiner Serenade op. 8 f\u00fcr Streichtrio basiert (siehe hierzu auch den Blogbeitrag <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/05\/04\/beethoven-und-die-bratsche\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8220;Beethoven und die Bratsche&#8221;<\/a>). Beethoven verkaufte dem Verlag diese Bearbeitungen, betonte allerdings in seinem Schreiben vom 20. September 1803 ausdr\u00fccklich: \u201e[\u2026] die \u00dcbersezungen sind nicht von mir, doch sind sie von mir dur[ch]gesehen und stellenweise ganz verbessert worden, also komt mir ja nicht, da\u00df ihr da schreibt, da\u00df ich\u2019s \u00fcbersezt habe, weil ihr sonst l\u00fcgt, und ich auch gar nicht die Zeit und Geduld dazu zu finden w\u00fcste\u201c (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/?q=Briefwechsel&amp;katalog=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe<\/a>, Nr. 157).<\/p>\n<div id=\"attachment_9072\" style=\"width: 1006px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-op.-41.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9072\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9072 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-op.-41.jpg\" alt=\"\" width=\"996\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-op.-41.jpg 996w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-op.-41-300x213.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/EA-op.-41-768x545.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 996px) 100vw, 996px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9072\" class=\"wp-caption-text\">Erstausgabe Ludwig van Beethoven, Serenade f\u00fcr Klavier und Fl\u00f6te op. 41. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des <a href=\"https:\/\/www.beethoven.de\/de\/media\/view\/5753357356498944\/Ludwig+van+Beethoven%2C+Serenade+f%C3%BCr+Klavier+und+Fl%C3%B6te+%28D-Dur%29+op.+41%2C+Stimmen%2C+Hoffmeister+und+K%C3%BChnel%2C+273?fromArchive=5145131971772416&amp;fromWork=6557402581172224\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven-Hauses<\/a> Bonn.<\/p><\/div>\n<p>Autor dieser \u201e\u00dcbersetzungen\u201c war h\u00f6chstwahrscheinlich <a href=\"https:\/\/www.musiklexikon.ac.at\/ml\/musik_K\/Kleinheinz_Franz.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Franz Xaver Kleinheinz<\/a> (1765\u20131832), ein mit Beethoven bekannter Komponist, der nach Aussage von Beethovens Bruder Kaspar Karl \u201eunter Leitung meines Bruders [\u2026] einige Instrumentalmusick f\u00fcr Klavier und Begleitung arrangirt\u201c hatte (<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/?q=Briefwechsel&amp;katalog=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe<\/a>, Nr. 138). Obgleich Beethoven die Bearbeitungen also offenbar verfolgt und verbessert hatte, wollte er jedoch nicht als ihr Autor genannt werden. Der Verleger wiederum hatte wenig Interesse daran, Beethovens Namen nicht zu nennen \u2013 und fand daf\u00fcr auf dem Titelblatt von Opus 41 eine in ihrer Doppeldeutigkeit geradezu geniale L\u00f6sung: Unter die Angabe \u201eSerenade pour le Fortepiano et Fl\u00fbte (ou Violon) par Louis van Beethoven\u201c setzt er in zwei Zeilen \u201eArrang\u00e9e d\u2019une S\u00e9renade pour Flute, Violon et Alto, \/ et rev\u00fbe par l\u2019Auteur\u201c, was den m\u00f6glichen aber nicht notwendigen Schluss zul\u00e4sst, dass nicht nur die Durchsicht, sondern auch das Arrangement von Beethoven stammte. Und sein Gef\u00fchl trog ihn nicht, denn wie hei\u00dft es zu Beginn einer kurzen Rezension von Opus 41 in der <em>Zeitung f\u00fcr die elegante Welt<\/em> so sch\u00f6n: \u201eBeethovens Name empfiehlt schon diese sehr sch\u00f6ne Serenade\u201c \u2013 was f\u00fcr Kleinheinz sicher weniger gegolten h\u00e4tte.<\/p>\n<div id=\"attachment_9073\" style=\"width: 441px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rezension_Zeitung-fuer-die-elegante-Welt-1807-Sp.-1628.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9073\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9073\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rezension_Zeitung-fuer-die-elegante-Welt-1807-Sp.-1628.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rezension_Zeitung-fuer-die-elegante-Welt-1807-Sp.-1628.jpg 655w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/Rezension_Zeitung-fuer-die-elegante-Welt-1807-Sp.-1628-300x147.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9073\" class=\"wp-caption-text\">Rezension zu op. 41 in: &#8220;Zeitung f\u00fcr die elegante Welt&#8221; am 22.12.1807<\/p><\/div>\n<p>Wenn beide Opera nun im neuen Werkverzeichnis nicht mehr \u2013 wie noch bei Kinsky\/Halm \u2013 im Hauptteil stehen, sondern in den Anhang gewandert sind, ist dies kein Ausdruck eines neuen Forschungsstandes, denn die entsprechenden Briefe und Verweise auf Kleinheinz als m\u00f6glichen Bearbeiter finden sich auch schon bei Kinsky\/Halm. Hier schl\u00e4gt sich vielmehr ein ver\u00e4ndertes Bewusstsein f\u00fcr den \u201eRang\u201c einer Fremdbearbeitung nieder und ein gewisser Respekt vor Beethovens kategorischer Unterscheidung zwischen von ihm selbst erstellten und mit einer eigenen Opuszahl versehenen Bearbeitungen eigener Werke (wie sie ja z. B. in seiner Einrichtung des fr\u00fchen Bl\u00e4seroktetts op. 103 zum Streichquintett op. 4 vorliegt) und solchen von fremder Hand.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-9075\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1.jpg 1851w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1-776x1024.jpg 776w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1-768x1013.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1-1165x1536.jpg 1165w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2020\/10\/HN-0934-1-1553x2048.jpg 1553w\" sizes=\"(max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a>Aber was macht der verantwortungsvolle Herausgeber einer Urtextausgabe nun mit diesen Werken? M\u00fcsste auf der <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Serenade+op.+41+f%C3%BCr+Klavier+und+Fl%C3%B6te+%28Violine%29_934\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Henle-Ausgabe von Opus 41<\/a> nicht \u201eKleinheinz\u201c statt \u201eBeethoven\u201c stehen? Oder wenigstens \u201eBeethoven \u00b7 Kleinheinz\u201c analog zu den Henle-Ausgaben von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Chaconne+aus+der+Partita+Nr.+2+d-moll+%28Johann+Sebastian+Bach%29_557\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bach-Bearbeitungen eines Busoni<\/a> oder den <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Liebeslied+%28Widmung%29+aus+%E2%80%9EMyrthen%E2%80%9C+op.+25+%28Robert+Schumann%29_1356\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schumann-Transkriptionen eines Franz Liszt<\/a>? Da die Autorschaft von Kleinheinz wahrscheinlich, aber nicht sicher ist, verbietet sich diese Namensnennung nat\u00fcrlich von vornherein. Zudem ist die Opuszahl 41 ja auf Beethovens \u0152uvre bezogen. So bleibt also Beethoven allein auf dem Cover \u2013 auch wenn in diesem Fall nicht <em>nur<\/em> Beethoven drin ist, wo Beethoven drauf steht. Aber dies wird vom Herausgeber Egon Voss selbstverst\u00e4ndlich in aller gebotenen Ausf\u00fchrlichkeit im Vorwort dargelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beethoven-Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, fast alles &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2020\/10\/26\/echt-beethoven-oder-doch-nicht-ganz-echtheitsfragen-bei-beethoven\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[293,3],"tags":[7,263],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9067"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9067"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9086,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9067\/revisions\/9086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}