{"id":9221,"date":"2021-02-01T08:00:59","date_gmt":"2021-02-01T07:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9221"},"modified":"2021-02-02T08:23:06","modified_gmt":"2021-02-02T07:23:06","slug":"botzen-diess-sauloch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/02\/01\/botzen-diess-sauloch\/","title":{"rendered":"\u201eBotzen die\u00df Sauloch\u201c. Warum es kein \u201eBozener Streichquartett\u201c von Mozart gibt."},"content":{"rendered":"<p>Als Vater und Sohn Mozart Ende Oktober 1772 zum dritten und letzten Mal auf der Durchreise mit Ziel Mailand durch die S\u00fcdtiroler Stadt Bozen kamen, war der Wolferl hungrig und schlechter Laune. Anders l\u00e4sst sich sein derber Reim auf diese wundersch\u00f6ne Stadt nicht erkl\u00e4ren: \u201ebotzen die\u00df Sauloch. || Ein gedichte von einen der \u00fcber botzen fuchs=te\u00fcfel wild und harb war.[:] soll ich noch komen nach botzen | so schlag ich mich lieber in d&#8217;fozen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_9223\" style=\"width: 521px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9223\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9223\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1.jpg\" alt=\"\" width=\"511\" height=\"161\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1.jpg 1027w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1-300x95.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1-1024x323.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/1-768x242.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 511px) 100vw, 511px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9223\" class=\"wp-caption-text\">Aus: Mozart, Briefausgabe Online, <a href=\"https:\/\/dme.mozarteum.at\/DME\/briefe\/letter.php?mid=825&amp;cat=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg<\/a>. (Brief vom 28. Oktober 1772)<\/p><\/div>\n<p><!--more-->Angeblich komponierte Wolfgang Amadeus Mozart an diesem Tag in Bozen aus Langeweile ein Streichquartett: \u201eDer Wolfg: befindet sich auch wohl; er schreibt eben f\u00fcr die lange Weile ein quatro\u201c. So steht es in dem Brief vom 28. Oktober 1772, den Leopold Mozart aus Bozen an seine Ehefrau schrieb, und zu dem der \u201efuchs=te\u00fcfel wilde\u201c Sohn den grob-humorvollen Nachtrag verfasste.<\/p>\n<p>Zwei hartn\u00e4ckig sich haltende Behauptungen in diesem Zusammenhang seien im Folgenden widerlegt: Weder handelt es sich bei diesem \u201equatro\u201c gesichert um das Streichquartett in D-dur KV 155, noch gibt es \u00fcberhaupt ein regelrechtes \u201eBozener Streichquartett\u201c von Mozart.<\/p>\n<p><strong>Zur Nr. 1 des Zyklus KV 155\u2013160:<\/strong><\/p>\n<p>Wieder und wieder liest man, es handele sich beim von Leopold Mozart erw\u00e4hnten aus \u201elanger Weile\u201c heraus entstandenen \u201equatro\u201c um Mozarts D-dur-Quartett KV 155. \u201eSchuld\u201c daran hat vermutlich der \u2013 bis heute falsche \u2013 Eintrag im K\u00f6chel-Verzeichnis (\u00a9 1964, S. 159), der das Quartett von den anderen Werken der Serie chronologisch abtrennt, unter KV 134a (155) listet und mit Alfred Einstein die Briefstelle von Leopold kommentiert: \u201eZweifellos [!] handelt es sich um 134a (155)\u201c. Dabei hat schon Wolfgang Plath in seinem Vorwort zur einschl\u00e4gigen Edition im Rahmen der \u201eNeuen Mozart-Ausgabe\u201c (NMA, VIII\/20, Abt. 1\/1, Streichquartette \u00a9 1966) vor m\u00f6glichen Kurzschl\u00fcssen gewarnt: \u201eJedes Quartett beginnt mit einer neuen Papierlage: es deutet also nichts zwingend darauf hin, da\u00df die Entstehung der einzelnen Glieder in ihrer jetzigen Anordnung gedacht werden mu\u00df \u2013 im Gegenteil\u201c (NMA-Vorwort, S. X).<\/p>\n<p>Der Irrtum f\u00fcr die voreilige Zuschreibung basiert auf der autographen Titelei von KV 155 (134a):<\/p>\n<div id=\"attachment_9224\" style=\"width: 1307px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9224\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9224 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"1297\" height=\"977\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2.jpg 1297w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2-300x226.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2-1024x771.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/2-768x579.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1297px) 100vw, 1297px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9224\" class=\"wp-caption-text\">Autograph KV 155, 1. Seite, aus: <a href=\"https:\/\/www.omifacsimiles.com\/brochures\/moz_qu155.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OMI Facsimile editions<\/a>.<\/p><\/div>\n<p>Deutlich erkennt man die \u00dcberschrift \u201eQuartetto I\u201c (die \u201eI\u201c ist aus urspr\u00fcnglich \u201ep[ri]<sup>mo<\/sup>\u201c korrigiert). Also muss doch Mozart just dieses Quartett als erstes von den Sechsen (in Bozen) komponiert haben? Doch Vorsicht: Die Titelei \u201eQuartetto\u201c hier und zu den f\u00fcnf anderen Werken (bei KV 156 und KV 160 liest man \u201eQuartett\u201c, was Leopold sp\u00e4ter durch Hinzuf\u00fcgung des \u201eo\u201c italianisierte), k\u00f6nnte Mozart erst nachtr\u00e4glich angebracht haben, denn er schreibt sie ungew\u00f6hnlicherweise stets an derselben Stelle links oben jeder ersten Quartett-Seite, wie schematisch, also m\u00f6glicherweise erst in einem nachtr\u00e4glichen Durchgang. Und die r\u00f6mischen Ordnungsziffern hinter dem autographen \u201eQuartetto\u201c stammen ohnehin h\u00f6chstwahrscheinlich von seinem Vater, der sie ganz offenkundig (in typisch verdickter Schreibweise, r\u00f6misch) sp\u00e4ter nachtrug: die Ziffern stehen unverbunden zur Titelei.<\/p>\n<p>Von den Autographen der sechs \u201eMail\u00e4nder Quartette\u201c KV 155\u2013160, heute im Eigentum der Berliner Staatsbibliothek, Preu\u00dfischer Kulturbesitz, wurde im Jahr 2006 ein sch\u00f6nes Faksimile ver\u00f6ffentlicht, das heute leider nur noch <a href=\"https:\/\/www.omifacsimiles.com\/brochures\/moz_qu155.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">antiquarisch<\/a> erh\u00e4ltlich ist. Dessen wissenschaftliche Kommentierung l\u00e4sst allerdings erheblich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig [1].<\/p>\n<p>Jedes der sechs Quartette entstand also zun\u00e4chst einmal f\u00fcr sich separat und zwar ohne Datierung, ohne Signierung, vermutlich ohne Titelei und ganz sicher ohne r\u00f6mische Ziffer. Eine Ziffer \u201eI\u201c \u2013 zu welchem Quartettkopf auch immer \u2013 w\u00e4re ja in Bozen noch ganz unsinnig oder zumindest voreilig gewesen, denn es gab keinen Plan f\u00fcr einen Zyklus von sechs Werken, als sich Mozart in Bozen an die Arbeit zu einem \u201equatro\u201c machte. Darauf weist das arg beil\u00e4ufige \u201eaus lange Weile\u201c von Leopold Mozart hin. W\u00e4re n\u00e4mlich bereits auf dem Weg nach Mailand ein veritabler Zyklus von sechs Streichquartetten geplant gewesen, h\u00e4tte Leopold Mozart dar\u00fcber in anderem Tonfall und in anderer Wortwahl berichtet.<\/p>\n<p>Nein, erst als die sechs Quartette weitgehend oder gar insgesamt fertiggestellt waren, bedurfte es einer Ordnung, einer nachtr\u00e4glich festzulegenden verbindlichen Reihenfolge \u2013 vielleicht f\u00fcr einen geplanten Druck? Die Kenner unter meinen Lesern m\u00f6gen an dieser Stelle unter Hinweis auf die offenkundig systematische Tonartenfolge der Serie vielleicht widersprechen wollen: deutet denn nicht die planvolle Anlage im streng abfallenden Quintenzirkel auf eine \u2013 bereits in Bozen geborene \u2013 Kompositionsreihenfolge: D &#8211; G &#8211; C &#8211; F &#8211; B &#8211; Es. Ich meine nein. Denn wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, welche Tonarten Mozart prinzipiell f\u00fcr Werke der Gattung Streichquartett nutzt (also f\u00fcr geeignet hielt), dann reduziert sich sein Tonartenvorrat &#8211; in Dur &#8211; auf ohnehin ausschlie\u00dflich sieben (!) M\u00f6glichkeiten: C, D, Es, F, G, A, B. (Die beiden Moll-Quartette Mozarts KV 173 und 421 stehen in d-Moll.) Keine andere Tonart kommt in Mozarts gesamten Streichquartett-Oeuvre vor. In unserem Fall (es \u201efehlt\u201c ein A-dur-Quartett) h\u00e4tte er, nur um einige von mehreren m\u00f6glichen nachtr\u00e4glichen Beispielanordnungen zu geben, seine sechs in Mailand komponierten Streichquartette auch in aufsteigenden Quinten ab Es-dur, in aufsteigenden Sekunden ab B-dur oder in aufsteigenden Terzen ab C-dur anordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nebenbei: Letztgenanntes Prinzip der aufsteigenden Terzenreihung erkennen wir \u00fcbrigens in Mozarts wenige Monate sp\u00e4ter in Wien (Sommer 1773) komponiertem Streichquartettzyklus KV 168\u2013173, zumindest tendenziell: F &#8211; A &#8211; C &#8211; Es &#8211; B &#8211; d. Wegen der Einbindung des d-Moll-Quartetts KV 173 (statt des \u201efehlenden\u201c G-dur-Quartetts, das tonartlich viel besser in die Reihe passen w\u00fcrde) h\u00e4tte er das Terzen-Ordnungssystem mit dem B-dur-Quartett er\u00f6ffnen m\u00fcssen, um systematisch zu bleiben: B \u2013 d &#8211; F &#8211; A &#8211; C \u2013 Es. Aber das d-moll-Quartett als \u201ekr\u00f6nender\u201c Abschluss der Serie war ihm interessanter Weise doch wichtiger, als die Konsequenz der systematischen Tonartenreihung.<\/p>\n<p>In der obigen Abbildung erkennt man schlie\u00dflich noch ein weiteres Indiz f\u00fcr sicherlich nachtr\u00e4gliches Festlegen der Nummer 1 der Serie: Mozart korrigiert hier n\u00e4mlich den falschen Plural \u201eViole\u201c zu \u201eViola\u201c, und er erg\u00e4nzt zur ambivalenten Funktionsbezeichnung \u201eBasso\u201c das konkret im solistischen Streichquartett gemeinte Instrument: \u201eVioloncello\u201c. Doch unkorrigiert falsch belie\u00df Mozart seinen Instrumentenvorsatz bei KV 158 (\u201eViole\u201c und \u201eBassi\u201c) und bei KV 159 (\u201eBasso\u201c). Die finale Korrektur allein auf der ersten Seite von KV 155 soll also f\u00fcr alle sechs Quartette einheitliche G\u00fcltigkeit haben. Oder anders herum: Weil KV 155 nachtr\u00e4glich als Nr. 1 festgelegt wurde, musste Mozart den Instrumentenvorsatz nur dieses Quartetts entsprechend korrigieren bzw. justieren. (Auf die gattungshistorisch interessante Besetzungsthematik der \u201eItalienischen Streichquartette\u201c geht ausf\u00fchrlicher mein Vorwort der bald erscheinenden Urtextausgabe ein: <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/suche\/?q=hn1120&amp;katalog=1&amp;setgeolang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Mozart, Streichquartette (Italienische Quartette und Salzburger Divertimenti<\/em><\/a>, Band 1, HN 1120 [Stimmenausgabe] und HN 7120 [Taschenpartitur]).<\/p>\n<p>Dass Mozart also in Bozen ausgerechnet das D-dur-Quartett KV 155 komponiert hat, trifft mit einer Wahrscheinlichkeit von exakt 1\/6tel oder knapp 17% zu. Aber Mozart hat in Bozen gar kein veritables Quartett komponiert.<\/p>\n<p><strong>Zum sogenannten \u201eBozener Quartett\u201c:<\/strong><\/p>\n<p>Alle sechs Quartette sind auf identischem Notenpapier niedergeschrieben. Es handelt sich um ein grobes, 10zeilig rastriertes Papier aus einer oberitalienischen Papierm\u00fchle, die in Alan Tysons Wasserzeichen-Katalog die Kennung \u201eWZ 30\u201c erhielt (NMA X\/33, Abteilung 2). Gem\u00e4\u00df Tyson hat Mozart dieses Papier \u201eerstmals Ende 1772 in Mailand gekauft und verwendet\u201c (Tyson, S. XXI). Wenn das zutrifft \u2013 und wer wollte an der Autorit\u00e4t Alan Tysons in diesen Fragen zweifeln? \u2013 dann kann keines der fraglichen Quartette in Bozen oder sonstwo bereits auf der Reise nach Mailand komponiert und niedergeschrieben worden sein. Mozart hat also vermutlich in Bozen, schlecht gelaunt, seine freie Zeit bestenfalls zur Skizzierung oder zur Niederschrift erster Ideen und Entw\u00fcrfe f\u00fcr ein Streichquartett genutzt (Leopold sagt \u201eschreibt &#8230; ein quatro\u201c, jedoch sind keinerlei Manuskript-Spuren davon \u00fcberkommen). Ob diese Vorstufen \u00fcberhaupt dann sp\u00e4ter in eines der sechs Quartette eingeflossen ist, bleibt Spekulation.<\/p>\n<p>Wenn sein Sohn in Bozen \u00fcberhaupt etwas aufschrieb! Denn \u201eKomponieren\u201c hie\u00df ja nach Mozarts eigenem Verst\u00e4ndnis nicht zwangsl\u00e4ufig \u201eaufschreiben\u201c:<\/p>\n<div id=\"attachment_9225\" style=\"width: 1382px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9225\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9225 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"1372\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3.jpg 1372w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3-300x43.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3-1024x146.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/01\/3-768x110.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1372px) 100vw, 1372px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9225\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/dme.mozarteum.at\/DME\/briefe\/letter.php?mid=1139&amp;cat=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mozarts Brief<\/a> vom 30.12.1780 aus M\u00fcnchen an seinen Vater.<\/p><\/div>\n<p>\u201e&#8230; Nun mu\u00df ich schliessen, den ich mu\u00df \u00fcber hals und kopf schreiben \u2013 komponirt ist schon alles \u2013 aber geschrieben noch nicht\u201c<\/p>\n<p>Die sechs Quartette entstanden also erst in Mailand, und ich gehe davon aus, dass dies schlicht aus Zeitgr\u00fcnden erst nach der Urauff\u00fchrung der umfangreichen Opera seria \u201eLucio Silla\u201c (Ende Dezember 1772) der Fall war, also erst nachdem der eigentliche Anlass der Reise erledigt war. Und genau in dieser Phase, n\u00e4mlich Anfang 1773, hatte Mozart jede Menge Zeit zur Komposition solcher Gelegenheitswerke. Die nach der Jahreswende l\u00e4ngst f\u00e4llige R\u00fcckreise an den Salzburger Hof wurde vors\u00e4tzlich durch allerlei Ausreden (v.a. durch vorgeschobene Gesundheitsprobleme des Vaters) hinausgez\u00f6gert. Leopold Mozart erhoffte sich n\u00e4mlich sehnlichst Nachricht zu einer von ihm eingef\u00e4delten, angestrebten Anstellung seines Sohnes am Toskanischen Hof zu erhalten. Die Wartezeit wurde sinnvoll u.a. mit dem Komponieren der besagten Streichquartette genutzt. Und so vermeldet Leopold Mozart einen Monat vor Abreise erneut lapidar nach Salzburg: \u201eder Wolfg: schreibt ein Quartetto\u201c (Leopold Mozart an seine Ehefrau Maria Anna Mozart, Mailand, 6. Februar 1773). Als schlie\u00dflich die endg\u00fcltige Absage aus Florenz eintraf, reiste man Anfang M\u00e4rz zur\u00fcck nach Salzburg, die sechs Streichquartett-Autographe im Gep\u00e4ck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] So meint Giacomo Fornari zu erkennen, dass das G-dur-Quartett KV 156 viers\u00e4tzig sei (deutsche Fassung, S. 20); er \u00fcbersieht dabei v\u00f6llig die autographe Streichung und Ersetzung des langsamen Satzes und scheint die Werke, \u00fcber die er schreibt, also gar nicht zu kennen. Oder er behauptet (S. 20, Fu\u00dfnote 16), Wolfgang Plath habe die verdickten r\u00f6mischen Ziffern in den Titeleien einer fremden Hand zugewiesen, was weder zutrifft [die Ziffern stammen h\u00f6chstwahrscheinlich von Leopold Mozart, siehe oben] noch zitatm\u00e4\u00dfig stimmt [Plath \u00e4u\u00dfert sich in Fu\u00dfnote 22 seines NMA-Vorwortes wie folgt: \u201eM\u00f6glicherweise sind in den \u00dcberschriften die Ordnungsziffern <em>I<\/em> bis <em>VI<\/em> von Mozart nachtr\u00e4glich gesetzt\u201c]. Auch schwadroniert Fornari von der \u201eVielfalt der Farbt\u00f6ne der verwendeten Tinte\u201c (S. 20) und verkennt dabei, dass alle sechs Quartette inklusive aller Titeleien etc. von Mozarts Hand mit immer derselben mittelbraunen Tinte geschrieben wurden. Schlie\u00dflich gibt uns Fornari ein falsches Datum des Briefs von Leopold Mozart an (22.10.72 statt korrekt 28.10.72, siehe oben) und er zitiert in Fu\u00dfnote 17 \u00fcberraschender Weise meine Magister-Arbeit von 1987 mit dem Datum meiner Dissertation (1992), die er freilich beide nicht kennt. Fornari h\u00e4tte den 1989 erschienenen Kritischen Bericht des einschl\u00e4gigen NMA-Bandes zur Kenntnis nehmen m\u00fcssen; dort beschreibe ich die Handschriftenanteile der Autographe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Vater und Sohn Mozart Ende Oktober 1772 zum dritten &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/02\/01\/botzen-diess-sauloch\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[87,3,303,42,408],"tags":[802,34],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9221"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9221"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9231,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9221\/revisions\/9231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}