{"id":9436,"date":"2021-05-24T08:00:33","date_gmt":"2021-05-24T06:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9436"},"modified":"2021-05-21T09:41:37","modified_gmt":"2021-05-21T07:41:37","slug":"schuberts-wanderer-fantasie-und-die-herausforderungen-einer-urtext-edition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/05\/24\/schuberts-wanderer-fantasie-und-die-herausforderungen-einer-urtext-edition\/","title":{"rendered":"Schuberts Wanderer-Fantasie und die Herausforderungen einer Urtext-Edition"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Franz_Schubert.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-9445\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Franz_Schubert.jpg\" alt=\"\" width=\"126\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Franz_Schubert.jpg 706w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Franz_Schubert-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 126px) 100vw, 126px\" \/><\/a>In den bereits \u00fcber 70 Jahren seit Gr\u00fcndung unseres Verlagshauses haben sich immer wieder wunderbare freundschaftliche Verbindungen zu K\u00fcnstler*innen ersten Ranges ergeben, die sich h\u00e4ufig auch sehr fruchtbar auf unsere Editionsarbeit auswirken. Heute m\u00f6chte ich daf\u00fcr ein aktuelles Beispiel bringen, das uns auf die Spur einer Neubewertung unserer Edition von Schuberts Wanderer-Fantasie f\u00fchrte.<!--more--><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich h\u00f6rten wir von dem wunderbaren Pianisten und Mozarteums-Professor Claudius Tanski \u2013 schon seit langem Freund des Verlags \u2013, dass er auf YouTube seine 1988 ver\u00f6ffentlichte Einspielung dieses Meisterwerks hochgeladen hatte und dazu den Notentext <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Fantasie+C-dur+op.+15+D+760_282\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unserer Urtextausgabe<\/a> von 1974 mitlaufen lie\u00df. Eine n\u00fctzliche Sache f\u00fcr den H\u00f6rer, der gleichzeitig die Ausgabe mitverfolgen kann.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Franz Schubert : Wanderer-Fantasie C - Major op. 15, D 760 Claudius Tanski, Piano\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3mU1sMDjIeY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Claudius Tanskis Einspielung auf YouTube<\/em><\/p>\n<p>Als Claudius Tanski uns von seinem Youtube-Projekt erz\u00e4hlte, erw\u00e4hnte er auch, dass er auf der letzten Seite der Noten eine geschickte Handverteilungsl\u00f6sung f\u00fcr eine sehr schwierige Arpeggio-Stelle gefunden hatte, die er gleich im Youtube-Video mit in die Noten eingezeichnet hatte. Das rief mich auf den Plan: Warum nicht Prof. Tanski bitten, uns f\u00fcr unsere <a href=\"https:\/\/www.henle-library.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henle Library App<\/a> seine kompletten Fingers\u00e4tze zur Fantasie zur Verf\u00fcgung zu stellen. Sicher gab es noch mehr raffinierte L\u00f6sungen, die es mitzuteilen lohnt?<\/p>\n<div id=\"attachment_9437\" style=\"width: 622px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9437\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9437 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski.jpg\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski.jpg 1068w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski-300x209.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/letzte-Seite-Tanski-768x536.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9437\" class=\"wp-caption-text\">Die letzte Seite aus Claudius Tanskis YouTube-Video<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9449\" style=\"width: 177px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/claudius-tanski_bearb.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9449\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9449\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/claudius-tanski_bearb.jpg\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/claudius-tanski_bearb.jpg 529w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/claudius-tanski_bearb-214x300.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9449\" class=\"wp-caption-text\">Claudius Tanski<\/p><\/div>\n<p>Kaum hatte er sich an die Arbeit gemacht, kamen nat\u00fcrlich \u2013 wir kennen es von ihm und vielen anderen nur so \u2013 umgehend auch Fragen zu unserem Notentext auf. Prof. Tanski hatte das Werk nach der Ausgabe der Universal Edition von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/paul-badura-skoda\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paul Badura-Skoda<\/a> von 1965 einstudiert, die laut Titel die \u201eErste Ausgabe nach dem Autograph\u201c war, also zu der Zeit eine kleine Sensation darstellte. Denn tats\u00e4chlich war es erst kurz zuvor in den USA wieder aufgetaucht und Badura-Skoda hatte Zugang zu dieser Quelle erhalten. In unserer Ausgabe, die 1974 erschien, herausgegeben vom damaligen Henle-Lektor <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/ernst-herttrich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst Herttrich<\/a>, hei\u00dft es im Vorwort ebenfalls, dass das Autograph die Hauptquelle der Edition war. Doch warum ist der Notentext an einigen Stellen nicht deckungsgleich, sondern pr\u00e4sentiert sogar gelegentlich andere Noten?<\/p>\n<p>Nun, der Antwort kommt man nur n\u00e4her, wenn man versucht, sich \u00fcber den Wert der zu Schuberts Lebzeiten 1823 erschienenen Erstausgabe Klarheit zu verschaffen. Beginnen wir zun\u00e4chst mit den Indizien im Autograph (von dem wir hier leider keine Reproduktionen bringen k\u00f6nnen, da es sich zurzeit in Privatbesitz befindet). Es besteht kein Zweifel, dass es dem Originalverleger Cappi &amp; Diabelli als Stichvorlage zur Verf\u00fcgung stand, denn es enth\u00e4lt die leicht identifizierbaren Eintragungen zur Sticheinteilung und auf der Titelseite mehrere Eintragungen von fremder Hand, etwa \u201e21 oder 22 Platten quer\u201c, die nur vom Verlag stammen k\u00f6nnen. An zahlreichen Stellen wurde mit Bleistift in den von Schubert mit Tinte niedergeschriebenen Notentext eingegriffen, um etwa schlecht lesbare Stellen zu verdeutlichen. Anton Diabelli, selbst profilierter Komponist, \u00fcbernahm offensichtlich f\u00fcr den Verlag eine eigene Durchsicht des recht fl\u00fcchtig notierten, mit Korrekturen und Streichungen \u00fcbers\u00e4ten Manuskriptes, denn er strich eine ganze Seite und f\u00fcgte eine von ihm neu notierte Seite hinzu. Auch wenn an verschiedenen Stellen in der Literatur festgestellt wird, dass wir aus diesem Befund schlie\u00dfen k\u00f6nnen, dass Schubert selbst in den Druckprozess eingebunden war und Korrektur las, so scheint es daf\u00fcr keinen anderen direkten Beweis als die hier dargestellte Sachlage hinsichtlich des Zustands des Autographs zu geben. Es liegt nahe, dass Schubert allein aufgrund der \u00f6rtlichen N\u00e4he in Wien involviert war. Und einige, weiter unten behandelte \u00c4nderungen im Notentext des Drucks deuten auf die eingreifende Hand des Komponisten hin. Unverkennbar ist allerdings auch, dass der Stecher zahlreiche Fehler in den Notentext brachte, die Schubert \u2013 sollte er tats\u00e4chlich Korrektur gelesen haben \u2013 schlichtweg \u00fcbersah.<\/p>\n<div id=\"attachment_9438\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9438\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9438 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA.jpg 1070w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA-300x219.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA-1024x746.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Titelseite-EA-768x560.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9438\" class=\"wp-caption-text\">Titelseite der Erstausgabe<\/p><\/div>\n<p>Nach meiner Meinung l\u00e4sst der Befund der beiden Quellen nur einen Schluss zu: Wenn man Schuberts Hand hinter einigen Abweichungen in der Erstausgabe vermutet, so stellt dieser Druck zumindest die intendierte Fassung letzter Hand dieses Werks dar. Nat\u00fcrlich sind s\u00e4mtliche Abweichungen zwischen den Quellen zu bewerten und zu dokumentieren und es ist schlie\u00dflich zu entscheiden, welcher Hauptnotentext in einer kritischen Ausgabe niedergelegt wird. Interessant ist es nun zu sehen, wie unterschiedlich die neueren Ausgaben mit diesem Sachverhalt umgingen. Vor Badura-Skodas Ausgabe stand das Autograph nicht zur Verf\u00fcgung, man musste also letztlich zwangsweise nach dem Erstdruck edieren und den musikalischen Verstand einsetzen, um Unstimmigkeiten und Fehlern auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>Badura-Skoda selbst schreibt zu seiner Ausgabe: \u201eDie vorliegende Ausgabe gibt dieses Werk erstmalig nach dem Autograph wieder [\u2026]. Au\u00dferdem wurde der 1823 erschienene Erstdruck [\u2026] zum Vergleich herangezogen.\u201c Das Autograph war also Hauptquelle, der Erstdruck Nebenquelle. Umso erstaunlicher ist es nun allerdings, dass Badura-Skoda an manchen Stellen stillschweigend (!) dennoch die Lesarten der Erstausgabe \u00fcbernimmt. F\u00fcr ihn als profunden Musiker und Schubert-Kenner waren diese Entscheidungen so offensichtlich, dass sich seines Erachtens ein Kommentar er\u00fcbrigte. Die wichtigsten Abweichungen zwischen den Quellen verzeichnete er allerdings \u2013 und das ist hervorragend \u2013 in Fu\u00dfnoten im Notentext. Er lie\u00df also letztlich offen, welchen Stellenwert die Erstausgabe tats\u00e4chlich hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_9439\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Badura-Skoda.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9439\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9439 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Badura-Skoda.jpg\" alt=\"\" width=\"610\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Badura-Skoda.jpg 868w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Badura-Skoda-300x97.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Badura-Skoda-768x249.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9439\" class=\"wp-caption-text\">Eine von Paul Badura-Skoda kommentierte Stelle<\/p><\/div>\n<p>Ernst Herttrich, der Herausgeber unserer Urtextausgabe, der laut seinem kurzen Vorwort das Autograph zur \u201eHauptquelle\u201c machte und die Erstausgabe \u201enur in Zweifelsf\u00e4llen zu Rate\u201c zog, ging offensichtlich zu radikal vor. Zwar vermeidet er sehr strikt eine Quellenvermischung im Notentext und richtet sich streng nach dem Text des Autographs \u2013 womit er meines Erachtens die Quellenbewertung auf den Kopf stellte \u2013, aber er geht nur in einer einzigen Fu\u00dfnote auf die augenf\u00e4lligen \u00c4nderungen im Erstdruck ein (T. 142). Gleichwohl bietet er immerhin in den Bemerkungen am Ende der Ausgabe f\u00fcr die Studierwilligen unter den Pianisten eine Liste der auff\u00e4lligen Abweichungen im Druck, ohne diese weiter zu bewerten.<\/p>\n<div id=\"attachment_9440\" style=\"width: 625px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9440\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9440 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich.jpg\" alt=\"\" width=\"615\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich.jpg 2031w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich-300x90.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich-1024x307.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich-768x230.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Kommentar-Herttrich-1536x460.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9440\" class=\"wp-caption-text\">Eine von Ernst Herttrich kommentierte Stelle<\/p><\/div>\n<p>1984 schlie\u00dflich, zehn Jahre nach der Ver\u00f6ffentlichung unserer Urtextausgabe, erschien der von Christa Landon und Walther D\u00fcrr vorgelegte Band der Schubert Gesamtausgabe und hier nun findet sich eine Quellenbewertung, die die Erstausgabe geb\u00fchrend in die Edition mit einbezieht: \u201e\u00dcber die vom Komponisten beabsichtigte Lesart konnte jedoch kaum ein Zweifel aufkommen, einige wenige Stellen ausgenommen, bei denen die Erstausgabe vom Autograph abweicht, bei denen sich also die Frage stellt, ob die Varianten auf \u00c4nderungen Schuberts in den Korrekturabz\u00fcgen der Erstausgabe oder auf ein Versehen des Stechers zur\u00fcckgehen.\u201c<\/p>\n<p>Schauen wir uns zwei der fraglichen Stellen an, auf die uns nat\u00fcrlich auch Claudius Tanski aufmerksam machte:<\/p>\n<div id=\"attachment_9441\" style=\"width: 614px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9441\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9441 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102.jpg 1938w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102-300x141.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102-1024x480.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102-768x360.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Badura-Skoda-T.-102-1536x720.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9441\" class=\"wp-caption-text\">Badura-Skodas Edition des Taktes 102<\/p><\/div>\n<p>Takt 102: Im Autograph ist der letzte Akkord der linken Hand als E-dur-Akkord in Grundstellung notiert, in der Erstausgabe dagegen mit der Sept <em>d<\/em> als Bassnote (<em>d<\/em>\/<em>gis<\/em>\/<em>h<\/em>). Der Reiz der Lesart im Druck liegt in der Tatsache, dass die Leitton-Sept im n\u00e4chsten Takt zur Terz <em>c<\/em> von a-moll aufgel\u00f6st wird. Die Lesart des Autographs wirkt dagegen \u201eschw\u00e4cher\u201c. Liegt nun hier ein Stichfehler vor oder hat Schubert diesen Akkord f\u00fcr den Druck ge\u00e4ndert? Wir werden es vermutlich nie wissen. Landon\/D\u00fcrr gehen von einem Stichfehler aus und notieren die Lesart des Autographs. Herttrich notiert ebenfalls die L\u00f6sung des Autographs und weist in den Bemerkungen auf die Lesart im Druck hin, ohne diese weiter zu bewerten. Badura-Skoda bringt den Akkord sogar in einem ossia-System im Notentext samt Fu\u00dfnote, da er sich wohl der Attraktivit\u00e4t der Lesart im Druck durchaus bewusst war.<\/p>\n<div id=\"attachment_9442\" style=\"width: 625px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9442\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9442 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152.jpg\" alt=\"\" width=\"615\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152.jpg 1384w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152-300x70.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152-1024x239.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/05\/Herttrich-T.-152-768x179.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9442\" class=\"wp-caption-text\">Takt 152 aus unserer Ausgabe mit der unangenehmen Oktave g1\/g2<\/p><\/div>\n<p>Takt 152: Im Autograph notierte Schubert zun\u00e4chst die 16tel-Passage der rechten Hand in Oktaven <em>g<\/em><sup>1<\/sup>\/<em>g<\/em><sup>2<\/sup> etc., strich aber anschlie\u00dfend die unteren Noten, da die Stelle im schnellen Tempo kaum auszuf\u00fchren sein w\u00fcrde. Nicht durchgestrichen ist allerdings das allererste <em>g<\/em><sup>1<\/sup>, vermutlich um eine regelgerechte Aufl\u00f6sung des <em>fis<\/em><sup>1<\/sup>-Leittons im Takt zuvor zu bewerkstelligen. Damit bleibt die Stelle in der Ausf\u00fchrung weiterhin unangenehm. In der Erstausgabe ist auch dieses <em>g<\/em><sup>1 <\/sup>nicht mehr vorhanden, vermutlich weil Schubert (oder doch vielleicht Diabelli?) die technische Schwierigkeit ausmerzen wollte. Badura-Skoda und Landon\/D\u00fcrr \u00fcbernehmen hier die Lesart der Erstausgabe, ohne in irgendeiner Weise auf die Lesart des Autographs zu sprechen zu kommen. Herttrich \u00fcbernimmt in seiner strengen Vorgehensweise die Lesart des Autographs, verweist immerhin in den Bemerkungen aber auf die Abweichung im Druck.<\/p>\n<p>Fazit aus alldem: Eine Revision unsere Urtextausgabe wird sich lohnen! Danke, Claudius Tanski, f\u00fcr den inspirierenden Austausch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den bereits \u00fcber 70 Jahren seit Gr\u00fcndung unseres Verlagshauses &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/05\/24\/schuberts-wanderer-fantasie-und-die-herausforderungen-einer-urtext-edition\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[811,301,312],"tags":[812],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9436"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9436"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9454,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9436\/revisions\/9454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}