{"id":9700,"date":"2021-11-22T08:00:20","date_gmt":"2021-11-22T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9700"},"modified":"2021-11-19T07:41:39","modified_gmt":"2021-11-19T06:41:39","slug":"eine-urtextausgabe-von-elgars-violin-chansons-was-tut-ein-herausgeber-wenn-es-nichts-zu-edieren-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/11\/22\/eine-urtextausgabe-von-elgars-violin-chansons-was-tut-ein-herausgeber-wenn-es-nichts-zu-edieren-gibt\/","title":{"rendered":"Eine Urtextausgabe von Elgars Violin-Chansons: Was tut ein Herausgeber, wenn es nichts zu edieren gibt?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-9706\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-scaled.jpg 1941w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-776x1024.jpg 776w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-768x1013.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-1165x1536.jpg 1165w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/HN-1477-2-1553x2048.jpg 1553w\" sizes=\"(max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Die Frage im Titel meines heutigen Blogs ist bewusst paradox und provozierend gestellt. Irgendetwas muss ja ediert worden sein, sonst g\u00e4be es nicht <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Chanson+de+nuit%2C+Chanson+de+matin+op.+15+f%C3%BCr+Violine+und+Klavier_1477\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diese wunderbare neue Urtextausgabe<\/a> im Katalog des G. Henle Verlags. Aber tats\u00e4chlich haben wir es bei dieser Edition mit einem philologischen Sonderfall zu tun, der auf den ersten Blick unproblematisch, ja fast m\u00f6chte ich sagen: erleichternd wirkt \u2013 sich bei n\u00e4herer Besch\u00e4ftigung allerdings als ziemlich unbequem entpuppt.<!--more--><\/p>\n<p>Die beiden Violinst\u00fccke <em>Chanson de nuit<\/em> und <em>Chanson de matin<\/em> von Edward Elgar geh\u00f6ren sicherlich zu den Evergreens des Geigenrepertoires. Wer nicht wei\u00df, worum es sich handelt, sollte einmal hier reinh\u00f6ren:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Daniel Hope &amp; Christoph Israel \u2013 Elgar: Chanson de nuit\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/FnTfVJETOxc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens beim <em>Chanson de matin<\/em> werden die meisten von Ihnen einen Aha-Effekt haben und sagen \u201eAch, DAS ist das <em>Chanson de matin<\/em>.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Chanson de matin No. 2, Op. 15\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/JiscDbxs3EA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Elgar sind mit diesen St\u00fccken f\u00fcr sein Instrument, die Violine, nach <em>Salut d\u2019amour<\/em> erneut zwei Ohrw\u00fcrmer gelungen, die aus unserem musikalischen Ged\u00e4chtnis nicht mehr wegzudenken sind.<\/p>\n<p>Die Parallele zum <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Salut+d%E2%80%99amour+op.+12+f%C3%BCr+Violine+und+Klavier_1188\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Salut d\u2019amour<\/em><\/a> ist nicht weit hergeholt, denn Elgar ahnte schon bei den Verhandlungen mit seinem Verleger Novello, dass die beiden neuen Werke einen vergleichbaren Erfolg haben w\u00fcrden wie das <em>Salut<\/em>. Damals (das Vorg\u00e4ngerwerk erschien 1889) war Elgar noch weniger erfahren auf dem Musikalienmarkt und hatte sich von seinem Verlag \u2013 in diesem Fall Schott \u2013 mit einem relativ geringen Pauschal-Honorar abspeisen lassen. Eine Entscheidung, die er sp\u00e4ter bereute, denn <em>Salut<\/em> entwickelte sich schon bald zu einem wahren Bestseller. Nun, fast 10 Jahre sp\u00e4ter, versuchte Elgar gegenzusteuern. Im Oktober 1897 bot er zun\u00e4chst <em>Chanson de nuit<\/em> dem Verlag Novello an und schrieb: \u201eIch <em>w\u00fcnschte<\/em>, Sie k\u00f6nnten Vertragsbestimmungen festlegen, die mir eine gewisse Gewinnbeteiligung zusichern w\u00fcrden: Das letzte von mir verfasste Violinst\u00fcck, das ich bedauerlicherweise vor einigen Jahren f\u00fcr einen geringen Festbetrag ver\u00e4u\u00dfert habe, verkauft sich jetzt gut \u2013 meines Wissens wurden allein im Januar 3.000 Exemplare davon verkauft\u201c. Es half nichts, auch Novello \u00fcberredete Elgar zu einem Pauschalhonorar, das demjenigen von Schott sehr \u00e4hnlich war.<\/p>\n<div id=\"attachment_9702\" style=\"width: 242px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9702\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9702\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979.jpg 1993w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979-268x300.jpg 268w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979-916x1024.jpg 916w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979-768x858.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979-1375x1536.jpg 1375w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Sir_Edward_Elgar_1979-1833x2048.jpg 1833w\" sizes=\"(max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9702\" class=\"wp-caption-text\">Edward Elgar (1857\u20131934)<\/p><\/div>\n<p>Novello schaute sich sogar noch eine weitere Strategie von seinem Konkurrenzverlag ab. Elgar hatte <em>Salut d\u2019amour<\/em> urspr\u00fcnglich mit einem deutschen Titel \u00fcberschrieben: <em>Liebesgru\u00df<\/em>. Der Schachzug von Schott, diese \u00dcberschrift ins Franz\u00f6sische zu \u00fcbertragen, verhalf dem Werk vermutlich erst zum internationalen Erfolg. Und auch das 1897 ver\u00f6ffentliche <em>Chanson de nuit<\/em> hie\u00df urspr\u00fcnglich anders: <em>Evensong<\/em> sollte die Melodie laut Elgar hei\u00dfen. Erst Novello \u00fcberredet den Komponisten, auch diesen Titel zu \u00e4ndern. Zwei Jahre sp\u00e4ter, 1899, erschien schlie\u00dflich das <em>Chanson de matin<\/em>. Elgar schrieb diesmal an Novello: \u201eBeigef\u00fcgt \u00fcbersende ich das M.S. eines einfachen St\u00fccks f\u00fcr Violine und Klavier. Meiner Skizze (die ich letzte Woche gefunden und seitdem fertig ausgearbeitet habe) entnehme ich, dass es als Nebenst\u00fcck zu dem gedacht war, das Sie bereits haben. Der Titel wurde, wie Sie sich vielleicht erinnern, zu Chanson de Nuit ge\u00e4ndert \u2013 also habe ich vorgeschlagen, dieses ,heitere\u2018 St\u00fcck Chanson de Matin zu nennen\u201c.<\/p>\n<p>Wo aber liegen nun die eingangs angek\u00fcndigten editorischen Probleme? Erneut ziehe ich zum Vergleich <em>Salut d\u2019amour<\/em> heran. Denn die Quellen\u00fcberlieferung ist bei diesem St\u00fcck als ideal zu bezeichnen: Wir besitzen ein erstes Autograph von Elgars Hand, eine autographe Stichvorlage, in der Elgar sowohl die Klavierpartitur als auch die separate Violinstimme einzeln ausschrieb, eine Erstausgabe, die von Elgar autorisiert ist, und sogar (wie zum Beweis daf\u00fcr) ein Exemplar aus Elgars Besitz mit einer handschriftlichen Widmung an seine Frau Alice (siehe den <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/media\/review\/1188.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kritischen Bericht<\/a>). Und bei den <em>Chansons<\/em>? In diesem Fall sind allein die beiden Erstausgaben \u00fcberliefert, die sp\u00e4ter zu einer Doppelausgabe vereint und somit im B\u00fcndel verkauft wurden. Die Korrespondenz mit dem Verlag, aus der ich oben schon zitiert habe, zeigt, dass auch diese Ausgaben definitiv von Elgar autorisiert sind. Dennoch: Es ist bedauerlich, dass keinerlei autographes Material erhalten ist. Skizzen, Erstniederschriften, Stichvorlagen, all das muss als verschollen gelten.<\/p>\n<div id=\"attachment_9712\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9712\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9712\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-scaled.jpg 1707w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/IMG_0271_freigegeben-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9712\" class=\"wp-caption-text\">Rupert Marshall-Luck<\/p><\/div>\n<p>Worin liegt hierbei das Problem? Wir Urtextherausgeber suchen stets nach der sp\u00e4testen autorisierten Quelle, der Fassung letzter Hand, und legen diese Quelle unserer Ausgabe zugrunde. <a href=\"http:\/\/www.rupertmarshall-luck.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rupert Marshall-Luck<\/a>, unser Elgar-Experte, hat daher sowohl beim <em>Salut<\/em> als auch bei den <em>Chansons<\/em> die jeweilige Erstausgabe als Hauptquelle gew\u00e4hlt. Jede Quelle jedoch, sei sie noch so gut und autorisiert, weist allerdings Fehler oder zumindest Ungenauigkeiten auf. Haben wir weitere, fr\u00fchere Quellen, k\u00f6nnen wir diese Fehler einer sp\u00e4ten Quelle aufdecken und gegebenenfalls gem\u00e4\u00df der fr\u00fcheren \u00dcberlieferung korrigieren. Eine Vielzahl von Quellen kann daher einerseits verwirrend sein, andererseits erleichtert sie uns Herausgebern in vielen F\u00e4llen die Entscheidung. Der Notentext ist dann viel besser abgesichert.<\/p>\n<p>Was tut ein Herausgeber aber, wenn er nur eine einzige Quelle zur Verf\u00fcgung hat? Vereinfacht gesagt: die Quelle reproduzieren. \u00dcberall dort, wo Zweifel an der Richtigkeit einer Lesart aufkommen, muss er dann ohne weitere Quellenbasis entscheiden, ob er eingreift und \u00e4ndert oder eben nicht. Eine vermeintlich \u201eleichte\u201c Edition mit nur einer Quelle wird somit zu einem Risikounternehmen, denn immer besteht die Gefahr, diese Quelle willk\u00fcrlich zu verf\u00e4lschen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9708\" style=\"width: 1899px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9708\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9708 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff.jpg\" alt=\"\" width=\"1889\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff.jpg 1889w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff-300x81.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff-1024x275.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff-768x206.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_Vln-T.-43ff-1536x412.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1889px) 100vw, 1889px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9708\" class=\"wp-caption-text\">Chanson de nuit, Erstausgabe, T. 43 ff., separate Violinstimme<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9709\" style=\"width: 1992px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9709\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9709 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff.jpg\" alt=\"\" width=\"1982\" height=\"1678\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff.jpg 1982w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff-300x254.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff-1024x867.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff-768x650.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2021\/11\/Chanson-de-nuit_KlA_T.-43ff-1536x1300.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1982px) 100vw, 1982px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9709\" class=\"wp-caption-text\">Chanson de nuit, Erstausgabe, T. 43 ff., Klavierpartitur<\/p><\/div>\n<p>Rupert Marshall-Luck ist in unserer Ausgabe vorbildlich behutsam mit dieser misslichen Ausgangslage umgegangen. Es galt Parallelstellen zu vergleichen und zu \u00fcberlegen, ob Abweichungen der Erstausgabe Absicht oder Versehen sind. In einem n\u00e4chsten Schritt mussten die der Klavierpartitur \u00fcberlegte Violinstimme und die separat eingelegte Stimme miteinander verglichen werden. Denn wir k\u00f6nnen annehmen (wiederum auf der Grundlage von <em>Salut d\u2019amour<\/em>), dass Elgar f\u00fcr die Klavierpartitur und die einzelne Violinstimme getrennte autographe Stichvorlagen beim Verlag einreichte \u2013 es k\u00f6nnen also in beiden Quellenteilen autorisierte Lesarten \u00fcberliefert sein, bei denen es gilt, sich zu entscheiden und diese Entscheidung gut zu begr\u00fcnden. Rupert Marshall-Luck hat auf diese Weise viele Abweichungen vor allem im Bereich von Dynamikangaben entdeckt (siehe beispielsweise T. 43 ff.) und dabei festgestellt, dass die separate Violinstimme der Erstausgabe idiomatischer und schl\u00fcssiger bezeichnet ist als die \u00fcberlegte Stimme in der Klavierpartitur. Umgekehrt fehlen vereinzelt Dynamikangaben in der separaten Violinstimme, die aus der Klavierstimme \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen. All diese Entscheidungen hat sich Rupert Marshall-Luck nicht leicht gemacht, und weil autographe Quellen zur Best\u00e4tigung fehlen, sind s\u00e4mtliche Feinjustierungen dieser Art in den <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/media\/review\/1477.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einzelbemerkungen unserer Edition<\/a> nachgewiesen.<\/p>\n<p>Es gab also doch etliches zu \u201eedieren\u201c (um die Eingangsfrage wieder aufzugreifen). Der Bemerkungsteil ist ein Zeugnis dieses Mosaiks von Einzelentscheidungen \u2013 das allerdings ein \u00e4u\u00dferst \u00fcberzeugendes Gesamtbild liefert und somit einen sehr zuverl\u00e4ssigen und gut abgesicherten Notentext dieser beiden charmanten Violin-Melodien liefert. Wir w\u00fcnschen viel Vergn\u00fcgen bei der Neuentdeckung dieser beiden <em>Chansons<\/em>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage im Titel meines heutigen Blogs ist bewusst paradox &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2021\/11\/22\/eine-urtextausgabe-von-elgars-violin-chansons-was-tut-ein-herausgeber-wenn-es-nichts-zu-edieren-gibt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,321,88,339,3],"tags":[826,825],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9700"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9700"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9718,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9700\/revisions\/9718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}