{"id":9863,"date":"2022-03-28T08:00:35","date_gmt":"2022-03-28T06:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.henle.de\/blog\/de\/?p=9863"},"modified":"2022-03-24T12:28:27","modified_gmt":"2022-03-24T11:28:27","slug":"vier-stimmen-viele-fragen-zur-ueberlieferung-von-streichquartetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/03\/28\/vier-stimmen-viele-fragen-zur-ueberlieferung-von-streichquartetten\/","title":{"rendered":"Vier Stimmen, viele Fragen: Zur \u00dcberlieferung von Streichquartetten"},"content":{"rendered":"<p>Geneigte Besucherinnen und Besucher unserer diversen digitalen Plattformen wissen es schon: 2022 steht bei Henle unter dem Motto \u201e<a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/service\/neues-aus-dem-verlag\/henle4strings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henle4Strings<\/a>\u201c das Streichquartett im Mittelpunkt. H\u00f6chste Zeit also, dass auch unser Blog sich diesem Thema n\u00e4hert, zumal die Gattung \u2013 wenn man mal von der regelm\u00e4\u00dfigen Berichterstattung \u00fcber den Fortschritt am Gro\u00df-Projekt Mozart-Streichquartette absieht \u2013 in diesem Blog regelrecht unterbelichtet ist.<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Henle4Strings-Logo.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-9864 size-full\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Henle4Strings-Logo.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Henle4Strings-Logo.jpg 700w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Henle4Strings-Logo-300x126.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><!--more--><\/p>\n<p>Nur ein <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2012\/03\/27\/zur-dynamik-im-langsamen-satz-von-beethovens-streichquartett-op-59-nr-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar zu Beethovens Streichquartetten<\/a>, kein einziges Posting zu Haydns immerhin 68 Beitr\u00e4gen zur Gattung \u2013 wie kann das sein? Nun, das liegt schlicht daran, dass sich dieser Blog in der Regel der aktuellen Arbeit im Lektorat widmet. Die Ausgaben Beethovens und Haydns Quartetten jedoch geh\u00f6ren \u00fcberwiegend wenn nicht zum Urgestein des Verlags (das der Klavier- und Klavierkammermusik vorbehalten ist) so doch zu einer ziemlich tiefen Erdschicht in unserem Katalog. Sie entstanden teils schon in den 1970er-Jahren \u2013 als noch niemand ahnte, dass einmal ein Lektoren-Blog die regelm\u00e4\u00dfige Berichterstattung aus der Editionswerkstatt erlauben w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tten die Herausgeber der Quartette Joseph Haydns, von <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/georg-feder\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georg Feder<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/sonja-gerlach\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sonja Gerlach<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/horst-walter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Horst Walter<\/a> bis hin zu <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/james-webster\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">James Webster<\/a>, als Haydn-Experten und langj\u00e4hrige Mitwirkende an der <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/shop\/wissenschaft\/gesamtausgaben\/joseph-haydn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Joseph Haydn-Gesamtausgabe<\/a> sicherlich einiges zu erz\u00e4hlen gehabt zur problematischen \u00dcberlieferung der Quartette. Zum einen sind nicht alle im Autograph erhalten, zum anderen kursierten viele schon zu Haydns Lebzeiten in unautorisierten Abschriften oder Drucken, die einem wissenschaftlichen Herausgeber das Leben ganz sch\u00f6n schwer machen k\u00f6nnen. Aber wer wei\u00df: Vielleicht bringt das Jahr 2022 noch einen Nachtrag in diesem Sinne? Es dauert ja noch ein paar Wochen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-9875\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"318\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-300x211.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-1024x719.jpg 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-768x540.jpg 768w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-1536x1079.jpg 1536w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn_Streichquartette_2-2048x1439.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><\/a>Zum Einstieg in das Quartett-Thema m\u00f6chte ich aber nicht auf eine konkrete Lesarten-Frage eingehen, sondern die Aufmerksamkeit auf die typische \u00dcberlieferung und die damit zusammenh\u00e4ngenden Editionsprobleme lenken, mit denen wir uns bei dieser Gattung konfrontiert sehen. Denn im Gegensatz zur Klaviermusik, bei der der Komponist in der Regel auch zugleich der erste Interpret und beste Kenner seines Werkes ist und die \u00dcberlieferungskette Autograph \u2013 Stichvorlage \u2013 Erstausgabe meist in seiner Hand liegt, wird die Entstehung und Verbreitung von Kammermusik ohne Klavier mal mehr, mal weniger auch durch fremde H\u00e4nde beeinflusst.<\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt schon damit an, dass f\u00fcr die erste Auff\u00fchrung eines Quartetts gleich vier verschiedene Einzelstimmen auszuschreiben sind, bei denen auch der sorgf\u00e4ltigste Kopist einmal etwas vergisst oder sich verschreibt. Da diese Stimmen dann gerne auch als Vorlage f\u00fcr die Erstausgabe in Stimmen dienen \u2013 und solche Stimmendrucke bis ins 19. Jahrhundert meist auch die einzige zu Lebzeiten des Komponisten erschienene Ausgabe darstellen \u2013, bleiben solche M\u00e4ngel wom\u00f6glich lange unbemerkt, wenn keiner mehr ins Autograph schaut.<\/p>\n<p>So geisterte der Kopfsatz von Haydns <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartette+Heft+IX+op.+71+und+74+%28Apponyi-Quartette%29_213\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Streichquartett op. 71 Nr. 1<\/a> lange Zeit in einer merkw\u00fcrdigen Mischform durch die Musikwelt, bei der eine vom Komponisten im Autograph eingetragene \u00c4nderung in der Erstausgabe nur f\u00fcr Violine 1 \u00fcbernommen wurde, w\u00e4hrend die Unterstimmen unver\u00e4ndert blieben. Erst 1978 wurde mit Erscheinen des Werks in der Joseph Haydn-Gesamtausgabe dieser Irrtum von Georg Feder und Isidor Saslav aufgedeckt \u2013 und die endg\u00fcltige Werkgestalt dann in der darauf basierenden Henle-Urtext-Ausgabe endlich auch f\u00fcr die Praxis zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_9866\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9866\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9866 \" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe.png\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe.png 1333w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe-300x172.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe-1024x586.png 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN5332-Haydn-op.-71-Satz-I-T-103ff-Erstausgabe-768x440.png 768w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9866\" class=\"wp-caption-text\">Haydn, op. 71 Nr. 1, Satz I, Fassung der Erstausgabe.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9876\" style=\"width: 625px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn-Henle-Ausgabe.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9876\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9876\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn-Henle-Ausgabe.jpg\" alt=\"\" width=\"615\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn-Henle-Ausgabe.jpg 982w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn-Henle-Ausgabe-300x247.jpg 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Haydn-Henle-Ausgabe-768x633.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 615px) 100vw, 615px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9876\" class=\"wp-caption-text\">Haydn, op. 71 Nr. 1, Satz I, Henle Urtext-Ausgabe.<\/p><\/div>\n<p>Umgekehrt k\u00f6nnen aus dem Autograph kopierte Stimmen nat\u00fcrlich auch wichtige Informationen enthalten \u2013 wie es <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/wolf-dieter-seiffert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolf-Dieter Seiffert<\/a> bei seiner Edition von Mozarts <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartette%2C+Band+III+%28Haydn-Quartette%29_1122\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Streichquartett KV 421<\/a> feststellte: Hier zeigt ein Vergleich der zu Mozarts Lebzeiten erschienenen Erstausgabe mit dem Autograph zahlreiche Abweichungen, die nur auf den Komponisten zur\u00fcckgehen k\u00f6nnen. Vermutlich hat Mozart sie bei den ersten Auff\u00fchrungen in einen heute verschollenen handschriftlichen Stimmensatz eingetragen, der dann als Stichvorlage f\u00fcr die Erstausgabe diente. In sein Autograph hat er diese aber nicht r\u00fcck\u00fcbertragen, weswegen dieses bei der Edition nur noch bedingt herangezogen werden kann. Dass dies den Herausgeber beim Umgang mit gewissen rhythmischen Finessen wie dem \u201e<a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/07\/03\/durchgehend-lombardisch-zu-einem-winzigen-textproblem-in-mozarts-d-moll-streichquartett-kv-421\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">lombardischen Rhythmus<\/a>\u201c dann vor schwierige Entscheidungen stellen kann, steht auf einem andern Blatt bzw. Blog.<\/p>\n<p>Fragen ganz anderer Art stellten sich Herausgeber <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/egon-voss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Egon Voss<\/a> bei der Edition von zwei sp\u00e4ten Schubert-Streichquartetten, zu denen jeweils nur eine einzige Quelle vorlag: W\u00e4hrend f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartett+a-moll+op.+29+D+804+%28Rosamunde%29_849\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rosamunde-Quartett D 804<\/a> nur eine Erstausgabe in Stimmen existiert, die zahlreiche Unstimmigkeiten unter den vier Stimmen aufweist, ist das <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Streichquartett+G-dur+op.+post.+161+D+887_850\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G-dur-Quartett D 887<\/a> lediglich in einer ersten Niederschrift des Komponisten von 1826 \u00fcberliefert, der offensichtlich eine letzte redaktionelle Durchsicht des Komponisten fehlte. Bei der <em>Rosamunde<\/em> bestand die editorische Gratwanderung darin, bei offensichtlich unstimmigen Angaben zur Dynamik oder Artikulation a) eine stimmige Version zu edieren und b) die Musiker im Notentext darauf hinzuweisen, wenn auch eine andere Entscheidung denkbar w\u00e4re \u2013 was schon Thema eines <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2017\/11\/27\/rosamunde-quartett\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fr\u00fcheren Beitrags<\/a> war. Beim G-dur-Quartett hingegen zwang die fehlende Endredaktion des Komponisten den Herausgeber zu zahlreichen Erg\u00e4nzungen, bspw. in der Dynamik, die h\u00e4ufig nur \u00fcber der Violine 1 oder unter dem Violoncello notiert ist. Ob diese dann immer auf alle Instrumente zu \u00fcbertragen ist, dar\u00fcber kann man trefflich streiten \u2013 und am besten auf Grundlage unserer Urtext-Ausgabe, in der solche in fr\u00fcheren Ausgaben gerne stillschweigend getroffenen Entscheidungen auch erkennbar sind, weil die erg\u00e4nzten Zeichen in Klammern stehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9868\" style=\"width: 622px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Schubert-Quartett-G-dur-D-887-Satz-I-T.-31-43.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9868\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9868\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Schubert-Quartett-G-dur-D-887-Satz-I-T.-31-43.png\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Schubert-Quartett-G-dur-D-887-Satz-I-T.-31-43.png 974w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Schubert-Quartett-G-dur-D-887-Satz-I-T.-31-43-300x121.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/Schubert-Quartett-G-dur-D-887-Satz-I-T.-31-43-768x311.png 768w\" sizes=\"(max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9868\" class=\"wp-caption-text\">Schubert, Quartett G-dur D 887, <a href=\"https:\/\/digital.onb.ac.at\/RepViewer\/viewer.faces?doc=DTL_9421343&amp;order=1&amp;view=SINGLE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Autograph<\/a>, Satz I, T. 31\u201343.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9870\" style=\"width: 629px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN-9850-Schubert-Satz-I-T.-33-47.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9870\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9870\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN-9850-Schubert-Satz-I-T.-33-47.png\" alt=\"\" width=\"619\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN-9850-Schubert-Satz-I-T.-33-47.png 846w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN-9850-Schubert-Satz-I-T.-33-47-300x202.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN-9850-Schubert-Satz-I-T.-33-47-768x517.png 768w\" sizes=\"(max-width: 619px) 100vw, 619px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9870\" class=\"wp-caption-text\">Schubert, Quartett G-dur D 887, Henle Urtext-Ausgabe, Satz I, T. 33\u201347.<\/p><\/div>\n<p>Hat man bei Schuberts Quartetten eher zu wenig Quellen, so werden es in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts gerne mal zuviel, wenn zum Stimmendruck auch eine Partiturausgabe tritt und dann noch ein Arrangement f\u00fcr Klavier zu zwei oder vier H\u00e4nden. Da meist alles direkt auf den Autor zur\u00fcckgeht, existieren diese Werke also oft in mehreren autorisierten Erscheinungsformen. Zugleich \u00e4ndert sich der Umgang mit dem Arbeitsmaterial, so dass sich in den Tiefen der Archive nicht nur handschriftliches Auff\u00fchrungsmaterial und Stichvorlagen, sondern mitunter auch vom Komponisten durchgesehene Korrekturfahnen finden \u2013 von dem ausf\u00fchrlichen Briefverkehr eines Brahms, Dvo\u0159\u00e1k oder Smetana mit dem Verleger einmal abgesehen. So vervielf\u00e4ltigen sich die Quellen, die es bei einer Urtext-Ausgabe genau zu pr\u00fcfen gilt, bevor die Frage aller Fragen beantwortet ist: Welche Quelle dokumentiert die vom Komponisten intendierte Werkgestalt am besten?<\/p>\n<p>Herausgeber <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/der-verlag\/autoren\/milan-pospisil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Milan Posp\u00ed\u0161il<\/a> war daher vielleicht nicht ganz undankbar, als er bei der Edition von Smetanas <a href=\"https:\/\/www.henle.de\/de\/detail\/?Titel=Aus+meinem+Leben+-+Streichquartett+Nr.+1+e-moll_814\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Streichquartett \u201eAus meinem Leben\u201c<\/a> feststellte, dass eine f\u00fcr erste Auff\u00fchrungen erstellte Stimmenabschrift nicht erkennbar von Smetana autorisiert war und folglich keine editorische Relevanz hatte. Da Smetana offensichtlich w\u00e4hrend der Druckvorbereitung noch grunds\u00e4tzliche \u00c4nderungen wie einen Metrumswechsel im Kopfsatz vornahm, ist die Partiturerstausgabe Hauptquelle der Edition. Allerdings ist darin die Vielfalt der in Smetanas Autograph verwendeten akzentuierten Dynamikangaben wie <strong><em>sf<\/em><\/strong>, <strong><em>fz<\/em><\/strong>, <strong><em>sff<\/em><\/strong>, <strong><em>sffz<\/em><\/strong>, <strong><em>rfz<\/em><\/strong> oder <strong><em>rinfz<\/em><\/strong>. auf wenige Varianten nivelliert. Ein bedauerlicher Verlust an Expressivit\u00e4t in diesem hochemotionalen Werk, das die Klangm\u00f6glichkeiten der vier Streichinstrumente so beeindruckend einsetzt! Da es wenig wahrscheinlich ist, dass dies ein bewusste Entscheidung des Komponisten war, sondern eher eine (von ihm blo\u00df geduldete) Normierung seitens des Verlags anzunehmen ist, entschied sich der Herausgeber unserer Urtextausgabe in diesem Punkt f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zum Autograph \u2013 und bietet den Musikern damit wieder die ganze Palette klanglicher Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, die dem (zum Zeitpunkt der Niederschrift bereits ertaubten!) Komponisten damals vorschwebte.<\/p>\n<div id=\"attachment_9869\" style=\"width: 636px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-9869\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-9869\" src=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261.png\" alt=\"\" width=\"626\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261.png 1390w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261-300x207.png 300w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261-1024x707.png 1024w, https:\/\/blog.henle.de\/de\/files\/2022\/03\/HN9814-Smetana-Satz-VI-T.-195-261-768x530.png 768w\" sizes=\"(max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9869\" class=\"wp-caption-text\">Smetana, \u201eAus meinem Leben\u201c, Satz VI, T. 195\u2013261.<\/p><\/div>\n<p>Sind Sie neugierig geworden auf unsere Quartett-Ausgaben? Dann bleiben Sie dran, wenn in den kommenden Monaten auf diesem Blog von Beethoven bis Sch\u00f6nberg verschiedenste editorische Fragestellungen rund um das Streichquartett beleuchtet werden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geneigte Besucherinnen und Besucher unserer diversen digitalen Plattformen wissen es &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.henle.de\/de\/2022\/03\/28\/vier-stimmen-viele-fragen-zur-ueberlieferung-von-streichquartetten\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42],"tags":[694],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9863"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9863"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9888,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9863\/revisions\/9888"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.henle.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}