Der Nuss­kna­cker ist mit der Weih­nachts­zeit so eng ver­bun­den wie Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um, der Weih­nachts­baum und Leb­ku­chen. Ein Bal­lett­be­such ge­hört für viele Klas­sik­be­geis­ter­te zur fes­ten Tra­di­ti­on.

Tschai­kow­skys Bal­lett ba­siert auf dem Thea­ter­stück His­toire d’un cas­se-noi­set­te (Ge­schich­te eines Nuss­kna­ckers) von Alex­and­re Dumas, der darin die ori­gi­na­le Er­zäh­lung Nuss­kna­cker und Mau­se­kö­nig von E.T.A. Hoff­mann ver­ar­bei­tet.

Die Ge­schich­te von Clara, die zu Weih­nach­ten einen Nuss­kna­cker ge­schenkt be­kommt und mit dem sie in ihrem Traum Aben­teu­er er­lebt und dabei zu­nächst gegen den Mäu­se­kö­nig an­tre­ten muss und als Dank schließ­lich das Sü­ßig­kei­ten­land ken­nen­ler­nen darf, ist heute eben­so wie die Musik von Tschai­kow­sky welt­be­kannt. Dies ist in­so­fern be­mer­kens­wert, als die Ur­auf­füh­rung am 18. De­zem­ber 1892 im Ma­ri­in­ski-Thea­ter in Sankt Pe­ters­burg nicht von Er­folg ge­krönt war. Auch Tschai­kow­sky selbst war wäh­rend des Schaf­fens­pro­zes­ses vol­ler Zwei­fel über die mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät des Bal­letts und gab der par­al­lel ent­ste­hen­den Oper Jo­lan­the ein­deu­tig den Vor­zug.

Pjotr Il­jitsch Tschai­kow­ski (1840–1893)

Diese Sorge ist aus heu­ti­ger Zeit kaum noch nach­zu­voll­zie­hen. Ob­wohl Der Nuss­kna­cker heute aus dem Re­per­toire nicht mehr weg­zu­den­ken ist, brauch­te es ei­ni­ge Jahr­zehn­te, bis sich Tschai­kow­skys Bal­lett in der Welt eta­blie­ren konn­te. Erst durch die In­sze­nie­rung von Ge­or­ge Ba­lan­chi­ne Mitte der 1950er Jahre schaff­te das Werk den end­gül­ti­gen Durch­bruch.

Die fest­li­che Musik, die eine er­war­tungs­fro­he Stim­mung ver­brei­tet und den Zu­hö­rer mit in die Welt der Fan­ta­sie nimmt, ent­hält et­li­che Stü­cke mit Ohr­wurm­po­ten­ti­al, allen voran na­tür­lich den Tanz der Zu­cker­fee. Für die­ses Stück ver­wen­de­te Tschai­kow­sky erst­mals die Ce­les­ta, die er in Paris ken­nen­ge­lernt hatte. Um zu ver­hin­dern, dass ihm seine Kom­po­nis­ten-Kol­le­gen zuvor kamen, hielt Tschai­kow­sky das neu­ar­ti­ge In­stru­ment ge­heim.

Dass die Ge­schich­te des Nuss­kna­ckers auch heute noch sehr be­liebt ist, be­weist der Film Der Nuss­kna­cker und die vier Rei­che (orig: The Nut­cra­cker and the Four Re­alms) unter der Regie von Lasse Hall­ström und Joe Johns­ton, der An­fang No­vem­ber die­sen Jah­res in die Kinos kam. Ob­wohl die Film­hand­lung deut­lich von der Hand­lung des Bal­letts ab­weicht und an ei­ni­gen Stel­len an Alice im Wun­der­land er­in­nert, wird im Film ein kla­rer Bezug zu Tschai­kow­sky her­ge­stellt.

Ei­ner­seits sind zwei Bal­lett­sze­nen di­rekt in die Hand­lung in­te­griert, an­de­rer­seits ver­wen­det der Film­kom­po­nist James New­ton Howard ganz be­wusst die Musik von Tschai­kow­sky, nach ei­ge­ner Aus­sa­ge des Kom­po­nis­ten ganze 20% – für Klas­sik­fans eine schö­ne Über­ra­schung. Für die Auf­nah­men kamen Grö­ßen der klas­si­schen Musik wie Lang Lang und Gus­ta­vo Du­da­mel zum Ein­satz und selbst für die Bal­lett­sze­nen wurde nie­mand ge­rin­ge­res als Misty Co­pe­land en­ga­giert.

Da­durch dass die Musik der bei­den Kom­po­nis­ten wun­der­bar mit­ein­an­der har­mo­niert wird der Film zu einem mu­si­ka­li­schen Er­leb­nis und viel­leicht ge­sellt sich zu der Tra­di­ti­on des Bal­lett­be­suchs in der Weih­nachts­zeit die­ses Jahr auch ein Be­such im Kino.

Frohe Weih­nach­ten und ein gutes neues Jahr wün­schen

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