Wennʼs mal wieder eng wird – Lust und Leid der Urtext-Cover

Will man eine Henle-Ausgabe schnell beschreiben, so reicht ein Satz: Es sind die taubenblauen Notenhefte, auf deren Umschlag ohne jegliches Dekor nur Komponist und Titel stehen. Denn wo andere Verlage eine große Grafik-Abteilung beschäftigen und für verschiedene Komponisten, Epochen oder Besetzungen unterschiedlichste Schrifttypen, Designs und Illustrationen auswählen oder wenigstens die Farbe des Umschlagkartons variieren, herrscht bei Henle das strenge Regiment von B&B: Blauer Karton und der Schrift-Font Bodoni. Kann man über sowas einen Blog-Beitrag schreiben? Na klar! Denn zum einen ist es interessant, woher dieses reduktionistische Design kommt, zum anderen können wir Lektoren ein Lied davon singen, wie schwierig es manchmal ist, in den wenigen Zeilen, die unser strenges Layout vorsieht, auch wirklich alles zu sagen – oder zumindest so viel, dass man den Inhalt auf Anhieb erkennt. Weiterlesen

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Sergej Rachmaninows 3. Klavierkonzert – Außergewöhnliche Werke erfordern außergewöhnliche Lösungen

Erstausgabe A. Gutheil, Reprint

Wohl zu keinem anderen Werk haben wir in den letzten Jahren so viele Nachfragen von Musikern, Kunden und Händlern erhalten, wann denn endlich die Henle-Ausgabe dazu erscheinen werde… Die Rede ist natürlich von einem der größten „Schlachtrösser“ der Klaviergeschichte, dem 3. Klavierkonzert d-moll op. 30 von Sergej Rachmaninow.

Die Edition des monumentalen Konzerts mit 1162 Takten hat etwas Zeit in Anspruch genommen, aber seit August 2023 ist unsere Urtext-Ausgabe des Klavierauszugs (HN 1452) nun auf dem Markt – Zeit für einen kleinen Rundgang durch ihre außergewöhnlichen Eigenschaften! Weiterlesen

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Zur „zweiten Naivität“ Mozarts (Alfred Einstein)

Alfred Einstein
*1880 München – †1952 El Cerrito
© Smith College Archives

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich Alfred Einsteins Mozart-Biographie[i] zum ersten Mal gelesen habe. Höchstwahrscheinlich während meiner ersten Semester am Münchener Musikwissenschaftlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität, in denselben Räumen also, in denen Alfred Einstein ca. 80 Jahre vor mir dort ebenfalls Musikwissenschaft studiert hatte. Ende der 1930er-Jahre musste er als Jude mit seiner Familie aus München fliehen und emigrieren. Im Internet fand ich eine bewegende biografische Erinnerung von Einsteins Tochter Eva. Ihr, sowie Einsteins Ehefrau Hertha und seiner Schwester Bertha ist die Mozart-Biografie gewidmet: „Meinen ‚Drei Damen‘“ heißt es mozärtlich im Frontispiz. Weiterlesen

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Schönbergs „Verklärte Nacht“ in einer Urtext-Ausgabe der besonderen Art

Der 150. Geburtstag Arnold Schönbergs wird bei Henle gebührend gefeiert: pünktlich zu Jahresbeginn ist mit der Verklärten Nacht für Streichsextett (HN 1565) eines seiner populärsten Werke endlich auch im blauen Urtext-Umschlag erschienen. Unterstützt hat mich bei diesem Editionsprojekt einer der Schönberg-Spezialisten schlechthin: der Bratschist des ehemaligen Schönberg-Quartetts Henk Guittart, der auch als Dirigent viele Aufführungen von Verklärte Nacht geleitet hat. Noch bevor ich mit der Edition begonnen hatte, präsentierte er mir bereits lange Listen mit Fragen und Korrekturen zur Partitur, die aus seiner jahrzehntelangen Vertrautheit mit dem Werk resultierten. Im vergangenen Jahr haben wir dann unzählige Emails ausgetauscht mit Überlegungen zur Quellenlage im Allgemeinen und zu vielen Details der Partitur – denn genau in diesem Spannungsfeld zwischen Quellentreue und Praktikabilität galt es, einen Notentext zu konstituieren, der Urtext-Kriterien erfüllt, aber den Interpreten auch eine optimale Grundlage zum Musizieren an die Hand gibt. Warum das gar nicht so einfach war, haben wir im folgenden Interview noch einmal Revue passieren lassen. Weiterlesen

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Elgars Streicherserenade: Frühlingssonnenschein im Henle-Urtext-Gewand. Interview mit Rupert Marshall-Luck

Der Beginn des Jahres 2024 ist ein besonderer Moment für den G. Henle Verlag, denn wir haben soeben ein neues Programmsegment in unseren Katalog aufgenommen: Musik für Kammerorchester. Aus verschiedenen Kontexten, teils über unsere Gesamtausgaben, teils Werke betreffend, die sowohl kammermusikalisch also auch „chorisch“ musiziert werden können (etwa Mozarts „Kleine Nachtmusik“), hatten wir zwar auch schon zuvor Orchesterwerke und teils sogar Aufführungsmaterial im Programm. Weiterlesen

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Warten kann sich lohnen – Zu Maurice Ravels Klavierkonzert in G-dur

Maurice Ravel (1875–1937)

Von Anfang an stand der Klavierauszug von Ravels G-dur-Klavierkonzert auf der Wunschliste des Henle-Verlags, als es mit Blick auf 2008 darum ging, einen Plan für neue Urtext-Editionen von Ravels Klavier- und Kammermusikwerken zu entwerfen. Warum 2008? Ab dem 1. Januar 2008 – 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten – fiel in den meisten Ländern der Urheberrechtsschutz weg. Allerdings blieb dieser Schutz ausgerechnet in Frankreich weiterhin bestehen, da dort für den Ersten Weltkrieg eine Verlängerung von 6 Jahren und 152 Tagen und für den Zweiten Weltkrieg eine weitere von 8 Jahren und 120 Tagen veranschlagt werden. Damit würden Werke Ravels, die nach dem 31. Dezember 1920 erschienen waren, erst am 1. Mai 2016, und solche, die davor veröffentlicht worden waren, erst am 29. September 2022 frei werden. Weiterlesen

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Weihnachts-Blog

Anders als Johann Sebastian Bach, dessen Weihnachtsoratorium und zahlreiche Adventskantaten im Dezember nicht mehr wegzudenken sind, ist Joseph Haydn nun nicht gerade als Weihnachtskomponist bekannt. Dennoch: Die in unserem Verlag erschienene Joseph-Haydn-Gesamtausgabe hat in Reihe XXII, Band 2/1 (HN 5541), eine Reihe von kleinen Vokalwerken veröffentlicht, die Haydn für die Frühmessen der Esterhazys der Adventszeit in den Jahren 1765–69 und 1773–76 komponierte. Die Cantilena pro adventu D-dur Hob. XXIIId:3 entstand vermutlich 1768. Weiterlesen

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„Alle Jahre wieder“ – die nächste Auflage als neue Chance

Zwar nicht jährlich wie das Christkind, aber doch alle paar Jahre wieder kommt jede Henle-Urtext-Ausgabe auf den Tisch der Lektorinnen und Lektoren des Verlags: Wenn nämlich die aktuelle Auflage abverkauft ist und wir eine neue planen müssen. Bei dieser Gelegenheit schauen wir die Urtextausgabe sorgfältig durch, lassen eventuell bekannt gewordene Satzfehler korrigieren (ja, selbst bei Henle gibt es Fehler – aber nicht lange!) und bringen womöglich auch im Layout noch die ein oder andere Verbesserung an. Vor allem aber haben wir die Chance, auf jene kritischen Nachfragen zu reagieren, die uns gerade bei Repertoire-Klassikern immer wieder von unseren Kundinnen und Kunden übermittelt werden – was mir spannend genug erscheint, um darüber hier am Beispiel von Schuberts Streichquintett D 956 (HN 9812) zu berichten. Weiterlesen

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„Frei aber einsam“ – eine außergewöhnliche Sonate und ihre Neuedition

Unsere im heutigen Blogbeitrag vorgestellte neue Urtextausgabe HN 1572 ist in vieler Hinsicht etwas ganz Besonderes. Das fängt gleich mit dem Titel an: Noch nie gab es eine Henle-Partitur, auf deren Cover gleich drei Komponistennamen stehen – Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms. Doch man soll ein Buch bekanntlich nicht nach dem Umschlag beurteilen, und so wollen wir uns intensiv dem Inhalt widmen und die Entstehung dieser ungewöhnlichen Gemeinschaftskomposition, der F.A.E.-Sonate für Violine und Klavier, etwas genauer beleuchten.

Hierfür könnten wir keinen besseren Experten finden als den Herausgeber dieser Neu­edition, Dr. Michael Struck, bis 2018 hauptamtlicher und seither ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Johannes Brahms Gesamtausgabe Kiel, zudem auch exzellenter Kenner des Oeuvres von Robert Schumann. Mit ihm habe ich das folgende Interview geführt. Weiterlesen

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Ein schwerer Fall: Chopins h-moll-Sonate op. 58 im Urtext

Frédéric Chopin (1810–1849)

Die letzte Klaviersonate op. 58 von Frédéric Chopin ist voller beglückender musikalischer Momente. Strenge Musik-Analysten bemängeln bisweilen ihre etwas wuchernde Form, aber für mich persönlich ist die h-moll-Sonate ganz große Klaviermusik. Leider auch sehr schwere Klaviermusik: Die technischen Anforderungen sind immens, und als Hobbypianist kommt man hier schnell an seine Grenzen (deswegen hier eine Aufnahme von Dinu Lipatti). Schwer ist die Sonate aber auch aus editorischer Perspektive, und diese Einsicht traf mich als Herausgeber der neuen Urtext-Ausgabe (HN 871) etwas unerwartet. Weiterlesen

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