Alexander Skrjabin (1872–1915) zum 150. Geburtstag, Teil I

Alexander Skrjabin (1872–1915)

Ich gebe zu, während ich die Überschrift zu diesem Blogbeitrag getippt habe, musste ich kurz nachschauen und mich vergewissern: Skrjabin wird erst 150 Jahre alt? Aber es stimmt. Der russische Pianist und Komponist ist somit nur 2 Jahre älter als z.B. Arnold Schönberg. Obwohl mir völlig klar ist, dass Skrjabins spätere Kompositionen die Grenzen der Tonalität sprengen, hätte ich ihn gefühlsmäßig viel weiter zurück ins 19. Jahrhundert datiert als den Begründer der 12-Ton-Methode. Aber hier soll es nicht um einen Vergleich gehen. Die Verwunderung über das späte Geburtsdatum dient mir nun jedoch als guter Ausgangspunkt, die bisher im G. Henle Verlag erschienenen Skrjabin-Editionen und den Stilwandel in der Musik des russischen Komponisten kurz an mir vorüberziehen zu lassen. Skrjabin – ein Romantiker oder doch ein „Moderner“? Weiterlesen

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Allerneueste Erkenntnisse zu Mozarts Klaviersonate A-dur KV 331

W. A. Mozart (1756–1791)

„Aller guten Dinge sind drei“ – diese Redewendung fiel mir ein, als ich mich an folgenden Text setzte. Denn zu Mozarts berühmter „Alla Turca“-Klaviersonate in A-dur habe ich hier im Henle-Blog schon zweimal geschrieben: Nummer 1 behandelte den sensationellen Budapester Fund des Mozartschen Teilautographs der Sonate und die editorischen Konsequenzen daraus. Diese führten schlussendlich zu unserer revidierten Neuausgabe. Nummer 2 entwirrte erstmals die bis dahin falsch interpretierten Wiederholungsanweisungen auf Mozarts autographer letzter Seite des „Rondo Alla Turca“. Und nun Nummer 3: In der Zwischenzeit ist doch tatsächlich eine bislang völlig unbekannte Kopistenabschrift der Sonate aus Mozarts Zeit (!) aufgetaucht. Weiterlesen

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Ein Konzert für den „Posaunengott“ – Ferdinand Davids Concertino op. 4 endlich im Henle-Urtext

Ferdinand David (1810–1873). Lithographie von J. G. Weinhold, Leipzig 1846

Die Posaune ist ein Instrument mit einer altehrwürdigen, aber auch wechselvollen Geschichte. Nach ihrer ersten großen Blütezeit in Renaissance und Frühbarock führte sie im späten 17. und im 18. Jahrhundert lange ein Nischendasein, und erst Beethoven verdanken wir ihre „Wiedereingliederung“ ins Symphonieorchester, aus dem sie seither nicht mehr wegzudenken ist (vgl. unseren Blogbeitrag zum Beethoven-Jahr 2020). Als veritables Soloinstrument kam die Posaune aber erst im 20. Jahrhundert richtig zur Geltung – vor allem im Jazz wurden ihre vielfältigen Klangfarben und Spieltechniken geschätzt (hier eine kleine Kostprobe des legendären J. J. Johnson).

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Weihnachts-Blog

Leider hat die Corona-Pandemie immer noch weite Teile der Welt im Griff, und so wird die Advents- und Weihnachtszeit erneut durch viele abgesagte Konzerte getrübt. Wir drücken fest die Daumen, dass es insbesondere für diejenigen, die in Kunst und Kultur tätig sind, ab Frühjahr 2022 wieder aufwärts gehen wird. Weiterlesen

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Schumanns Metronomangaben in seinen „Kinderszenen“. Chance, nicht Ärgernis.

„Tempo ist nicht zu definieren. Tempo hat keine eigene Existenz, es
kann also weder falsch noch richtig sein.
Was die Welt überhaupt noch nicht verstanden hat: Tempo hat nichts mit Geschwindigkeit zu tun […]. Es gibt nicht ein einziges Tempo, das Sie von Berlin nach London mitnehmen können […] Metronomangabe ,92’. Was ist 92? […] Eine Idiotie! Denn jeder Saal, jedes Stück, jeder Satz hat ein eigenes, absolutes Tempo, was diese Situation – nicht eine andere – wiedergibt.“

(aus: Stenographische Umarmung. Sergiu Celibidache beim Wort genommen, Con Brio Verlag 2002).

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Eine Urtextausgabe von Elgars Violin-Chansons: Was tut ein Herausgeber, wenn es nichts zu edieren gibt?

Die Frage im Titel meines heutigen Blogs ist bewusst paradox und provozierend gestellt. Irgendetwas muss ja ediert worden sein, sonst gäbe es nicht diese wunderbare neue Urtextausgabe im Katalog des G. Henle Verlags. Aber tatsächlich haben wir es bei dieser Edition mit einem philologischen Sonderfall zu tun, der auf den ersten Blick unproblematisch, ja fast möchte ich sagen: erleichternd wirkt – sich bei näherer Beschäftigung allerdings als ziemlich unbequem entpuppt. Weiterlesen

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Raffinement oder Versehen? Zu zwei Stellen in Faurés 1. Klavierquartett op. 15

Gabriel Fauré (1845–1924)

Fauré ist für das Raffinement seiner Tonsprache bekannt: Die tragenden Parameter Melodik, Rhythmik und Harmonik erscheinen in seinen Kompositionen extrem nuanciert, im Gegenzug werden grelle Effekte vermieden und Kontraste zu vielfältigen Schattierungen abgestuft. Gerade bei der Harmonik, die zwischen Diatonik, Chromatik und modalen Anklängen changiert, führt dies oft zu subtilen Verfremdungen bis hin zu Ambivalenzen. Weiterlesen

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Übermaß und blanke Leere: Textvarianten in Dvořáks Cellokonzert op. 104

Antonín Dvořák (1841–1904)

Antonín Dvořáks Cellokonzert op. 104 mag für Cellisten schon eine besondere Herausforderung sein, für Herausgeber einer Urtext-Ausgabe ist es dank seiner vielen Textvarianten ein wahrer Alptraum. Nicht genug, dass es  – wie so oft bei Dvořák – zwischen autographer Partitur und Erstausgabe zahlreiche Differenzen gibt, die sich nur schwer klären lassen. Nein, auch innerhalb der einzelnen Quellen finden sich gerade im Solopart immer wieder Abweichungen und Unklarheiten, sei es durch vielfache Überschreibungen im Autograph oder kleine Dynamik- und Artikulationsvarianten zwischen der gedruckten Einzelstimme und ihrer Wiedergabe in Partitur oder Klavierauszug. Sehr hilfreich wäre da ja die von Dvořák selbst im Herbst 1895 ausgeschriebene Stichvorlage der Erstausgabe – die aber leider verschollen ist. Dafür tauchte vor einigen Jahren in New York eine Abschrift der Solostimme auf, die offenbar aus Dvořáks direktem Umfeld stammt und an einigen Stellen durch genau abgezählte „Blanko-Takte“ überrascht … Weiterlesen

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Dvořáks „Gran Partita“? Zum mutmaßlichen Vorbild der Bläserserenade d-moll op. 44

Bereits in meinem letzten Blogbeitrag berichtete ich von unserer jüngst erschienenen Neuausgabe der Bläserserenade op. 44 von Antonín Dvořák (HN 1234) und stellte vor allem einige Details der Besetzung in den Mittelpunkt, zu denen die autographen Quellen und zeitgenössischen Konzertberichte interessante Aufschlüsse geben. Doch wieso entschied sich Dvořák überhaupt für ein so ungewöhnliches Ensemble von 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten plus Kontrafagott, 3(!) Hörnern sowie Cello und Kontrabass? Denn im Entstehungsjahr 1878 war die Blütezeit der großbesetzten Harmoniemusiken längst Vergangenheit, und auch wenn insbesondere Böhmen mit Komponisten wie Krommer, Mysliveček, Vanhal, Družecký, Neubauer, Fiala, Dušek u.v.m. zahllose Beiträge zu diesem Repertoire geliefert hatte, ist es unwahrscheinlich, dass Dvořák diese Werke kannte und je gehört hatte. Weiterlesen

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Ignaz Pleyel – kein Neuling im Henle-Katalog

Es gehört zu den wundersamen Wendungen der Musikgeschichte, dass der um die Wende zum 19. Jahrhundert so überaus berühmte und populäre Komponist Ignaz Pleyel heute auf den Konzertbühnen der Welt nicht mehr zuhause ist – seine Musik gehört praktisch nicht mehr zum Repertoire. Dagegen hören wir sie doch gelegentlich im Stadtzentrum dargeboten von Straßenmusikern, denn sie wirkt heute vor allem gefällig, manchmal auch spritzig, und füllt damit wie damals den Geldbeutel. Grund genug, sich mit Pleyel in unserer Urtext-Reihe „Leichte Spielmusik“ intensiver zu beschäftigen. Weiterlesen

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