Wir packen unseren Koffer und nehmen mit: natürlich unsere Urtextausgaben. Und wohin nehmen Sie Ihre Noten mit?
Unser Blog macht eine kleine Sommerpause. Freuen Sie sich auf den nächsten Beitrag am 31. August 2015!
G. Henle Verlag
Wir packen unseren Koffer und nehmen mit: natürlich unsere Urtextausgaben. Und wohin nehmen Sie Ihre Noten mit?
Unser Blog macht eine kleine Sommerpause. Freuen Sie sich auf den nächsten Beitrag am 31. August 2015!
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Musik für Klavier zu vier Händen bringen wir heutzutage unwillkürlich mit dem 19. Jahrhundert in Verbindung. Es handelt sich um die Hausmusik-Gattung schlechthin. Klavierspielen konnten in der biedermeierlichen Welt viele, und zu vier Händen lässt sich mit wenig Aufwand – will sagen mit bescheidenem technischen Können – doch recht klangvoll musizieren. Gerade im Klavierunterricht wird daher das Vierhändigspiel noch immer gern und viel praktiziert. Meist spielt der Lehrer den Secondo-Part (und sorgt damit für eine orchestrale Grundierung), während der Schüler den leichter zu bewältigenden, Melodie tragenden Primo-Part beisteuert (man denke nur an die Werke des unvermeidlichen Anton Diabelli). Erfolgserlebnis garantiert! Und damit das Ganze noch besser klingt, tritt der Lehrer beim Musizieren das rechte Pedal. Weiterlesen
Eine Szene aus dem Musikunterricht, an die wir uns alle höchst ungern erinnern: Eine bestimmte Stelle misslingt uns immer wieder, und der Lehrer ruft, bereits der Verzweiflung nahe: „Einfach so spielen, wie es in den Noten steht!“
Klingt einfach und selbstverständlich. Wenn es trotzdem nicht klappt, muss es ja wohl an den Fingern liegen, nicht an den Noten. Insbesondere wenn man aus einer Urtext-Ausgabe spielt, aus einer Edition, deren Noten ja kritisch geprüft wurden und daher in Ordnung sein müssen.
Aber ist dies tatsächlich immer der Fall? Kann es nicht doch auch an den Noten liegen, wenn sich Spielprobleme ergeben? Weiterlesen
Zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kompositionen Edvard Griegs gehören zweifellos seine Lyrischen Stücke für Klavier, die er zwischen 1867 und 1901 in zehn Einzelheften veröffentlichte und schließlich 1902 in einem Gesamtband zusammenfasste. Doch obwohl die Ausgaben schon zu seinen Lebzeiten zehntausendfach nachgedruckt wurden, sind manche Fehler und Merkwürdigkeiten bis heute unverändert stehen geblieben…
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Haben Sie sich auch schon manchmal im Konzert gewundert, mit was für merkwürdigen Notengebilden die Musiker die Bühne betreten? So mancher Pianist stellt große Pappen aufs Pult, auf denen vollständige Sätze einer Bach’schen Suite in verkleinerten Kopien zusammengeklebt sind. Auch bei Quartettabenden hängen gerne rechts und links vom Notenständer angeklebte Kopien herunter – ganz zu schweigen von Lieder-Recitals, bei denen sich auf dem Flügel ganze Berge von selbst angefertigten Faltblättern sammeln. Der Grund dafür liegt natürlich auf der Hand: Man kann oder will nicht dort blättern, wo die Notenseite endet. Aber als Lektorin für praktische Urtext-Ausgaben frage ich mich dann schon: Geht das nicht auch anders? Weiterlesen
Vermutlich kennen Sie Mozarts A-dur-Klaviersonate KV 331 (mit dem „alla turca“-Rondo). Eine der bekanntesten Sonaten des gesamten Klavierrepertoires, wenn nicht gar die bekannteste. Und doch ist es die bittere Wahrheit, dass wir alle diese berühmte Sonate bis heute falsch spielen, jedenfalls nicht so, wie es Mozart wollte. Warum? Bis heute gibt es keine einzige fehlerfreie Notenausgabe dieses berühmten Stücks. Das 19. Jahrhundert hatte die Sonate fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt; Urtextausgaben des 20. Jahrhunderts (auch unsere bisherige) mussten im Wesentlichen die Erstausgabe („Opus 6“ im Verlag Artaria, Wien 1784) als beste verfügbare Textgrundlage heranziehen, weil Mozarts Autograph (bis auf die Schlussseite des „alla turca“) verloren war. Weiterlesen
Ein Thema, das Pianisten seit dem 19. Jahrhundert diskutieren: Darf man in Beethovens Klaviersonaten (und natürlich auch anderswo) an einigen Stellen in der linken Hand den Notentext ändern und den Tonumfang nach unten erweitern? Denn Tasten für die tiefen Töne E1 bis C1 standen zwar auf englischen Klavieren zum Teil schon seit ca. 1800 zur Verfügung, deren „Einsatz“ in Beethovens Klaviersonaten erfolgte jedoch erst deutlich später. Bis zur Klaviersonate op. 101, die zwischen 1815 und Anfang 1817 entstand, beachtete Beethoven die Begrenzung des Tonumfangs nach unten bis F1 genau – seine Musik sollte schließlich auf einem „gewöhnlichen“ Klavier spielbar sein. Weiterlesen
Das Thema „Verzierungen“ in der Musik ist wahrlich uferlos. Wir haben es mit einem Phänomen zu tun, das sich an der Grenze zwischen Notation und Aufführung abspielt. Verzierungen sind im wahrsten Sinn des Wortes eine „Zierde“, die der Ausführende dem aufgeschriebenen oder gedruckten Notentext beigibt. Verzierungen oder Ornamente wurden in der älteren Musik daher meist erst gar nicht notiert. Die Aufführungstradition lehrte den Interpreten, an welchen Stellen er welche Auszierungen anbringen konnte. Eindrucksvoll zeigt etwa die Flötistin Rachel Brown in unserer Ausgabe der 12 Fantasien von Georg Philipp Telemann (HN 556), was man mit dem Notentext machen kann, ja muss, um ihn stilgerecht aufzuführen. Verzierung hat also im Kern immer mit Improvisation zu tun. Weiterlesen
In meinem letzten Blogbeitrag berichtete ich von meiner aktuellen, spannenden Editionsarbeit an den Streichquartetten Mozarts. Es ging um eine kleine, aber doch hörbare Richtigstellung eines „mfp“ im Cellosolo des langsamen Satzes des zweiten „Preußischen“ Streichquartetts KV 589. Alle Ausgaben geben diese Stelle meines Erachtens falsch wieder. Mein heutiger kurzer Beitrag stellt eine Steigerung dazu dar: Es geht um den Beginn der Durchführung des Kopfsatzes aus dem sogenannten „Hoffmeister“-Quartett KV 499. Diese Stelle macht noch viel krasser klar, warum Mozarts Streichquartette bis heute nicht in der bestmöglichen Notenausgabe vorliegen. Weiterlesen