Wenn als Idealziel einer kritischen Urtext-Ausgabe gelten darf, herauszufinden und darzustellen, was das vom Komponisten „eigentlich Gemeinte“ ist, so besteht die grundlegende Aufgabe vor allem darin, alle relevanten Quellen zu dem Werk heranzuziehen, zu vergleichen und ihre Unterschiede zu bewerten.
Doch dies allein genügt in der Regel nicht. Denn nicht selten kommt es vor, dass sich der Komponist in seinem Autograph verschreibt oder versehentlich ein Zeichen vergisst (typischerweise sind es Vorzeichen), und alle folgenden Quellen wie Abschriften und Erstdrucke dann dieses Versehen blind übernehmen. Durch bloßes Vergleichen der Quellen untereinander lassen sich solche durchgehenden Fehler nicht herausfinden.
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