Schuberts „Ständchen“ auf dem Weg durch Europa

Ju­bi­lä­en gro­ßer Kom­po­nis­ten wer­fen lange Schat­ten vor­aus. Das gilt nicht nur für die Ton­trä­ger­in­dus­trie, wenn sich man­che En­sem­bles über Jahr­zehn­te be­mü­hen, um zu einem Haydn- oder Bach-Ju­bi­lä­um die ge­sam­ten Sin­fo­ni­en oder Kan­ta­ten per­fekt auf Ton­trä­ger zu ban­nen, son­dern auch für Mu­sik­ver­la­ge. So ist es kein Zu­fall, dass wir zum jüngst in die­sem Blog ge­wür­dig­ten Ra­vel-Jahr 2025 un­se­ren Ka­ta­log des fran­zö­si­schen Ju­bi­lars weit­ge­hend ver­voll­stän­digt haben oder pünkt­lich 2020 zu Beet­ho­vens 250. Ge­burts­tag sämt­li­che sei­ner Sin­fo­ni­en im Hen­le-Ur­text vor­la­gen. Aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Und so be­schäf­tigt uns auch das erst lang­sam am Ho­ri­zont auf­schei­nen­de Schu­bert-Jahr 2028 durch­aus schon län­ger. Wei­ter­le­sen

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„Das Werk ist letztlich recht umfangreich geworden“ – zu Sergej Prokofjews 2. Violinsonate op. 94a

Im letz­ten Jahr hat der Hen­le-Ka­ta­log mit Ser­gej Pro­kof­jew einen hoch­will­kom­me­nen Zu­wachs er­fah­ren, und die Zahl un­se­rer Aus­ga­ben sei­ner Werke wächst seit­her kon­ti­nu­ier­lich (siehe hier). Die jüngs­te Neu­er­schei­nung wird si­cher die Her­zen aller Gei­ge­rin­nen und Gei­ger höher schla­gen las­sen: Die 2. Vio­lin­so­na­te D-dur op. 94a, fes­ter Be­stand­teil des Vio­lin­re­per­toires, liegt nun erst­mals in einer ver­läss­li­chen Ur­text-Aus­ga­be vor (HN 1624).
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„Von Natur aus künstlich“ – Maurice Ravel zum 150. Geburtstag

Mau­rice Ravel (1875–1937)

Wie das ver­gan­ge­ne Jahr wird auch 2025 reich an Kom­po­nis­ten-Ge­denk­ta­gen sein. Der Bogen reicht von Gio­van­ni Pier­lu­i­gi da Pa­le­stri­na (500. Ge­burts­tag) über Ge­or­ges Bizet (150. To­des­tag) oder Erik Satie (100. To­des­tag) bis zu Pier­re Bou­lez (100. Ge­burts­tag), um nur ei­ni­ge der Ju­bi­la­re zu nen­nen. Im Mit­tel­punkt wird aber zwei­fel­los der runde Ge­burts­tag von Mau­rice Ravel ste­hen, der am 7. März 1875 in Ci­bou­re im fran­zö­si­schen Teil des Bas­ken­lan­des als Sohn einer spa­nisch-bas­ki­schen Mut­ter und eines Schwei­zer In­ge­nieurs mit fran­zö­si­schen Wur­zeln zur Welt kam. Be­reits drei Mo­na­te spä­ter zog die Fa­mi­lie nach Paris. Ravel ver­lor aber zeit­le­bens nicht die Bin­dung ans Bas­ken­land, wo er in Saint-Jean-de-Luz, einem Nach­bar­ort von Ci­bou­re, häu­fig die Som­mer­mo­na­te ver­brach­te. Wei­ter­le­sen

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Weihnachts-Blog

Vor genau einem Jahr, als Weih­nach­ten 2023 vor der Tür stand, stand ich (An­dre­as Pern­peint­ner) zu­gleich vor der Ent­schei­dung, ob ich als Lek­tor zum Hen­le-Ver­lag wechs­le oder nicht. Bei­des trat ein, Henle und Weih­nach­ten. Ob denn der mu­si­ka­li­sche Lek­to­ren­be­ruf durch KI nicht bald über­flüs­sig werde, wurde ich da­mals aus mei­nem Um­feld ge­fragt. Wis­sen kann man das nicht, aber das Ge­fühl, als­bald vir­tu­ell er­setz­bar zu sein, will sich bis­lang nicht ein­stel­len. Dabei wäre es na­tür­lich un­sin­nig, sich KI zu ver­wei­gern. On­line-Über­set­zer sind eine se­gens­rei­che Un­ter­stüt­zung. Di­gi­ta­ler No­ten­satz ohne in­tel­li­gen­te Scan-Er­ken­nungs­soft­ware wäre ein zeit­rau­ben­des Ge­schäft. ChatGPT kann bei Re­cher­che­fra­gen hel­fen (Vor­sicht beim an­schlie­ßen­den Fak­ten­check) – oder bei der Vor­be­rei­tung der Hen­le-Weih­nachts­fei­er. Dort er­klingt tra­di­ti­ons­ge­mäß der Hen­li­den-Chor. Das ist kein vo­ka­les Schwes­ter­werk der He­bri­den-Ou­ver­tü­re, son­dern die Summe sin­gen­der Ver­lags­mit­ar­bei­ter*innen. Eine der lus­tigs­ten Spiel­ar­ten von ChatGPT ist es, nach be­stimm­ten in­halt­li­chen und sti­lis­ti­schen Vor­ga­ben Li­te­ra­ri­sches her­vor­zu­brin­gen. So ge­langt man schnell zu einem mög­li­chen Hen­le-Weih­nachts­fei­er­hit 2024: Wei­ter­le­sen

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Zum Einstieg eine wundervolle kleine Teufelei

Links Mau­rice Ravel am Pa­ri­ser Con­ser­va­toire 1895

Kommt man neu in ein Un­ter­neh­men, ist es sehr an­ge­nehm, wenn einem die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen lie­be­voll das Ter­rain be­rei­ten. Die Idee, mir bei mei­nem Ein­stieg in den G. Henle Ver­lag als erste Edi­ti­on die über­schau­ba­re Sérénade gro­tes­que von Mau­rice Ravel (1875–1937) auf den Tisch zu legen, zeug­te somit von gro­ßer Zu­wen­dung – und dien­te al­len­falls se­kun­där dazu, mir ein biss­chen auf die Fin­ger zu schau­en, wie ich mit die­sem Stück in re­la­ti­ver kur­zer Zeit sämt­li­che Ar­beits­schrit­te, die zu einer Ur­text­edi­ti­on ge­hö­ren, durch­lau­fe. Was nie­mand ahnte: Das Stück er­wies sich bald als klei­ne Teu­fe­lei, deren Be­wäl­ti­gung den kom­plet­ten edi­to­ri­schen Werk­zeug­kas­ten er­for­dert. Ob­wohl sich der Quel­len­ver­gleich weit­ge­hend auf das Au­to­graph und die pos­tu­me Erst­aus­ga­be be­schrän­ken kann, quillt er über vor Un­ter­schie­den der bei­den No­ten­tex­te, die es in den Griff zu be­kom­men gilt. Wei­ter­le­sen

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„Le Maître des Charmes“ – Zu Gabriel Faurés 100. Todestag

Ga­bri­el Fauré (1845–1924)

Wel­che Kom­po­si­tio­nen ver­bin­det man mit Ga­bri­el Fauré? Si­cher das Re­qui­em und ver­mut­lich die Pa­va­ne sowie die Or­ches­ter­sui­ten Pelléas et Méli­san­de und Mas­ques et Ber­g­a­mas­ques, auch ei­ni­ge Kam­mer­mu­sik­wer­ke wie die erste Vio­lin­so­na­te A-dur op. 13, die Ber­ceu­se op. 16, die Élégie op. 24 oder die Si­ci­li­en­ne op. 78 – aber dar­über hin­aus? Es ist nicht über­trie­ben, von Fauré im Hin­blick auf sein Ge­samt­schaf­fen mit im­mer­hin rund 200 Wer­ken als einem weit­ge­hend un­be­kann­ten Kom­po­nis­ten zu spre­chen, auch wenn jedem Klas­sik-Fan sein Name ge­läu­fig sein dürf­te. Er ge­hört zu jener Grup­pe von Au­to­ren, die pos­tum immer stär­ker in den Schat­ten von Zeit­ge­nos­sen ge­rie­ten. Die neue fran­zö­si­sche Musik der ers­ten bei­den Jahr­zehn­te des 20. Jahr­hun­derts ist so fest mit den Namen Clau­de De­bus­sy und Mau­rice Ravel ver­bun­den, dass da­durch der Blick auf einen der Weg­be­rei­ter die­ser neuen Musik – und das war Fauré zwei­fel­los – bis heute ver­stellt wird. Wei­ter­le­sen

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Zäh halten sich die Fehler der Alten. Zum Solo-Einstieg der Geige in Mozarts Violinkonzert in D-dur KV 218

Mo­zart, Vio­lin­kon­zert D-dur, KV 218,
hrgs. v. Fer­di­nand David 1865,
A-Sm Rara 218/5

Man könn­te als Ur­text-Her­aus­ge­ber manch­mal ver­zwei­feln: Da bie­tet man der Mu­sik­welt einen ge­si­cher­ten No­ten­text, aber die­je­ni­gen, denen un­se­re ganze Ar­beit gilt, igno­rie­ren die neuen Er­kennt­nis­se für ihr Spiel und für ihren Un­ter­richt.

Ein Bei­spiel ge­fäl­lig? Neu­lich hörte ich einen jun­gen, sehr be­gab­ten ko­rea­ni­schen Gei­ger das D-dur-Kon­zert KV 218 (HN 680) von Mo­zart spie­len. Ab­ge­se­hen davon, dass er auf den zu­min­dest in der his­to­risch-in­for­mier­ten Auf­füh­rungs­pra­xis als „com­mon sense“ gel­ten­den Stan­dard, als Pri­ma­ri­us die Tut­ti­pas­sa­gen mit­zu­spie­len und das Or­ches­ter zu lei­ten, lei­der ver­zich­te­te, hör­ten wir im De­tail all jene klei­nen No­ten­feh­ler und sub­jek­ti­ven Be­ar­bei­tungs­er­gän­zun­gen, die letzt­lich auf Fer­di­nand Da­vids Erst­aus­ga­be von 1865 zu­rück­ge­hen. Wei­ter­le­sen

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Arnold Schönberg zum 150. Geburtstag – die Wahrheit in der Musik (und in der Edition)

Die­ses Zitat Ar­nold Schön­bergs bringt für mich die Hal­tung des Kom­po­nis­ten zur Musik zum Aus­druck – nicht nur zu sei­ner ei­ge­nen, son­dern zu Musik über­haupt. Die Ernst­haf­tig­keit, mit der Schön­berg nach Wahr­heit in der Musik streb­te, sucht ih­res­glei­chen. Dass diese Hal­tung auch eine ge­wis­se Kom­pro­miss­lo­sig­keit be­deu­te­te, davon wird wei­ter unten noch die Rede sein…

In we­ni­gen Tagen fei­ert die Welt Ar­nold Schön­bergs 150. Ge­burts­tag – der G. Henle Ver­lag fei­ert na­tür­lich mit! An­lass genug, ein­mal in­ne­zu­hal­ten und die Be­deu­tung Schön­bergs für un­se­ren Ka­ta­log zu be­leuch­ten. Wei­ter­le­sen

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Wenn wir den Zufall nicht hätten … Zur Wiederentdeckung einer Prokofjew-Quelle

An­hän­ger von so­ge­nann­ten „True Crime“-For­ma­ten, also von Be­rich­ten über wahre Kri­mi­nal­fäl­le, wis­sen nur allzu gut, wel­che große Rolle der Zu­fall bei der Auf­klä­rung von Ver­bre­chen spielt. Da wer­den wo­chen- oder mo­na­te­lang Hin­wei­se ver­folgt, die ins Nichts füh­ren – dann aber zeigt sich eine Quer­ver­bin­dung, die zur hei­ßen Spur wird. Oder bei einer er­neu­ten Zeu­gen­be­fra­gung kommt ein bis­lang nicht be­kann­tes oder nicht be­ach­te­tes De­tail zum Vor­schein, das den Tat­her­gang in einem neuen Licht zeigt. Je­den­falls ist häu­fig vom „Kom­mis­sar Zu­fall“ die Rede, wenn es um den Durch­bruch zur Auf­klä­rung eines Kri­mi­nal­fal­les geht. Zwar ist die Quel­len­re­cher­che des Hen­le-Lek­to­ren-Teams nicht mit den Er­mitt­lun­gen von Kri­mi­nal­be­am­ten zu ver­glei­chen, aber Be­rüh­rungs­punk­te er­ge­ben sich in­so­fern, als manch­mal de­tek­ti­vi­sches Ge­spür zu der ent­schei­den­den Nach­fra­ge be­nö­tigt wird. Oder eben – und davon soll im Fol­gen­den die Rede sein – Kom­mis­sar Zu­fall zum Ein­satz kommt. Wei­ter­le­sen

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Sommerpause

Der Som­mer ist da und un­se­re Kom­po­nis­ten brau­chen mal eine kurze Pause!

Hier er­holt sich zum Bei­spiel Ser­gej Rach­ma­ni­now von sei­nem an­stren­gen­den Ju­bi­lä­ums­jahr 2023 bei einer Boots­tour auf dem Vier­wald­stät­ter­see, zu­sam­men mit sei­nen Töch­tern Tat­ja­na und Irina. Wei­ter­le­sen

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